Bergschuhe im Test 2013

Die neuen Bergstiefel im outdoor-Test


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Bergstiefel im Test 2013
Foto: Benjamin Hahn

 

outdoor Bergstiefeltest 2013
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outdoor Bergstiefeltest 2013
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outdoor Bergstiefeltest 2013
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outdoor Bergstiefeltest 2013
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Die aktuelle Bergschuh-Generation verspricht höchsten Gehkomfort auf allen Wegen. outdoor hat die interessantesten neuen Bergstiefel getestet.
Zu den getesteten Produkten

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Wandern boomt, vor allem in den Alpen. Immer mehr Naturbegeisterte zieht es in die Berge, wo neben frischer Luft, urtümlichen Landschaften und herrlichen Ausblicken viele neue Höhen-, Hütten- und Rundwege für faszinierende Erlebnisse und wohltuende Abwechslung sorgen. So richtig erholsam kann eine Tour jedoch nur dann sein, wenn auch die Ausrüstung und vor allem das Schuhwerk stimmt. Normale Wanderschuhe kommen im steinigen, steilen Terrain schnell an ihre Grenzen. Erst recht, wenn man mal ein Schnee- oder Geröllfeld überqueren muss oder einen Klettersteig versuchen möchte. Mit Bergschuhen gelingt das alles deutlich besser.

Damit sind nicht kiloschwere Lederbotten gemeint, sondern moderne Berg-Allrounder der neuesten Generation. Sie sind nur etwas schwerer als Wanderschuhe, besitzen aber einen schützenden Schaft, eine weit bis an die Zehen reichende Schnürung für perfekte Passform sowie eine kantenfeste Sohle. Mit ihr kann man beim Queren von Schneefeldern kinderleicht Stufen treten und kraftsparend auf Eisenleitern stehen. Auch Steigeisen lassen sich daran besser und viel einfacher befestigen - falls doch mal eine Gletscher- oder Hochtour auf der Urlaubswunschliste landen sollte.

Ein bunter Bergschuh-Mix

Doch kann man in solchen Bergschuhen überhaupt noch bequem wandern? Wie gut sich mit diesen Bergschuhen tatsächlich Geröllhänge queren, Eisensprossen hochturnen und Gipfel erklimmen? Und mit welchem Bergschuh klappt das am besten?

Um das festzustellen, untersuchte die achtköpfige outdoor-Testcrew in den Alpen sowie an den Kletterfelsen der Schwäbischen Alb 15 Paar Bergschuhe, darunter acht Männer- und sieben Frauen-Bergschuhe. Preislich spielen alle getesteten Bergschuhe in der Oberliga, sie kosten zwischen 250 und 330 Euro. Das klingt erst einmal teuer. Allerdings hält ein guter Bergschuh - ein wenig Pflege vorausgesetzt - mindestens zehn Jahre lang, macht also 25 bis 33 Euro im Jahr - weniger als eine Hüttennacht im Schlaflager.

Bergschuh-Test 2013: Begegnung auf Augenhöhe

Bei der Ausstattung unterscheiden sich die Testkandidaten kaum: Eine Kipphebelaufnahme für Steigeisen besitzen alle, ebenso eine wasserdichte Gore-Tex-Membran, einen stoßfesten Geröllschutzrand sowie eine grob profilierte Vibramsohle. Auch beim Gewicht gibt’s kaum Unterschiede, die meisten Testpaare wiegen zwischen 1500 und 1700 Gramm. "Das ist verblüffend wenig für einen soliden Bergstiefel", sagt outdoor-Testredakteur Frank Wacker, "viele Trekkingstiefel wiegen mehr." Während Letztere meist komplett aus Leder bestehen, kommen viele Bergstiefel heute ganz ohne aus.

"Mikrofaserstoffe spielen bei unseren Alpinstiefeln eine große Rolle. Sie stellen den besten Kompromiss dar, dem Schuh einerseits gute Stabilität zu geben und gleichzeitig das Gewicht erheblich zu senken", erklärt Stefan Müller von Meindl. Keine Frage, ein leichter Schuh spart Muskelkraft - die man für hohe Berge dringend braucht. Außerdem lassen sich leichte Schuhe selbst mit müden Beinen präzise setzen - ein Sicherheits plus in steinigem Gelände. Besonders deutlich zeigt sich der Komfortgewinn beim Fliegengewicht im Testfeld, dem 1400 Gramm leichten Scarpa Rebel Lite. "Trägt sich fast wie ein Halbschuh, saubequem und extrem leichtfüßig", schreibt outdoor-Tester und Multisportler Johannes Butscher in das Testprotokoll.

 

Foto: Meindl Testsieger 2013: Meindl Jorasse GTX

Bergschuh-Test 2013: Gewicht ist nicht alles

Der hohe Gehkomfort liegt nicht allein am geringen Gewicht, sondern auch am harmonisch runden Abrollverhalten und weichen Schaft. Dieser lässt dem Sprunggelenk viel Freiraum, engt also nicht ein und erlaubt selbst stark abgewinkelte Fußstellungen - hilfreich beim Klettern und Klettersteiggehen. Doch teilt sich der Scarpa den Komfortthron mit Meindls Jorasse. Der jüngste Spross aus Bayern wiegt zwar rund 100 Gramm mehr, doch legt sich sein Schaft wie eine stützende, weiche Socke um die Füße und beeindruckt mit viel Beweglichkeit in Gehrichtung. Auch das spart wertvolle Muskelkraft. Dass geringes Gewicht kein Garant für hohen Gehkomfort ist, zeigt der Millet Grepon. Genauso leicht wie der Meindl, patscht der Schuh mit seiner flachen, dünnen Sohle eher auf als abzurollen – vor allem auf einfachen Wegen störend. Doch bietet eine solche Sohle auch Vorteile: beim Stehen auf kleinen Felsstufen oder dünnen Eisenstiften. Dort biegt sie sich nicht so schnell durch und entlastet so die Waden. "Außerdem spürt man genau, worauf man steht, das erhöht die Trittsicherheit", sagt Testredakteur Wacker.

Wer aber mit schwerem Rucksack loszieht oder wegen schwacher Seitenbänder zum Umknicken neigt, der kann weder mit solch dünn besohlten Modellen wie dem Millet noch mit besonders weichen Kandidaten wie dem Scarpa viel anfangen. Auch Bergneulinge fühlen sich in stabilen Bergstiefeln mit kräftiger, fester Sohle deutlich wohler. Deshalb achteten die Tester bei ihren Bergtouren auch auf Stabilität und Seitenhalt der verschiedenen Modelle. Ergebnis: Den meisten Support bieten Zamberlan und Hanwag, den geringsten Scarpa und Millet. Alle Testergebnisse im Überblick auf Seite 2


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10.09.2013
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 09/2013