Schneeschuhe im outdoor Test

10 Schneeschuhe für Winterwanderer im Test


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Schneeschuhe im Test
Foto: Boris Gnielka

 

Schneeschuhe Atlas Spindrift
Foto: Hersteller

 

Schneeschuhe Komperdell Alpinist
Foto: Hersteller

 

MSR Lightning Axis 25

 

Schneeschuhe Salewa 999
Ob Tiefschnee oder Harsch: Mit guten Schneeschuhen schweben Sie förmlich durch die Winterlandschaft. Welche Modelle sich für Wanderer am besten eignen, zeigt der Test von zehn aktuellen Modellen.
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Steil ragt die Zugspitze samt futuristischer Seilbahnstation in den knallblauen Himmel. Nur wenige hundert Meter tiefer glitzert ein hügeliges Schneeplateau in der Sonne: das Zugspitzplatt. Von hier reicht der Blick über das tief eingeschnittene Hinterangertal bis weit nach Tirol. Doch für das 1A-Panorama bleibt wenig Zeit, zehn Paar Allround-Schneeschuhe zwischen 130 und 300 Euro wollen getes­tet werden: auf steilen Harschflanken wie festplanierter Piste, in schattigem Pulverschnee wie sonnengetränktem Sulz. Von solchen Leckereien gibt es hier mehr als genug, weshalb die outdoor-Crew das Zugspitzplatt für ein Wochenende zur Testregion erklärt hat. Die vier Zelte fürs Testcamp stehen im Nu, gleich daneben: die Taschen mit den zehn Schneeschuhen.

"Huch, das sieht ja bunt aus!" Verblüfft zieht Tes­ter Hansi Rath die Schneeschuhe aus den fetten Dufflebags. Weit über zehn Jahre testet er jetzt schon für outdoor, doch so viele unterschiedliche Modelle hat er noch bei keinem Test gesehen: Waren bisher rahmenlose Kunststoffschneeschuhe die Ausnahme und klassische Alu­rahmen-Konstrukte der Standard, sind diesmal beide Konzepte gleich stark vertreten. Außerdem weisen von den fünf Rahmenmodellen gleich drei ein kantiges Aluprofil auf – statt ein rundes Alurohr. "Die scharfe Kante soll sich beim Queren von Hängen besser in den Schnee kerben und so für Halt sorgen", erklärt Felix Wiedmann, Maschinenbau-Ingenieur unter den Testern, das Konzept. Doch auch die Rundrahmen- und Kunststoffschneeschuhe sind nicht ganz waffenlos. Auf ihrer Unterseite glitzern zahlreiche scharfkantige Metallleisten. "Allerdings sitzen sie etwas weiter innen und können daher sicher nicht ganz so effektiv zupacken wie die Profilrahmen", vermutet der Techniker.

 

Schneeschuhe im Test
Foto: Boris Gnielka Mit guten Schneeschuhen schweben Sie förmlich durch die Winterlandschaft.

Schneeschuh-Komfort ist Trumpf

Doch egal, welche Bauweise – zunächst einmal will man mit einem Schneeschuh oben bleiben und nicht im weichen Schnee versinken. Ob die Testmodelle das leisten, hängt allein von ihren Maßen ab: Je größer, des­to eher "schwimmt" ein Schneeschuh obenauf, und desto mehr Gewicht verträgt er. Kräftige Personen oder solche, die mit dickem Rucksack auf Tour gehen, benötigen also größere Schneeschuhe als zierliche Personen mit leichtem Gepäck. Deshalb bieten viele Hersteller ihre Modelle in verschiedenen Größen an. Aber nicht nur die Last, auch die Schneeart bestimmt, wie tief man einsinkt, weshalb Gewichtsempfehlungen bei Schneeschuhen wenig aussagen. In den allermeis­ten Fällen reicht eine mittelbreite Standardgröße, wie sie auch outdoor für den Test ausgewählt hat.

