20 Longsleeves aus Wolle im outdoor-Test

Winter-Funktionswäsche im Test: Longsleeves


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Test: Langarmshirts aus Wolle
Foto: Mattias Fredriksson

 

Test: Langarmshirts aus Wolle
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Test: Langarmshirts aus Wolle
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20 Longsleeves für Wintertouren - aus Merinowolle oder einem Woll-Mix - haben wir im Winter 2016/17 getestet. Hier finden Sie alle Infos zum Funktionswäsche-Test und die Ergebnisse ...
Zu den getesteten Produkten

Von uns getestet: Longsleeves aus Wolle für Outdoor- und Wandertouren:

  • Die meisten Wollshirts in unserem Test 2017 sind für die kalte Jahreszeit und Wintertouren zum Drunterziehen optimal.
  • Wirklich enttäuscht hat keines der 20 getesteten Woll- bzw. Merino-Mix-Longsleeves für Männer und Frauen - Testsieger ist das Woolpower Zip Turtleneck 200 Shirt
  • Wolle ist vielen oft zu "kratzig". Die einzigen Testshirts, die nicht auf der Haut "bizzeln", kommen von Smartwool, Falke und Woolpower.
  • Die Preisspanne der getesteten Langarmshirts/Baselayer liegt zwischen 90 und 130 Euro.

Das Testfeld im Überblick:

Funktionswäsche / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Woolpower Zip Turtleneck 200 100 Euro Überragend
Falke Wool-Tech Zip 110 Euro Überragend
Icebreaker Winter Zone Long Sleeve 130 Euro Sehr gut
Rewoolution Castor/Pollux Merinoshirt 100 Euro Sehr gut
Smartwool NTS Mid 250 Zip T 100 Euro Sehr Gut
Aclima Warm Wool Zip 90 Euro Gut
Bergans Snoull Half Zip 110 Euro Gut
Houdini Airborn Zip 110 Euro Gut
Jack Wolfskin Arctic Half Zip 100 Euro Gut
Patagonia Merino Thermal 120 Euro Gut
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Warum ein Wollshirt kaufen?

Kaum ein Material hat in der Outdoorwelt einen solch fulminanten Siegeszug angetreten wie Wolle. Nur wenige Hersteller trauen sich noch ohne aufs Ladenparkett – zu verlockend klingen die Verheißungen des Naturmaterials: Es soll sich kuschelig-weich tragen, selbst nach Tagen im Einsatz nicht riechen, in hohem Maß vor Kälte schützen und klimaregulierend wirken. Doch treffen diese Eigenschaften tatsächlich zu? »Das hängt vor allem davon ab, wie die Wolle verarbeitet und mit welchen Stoffen sie kombiniert wird«, sagt outdoor-Ausrüstungs-Redakteur Frank Wacker. In Reinform findet man die tierische Faser – zumindest bei Unterwäsche – relativ selten, das beweisen auch die 20 Longsleeves, die wir für diesen Test angefordert haben.

Funktionsunterwäsche: Wolle und Kunstfaser

Von den zehn Langarmshirts – jeweils für Frauen und Männer – bestehen nur vier vollständig aus Wolle, in den sechs anderen Longsleeves verstecken sich zwischen 5 und 40 Prozent Synthetikfasern. Diese machen die Shirts vor allem formstabiler und strapazierfähiger. Der Tragekomfort muss unter dem erhöhten Kunstfaseranteil jedoch nicht leiden, das zeigt sich früh in diesem Vergleich, für den vier Testerinnen und Tester drei Wochen lang fast ununterbrochen mit den Hemden im Einsatz waren: beim Wandern wie Indoorklettern, auf Joggingrunden wie Trekkingtouren. Am weichsten, so das Fazit der outdoor-Crew nach Auswertung sämtlicher Ergebnisse, trägt sich zwar das aus 100 Prozent Wolle gefertigte, superkuschelige Smartwool-Longsleeve, doch die mit 40 Prozent Kunstfasern ausgestatteten Baselayer-Shirts von Falke und Woolpower spielen in der gleichen Liga. Fast genauso kuschelig schneiden die Prüflinge von Icebreaker und Jack Wolfskin ab. Aclima, Bergans und Patagonia hingegen können zumindest bei wollempfindlichen Outdoorern auf der Haut leicht kratzen. Auch beim Schnitt gibt es Unterschiede: Wer zum Beispiel Longsleeves mit langem Rückenteil mag, wird die Modelle von Falke und Woolpower lieben – das sehr kurz geschnittene Bergans-Shirt sowie das ebenfalls knappe Rewoolution hingegen weniger. Wolle allein ist also kein Garant für hohen Tragekomfort.

