Mit dem Rad in den Urlaub: 13 Dach- und Kupplungsträger im Test

Sicherheit beim Transport: Fahrradträger im Test


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Fahrradträger-Test
Foto: Dino Eisele

 

Fahrradträger-Test
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Atera Strada Sport 2 Fahrradträger
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Eufab Jake Fahrradträger
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MFT euro-select Fahrradträger
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Wie sicher sind Fahrradträger? MountainBIKE, AUTO Straßenverkehr und die Dekra prüften 13 aktuelle Fahrradträger aus zwei Kategorien. Zwei fielen durch!

Freizeit ohne Bike? Keine Frage, die Bikes müssen mit. Für eine kurze Wochenendtour kein Problem. Schnell die Laufräder raus, dann findet sich im Auto jederzeit ein Plätzchen fürs Sportgerät. Doch was, wenn wegen eines längeren Urlaubs die Familie mitsamt Gepäck den Innenraum besetzt? Dann ist ein Fahrradträger – ob am Heck oder auf dem Dach – die Lösung. Aber welches System ist das passende für Sie und Ihr Auto? Was müssen Sie beim Kauf beachten? Und: Wie sicher sind Fahrradträger überhaupt? Fragen, die dieser Test der renommierten Fachzeitschrift ­AUTO Straßenverkehr in Zusammenarbeit mit MountainBIKE und dem Prüfinstitut der Dekra beantwortet.

Acht Kupplungs- und fünf Dachträger mit Zweischienen-Trägersystem stellten sich einer aufwendigen Praxis- und Crashprüfung. Neben Innenraumlösungen bietet der Markt Dach-, Kupplungs- oder Heckträger. Am preisgünstigsten ist der Dachträger, der über einen Grundträger (ab circa 100 Euro) auf dem Autodach montiert wird. Die Testmodelle kosten zwischen 19 und 95 Euro. Nachteil: Die Räder müssen über Kopf auf das Auto­dach gehoben werden – bei einem 15-Kilo-Enduro keine „leichte“ Aufgabe. Zudem stehen sie im Fahrtwind, wodurch der Spritverbrauch ganz erheblich steigen kann! Vorteil der Dachlösung ist, dass sich die Grundfläche des Autos nicht verändert und die Räder beim Rangieren kaum stören. Vorsicht ist jedoch bei niedrigen Durchfahrten geboten, die Gesamthöhe des Fahrzeugs nimmt enorm zu. Achtung: Bei der Beladung ist die zulässige Dachlast des Autos zu berücksichtigen.

Kupplungsträger werden unabhängig vom Fahrzeugtyp auf der Anhängerkupplung platziert. Sollte Ihr Auto keine besitzen, müssen Sie in ein Nachrüstkit (ab ca. 180 Euro ohne Montage) investieren. Windgeschützt hängt der Träger hinter dem Fahrzeug und sorgt lediglich für einen geringen Mehrverbrauch. Die meisten Träger sind schnell montiert und bequem dank geringer Ladehöhe zu beladen. Prima: Alle acht Träger bieten einen Abklappmechanismus, wodurch der Kofferraum gut zugänglich bleibt. Nachteile: Der Fahrzeugumriss nimmt zu, was im Stadtverkehr stören kann. Der Anschaffungspreis eines Kupplungsträgers ist hoch, die acht Testkandidaten liegen zwischen 296 und 527 Euro, außerdem ist ein Zusatz-Kennzeichen Pflicht. Achten Sie zudem auf die zulässige Stützlast der Anhängerkupplung sowie auf den Stromanschluss der Rücklichter: Alle Testträger verfügen über den neuen 13-poligen Standard, besitzt ihr Auto noch den alten 7-Pol-Anschluss, benötigen Sie einen Adapter (ab ca. 10 Euro).

Der Marktanteil der Heckträger ist laut Fachhandel gering und stetig fallend. Dieser Trägertyp lässt sich zwar an fast allen Automodellen befestigen, wird aber meist umständlich über Riemen und Haken am Autoblech fixiert. Dies kann zu Lackschäden führen und birgt die Gefahr, dass sich die Riemen lockern und der Träger zum Sicherheitsrisiko wird. Außerdem steigt der Spritverbrauch mehr als deutlich. AUTO und MB verzichteten aus diesen Gründen auf einen Test dieser Träger.

 

Paulchen
Im Dekra-Testcenter Klettwitz wurden u.a. der Lieferzustand, die Haptik und der Aufbau der Radträger bewertet.

