Hybridbekleidung: Merinowolle, Polartec Alpha, Primaloft & Co.

Hybridbekleidung im Test 2015


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1115 test hybridbekleidung teaserbild
Foto: Benjamin Hahn

 

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Foto: Ortovox

 

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Foto: Ortovox

 

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Foto: Icebreaker

 

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Foto: Smartwool
Hybridbekleidung liegt im Trend, sieht stylisch aus und gilt als top Wahl für kalte Tage. Wir haben uns unterschiedliche Hybrid-Konzepte für Damen und Herren genauer angeschaut - alle kombinieren elastischen Fleecestoff mit warmer Kunstfaser oder Wolle. Welcher Material-Mix überzeugt, lesen Sie hier.
Zu den getesteten Produkten

Wer auf Tour warm bleiben möchte, zieht entweder eine dicke Softshell- oder eine Wärmejacke an. Allerdings schmort man damit spätestens nach der ersten Steigung im eigenen Saft, in der Softshelljacke wird‘s dagegen schnell zu kalt, zumindest bergab. Warum also nicht einfach beides kombinieren? So entstanden in den letzten zwei Jahren die ersten Zwitter aus Softshell- und Wärmejacke, die sofort reißenden Absatz fanden – vor allem bei Skitourengehern. Sie suchten schon lange nach leichten Bekleidungsteilen, die sie bei schweißtreibenden Aufstiegen vor Überhitzung und auf den rasanten Abfahrten vor Auskühlung schützen.

Um diesen Spagat aus Dampfdurchgang und Isolationsleistung perfekt zu meistern, entwickeln die Hersteller einen raffinierten Mix aus luftigem Stretchfleece an den Hotspots wie Achseln, Rücken sowie Kniebeugen und – an den Fröstelzonen wie Nieren, Brust und Oberschenkeln – wärmenden Isolationskammern. Das Ziel: ein dem Körper perfekt angepasster Kälteschutz. Das klingt verführerisch. Doch funktioniert das Konzept der sogenannten Hybriden auch auf Tour?

Um das herauszufinden, hat outdoor die prominentesten Vertreter aus dem zurzeit überbordenden Angebot herausgefischt und mit zum Test auf die Hardangervidda genommen: eine zugige, schon im Spätsommer kalte Hochfläche in Norwegen. Einstellige Temperaturen und starker Wind boten ideale Testbedingungen – die schnell klarmachten: Hybriden sehen nicht nur schick aus, sie tragen sich auch äußerst bequem und schützen gut vor Kälte.

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Wie gut die Hybridklamotten vor Kälte schützen, bestimmt der verwendete Materialmix: Jacken, die vorwiegend aus dünnem Stretchfleece und dünn gefüllten Wärmezonen bestehen, unterscheiden sich deutlich von solchen, die kaum Fleece, dafür aber umso mehr Isolationskammern besitzen. Dazu kommt das Füllmaterial: Manche verwenden Daunen, andere Wolle und wiederum andere Synthetik. Um Ordnung ins Chaos zu bringen, haben wir Testkandidaten nach Einsatzschwerpunkten in vier Gruppen zusammengefasst (siehe Bild):

 

1115 test hybrid-typen im vergleich

In der ersten Gruppe finden sich Modelle, die vorwiegend aus Wolle bestehen. Durch die wärmeregulierenden Eigenschaften von Wolle lassen sie sich am vielseitigsten einsetzen: beim Wandern, Skitouring, aber auch in der Freizeit, bei Plus- aber auch Minusgraden. Speedhiker, Skitouren-Cracks und Jogger werden in der zweiten Gruppe fündig. Hier befinden sich alle Modelle, die mit extrem dampfdurchlässigen, schnelltrocknenden Kunstfasern gefüttert sind. Sie bieten maximalen Kälteschutz bei hohem Dampfdurchgang. Frostbeulen, Schnellfrierer und alle, die eine warme Überjacke oder -hose für Pausen suchen, finden in der dritten Gruppe die passenden Partner: Die prall mit Daunen (oder bauschigen Kunstfasern) gefüllten Modelle sind die perfekten Einheizer auf Tour. In der vierten Gruppe schließlich zeigen wir Hybriden, die überwiegend aus luftigem Stretchfleece bestehen. Sie bieten Kälte und Wind nur wenig Paroli, lassen dafür viel Dampf ab und eignen sich gut für Hitzköpfe, denen selten zu kalt ist, aber auch als Fleecepulli-Ersatz, der unter einer Funktionsjacke getragen werden kann.

