Bergschuhe im Test 2016

Bergstiefel, die jede Alpentour mitmachen


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Bergstiefel im Test
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Aku Yatumine GTX
Foto: Hersteller

 

Dachstein Stüdlgrat EV
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La Sportiva Nepal Trek Evo GTX
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Lowa Cevedale Pro GTX
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Feste Bergstiefel versprechen viel Tragekomfort und Trittsicherheit. Doch welcher der acht Schuhe ist der beste Berg-Allrounder? Die Antwort hier ...
Zu den getesteten Produkten

Bergtouren boomen. Doch beim Wandern allein bleibt es oft nicht: Immer mehr Menschen erliegen dem Reiz saugender Tiefblicke und epischer Bergpanoramen auch auf Klettersteigen, Hütten- und Hochtouren oder Alpenüberquerungen mit Trekkinggepäck. Normales Equipment kommt dabei allerdings schnell an seine Grenzen, vor allem die Schuhe - das wichtigste Werkzeug für Bergfreunde und Höhenjunkies. "Die Sohlen von Wanderschuhen sind zu weich, um beim Queren von Schneefeldern oder Steilwiesen Halt zu finden", sagt Bergführer Patrick Jost, der selbst alpinen Softmovern feste Bergstiefel empfiehlt.

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Bergstiefel - Welcher ist der Richtige?

Es tummeln sich Dutzende Varianten in den Regalen der Händler – vom Leichtmodell über Klettersteigschuhe bis hin zum Hochtourenstiefel. Doch welchen wählen? "Am vielseitigsten lassen sich Bergstiefel mit bedingt steigeisenfesten Sohlen einsetzen", sagt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Sie bieten genug Komfort, um damit genussvoll von Hütte zu Hütte zu wandern oder leichte Klettersteige zu meistern. Doch auch für Trekkingtouren mit schwerem Rucksack oder gar Hochtouren auf über 4000 Meter hohe Berge eignen sich diese Schuhe ideal – wenn sie passen und halten, was sie versprechen.

Wie gut sich die neuesten Bergstiefel dieser Klasse schlagen, hat outdoor anhand von acht Bergstiefeln, von denen es viele auch in einer Damenvariante gibt, getestet: im Labor, vor allem aber in der Praxis. Dazu reiste das Testteam ins Montafon. Auf einer ambitionierten Zwei-Tagestour mit Biwakausrüstung und vielen Wechselschuhen im Rucksack, fühlten die sechs Tester den getesteten Bergschuhen gründlich auf den Zahn. Und zwar auf einfachen Schotterwegen genauso wie auf ausgesetzten Saumpfaden, Klettersteig- und Kraxelpassagen, wackeligen Geröllfeldern und grobem Blockgelände. Auch Auf- und Abstiege über Schnee- und Eisflächen liegen auf der Prüfroute. "So lassen sich die vielen Anforderungen, die an Bergstiefel gestellt werden, optimal testen", so Wacker.

 

Bergstiefel im Test
Foto: Ben Wiesenfarth Mit Trekkinggepäck durchs Blockgelände: mit stabilen Schuhen kein Problem!

Bergstiefel im Test: Tragekomfort & Seitenhalt

Dazu zählt in erster Linie ein hoher Tragekomfort, der sich auf einfachen Wegen wie dem Uferweg des Silvrettastausees am ehesten offenbart. Bei der Seeumrundung achten die outdoor-Tester vor allem auf die Dämpfung der Ferse, Flexibilität und Anschmiegsamkeit des Schaftes sowie auf das Abrollverhalten. "Meindl und Lowa geben hier mit ihren relativ flexiblen, stark vorgebogenen Sohlen und weichen, anschmiegsamen Schäften klar den Ton an", resümiert Tester Ralph Wildermuth. Doch erntet auch der Aku Yatumine GTX – immerhin der schwerste Schuh im Test 2016 – viel Lob. Kostprobe gefällig? "Rollt flüssig-rund ab", "trägt sich schön leicht und sehr agil", "dämpft klasse und gerade richtig", steht in den Prüfprotokollen.

Die nächste Station des Alpinstiefel-Tests wartet in steinigem, holperigem Terrain. Auf einem schmalen, anfangs im Tal verlaufenden, später eine steile Bergflanke emporsteigenden Pfad kommt es vor allem auf eine hohe Schaftstabilität und guten Halt an – erst recht, wenn man mit schwerem Trekkingrucksack wandert. "Bei zu weichen Schäften ermüdet man schnell, außerdem steigt das Verletzungsrisiko durch Umknicken", so Testprofi Wacker. Er hat – wie die meisten anderen Tester auch – den Aku Yatumine GTX zum Etappensieger dieser Disziplin gekürt.

Doch auch die etwas leichteren Bergstiefel von Dachstein und Mammut sammeln hier viele Punkte. "Wer über eine hohe Trittsicherheit verfügt und es nicht ganz so fest wie im Aku mag, ist mit diesem Duo sehr gut bedient", sagt der erfahrendste im Testteam, Felix Wiedmann.