Ein hoher Auftrieb macht allerdings noch keinen guten Schneeschuh aus, denn der zeichnet sich vor allem durch hohen Gehkomfort aus: Topmodelle rollen leichtgängig sowie geschmeidig ab und dämpfen beim Aufsetzen. Das beugt Ermüdungserscheinungen vor, erst recht, wenn der Schnee fest ist. Ebenfalls komfortspendend: eine Bindung, die auch quer zur Laufrichtung beweglich gelagert ist. "Sie schnürt die Fußgelenke nicht so ein", sagt Test-Urgestein Hansi Rath und demonstriert das gleich mal an einer steilen Traverse: Während der Schneeschuh schräg am Hang klebt, steht der Fuß fast aufrecht. "Damit nimmt man Querungen den Schrecken und verhindert Fußschmerzen", so Rath. Mit ihrer flexiblen Aufhängung punkten im Test Komperdell Alpinist sowie Atlas Spindrift und Elektra. Bei allen drei Prüflingen sorgt zudem eine weiche Bespannung für hohe Dämpfung. In puncto Abrollkomfort kann der Komperdell jedoch nicht mit den beiden Atlas-Modellen mithalten – die sich somit in der Komfortwertung an die Spitze absetzen. Da passt es gut, dass ihre Bindungen zu den bes­ten im Test gehören: Sie sind weich gepolstert und geben viel Halt.

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Richtige Technik zum Schneeschuhgehen Foto: Franz Scholz
Richtige Technik zum Schneeschuhgehen Foto: Franz Scholz
Richtige Technik zum Schneeschuhgehen Foto: Franz Scholz

Der beste Halt in der Bindung nützt allerdings nichts, wenn der ganze Schneeschuh ins Rutschen kommt. Eine gute Bodenhaftung ist Vor­aussetzung für vielseitigen Einsatz – auch abseits einfacher Talwege. Nur Schneeschuhe mit Grip werden dem Anspruch gerecht, gute Allrounder zu sein, die selbst in den Hängen der Alpen noch Halt finden. Erfreulicherweise fällt die Traktionsprüfung überwiegend positiv aus. Bis auf den Inook Light, mit dem man im Hang nach unten rutscht, meistern alle Modelle den Aufstiegs-Check. Und beim Abstieg? "Hier rutscht vor allem der Salewa 999 flott weg", zieht Felix Wied­mann nach etlichen Stürzen und mit nassem Hosenboden Bilanz. Querungen auf steilen Traversen hingegen gelingen mit allen Modellen gut bis sehr gut. Am griffigsten zeigen sich unterm Strich die Profilrahmen-Konstrukte: der MSR Ascent Axis und der Atlas Spindrift, der hier einmal mehr Anspruch auf den Testsieg anmeldet.

Für alle Wege gerüstet

Doch für ein gutes Abschneiden im Test muss auch die Ausstattung überzeugen; vor allem eine Steighilfe darf bei Allround-Schneeschuhen nicht fehlen. Sie findet sich an fast jedem Testmodell – nur nicht am Komperdell Alpinist. "Ohne Steighilfe können Bergtouren ziemlich anstrengend werden", stellt Tes­ter Rath fest und zeigt am Beispiel des Atlas Spindrift, was sie leis­tet: Hangaufwärts stehend, klappt er einen Bügel unter die Ferse und steht dadurch waagerecht. "Das entlastet die Waden ungemein", so Rath.

Vorbildlich: die über vier Zentimeter hohen Steighilfen bei den Schneeschuhen von Atlas, MSR und Tubbs. Mit ihnen meis­tert man auch steile Anstiege vergleichsweise komfortabel. Zuletzt werfen die Tester noch einen genauen Blick auf das Handling der zehn Schneeschuhmodelle, denn schwergängige Riemen, klemmende Ösen oder hakelige Schnallen können den Spaß auf Tour gewaltig trüben. Mit dicken Handschuhen und kalten Fingern gehen sie ans Werk: "Ganz schön fummelig!" sagt Testerin Katharina Hübner beim Versuch, den Komperdell-Heckriemen straff zu ziehen – was ihr endlich auch gelingt. "Nicht unmöglich, aber auch nicht richtig gut" notiert sie in den Testbogen – und befindet sich mit dieser Beurteilung in guter Gesellschaft. Auch die MSR-Bindungen zeigen sich etwas störrisch, bei einem löst sich gar ein Verbindungshaken und verschwindet im Tiefschnee – auf Trekkingtour wäre das fatal. Völlig problemlos hingegen lassen sich Atlas Spindrift, Tubbs Flex Alp und TSL 438 handhaben, auch das restliche Testfeld zeigt keine gravierenden Handling-Schwächen.


Die getesteten Schneeschuhe:

20.01.2012
Autor: Boris Gnielka
© Outdoor
Ausgabe 01/2012