 

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Foto: Ortovox Diese Modelle wärmen mit Merinowolle – und sorgen so für ein ausgewogenes Klima.

Für Allrounder

Wer sich vor Kälte schützen will, greift gerne auf Naturmaterialien wie Merinowolle zurück – so auch Icebreaker, Ortovox und Smartwool. Bei ihnen stecken die Isolationsmaterialien in eng abgesteppten Kammern – vor allem im Rumpfbereich und auf den Ärmelaußenseiten. Die wärmste Jacke in diesem Bunde stellt Smartwool mit der PhD Divide Hoody Sport. Durch die klimatisierende Wolle, die nicht nur in den gefütterten Bereichen, sondern auch in den Elastikeinsätzen an Arm innenseiten und Flanken sitzt, bietet die Jacke bei vielen Aktivitäten – vom Wandern bis hin zum Joggen – ein trockenwarmes Klima. Auch als leichter Kälteschutz für Pausen oder Abende vorm Zelt fungiert die stylische Jacke.

Als solcher lässt sich auch die Icebreaker Helix einsetzen. Sie fällt jedoch auf Tour durch mangelnde Bewegungsfreiheit und den schlechten Kapuzensitz auf. Ganz im Gegensatz zum gelungenen Ortovox Piz- Palü-Hybriden. Er bietet beste Trageperformance bei allen Outdoor-Spielarten – ob Wander- oder Skitour – und schützt zudem dank top Kapuze und guter Imprägnierung ein wenig vor Nässe. Ebenfalls aus einem Wollmix gefertigt sind die Ortovox-Shorts Piz Boé und der Skirt (Rock) Lavarella. Sie dienen als Kälteschutz zum Drüberziehen: in Pausen, aber auch an eisigen Tagen auf Tour.

 

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Foto: Ternua Ausgerüstet mit luftigen Polartec Alpha, zielen Millet, Ternua und Vaude auf sportliche Outdoorer.

Wintersportler

Alle, die eine vielseitige, warme, aber zugleich auch luftige Jacke oder Hose suchen, werden hier fündig: Ausgerüstet mit stark wasserdampfdurchlässigem Polartec Alpha Isolationsmaterial, eignen sich diese drei Hybridjacken nicht nur für Allrounder, sondern auch für Outdoor-Sportler. Allen voran die ausgeklügelte Bormio Touring Pants von Vaude. Sie überzeugt mit körpernahem, bewegungsfreundlichem Sitz, hoher Wärmeleistung und top Ausstattung. Ambitionierte Ski- und Schneeschuhtouren sind damit ebenso drin wie ein abendlicher Trail-Lauf bei eisiger Kälte. Das trifft auch auf das Ternua Jannu Jacket zu. Es ist sowohl warm als auch luftig und damit sehr vielseitig einsetzbar. Sein relativ dichtes Außenmaterial schützt gut vor Auskühlung, die akkurat sitzende Kapuze hält selbst kurze Regen- und Schneeschauer ab. Auch als Wärmejacke in Pausen taugt das Multitalent.

Wer hingegen eine besonders eng geschnittene, elastische Jacke sucht, wird bei der Millet Touring Alpha landen. Sie besteht fast zur Hälfte aus warmem, kuscheligem Polartec Powerstretch Pro, das jedoch am Rücken – etwa nach einer bleibt. Deutlich besser funktioniert sie beim Wandern ohne Rucksack, Klettern, Skilanglauf oder Joggen. Rucksacktour – lange nass bleibt. Deutlich besser funktioniert sie beim Wandern ohne Rucksack, Klettern, Skilanglauf oder Joggen.

