Test: 16 Leichtwanderstiefel

Gut gelaufen: Leichtwanderstiefel im Test


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Leichtwanderstiefel im Test 2014
Foto: Studio Nordbahnhof

 

Outdoor Wanderstiefel Test 2014
Foto: Adidas

 

Outdoor Wanderstiefel Test 2014
Foto: Ecco

 

Outdoor Wanderstiefel Test 2014
Foto: Hanwag

 

Outdoor Wanderstiefel Test 2014
Foto: Lowa
Leichtwanderstiefel versprechen ein unbeschwertes Vorankommen. Im Frühjahr 2014 hat outdoor 16 neue Wanderschuhe getestet, mit einigen herausragenden Schuhen.
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Monotones Stampfen erfüllt den weiß gekachelten Raum. Es stammt von einem Dutzend schrankgroßer Maschinen. In jeder von ihnen stehen zwei Paar Wanderschuhe im knapp knöcheltiefen Wasser, fixiert von armdicken Metallstangen. Immer wieder knickt der Vorfußbereich einige Zentimeter nach oben ab. »Mit dem Flexer überprüfen wir die Wasserdichtigkeit«, sagt Jürgen Kurapkat von der Firma W. L. Gore.

Auch die 16 Leichtwanderstiefel des outdoor-Tests werden im Flexer getreten. Im Extremfall 200.000 Mal – das entspricht einer Gehstrecke von rund 500 Kilometern. Alle 16 besitzen ein atmungsaktives, wasserdichtes Futter. Ein Paar wiegt im Schnitt gerade einmal 1040 Gramm, der Schaft reicht bei den meisten Leichtwanderschuhen bis knapp über den Knöchel – damit sind die Testkandidaten nicht nur gut ein Viertel leichter als klassische Wanderstiefel, sondern auch etwas niedriger.

Die Preise liegen zwischen 140 und 190 Euro. Plötzlich schrillt ein Alarm, beim Testpaar von Merrell stoppt der Flexer, eine rote LED leuchtet auf dem Monitor über den Schuhen. »Einer der Feuchtigkeitssensoren im Schuh innern meldet einen Wassereinbruch «, sagt Jürgen Kurapkat. Der Bildschirm zeigt, dass am oberen Schaftrand nach 8123 Schritten ein wenig Feuchtigkeit eingedrungen ist – was einer Wanderung von rund 20 Kilometern gleicht. »Die Ursache sind Saugeffekte«, erklärt der Schuhspezialist, nachdem der Schuh aufgeschnitten und die Fehlerquelle analysiert wurde. »Das zeigt, wie wichtig es ist, die Wanderstiefel regelmäßig zu imprägnieren. Denn Saugeffekte entstehen erst dann, wenn Wasser ins Obermaterial eindringt und nach oben wandert – wie bei einem Docht«, so Kurapkat. Alle anderen Testschuhe halten dagegen selbst nach 200.000 Zyklen noch dicht – eine reife Leistung.

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Im Klimaraum nebenan bestücken Mitarbeiter die Testkandidaten mit künstlichen Schwitzfüßen. »Unsere Komfortprüfung zeigt, wie atmungsaktiv die Wanderstiefel sind. Nicht allein das dampfdurchlässige Futter entscheidet über das Klima, sondern auch die anderen Materialien und die Konstruktion. Typische Fehler bestehen darin, luftdichte Schäume zu verarbeiten, das Futter großflächig zu verkleben statt punktuell«, verrät der Ex perte. Doch dieses Mal läuft alles glatt, die 16 Leichtwanderstiefel bekommen beim Klima check sehr gute Noten. Der outdoor-Praxistest bestätigt die Ergebnisse aus dem Gore-Klimalabor. Zwei Wochen hatten die Tester Zeit, um den Schuhen bei Tagestouren auf den Zahn zu fühlen, nun trifft sich die Testcrew abschließend für ein gemeinsames Wanderwochenende auf der Schwäbischen Alb. Die Gegend um Bad Urach bietet alles, was für den Schuhtest nötig ist: verwurzelte, steinige und steile Pfade; Felsen zum Klettern und gemütliche Wege über weiche Waldböden oder Wiesen sowie asphaltierte Forstpisten. Schnell zeigen sich die unterschiedlichen Charaktere der Testkandidaten. »Der Merrell fühlt sich an wie ein Turnschuh«, sagt Testerin Sina Choma und erntet zustimmendes Kopfnicken. Kein Wunder, mit seinem Gewicht von 740 Gramm handelt es sich um den mit Abstand leichtesten Schuh im Feld. »Die Sohle könnte aber noch verwindungsfester sein und mehr Halt bieten«, bemängelt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka beim Queren eines steilen Hangs. Ein ganz anderes Kaliber sind der Meindl Minnesota und der Lowa Focus: Mit rund 1,2 Kilo sind sie die schwersten Teststiefel. Sie liefern starken Knöchelhalt und enorm verwindungsfeste, bissige Sohlen. »Damit würde ich selbst Hüttentouren machen oder Klettersteige«, steht auf einem der Testbögen. Trotzdem gibt es Unterschiede: Der Minnesota rollt noch geschmeidiger ab als der Lowa Focus und dämpft besser – ideal für längere Asphaltetappen. In den großen Größen (ab 44) drücken aber spitze Steine etwas zu stark durch die Meindl-Sohle.

Die Leichtwanderschuhe von Adidas, Ecco, Scarpa, Hanwag und Salomon liegen gewichtsmäßig im Mittelfeld – wobei er Hanwag Escalator in dem Quintett eine Sonderrolle einnimmt. Der eher schwach gedämpfte, präzise Zustiegsschuh fühlt sich vor allem im felsigen Terrain und auf Klettersteigen wohl. »Nur die Kantenstabilität könnte besser sein«, fasst Kletterfreak Jürgen Kaminski die Erfahrungen zusammen, nachdem er und einige andere an einem der vielen Felsen entlang des Wegs herumgekraxelt sind.

Ähnlich sicher bewegt man sich mit dem Scarpa Daylite durch PatitucciPhoto.com kniffeliges Gelände. Gleichzeitig macht er aber auch beim klassischen Wandern eine gute Figur, denn die stark profilierte Sohle besitzt auf nassem Gras oder im Matsch genügend Grip. Noch leichtfüßiger geht’s mit den Wanderschuhen von Adidas und Ecco voran. »Da läuft man wie von selbst«, lobt outdoor-Testerin Ronja Wedegärtner. Außerdem krallen sich die torsionsfesten, kräftig profilierten Sohlen in jedem Untergrund fest. Der Grip der Adidas-Sohle setzt vor allem bei Nässe Maßstäbe: »Top, die hält selbst auf nassem Holz«, staunt Boris Gnielka, während er über einen aalglatten Baumstamm balanciert.

Den mit Abstand besten Knöchelhalt in dieser Fünfergruppe liefert der Salomon Conquest GTX, der Fuß lässt sich aber nicht so sauber setzen wie bei der Konkurrenz, und der Sohle fehlt es ein wenig an Stabilität – eine gute Wahl für Wanderer, die schnell umknicken.


Die getesteten Schuhe 2014:

13.06.2014
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 5/14