Wanderschuhe im outdoor-Test 2012 - Leichtwanderstiefel

Leichtwanderstiefel bis 180 Euro im Test


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Leichte Wanderschuhe im outdoor-Test
Foto: Benjamin Hahn

 

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Gute Leichtwanderstiefel tragen sich so unbeschwert und geschmeidig wie ein Turnschuh. Sie bieten aber deutlich mehr Halt und Nässeschutz. outdoor hat zehn Leichtwanderstiefel getestet und den Komfortkönig gekürt.
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»In diesen Schuhen läuft man fast wie von selbst. Kein Vergleich zu meinen klobigen Bergstiefeln«, schwärmt outdoor-Testerin Sina Choma. Der Rest der Crew nickt. Alle machen einen entspannten Eindruck, kein Wunder bei den ­aktuellen Testkandidaten: zehn wasserdichte, atmungsaktive Leichtwanderstiefel zwischen 100 und 180 Euro.

Sie wiegen im Schnitt nur etwa 1000 Gramm pro Paar, kaum mehr also als halbhohe Multi­funktionsschuhe – und über ein halbes Kilo weniger als der klassische Wanderstiefel. Wenn man weiß, dass ein Gramm Gewichtsersparnis am Fuß dem Fünffachen im Rucksack entspricht, ist das ein sehr ­beeindruckender Wert. Britische Wissenschaftler haben das schon ­Anfang der fünfziger Jahre herausgefunden, als sie ­Edmund Hillarys Everest-Expedition planten.

»Effektiver lässt sich die Ausrüstung kaum abspecken – und der Wanderspaß steigern«, verrät outdoor-Redakteur Boris Gnielka. Trotzdem bieten Leichtwanderstiefel deutlich mehr Schutz vor Nässe oder aufgewirbelten Steinchen als Multifunktionsschuhe. Außerdem knickt man nicht so schnell um.

Zehn Frauen und Männer trugen die Schuhe zwei Wochen lang auf Tageswanderungen in Teneriffa, über die Schwäbische Alb und auch im Alltag, nun trifft sich das Test­team zu den letzten gemeinsamen Testtouren im Welzheimer Wald. Die hügelige Waldgegend nordöstlich von Stuttgart bietet ideale Bedingungen: Viele naturbelassene, zum Teil steile und rutschige Pfade wechseln mit Forstwegen oder asphaltierten Wegabschnitten. Immer wieder gibt es Bäche, in denen man durch knöcheltiefes Wasser waten kann, um die Wasserdichtigkeit zu überprüfen.

Aktuellere Modelle im Test:

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Alles trocken? Die Nässeschutzprüfung

Doch alle Testmodelle halten dicht – was die Ergebnisse im Labor von W. L. Gore größtenteils bestätigen. Denn während im Welzheimer Wald der Praxistest läuft, stehen rund 250 Kilometer weiter in Feldkirchen die gleichen Modelle im Gore-Gehsimulator in knöcheltiefem Wasser. Unterarmdicke Metallstreben knicken sie im Ballenbereich immer wieder ab – so wie bei der natürlichen Gehbe­wegung. Feuchtigkeitssensoren im Schuhinnern melden selbst den kleinsten Nässeeinbruch. »Neun Paar schaffen alle 300.000 Zyklen ohne Leck – das entspricht immerhin einer 500 Kilometer langen Wanderung im Regen«, lobt Gore-Mitarbeiter Jürgen Kurapkat. Nur ein Modell wird innen nach umgerechnet rund zwölf Kilometern feucht, weil Schnürsenkel und Schäume Feuchtigkeit über den oberen Schaftrand nach innen saugen.

Anschließend wird im Klimaraum nebenan der Klimakomfort ermittelt. »Mit Hilfe von Schwitzfüßen messen wir, wie viel Feuchtigkeit aus dem Schuhinnern entweicht«, sagt Schuhspezialist Kurapkat. Und erklärt: »Je größer die Menge, desto luftiger trägt sich ein Schuh.« Hier liegt alles voll im grünen ­Bereich: Bis auf einen Ausrutscher beeindrucken die Testkandidaten mit Topwerten.

Auch das Ergebnis des Praxistests fällt ­positiv aus

Es gibt kaum Druck- oder Scheuerstellen, Abrollverhalten und Dämpfung liegen im Großen und Ganzen auf einem guten bis sehr guten Niveau. Der Adidas Terrex Fast X FM schneidet beim Abrollen sogar hervorragend ab. »Es fühlt sich so an, als ob der Schuh mich etwas anschiebt«, bringt es outdoor-­Tester Johannes Butscher auf den Punkt. ­Damit zählt der Terrex Fast recht schnell zu den Favoriten im Feld.

Außerdem überzeugen die Sohlen der zehn Leichtwanderstiefel selbst bei nassem Untergrund mit sehr gutem Grip, nur im tiefen Matsch, der immer wieder das Vorwärtskommen erschwert, könnte das eine oder andere Profil noch etwas ausgeprägter sein.

Es gibt aber auch deutliche Unterschiede – das zeigt sich beispielsweise auf dem verwurzelten, steinigen Pfad entlang des malerischen Strümpfelbachs. Während man bei drei ­Modellen einen etwas unangenehmen Druck gegen die Fußsohle spürt, wenn man auf spitze Steine oder Wurzeln tritt, bieten die anderen Modelle durch ihren stabileren Sohlenaufbau mehr Schutz. Zu fest darf die Sohle aber auch nicht sein, sonst fehlt das ­Gespür für den Untergrund.

Am besten gelingt dieser Spagat dem Mammut Redburn, der sich im Verlauf der Tour immer mehr zum Lieblingsschuh der Testcrew entwickelt. ­Zumal er durch seinen tiefen Stand und die gute Fixierung des Fußes im Schuh eine noch bessere Kontrolle als die Konkurrenz bietet. »Ideal auch zum Klettern«, grinst Tester Felix Wiedmann und macht einige Kletterzüge an einem riesigen Sandsteinblock am Wegesrand.

Auf dem steilen, holprigen und stellenweise sogar kniffeligen Abstieg zur Klingenmühle schlägt die Stunde des Salomon Comet 3D. »Der ist so stabil wie ein klassischer Wanderstiefel«, jubelt Testerin Susanne ­Wacker. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um das schwerste Modell im Feld. Weil er sich jedoch genauso bequem trägt wie die noch leichtere Konkurrenz, gehört auch er zu den Topmodellen im Vergleich. Somit sind sich bei der Schlussbesprechung alle ­einig: Es gibt zwar keine schlechten Modelle im Test – ­wohl aber drei klare Favoriten. Welche das sind, erfahren Sie auf der nächsten Seite ...


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30.05.2012
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 05/2012