Aufwendige Tests in der Lausitz

Für den Handhabungs- wie den Fahrtest fuhr die Testcrew für sechs Tage in das Dekra-Testcenter Klettwitz sowie an den Lausitzring. Dort wurden der Lieferzustand, die Haptik, der Aufbau unter Beachtung der Montageanleitung und der Anbau jedes Trägers bewertet und notiert. Bereits beim Auspacken der 13 Träger fielen deutliche Unterschiede auf. Die Packmaße der Kupplungsträger Uebler und Westfalia sind winzig klein und die Träger zusammenklappbar – eine pfiffige Lösung, um sie bei Bedarf im Kofferraum zu verstauen.

Die meisten Träger erwiesen sich als gut vormontiert und waren leicht anzubringen. Auffälligkeiten notierten die Tes­ter bei den Kupplungsträgern von MFT und Paulchen. Der 23 kg schwere MFT kam mäßig vormontiert und ließ sich auch zu zweit nur schwer auf der Kupplung fixieren. Beim Paulchen erforderten die vielen Einzelteile Geduld und Geschick. Nach den Eingangstests wurden Halterungen, Schienenkonstruktionen und die einzelnen Sicherungsvarianten begutachtet. Besonders die geringe Schienenbreite und zu kurze Riemen vieler Modelle enttäuschten.

Vor allem der Kupplungsträger von Twinny Load und die Dachträger von MAC und Mont Blanc fielen negativ auf, sie bieten für breite Mountainbike-Reifen um 2,4“ zu wenig Platz. Tipp: Mit weniger Luft in den Reifen lassen sich diese besser in die Führungen drücken. Auch die Rahmenklemmungen gaben Anlass zur Kritik. Unflexible Halter an den Kupplungs- und Dachträgern von Twinny Load, Atera und MFT bieten zwar klassischen Diamantrahmen Halt, stoßen bei komplexen Fully-Rahmen oder hydrogeformten Rohren aber an ihre Grenzen.

Vorbildliche Klemmungen, die auch für moderne Rahmenformen geeignet sind, besitzen Eufab, Thule und Uebler. Bei den Dachträgern punkten Atera, Thule und Mont Blanc mit gut bedienbarer Klemmung. Lästig: Der Halter des MAC muss vor jedem Beladen zeitraubend zerlegt werden. Fertig beladen mussten die Träger auf dem Testoval am Lausitzring einen 180 m langen Slalomkurs, mehrere Vollbremsung aus 100 km/h und eine Rüttelstrecke mit sieben Zentimeter hohen Buckeln überstehen und zeigen, dass sie den Belastungen im Grenzbereich standhalten. Die meisten Träger zeigten sich unbeeindruckt. Einzig die Kupplungsträger von MFT und Twinny Load bewegten sich stark, letzterer schlug sogar gegen das Fahrzeug.

Zwei versagen im Dekra-Crashtest

Der durchdachteste Träger ist unnütz, wenn er bei einem Unfall Menschenleben gefährdet. Deshalb stellten AUTO und MB die Frage: Was passiert im Ernstfall? Zur Klärung wurden die Träger im Dekra-Labor einem Crashtest nach DIN 75302 unterzogen. Dieser simuliert einen Aufprall mit 30 km/h. Das Ergebnis der Kupplungsträger ist erschreckend: Die mit einem E-Bike und einem MTB bestückten Träger zerschlugen fast alle die Heckscheibe und drangen teilweise in den Fahrgastraum ein – im Ernstfall können umherfliegende Scherben Insassen verletzen. Deutlich sicherer präsentierten sich die mit Mountainbikes (keine E-Bike-Eignung) beladenen Dachträger. Hier das Video zum Test:

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Video: Chris Pauls

Zwei Träger fielen komplett durch den Test und wurden in der Endnote aufgrund dieser Sicherheitsmängel auf „schwach“ abgewertet: Beim Kupplungsträger von Westfalia rissen die Riemen, und ein Rahmenhalter löste sich. Am Mont-Blanc-Dachträger lösten sich die Schienenverankerungen, ein Riemen riss und ein Rahmenhalter hielt den Kräften nicht stand.

Den Testsieg bei den Kupplungsträgern verdient der Uebler X21 Nano, der dank durchdachtem Gesamtkonzept den Thule EuroPower 915 knapp übertrifft. Auch bei den Dachträgern schrammt Thule knapp am Testsieg vorbei. Atera holt sich mit dem Giro AF dank guter Handhabe und höherer Kompatibilität den Testsieg.


30.08.2011
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 07/2011