Leichte Bergstiefel für Zustieg, Klettersteig und Hüttenwanderung

Getestet: 15 neue Bergwanderschuhe


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Foto: Ben Wiesenfarth

 

Foto: Benjamin Hahn

 

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"In diesem Testfeld findet jeder Bergwanderer den perfekten Schuh" - so lautet das Fazit des insgesamt sehr guten Bergstiefel-Tests 2015. Alle Ergebnisse und die besten Frauen-Bergstiefel im Test zeigen wir hier.
Zu den getesteten Produkten

Keine Frage: Bergwandern ist so beliebt wie nie zuvor. Kinder, Greise, Dicke, Dünne - sie alle wollen heute in die Berge. "Das Problem ist nur: Viele sind den Anforderungen nicht gewachsen, das zeigen die Unfallzahlen ganz deutlich", sagt Bergführer Patrick Jost aus Hindelang. Die Unfallursachen sind meist mangelnde Fitness der Wanderer - aber immer wieder auch: das falsche Schuhwerk.

"Normale Wanderschuhe tragen sich zwar bequem, haben am Berg aber nichts verloren: Sie sind zu weich und finden daher auf steilen Wiesenhängen und Altschneefelder keinen Halt. Eine gefährliche Rutschpartie ist dann manchmal die Folge", warnt der Chef des Hindelanger Bergsteigerbüros. Mit Bergstiefeln passiert das nicht so schnell.

Bergstiefel besitzen eine festere Sohle

Außerdem sind die aktuellen Bergwanderstiefel so kantenstabil, dass sich damit – vor allem bei Querungen – ganz einfach kleine Absätze in Schnee- und Wiesenhänge treten lassen. Steif, schwer und unkomfortabel müssen Bergstiefel deswegen nicht gleich sein, das zeigt allein schon das große Angebot an besonders leichten Bergschuhen, die wir an mehreren Wochenenden in den Allgäuer Bergen getestet haben.

Wir, das sind fünf erfahrene Tester sowie zwei outdoor-Testredakteure. Sie haben einen abwechslungsreichen Prüfparcours ausgetüftelt, der all das bereithält, was den Berg- und Hüttenwanderer auf Tour erwartet: Zuerst führt der Wanderweg auf einfachen Tal-, später holperigen Wurzelwegen, dann über steile Wiesenhänge hinauf ins Geröll und über Schnee und Fels zum Gipfel. "Auf dieser Strecke können wir alles testen: zuerst den Gehkomfort, dann Seitenhalt und Sohlenperformance und zuletzt die Trittpräzision auf Fels", erklärt Testredakteur Frank Wacker mit der Wanderkarte in der Hand, während die Tester ihre Schuhe schnüren und weitere zum Durchtauschen in ihre Rucksäcke packen.

Testfeld: Bergschuhe um 200 Euro und max 1,5 kg Gewicht

15 Bergschuhe haben den Weg in den Test 2015 gefunden, davon sieben Frauen- und acht Herrenschuhe. Voraussetzung für die Teilnahme: Das Paar darf in der Größe 42,5 maximal 1500 Gramm wiegen. Eine Vorgabe, die viele der getesteten Bergstiefel leicht erfüllen - allen voran der La Sportiva Boulder X Mid GTX. Mit 1050 Gramm markiert er die Gewichtsuntergrenze in diesem Bergschuh-Vergleichstest und kämpft sich gleich im ersten Prüfabschnitt - dem Gehkomfort - an die Spitze des Testfelds. "Kein anderer Schuh setzt so weich auf, rollt so geschmeidig ab und trägt sich so leichtfüßig", berichtet Tester Felix Wiedmann, der dem Schuh auch Alltagsqualitäten bescheinigt. "Den würde ich auch im Flachland tragen", so der Trekking-Fan. Fast ebenso bequem zeigt sich der Salewa Mtn. Trainer Mid GTX. Dieser Bergschuh erzielt in puncto Gehkomfort ebenfalls die Höchstwertung – obwohl er im Paar rund 200 Gramm mehr wiegt als der La Sportiva und eine deutlich verwindungssteifere Sohle besitzt.

Diese kommt ihm bei der nächsten Prüfstation allerdings zupass: Auf der steilen Wiese oberhalb der Zipfelsalpe konzentriert sich die Gruppe in erster Linie auf die Leistungsfähigkeit der Sohlen: beim Aufstieg, Abstieg und beim Traversieren, über Gras, Fels und Geröll und jedes Mal mit einem anderen Schuhpaar.

