Test Funktionswäsche 2012: Wie eine zweite Haut - Funktionshemden

Fünf Funktionsshirts im Kurz-Check


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outdoor hat aktuelle Funktionsshirts getestet: Topmodelle tragen sich angenehm, kühlen bei Hitze und halten Gerüche zurück. Fünf Sommershirts im Kurz-Check.
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Kaum ist es Sommer, sieht man sie wieder: Wanderer in Billighemden vom Kaffeeröster oder die nassgeschwitzt am Körper klebenden Baumwollshirts. Dabei sollte es sich längst herumgesprochen haben, dass ein leistungsfähiges Funktionshemd das Wohlbefinden auf Tour deutlich zu steigern vermag. Erst recht im Sommer, wo bereits kaum erkennbare Steigungen den Schweiß in Strömen fließen lassen.

Funktionsshirts unterstützen den Körper in seinen Bemühungen, die heiß laufenden Muskeln zu kühlen. Guten Kunstfaser-Funktionsshirts gelingt das am besten. Sie lassen der Haut einen feinen, kühlenden Schweißfilm und leiten nur überschüssige Feuchtigkeit nach außen ab, wo sie verdunstet. Körpernah sitzende Funktionsshirts kommen dieser Aufgabe besonders effektiv nach – das zeigt der Test von fünf leichten Sommermodellen. Vor allem das sehr dünne, angenehm auf der Haut liegende Vaude Seamless Light überzeugt mit einer hervorragenden Kühlwirkung. Es besitzt unterschiedlich starke Zonen (Bodymapping), wodurch das Funktionsshirt verstärkt dort kühlt, wo es heiß hergeht: am oberen Rücken, an der Brust und unter den Achseln. Außerdem trocknet das Vaude-Funktionsshirt bei Inaktivität zügig ab und macht damit einen Wäschewechsel am Gipfel überflüssig. Auch die Funktionsshirts Odlo Evolution Cool und X-Bionic Summerlight setzen auf Bodymapping und hautengen Sitz. Ihre Kühlwirkung fällt allerdings geringer aus, vor allem im recht dicken X-Bionic-Funktionsshirt wurde es den Testern rasch zu warm.

 

Foto: Larsschneider.com Mit einem guten Funktionshemd fühlt man sich auch in Pausen wohl: Es trocknet schnell und kühlt bei Hitze.

Gute Funktionsshirts schirmen auch UV-Strahlen ab

Ein hautenger Sitz ist aber nicht jedermanns Sache, erst recht nicht bei gemäßigten Freizeitaktivitäten. Hier locken die Funktionsshirts von Arc‘teryx und Patagonia mit legerem Schnitt, lässigem Look und sehr angenehmem Tragegefühl. Beide punkten mit einer ausgesprochen guten Kühlwirkung und trocknen im Handumdrehen. Das Arc‘teryx Motus Crew-Funktionsshirt hat dabei die Nase leicht vorn: Sein seidig-kühles Hautgefühl ist unschlagbar, vor allem in glühend-heißem Sonnenlicht, wo das Funktionsshirt selbst nach tagelangem Tragen nicht unangenehm auf der Haut klebt. Praktisch: Das Material schirmt UV-Strahlen wirksam ab (LSF 50+), zumindest die Langarmvariante spart dadurch viel Sonnencreme.

Nur in einem Punkt haben es Kunstfasershirts schwer: Sie müffeln rasch. Im outdoor Funktionsshirt-Test 2012 gilt das verstärkt für Arc‘teryx, am besten schlägt sich das X-Bionic. Zumindest auf Hüttentouren ist ein Wechselhemd also Pflicht. Das darf dann auch ruhig aus Baumwolle sein.

Wolle vs. Synthetik

Wäsche aus Merinowolle erlebt seit geraumer Zeit ein Revival. Zu Recht? Fakt ist: Wolle wärmt hervorragend und fängt erst nach wochenlangem Tragen an zu müffeln. Topqualitäten tragen sich sehr weich, andere können zu Juckreiz führen. Aufgrund der langen Trockenzeiten und der nahezu fehlenden Kühlwirkung sind reine Wollhemden bei Wärme oder sportlichen Touren keine gute Wahl – aber bei gemäßigten Aktivitäten in kühler Witterung doch sehr komfortabel. Vorteile: sehr hohe Wärmeleistung und kaum Geruchsentwicklung. Nachteile: sehr geringe Kühlwirkung und trocknet nur in Zeitlupe.

Kunstfaserhemden stehen in dem Ruf, sich "künstlich" anzufühlen und beim Tragen schnell zu riechen. Letzteres stimmt tatsächlich, wobei einige Hersteller durch spezielle Ausrüstungen (z. B. Silber) die Entstehung von Gerüchen ein wenig verzögern können. In puncto Materialgriff hat sich hingegen viel getan. Gute Qualitäten fühlen sich an wie feinste Seide, lassen sich aber problemlos in der Maschine waschen. Sie bieten ein Top-Klimamanagement, trocknen ruck, zuck und sind damit für ambitionierte Touren oder Sportler perfekt. Vorteile: wirksames Klimamanagement, meist sehr pflegeleicht und trocknet im Nu. Nachteil: zum Teil starke Geruchsbildung.


01.09.2012
Autor: Boris Gnielka, Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 09/2012