Bergstiefel im Test: Sohlenperformance & Isolation

Kurz vor der Vegetationsgrenze richtet die Test-Crew ihren Biwakplatz ein und trifft sich anschließend mit leichtem Gepäck zum gemeinsamen Kraxeln an einer naheliegenden Steilwand. Dort zählen vor allem der Sohlenhalt auf kleinen Felsleisten sowie die Trittpräzision, also das Gespür für den Boden. Für diese Prüfung tragen die meisten Tester zwei verschiedene Schuhe – so können sie die Unterschiede besser aufspüren, denn diese sind manchmal kleiner als gedacht: Viele der getesteten Bergschuhe bleiben dank brettharter Sohlenkanten auch auf kleinsten Felsabsätzen stehen. Am wenigsten Kraft braucht man dazu im Aku, der mit seiner stabilen Sohle die Waden stark entlastet. Auch mit dem Dachstein Stüdlgrat EV, dem Lowa Cevedale Pro GTX und dem Scarpa Triolet GTX macht das Klettern viel Spaß – im Gegensatz zu den Bergstiefeln von Mammut und Meindl, deren weiche Sohlen deutlich mehr Kraft und Einsatz verlangen.

Auch Zustiege über loses Geröll und kleinwagengroße Blöcke gelingen mit festen Schuhsohlen deutlich besser und einfacher. "Mit dem Aku Yatumine GTX kann man so ziemlich jede alpine Herausforderung annehmen", stellt Jürgen Kaminski, der Kletterspezialist im Team, fest. Dass er dabei ins Schwarze trifft, zeigt der nächste Tag, an dem es viel über Schnee und Eis geht. Ob mit Steigeisen – die sich bei allen getesteten Bergschuhen anlegen lassen – oder ohne: Hier ist eine gute Sohlenisolation gefragt. "Sonst frieren einem auf längeren Eis- und Schneepassagen die Füße ein", so Wacker. Auch diesmal gehen die meisten Punkte an den Aku-Bergstiefel, gefolgt von Dachstein und Meindl. Alle drei Kandidaten halten Bodenkälte hervorragend ab – was der Labortest mit der Wärmebildkamera bestätigt. Beim Salewa Raven 2 GTX und Scarpa Triolet GTX kriecht hingegen deutlich schneller die Kälte in den Schuh.

Bergstiefel im Test: Fazit

Als die Gruppe nach 30 Stunden auf Tour den Parkplatz erreicht, zieht sie eine positive Bilanz: Alle getesteten Schuhe machen auf Bergtouren viel Spaß. Am meisten die Bergstiefel von Aku, Dachstein, Lowa, Mammut und Meindl. Welchen der fünf man wählt, hängt vor allem vom Einsatzbereich ab. Wer in den Bergen einfach nur wandern will, liegt mit den beiden Komfortkönigen Lowa Cevedale Pro GTX und Meindl Air Revolution 4.1 richtig. Spielen dabei auch Klettersteige oder Kraxelpassagen eine Rolle, liegt der Lowa Cevedale dank präziser Sohle vorn, dafür trägt sich der Meindl Air Revolution leichtfüßiger. Für Trekker, die mit Zelt, Kocher und Co. über die Berge ziehen, empfehlen sich dagegen eher Dachstein Stüdlgrat und Mammut Ridge Combi High WL GTX. Beide bieten viel Seitenhalt. Der Mammut-Schuh besticht außerdem mit einem günstigen Preis (250 Euro), der Dachstein-Bergstiefel punktet dafür mit viel Reserven im Steilen, auch auf Hochtouren macht er die deutlich bessere Figur. Möchte man sich alle Optionen offenhalten und einen Schuh für viele Bergaktivitäten inklusive knackiger Westalpenhochtouren zulegen, kommt nur der Aku Yatumine GTX in Frage. Das Gute: Dieser Alpinstiefel eignet sich nicht nur fürs Steile, sondern ersetzt mit seinem stabilen, hohen Schaft auch klassische Trekkingstiefel.

Die Testergebnisse der Bergstiefel im Überblick

Bergstiefel / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Aku Yatumine GTX (Testsieger) 320 Euro Überragend
Lowa Cevedale Pro GTX (Kauftipp) 300 Euro Sehr gut
Meindl Air Revolution 4.1 (Kauftipp) 260 Euro Sehr gut
Dachstein Stüdlgrat EV 300 Euro Sehr gut
Mammut Ridge Combi High WL GTX 250 Euro Sehr gut
La Sportiva Nepal Trek Evo GTX 360 Euro Gut
Salewa Raven II GTX 280 Euro Gut
Scarpa Triolet GTX 320 Euro Gut

Die getesteten Bergschuhe 2016:

08.09.2016
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 09/2016