Woll-Unterwäsche und Geruchsneutralität

Dafür bestätigt der Test den zweiten Wollmythos – die Geruchsneutralität. Acht der zehn Longsleeves aus Merinowolle, machen sich erst nach fünf, die eher dünnen Shirts von Falke und Houdini immerhin erst nach drei Tagen olfaktorisch bemerkbar. Verglichen mit Kunstfaserleibchen sind das Ewigkeiten, fangen viele der Synthetikmodelle doch schon nach wenigen Stunden im Einsatz an zu müffeln. Auch in puncto Wärmeleistung – um den dritten, eingangs zitierten Wollmythos aufzugreifen – liegen die Testhemden auf einem hohen Niveau. Selbst die beiden dünnsten, Falke und Houdini, halten immer noch wärmer als vergleichbar dicke Synthetikmodelle. Wer allerdings schnell friert und extrem warme Hemden sucht, sollte sich eher beim Rest des Testfeldes umsehen – vor allem bei den Produkten von Aclima, Bergans, Smartwool und Woolpower. Beim vierten Mythos, den klimatisierenden Eigenschaften, fällt das Urteil der Tester nicht mehr ganz so rosig aus. Merinowolle ist zwar meistens weich, geruchsneutral und warm, klimatisiert aber nur dann, wenn sie der Haut ihren Schweißfilm lässt, damit dieser beim Verdunsten kühlt.

Das gelingt bei unseren getesteten Longsleeves nur dem Falke und Woolpower – und zwar durch einen hohen Synthetikanteil und – beim Woolpower – eine spezielle Strickart. Von den reinen Wollshirts klimatisiert hingegen nur das Rewoolution zufriedenstellend. Hier schafft eine feine Netzstruktur Tausende von winzigen Verdunstungsinseln auf der Haut.Alle anderen Prüflinge saugen die Feuchtigkeit auf, bevor sie verdampfen und kühlen kann. »Dadurch läuft man heiß, und die Leistungsfähigkeit geht in den Keller«, erklärt Experte Wacker. Allerdings gibt es auch Outdoorer, die wenig Kühlung benötigen und selbst bei hohem Puls kaum schwitzen. Oft handelt es sich dabei um Frauen. »Sie können beruhigt ein reines Wollhemd tragen, selbst beim Sport«, so Frank Wacker.

Die Testergebnisse aus dem Woll-Unterwäsche-Test

Nach Abschluss des Tests steht fest: Die meisten Langarm-Wollshirts sind für die kalte Jahreszeit wie geschaffen: weich, warm und angenehm geruchsneutral, fühlt man sich darin pudelwohl. Wirklich enttäuscht hat uns keines der 20 Hemden, richtiggehend begeistert haben uns fünf: Falke, Icebreaker, Rewoolution, Smartwool und Woolpower.

Das erste, weil es wie eine zweite Haut sitzt und selbst bei akrobatischen Leibesübungen nirgends Falten wirft, zwackt oder rutscht und dazu wie eine perfekt eingestellte Klimaanlage funktioniert. Damit eignet sich das Falke-Longsleeve für alle, die einen leistungsfähigen Begleiter für – durchaus auch flotte – Touren oder den Sport suchen.

Auch das Rewoolution-Longsleeve empfiehlt sich Sportlern und für flotte Touren. Zwar ist das Shirt nicht ganz so weich, überzeugt aber als einziges sortenreines Wollshirt auch die Heißsporne unter den Outdoorern. Wer hingegen auf eine Kühlung bei sportlichen Aktivitäten verzichten kann oder einfach nur ein weiches, superkuscheliges Longsleeve für die Freizeit sucht, findet im ebenfalls reinrassigen Wollshirt von Smartwool – oder dem von Icebreaker – seinen Traumpartner.

Als Versöhner zwischen leistungsorientierten Outdoorern und komfortbewussten Genießern schafft das Woolpower-Shirt, was in diesem Test kein anderes Longsleeve vermag: sowohl kuschelweich zu verwöhnen als auch – anders als Falke und Rewoolution – stark zu wärmen und dabei auch noch prächtig zu klimatisieren.

In puncto Geruchshemmung erntet das in Schweden gefertigte Hemd ebenfalls Bestnoten, trocknet zudem am schnellsten von allen und lässt sich als einziges problemlos bei 60 Grad in der Maschine waschen. Mit 100 Euro Kaufpreis ist dieses Longsleeve zudem nicht einmal besonders teuer.


07.02.2017
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 02, 03/2017, 2017