Winterstiefel für Winterwanderungen und Schneeschuhtouren

Winterstiefel im Test 2016

Gute Outdoor-Winterstiefel halten nicht nur die Füße warm, ihre Sohlen bieten auch bei Eis und Schnee guten Halt. 16 Winterschuhe im Test.
Zu den getesteten Produkten

Fotostrecke: Winterschuhe im Test 2016

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outdoor Winterstiefel Test 2016 Foto: adidas
outdoor Winterstiefel Test 2016 Foto: Dachstein
outdoor Winterstiefel Test 2016 Foto: Hanwag

Fällt der erste Schnee früher als gedacht, blockieren Fahrzeuge mit Sommerreifen jedes Jahr aufs neue die Straßen. Das liegt an den für wärmere Temperaturen optimierten Profilen und Gummimischungen: Sie bieten bei Minusgraden und glattem Untergrund kaum Halt. »Den wenigsten ist allerdings bewusst, dass dies auch für Schuhe gilt«, sagt outdoor-Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Somit sind Outdoor-Winterstiefel eine sinnvolle Ergänzung des Equipment-Portfolios.

Denn immer mehr Modelle besitzen nicht nur ein wärmendes Futter aus Kunstfaserfüllungen oder Lamm- und Kunstfell, sondern zudem kältetaugliche Sohlen. Bei Letzteren greifen die Hersteller tief in die Trickkiste: Einige entwickeln zusammen mit Reifenherstellern, andere mischen Stoffpartikel oder mineralische Stäube in den Gummi, um einen möglichst starken Grip bei Eis und Schnee zu erreichen.

Außerdem sollen die neuen Modelle ähnlich gute Trageeigenschaften bieten wie ein klassischer Wanderstiefel. Ein großer Vorteil, wenn es bitterkalt ist, aber kein Schnee liegt – was bei uns im Winter häufig vorkommt. outdoor wollte wissen, wie gut das funktioniert, und bestellte 16 neue Winterstiefel für Damen und Herren zum Test. Sie kosten 180 bis 270 Euro und besitzen alle ein wasserdichtes, atmungsaktives Futter.

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Das Einsatzspektrum der getesteten Winterstiefel reicht vom sportiven Leichtwanderschuh über Wander- und Alpinstiefel bis hin zum ultrastabilen Kandidaten für Treks mit 20 Kilo Gepäck und mehr. Um die verschiedenen Anforderungen des Wintereinsatzes abzudecken, entwarf das outdoor-Labor einen speziellen Sohlenprüfparcours: »Die unterschiedlichen Passagen auf nassem und trockenem Fels, feuchtem Gras,Waldboden, Matsch und Eisplatten bringen schnell die Stärken und Schwächen der Testmodelle ans Licht«, so Gnielka.

Die mit Abstand beste Performance in Sachen Sohlengrip liefert der Hanwag Alaska Winter. Egal welcher Untergrund, seine Sohle überzeugt durch starken Halt. So behält man bei gemäßigtem Gehtempo selbst auf Eis die Kontrolle. Der Adidas Terrex Ultimate Boost bietet dagegen vor allem bei Nässe und Trockenheit ein beeindruckendes Gripniveau. Auch beim Rest des Feldes passt die Leistung, nur die Modelle von Keen und Meindl fallen im Vergleich etwas ab: Mit ihnen kommt man bei Nässe sowie auf Schnee und Eis schneller ins Rutschen als mit der Konkurrenz. Außerdem ermittelte das outdoor-Labor die Isolation der Winterstiefel.

Dazu wurde jeder Kandidat mit an das Innenvolumen angepassten Wärmekörpern bestückt. Je mehr das Schuhinnere mit der Zeit abkühlt, desto geringer die Wärmeleistung. Zusätzlich wurden alle Modelle auf eine minus 18 Grad kalte Platte gestellt und anschließend überprüft, wie stark die Innenseite im Bereich der Sohle auskühlt. »Der wärmste Stiefel bringt nichts,wenn Kälte von unten hineinkriecht – bei früheren Tests ein häufigeres Problem«, erklärt Boris Gnielka. Doch dieses Mal geht alles gut, im Schnitt lassen sich die Schuhe bis unter minus 20 Grad einsetzen. Am meisten isoliert der Hanwag Alaska Winter: Wenig verfrorene Wanderer können mit ihm selbst bei minus 30 Grad noch losziehen. Am Ende des Testfeldes 2016 landet der Dachstein Winter Spürsinn, dessen Limit bei minus zehn Grad erreicht ist – was für Winter in unseren Breiten meist völlig ausreicht.

Eine gute Wärmeleistung ist erst die halbe Miete

Nur wenn die Feuchtigkeit aus dem Schuhinnern entweichen kann, hält der Winterschuh den ganzen Tag warm. »Unsere Labormessungen zeigen, dass der Isolationsverlust etwa 15 Grad entspricht,wenn die Innenseite nass wird«, erklärt Boris Gnielka. Beurteilt wurde das Klima in der Praxis: Die outdoor-Testcrew wanderte tagelang durch die italienischen Alpen und über die raue Schwäbische Alb, aber trotz des eher milden Wetters lag der Klimakomfort voll im grünen Bereich – eine starke Leistung. Bestnoten in diesem Kriterium bekommt Meindl, dann folgen die übrigen Modelle. Je länger die Mannschaft unterwegs war, desto mehr beeindruckten sie die Trageeigenschaften der Testkandidaten. Dennoch gibt es zum Teil große Unterschiede, weil die Hersteller andere Schwerpunkte setzen.

