Baselayer: Funktionsunterwäsche im Test 2015

Getestet: Unterwäsche aus Wolle und Merino


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Funktionswäsche für Wintersportler
Foto: PatitucciPhoto.com

 

1215 funktionsunterwäsche devold breeze
Foto: Devold

 

1215 funktionsunterwäsche devold breeze
Foto: Devold

 

1215 funktionsunterwäsche fjällräven base sweater no.3
Foto: Fjällräven

 

1215 funktionsunterwäsche fjällräven base sweater no.3
Foto: Fjällräven
Wollwäsche soll nicht nur leicht sein, sondern auch das Körperklima im Lot halten. Welchen Langarmshirts das im Test 2015 am besten gelang, lesen Sie hier - darunter viele neue Funktionsshirts aus 100 Prozent Merinowolle.
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Das Schaf ist ein genügsames Tier. Kann es unter Artgenossen im Freien grasen, fühlt es sich wohl - vorausgesetzt, das Klima stimmt. Mit hohen Temperaturen kommt es gar nicht klar, mit Nässe hingegen schon eher. Bei Kälte aber, da blüht es auf, besitzt es doch einen dicken Mantel aus flauschig-bauschiger Wolle. Und die hält warm, nicht nur Schafe, sondern auch Menschen.

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Vor- und Nachteile von Wollwäsche

Immer mehr Outdoorer tauschen ihre Synthetik- oder Baumwollleibchen gegen Shirts aus Schafwolle - die mittlerweile von fast allen Equipment-Marken zu haben sind. Das liegt nicht nur am natürlich-wolligen Hautgefühl und an der enormen Wärmeleistung, sondern auch daran, dass Wollshirts nicht so schnell nach Schweiß riechen – ein Vorteil, den vor allem Hüttengäste zu schätzen wissen.

Doch hat das Naturmaterial auch Nachteile: So manchem juckt es auf der Haut, weshalb viele Hersteller nur die ultrafeine Wolle von Merinoschafen verarbeiten. Auch vermissen viele Outdoorer – zumindest bei Anstrengung – die kühlende Wirkung ihres Synthetikhemdes. Bei Hitze oder hohem Puls ergeht es ihnen dann wie den zotteligen Paarhufern – sie laufen heiß. Doch auch dagegen haben Textilingenieure Rezepte: Sie mischen die Wolle mit Kunstfasern, verpassen ihr eine offenporige Struktur oder lockere Webart.

 

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Foto: outdoor

Wollshirt ist also längst nicht mehr gleich Wollshirt

Das zeigt auch unser Wollwäsche-Test 2015: Von den sieben Langarm-Hemden bestehen nur vier aus reiner Merinowolle: die Shirts von Devold, Fjällräven, Rewoolution und Smartwool. Und selbst in diesem Quartett gibt es Unterschiede: So tritt der überaus warme Base Sweater No. 3 von Fjällräven modischleger auf, die etwas dünneren Shirts von Devold und Smartwool hingegen liegen körpernah an. Sie sind zudem sehr elastisch und verwöhnen selbst Woll-Empfindliche mit extrem weichem, kuscheligem Hautgefühl und guter Wärmeleistung, wozu auch der hohe Kragen beiträgt. Für moderate Touren und den Freizeiteinsatz reicht das locker, für Frostköttel, die selbst bei 150er-Puls keinen Schweißtropfen vergießen, ebenso. Wer jedoch – bei Anstrengung – nach Kühlung verlangt, kann damit nichts anfangen.

Wohl aber mit dem Langarmhemd »Furud« der italienischen Marke Rewoolution. Trotz reiner Merinowolle trägt sich diese Unterwäsche nicht gerade weich oder kuschelig, liegt sogar eher rau und zudem eng auf der Haut. Als modisch-schickes Freizeithemd gewinnt es sicher keinen Preis. Umso besser eignet es sich für Outdoor-Sportler, die von einem Wollshirt mehr erwarten als kuscheliges Hautgefühl, etwa gute Klimatisierungseigenschaften: Im Test 2015 kühlte das Rewoolution Furud Longsleeve besser als jedes bisher von outdoor getestete Wollhemd. Durch seine offenporige Netzstruktur lässt es der Haut ihren bei hohem Puls produzierten, kühlenden Schweißfilm. Das gelingt dem Funktionsshirt auch deshalb so gut, weil es so eng anliegt, dass Schweißperlen nicht unkontrolliert der Schwerkraft folgen, sondern – an Ort und Stelle fixiert – verdunsten und den Körper dadurch vor Überhitzung schützen.

 

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Foto: outdoor

Noch besser fällt die Kühlwirkung bei den Unterhemden mit Synthetikanteil aus – sieht man vom Icebreaker Zone LS ab, das mit seinem vierprozentigen Lycraanteil wenig ausrichten kann. Ganz im Gegensatz zum Shirt der spanischen Marke Ternua. Es besteht aus »Powerwool«, einem neuen Material von Polartec: Innen sorgt Wolle für weiches Hautgefühl, außen Polyester für Abriebfestigkeit und – in Verbindung mit der Waffelstruktur des Futters – exzellente Kühlwirkung. Der hohe Kunstfaseranteil macht sich jedoch auch negativ bemerkbar: Das Shirt fängt schon nach wenigen Stunden an zu müffeln. Das passiert dem Ortovox Merino Ultra 105 nicht. Kein Wunder, dominiert bei beim Ortovox doch feinste, extrem flauschige Merinowolle. Lediglich im Kern des Garns steckt Polyamid – was allein der Haltbarkeit des Hemdes dient. Dass es dennoch fast so gut kühlt wie das von Ternua, liegt eher an der lockeren Konstruktion. Sie lässt – wie das Rewoolution- Shirt – der Haut ihren Schweißfilm, anstatt ihn wegzusaugen. Dadurch trocknet das Hemd auch flotter, trägt sich zudem luftig sowie hochelastisch: ein echter Alleskönner für Trek, Tour, Sport und Freizeit – auf den selbst ein Schaf neidisch sein müsste.

Wollwäsche-Testfeld & Ergebnisse im Überblick:

Wollshirt / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Ortovox Merino Ultra 105 (Testsieger) 85 Euro sehr gut
Devold Breeze (Kauftipp) 85/70 Euro sehr gut
Rewoolution Furud LS (Kauftipp) 79 Euro sehr gut
Ternua Uigur 100 Euro sehr gut
Icebreaker Zone LS Half Zip 100 Euro gut
Smartwool NTS 195 80 Euro gut
Fjällräven Base Sweater No.3 200 Euro gut

Alternativen:

Fotostrecke: Funktionswäsche-Kombis für Outdoorer

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Funktionsunterwäsche Test 2014 Foto: Benjamin Hahn
Funktionsunterwäsche Test 2014 Foto: Benjamin Hahn
Funktionsunterwäsche Test 2014 Foto: Benjamin Hahn

Kaufberatung:

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Die getesteten Wollshirts 2015:

18.02.2016
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 12/2015