 

Foto: Ben Wiesenfarth

Praxistest: Stiefel-Performance beim Auf- und Abstieg

Während die Tester beim weichen und niedrigen La Sportiva eine ordentliche Portion Trittsicherheit und Balancegefühl mitbringen müssen, bewegen sie sich in den festeren Bergschuhen entspannt und wie auf Schienen über den Steilhang. Am besten schlagen sich hierbei die Test-Schuhe von Hanwag, Salewa und Zamberlan. Letzterer besticht zudem mit einer großen Portion Präzision, was sich vor allem auf Fels bemerkbar macht. "Beim Zamberlan spürt man ganz genau, worauf man steht – ohne dass Steine schmerzhaft durchdrücken", fasst Ausrüstungsredakteur Frank Wacker die Testergebnisse der Sohlenprüfung bei der Rast auf dem Gipfel des 2000 Meter hohen Bschießer zusammen.

Gehkomfort und Sohlenperformance zählen, Während für den Aufstieg in erster Linie sind beim Abstieg auch noch andere Faktoren gefragt - allen voran ein fester Halt im Schuh. "Die Gefahr umzuknicken ist beim Abstieg am größten«, erklärt Bergführer Patrick Jost. »Ein Schuh mit stabilem, hohem Schaft stabilisiert die Gelenke – und schützt die empfindlichen Knöchel vor Stößen und Abschürfungen«,so der Bergprofi.Allerdings nützt der stabilste Schaft wenig, wenn der Schuh nicht richtig sitzt. Eine leichtgängige und effektive Schnürung ist daher ebenso wichtig wie ein fester Schaft. Vorbildlich sind die Schnürungen von Dachstein, Mammut, Salewa und Scarpa: Sie lassen sich perfekt bedienen und sind äußerst wirksam. Und der Seitenhalt? »Fällt beim Mammut am besten aus«, ziehen die Tester nach zahlreichen Vergleichen Bilanz. »Doch auch die Modelle von Dachstein, Lowa und Salewa bieten genug Halt für Schotter-Abstiege«, relativiert Testexperte Frank Wacker das Ergebnis.

 

Foto: Ben Wiesenfarth

Mit jedem der Schuhe kann man auf Bergtour gehen

Auch wenn sich die Testschuhe zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, kann man mit jedem der Schuhe auf Bergtour gehen - vorausgesetzt es passt: zur Fußform und zu den eigenen Stärken, Schwächen und Vorlieben. So werden trittsichere, erfahrene Bergwanderer mit dem leichten La Sportiva Boulder X Mid GTX ihre wahre Freude haben - ob im Tal, auf dem Weg zum Gipfel, beim Kraxeln oder auf Hüttentour.

Wer jedoch leicht umknickt, sollte die Finger von diesem Wanderschuh lassen und besser in den stabilen Mammut Ridge High GTX investieren oder - bei breiteren Füßen - in den Dachstein Preber MC DDS. Gipfelstürmer, Gratwanderer und Kraxelfreunde finden hingegen im präzisen, kletterschuhähnlichen Zamberlan Braver Plus ihren Traumschuh. Fällt er zu schmal aus, empfiehlt sich Hanwags Badile Combi GTX, ein ebenfalls enorm präziser, leichter und agiler Bergschuh – der sogar Halbautomatiksteigeisen aufnimmt: praktisch für Gletscherpassagen oder Eisfeld-Querungen.

Den unterm Strich besten Eindruck im Test 2015 hinterlässt der Salewa Mtn. Trainer Mid GTX. Dieser Bergschuh bietet den ausgewogensten Mix aus Seitenhalt und Flexibilität, Abrollkomfort und Sohlenfestigkeit, Präzision und Dämpfung. Ob Klettertour, Alpentrek, Hütten- oder Almwanderung - mit dem Salewa-Stiefel rutschen Sie so schnell kein Schneefeld hinab.

Die Ergebnisse unseres Bergschuh-Tests im Überblick:

Bergstiefel/ Link zum Testbericht Preis Testurteil
Salewa Mountain Trainer Mid (Testsieger) 200 Euro Überragend
Dachstein Preber MC DDS (Kauftipp) 190 Euro Sehr gut
Hanwag Badile Combi GTX 210 Euro Sehr gut
La Sportiva Boulder X Mid 180 Euro Sehr gut
Zamberlan Braver Plus GTX RR 230 Euro Sehr gut
Mammut Ridge High GTX ? 180 Euro Sehr gut
Lowa Valbona GTX 270 Euro Gut
Scarpa R-Evo GTX 200 Euro Gut

Alle getesteten Schuhe im Detail:

10.09.2015
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 09/2015