Winterstiefel im Test 2014

Von Alltagsschuh bis Outdoor-Stiefel: Aktuelle Winterschuhe im Test


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Winterstiefel im Test 2014
Foto: Boris Gnielka

 

outdoor-Wanderstiefel Test 2014
Foto: Baffin

 

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Foto: Baffin

 

outdoor-Wanderstiefel Test 2014
Foto: Hanwag

 

outdoor-Wanderstiefel Test 2014
Foto: Kamik
Moderne Winterstiefel sollen nicht nur eisiger Kälte trotzen, sondern auch auf Eis und Schnee Halt bieten. Sieben Herren- und sechs Frauenstiefel auf dem Prüfstand.
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Auch ohne Ski bietet der Winter Outdoorern viele Möglichkeiten: Wandern, sich auf einem Rodel die Hänge hinabstürzen oder mit dem Hundeschlitten losziehen. Damit der Spaß bei den eisigen Temperaturen nicht zu kurz kommt, braucht man warme Bekleidung und kältefeste Schuhe. outdoor hat 13 Winterstiefel für Damen und Herren zwischen 150 und 260 Euro getestet.

Die Bandbreite reicht vom knöchelhohen Leichtmodell, das sich optisch kaum von Leichtwanderstiefeln oder citytauglichen Winterschuhen unterscheidet, bis zu zwei extradicken Kälteblockern - die laut Herstellerangaben selbst arktischen Temperaturen trotzen.

Das bestätigen die Isolationsmessungen im outdoor-Labor: Beide Baffin-Winterstiefel liegen mit klarem Abstand vorne, wobei der Damenstiefel sogar noch etwas stärker abschneidet als der Herrenstiefel - und einen neuen Bestwert aufstellt. Er lässt sich von wenig verfrorenen Wanderinnen selbst bei unter minus 40 Grad einsetzen - vorausgesetzt, sie tragen dicke (Woll-) Socken und eine an diese Eiseskälte angepasste Kleidung. Der Herrenschuh empfiehlt sich immerhin noch für Temperaturen um minus 40 Grad.

"Das hört sich extrem an, doch wenn man etwa beim Beobachten von Tieren stundenlang herumsteht, freut man sich auch in unseren Breiten über diese Extraportion Wärme", sagt Testredakteur Boris Gnielka. Zum Wandern benötigt man so warme Schuhe aber selbst selten.

 

Winterstiefel im Test 2014
Foto: Boris Gnielka Rutschfest: Mit den besten Stiefeln kommt man selbst auf spiegelglattem Eis voran.

Sohlen-Check im Eisstadion

Eine gute Gesamtisolation hilft aber wenig, wenn die Sohle schwach isoliert. Diese Erfahrung macht die Testcrew im Eisstadion - eine ideale Umgebung, um die Wärmeleistung in der Praxis zu überprüfen. "Steht man auf dem minus zwei Grad kalten Eis herum, kriecht die Kälte im Vorfußbereich des Lowas schon nach gut einer Viertelstunde ins Innere - das reduziert die Grenztemperatur deutlich", erklärt Boris Gnielka. Gut, dass sich die anderen Modelle besser schlagen. Beim Hanwag Torne beispielsweise dauert es fast eine Stunde, bis es im Vorfußbereich von unten etwas kühl wird - ein sehr guter Wert. Und die beiden Baffin-Stiefel, die schon im Labor mit Topleistungen glänzten, halten selbst nach dieser Zeit noch schön warm.

Die Tester nutzen die Zeit auf dem spiegelglatten Eis auch, um den Sohlengrip zu checken. "Die Entwickler greifen tief in die Trickkiste, damit man auf Eisflächen nicht die Bodenhaftung verliert", sagt Boris Gnielka. Wie bei Winterreifen kommen spezielle Gummimischungen zum Einsatz, die bei Kälte nicht hart werden und die Haftung verlieren. Um die Griffigkeit noch weiter zu erhöhen, mischen einige Hersteller feinste Mineralpartikel oder Baumwollfasern bei.

Tatsächlich gehen die Konzepte auf. "Beeindruckend, wie sicher man sich auf dem Eis fühlt", bemerkt einer der Tester. Selbst kleine Spurts gelingen mit etwas Vorsicht in den meisten Stiefeln. Am besten schneiden einmal mehr die zwei Modelle von Baffin ab - was aber auch an der großen Auflagefläche der Sohle liegt. Dicht auf den Fersen sind ihnen die Schuhe von Hanwag, Meindl, Lowa und Mammut. "Da vergisst man fast, wie glatt die Eisfläche ist", grinst eine Testerin. Das ändert sich sofort, als sie zum Vergleich in ihre normalen Wanderstiefel schlüpft. Nur mit Hilfe der Bande kann sie sich auf den Beinen halten.

Praxistest im Schwäbischen Wald

Eine gute Performance auf dem Eis reicht aber noch nicht für eine gute Gesamtbewertung in puncto Sohlengrip. "Auch auf nassen Steinen und im Matsch darf man nicht ins Rutschen kommen - wir stapfen selten den ganzen Winter durch tiefen Schnee", so Boris Gnielka. Die Sohlenhaftung überprüft die Testmannschaft bei Wanderungen im Schwäbischen Wald.

Wochenlanges Schmuddelwetter hat die Wege in schmierige Schlammpisten verwandelt. Unter diesen Bedingungen gibt es vor allem zwei Ausrutscher: Der schwach profilierten Keen-Sohle fehlt es im Matsch an Grip, auf glitschigem Gestein verliert man im Mammut schnell die Kontrolle. Alle anderen bekommen aber gute Noten.

 

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Foto: Hanwag Testsieger 2014: der Hanwag Torne GTX

Und wie tragen sich die getesteten Winterstiefel?

Beim Meindl Gastein GTX (siehe Bild rechts) ist sich das Team schnell einig: Sehr angenehm lautet das Urteil. Kuscheliges Lammfell umschmiegt den Fuß und bietet ein top Klima. Nur die Einlegesohle (ebenfalls aus Lammfell) könnte noch etwas mehr Führung bieten. Dafür überzeugt der Schaft mit gutem Halt.

Auch der noch festere und geschmeidiger abrollende Hanwag Torne GTX bekommt viel Lob, muss aber eingelaufen werden. Er eignet sich hervorragend zum Schneeschuhgehen, weil der stabile Schaft den Druck der Bindungsriemen gleichmäßig verteilt – das verhindert Druckstellen.

"Die Baffin-Modelle tragen sich zwar nicht so geschmeidig wie die Schuhe von Hanwag oder Meindl, für solch wuchtige Schuhe sind sie aber trotzdem erstaunlich komfortabel und überhitzen kaum", fasst Testredakteur Boris Gnielka die Ergebnisse der Testcrew zusammen.

Die Winterstiefel von Keen, Lowa und Mammut wiederum bekommen zwar gute Komfortnoten, ihr Schaft bietet auf holprigen Wegen aber kaum Halt - sie eignen sich deshalb eher für Spaziergänge und den Alltag.

Alle Testergebnisse auf Seite 2 des Artikels und in der Fotostrecke oben


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21.01.2014
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 1/14