Für Tageswanderungen mit und ohne Schneeschuhe empfehlen sich vor allem der Meindl Gastein und der Mammut Runbold Advanced, denn sie verbinden Komfort mit gutem Knöchelhalt und besitzen zudem eine stabile Sohle – wobei der Meindl-Schuh der Testcrew noch eine Spur besser gefiel und ein top Ergebnis in Sachen Trageverhalten erzielt: Aus geschmeidigem Leder gefertigt und mit weichem Lammfell gefüttert, fühlt es sich so an, als umhüllte den Fuß eine Wolke aus warmer Luft. Hanwag schickt mit dem Alaska Winter den mit Abstand stabilsten Winterstiefel ins Rennen – ideal für (Schneeschuh-)Touren mit voll beladenen Trekkingrucksäcken.

Fotostrecke: Technik und Tipps zum Schneeschuhgehen

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Richtige Technik zum Schneeschuhgehen Foto: Franz Scholz
Richtige Technik zum Schneeschuhgehen Foto: Franz Scholz
Richtige Technik zum Schneeschuhgehen Foto: Franz Scholz

Komfortprüfung der Winterstiefel

Aufgrund des dicken, zähen Leders muss der Trekkingstiefel gründlich eingelaufen werden, danach zählt der Hanwag-Stiefel aber zu den komfortabelsten Winterschuhen im Testfeld 2016 und beeindruckt mit einem enormen Knöchelhalt. Einen ganz anderen Charakter hat der Leichtwanderstiefel Adidas Terrex Ultimate Boost Climaheat. Mit ihm kommt man so leichtfüßig voran wie mit keinem anderen Testschuh.

Das liegt aber nicht nur am geringen Gewicht, sondern auch an der präzisen Führung des Fußes und dem Boost-Dämpfungsmaterial. Durch die hohe Rückstellkraft wirkt es wie eine Feder und gibt mehr Auftrittsenergie an den Fuß zurück als klassische Schäume. Außerdem schmiegt sich der Schaft eng um den Fuß und bietet dadurch eine sehr gute Kontrolle. Für Outdoorer, die schnell umknicken, oder für Touren mit mehr als 15 Kilo Gepäck fällt sein Schaft im Knöchelbereich aber zu weich aus.

Eine Sonderrolle im outdoor-Wintershuhtest 2016 übernehmen die Alpinschuhe von Salewa und Dachstein: Durch ihre präzisen, kantenstabilen Sohlen und den im Knöchelbereich sehr flexiblen Schaft empfehlen sie sich vor allem für Berg- und Klettersteigtouren im Winter. Ein weiteres Prüfkriterium ist die Schnürung: Je geschmeidiger sie läuft, desto präziser lässt sich der Schaft anpassen – und desto besser sitzt der Schuh. Gut klappt das bei den Winterstiefeln Adidas Terrex Ultimate Boost Climaheat, Meindl Gastein GTX und Hanwag Alaska Winter GTX, während sich die Schuhbändel beim Keen Durand selbst mit starkem Zug kaum bewegen.

Und wie sieht es mit der Schneeschuhtauglichkeit aus?

Hier überzeugen vor allem die Kandidaten mit einem eher festen Obermaterial (Hanwag, Mammut,Meindl und Salewa),weil bei ihnen die Schneeschuhbindung nicht drückt. Alles in allem liefern die getesteten Winterstiefel eine überzeugende Leistung ab. Wenn Ihnen ein Schuh optimal passt und das Trageverhalten zu Ihrem Einsatzprofil passt, kommen Sie mit fast jedem Schuh im Test 2016 klar.

Vier Stiefel sind aber besonders zu empfehlen: Für Winterwanderungen aller Art, mit und ohne Schneeschuhe, wählt man den Meindl Gastein oder den Mammut Runbold. Ersterer glänzt mit dem angenehmsten Tragekomfort aller Testkandidaten, während der Mammut die griffigere Sohle besitzt. Wer dagegen lieber leicht und schnell unterwegs ist, greift zum Adidas Terrex Ultimate Boost, dem perfekten Leichtwanderstiefel für die kalte Jahreszeit. Stehen stattdessen Trekkingtouren im hohen Norden oder anderen Kältelöchern auf dem Programm, gibt es keine Alternative zum Hanwag Alaska.

Die Testergebnisse im Überblick:

Wanderstiefel/ Link zum Testbericht Preis Testurteil
Hanwag Alaska Winter GTX 270 Euro Überragend
Adidas Terrex Ultimate Boost 200 Euro Überragend
Mammut Runbold Advanced GTX 180 Euro Sehr gut
Meindl Gastein GTX 240 Euro Sehr gut
Salewa Snow Trainer Insulated GTX 230 Euro Sehr gut
Dachstein Winter Spürsinn 180 Euro Gut
Lowa Sedrun/Renegade Ice GTX 190/220 Euro Gut
Keen Durand Polar WP 200 Euro Befriedigend

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Alle getesteten Schuhe im Detail:

19.01.2016
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 01/2016