 

1115 test hybridbekleidung outdoor research diode hooded
Foto: Outdoor Research Prall gefüllt mit Daune, Primaloft & Co.: Drei Teile für eisige Tage, Pausen und alle, die schnell frieren.

Die Einheizer

Sie verzichten auf großflächige Elastikeinsätze und besitzen stattdessen lieber bauschige Daunen- und pralle Synthetikfüllungen: die Warmhalter von Adidas, Outdoor Research und Arc‘teryx. Alle drei eignen sich damit auch als reiner Kälteschutz: in Pausen, auf dem Gipfel, im Zelt oder beim Sichern. Doch natürlich lassen sie sich ebenso beim Wandern tragen, dafür muss es nur kalt genug oder man selbst verfroren genug sein. Bei der Überhose von Adidas kann nur das bei Anstrengung schnell etwas zu schwitzige Material stören, ansonsten ist sie perfekt. Das gilt auch für die Diode Hooded von Outdoor Research. Bei ihr fällt nur die mit Daunen gefüllte Rückenpartie negativ auf. Trägt man einen Rucksack, klumpen die Daunen dort schnell zusammen. Druck- und nässefeste Kunstfasern wären hier die bessere Wahl. Sie findet man bei der Jacke jedoch nur an der Kapuze, im Schulter- und Armbereich. An diesen Stellen kommt ein wasserdichter Oberstoff zum Einsatz, wodurch sich die Diode Hooded auch bei Schmuddelwetter einsetzen lässt: als ultrawarme Jacke für Pausen, abends vor der Hütte, in der Freizeit oder auf Wanderungen ohne Rucksack. Die Arc‘teryx überzeugt hingegen weniger. Bei ihr sind die seitlichen Einsätze aus Stretch fleece zu dünn. Die Folge: Schon bei leichten Brisen weht es in der sonst sehr warmen Jacke eiskalt an die Flanken, was sowohl in Pausen als auch beim Wandern stört.

 

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Foto: Vaude Dünn gefüttert eignen sich diese Modelle gut zum Tragen unter einer Hardshell – und für Hitzköpfe.

Drunter & Drüber

Wer häufiger in regnerischer oder stürmischer Umgebung unterweg ist, hat ohne wind- und wasserdichte Funktionsjacke schlechte Karten. Als perfekte Ergänzung bei Kälte empfehlen sich besonders körpernah geschnittene, weniger dick gefütterte Hybriden von Marmot, Adidas und The North Face. Sie bieten ein fantastisches Klima sowie eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. So fallen sie unter der Jacke gar nicht erst auf – außer durch Wärmeleistung. Sie ist beim North-Face-Jacket am höchsten, während der Adidas-Pulli nur moderat wärmt. Alle drei lassen sich auch gut solo einsetzen, wobei Wärme- und Windschutz im Vergleich zu anderen Hybridmodellen eher mau ausfallen. Das The-North Face-Jacket bietet in diesem Trio den meisten Schutz, der Adidas- Pulli den geringsten. Er punktet dafür mit ultrakurzer Trockenzeit und lässt sich zum Joggen oder auf sportlichen Skitourenaufstiegen ebenso tragen wie in der Freizeit. Das gilt auch für den etwas wärmeren Marmot- Hybriden. Einziger Schönheitsfehler: Der recht dicke Stretchfleece-Rücken bleibt nach eine Rucksacktour lange feucht.

Sie brauchen eine warme Hose zum Drunterziehen? Hier bietet sich die Vaude Boe Warm Pants aus fix trocknendem, klimatisierendem Polartec Alpha an. Wen die Optik nicht stört, der trägt sie auch solo: bei winterlichen Bergläufen oder Skitourenaufstiegen. in Pausen als auch beim Wandern stört.


12.11.2015
Autor: Boris Gnielka
© outdoor