Alpinstiefel und Bergschuhe im Test 2014

Getestet: Die neuen Bergschuhe für 2015


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Bergstiefel im outdoor-Test 2014
Foto: Boris Gnielka

 

outdoor Bergstiefel Test
Foto: Aku

 

outdoor Bergstiefel Test
Foto: Hanwag

 

outdoor Bergstiefel Test
Foto: La Sportiva

 

outdoor Bergstiefel Test
Foto: Mammut
Hart zum Fels, weich zu den Füßen: So soll ein Bergstiefel sein. 16 Bergschuhe für Herren und Damen im Praxistest am Hindelanger Klettersteig in den Allgäuer Alpen.
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Aller Anfang ist schwer - auch für die acht outdoor-Tester, die gerade etwas ratlos in den Wolken stehen. "Der Berg macht seinem Namen alle Ehre", murmelt Testerin Mirjam Milad und zieht den Kapuzenschirm ihrer Funktionsjacke nach vorne, weit über ihr tropfnasses Gesicht. Es nützt nichts. Der Regen kommt von vorne, nicht von oben, wo man jetzt eigentlich das Nebelhorn sehen sollte. Und den Hindelanger Klettersteig. Ihn hat die outdoor-Testcrew als Teststrecke für den Test 2014 auserkoren (siehe Fotostrecken).

 

Bergstiefel im outdoor-Test 2014
Foto: Boris Gnielka

Nicht um Regenjacken, sondern um Schuhe zu testen

Genauer: leichte Bergstiefel für den alpinen Allroundeinsatz, also für Wanderungen vom Parkplatz bis zum Hausberg, für Touren von Hütte zu Hütte und für Klettersteige von einfach bis schwierig. Zwischen 200 und 300 Euro kosten diese alpinen Alleskönner – viel Geld. Als Gegenleistung versprechen die neuen Bergschuhe hohen Abrollkomfort, bequemen Sitz, guten Halt beim Wandern und eine kantenstabile, präzise Sohle für Kraxeltouren im Steilgelände. Auch ein rutschfestes Sohlenprofil samt wasserdichter Ausrüstung gehört zu den Ausstattungmerkmalen der 16 Bergschuhe im Test.

Mit diesen Alpinstiefeln an den Füßen sowie in den mit Biwakgepäck vollgestopften Rucksäcken stemmen sich die Tester gegen Wind, Regen und Schwerkraft über die vielen Hügel des Allgäuer Karstgeländes. Pfützen, abgetretene, rutschige Kalksteinplatten und matschige Passagen wechseln sich ab und stellen sowohl den Gleichgewichtssinn der Tester als auch die Sohlen der getesteten Bergschuhe auf eine harte Probe – die der Mammutstiefel am besten meistert: "Der Mammut Alto High GTX bietet erstaunlich viel Grip! Auf nassem Fels genauso wie in schlammigen Senken", stellt Testredakteur Frank Wacker fest. Dadurch, dass die Mammutsohle kaum aufträgt, steht man sehr tief und bodennah im Schuh. "Das erhöht die Trittsicherheit, vor allem an schwierigen Passagen", erklärt der Experte.

Ganz anders beim Aku-Bergschuh: Beim Aku Superalp GTX steht man deutlich erhöht, was zu einem entkoppelten, kippeligen Auftritt führt, der einen guten Gleichgewichtssinn oder zackigen Trekkingstockeinsatz erfordert – auf Dauer aber nervt. Der Rest des Bergschuh-Testfeldes schlägt sich beim Wandern hingegen gut bis sehr gut, auch in puncto Wetterschutz: Alle Bergschuhe im Test hielten den stundenlangen Regenattacken und zum Teil knöcheltiefen Pfützen stand und die Füße trocken.

 

So testet outdoor
Foto: Boris Gnielka

Alle Bergschuhe müssen auch ins Labor

Dass die Gore-Tex-Membran aller getesteten Bergschuhe wirklich dicht hält, zeigt auch der neue Labortest: Seit dieser Ausgabe prüft outdoor die Wasserdichtigkeit in der hausinternen Prüfwerkstatt: 17 Stunden lang lassen die Elektromotoren des "Schuhflexers" von Fellner Mechatronic die Testpaare im Wasserbad wandern. Dringt irgendwo Nässe ein, meldet der Flexer dies sofort auf dem Display sowie an den angeschlossenen PC – mit genauer Angabe über die Position des Lecks. Doch diesmal gibt es nichts zu melden, bis auf kleinere Saugeffekte am Schaft bestehen alle getesteten Bergschuhe die Kneippkur.

 

Bergstiefel im outdoor-Test 2014
Foto: Boris Gnielka

Zurück an den Berg

Nach zehnstündiger Regenwanderung baut die Gruppe ermattet das Lager auf und diskutiert die Eindrücke der heutigen Tragekomfortprüfung der Bergschuhe. Schnell wird klar: Die Alpinstiefel von Mammut und Meindl überzeugen die Tester beim Wandern am meisten, auch Hanwag und Salewa ernten Bestnoten. "Für Bergwanderungen und Hüttentouren eignen sich die vier Modelle bestens", fasst Alpentrekker Johannes Butscher das Ergebnis zusammen. "Wie sie sich beim Kraxeln und Klettersteiggehen schlagen, zeigt sich morgen."

Den Fels im Griff "Katharina, anseilen!" ruft Testerin Sina Choma von oben ihrer Kollegin zu, die gerade abseits der Stahlstrippe über fast senkrechtes Schrofengelände zu ihr emporsteigt. Rund hundert Meter tief rauschen die unter ihren Sohlen bröselnden Steine in die Tiefe. Ungesichert, aber hochkonzentriert klettert Katharina weiter, ihre vertikale Abkürzung sichtlich genießend. "Die La Sportiva sind einfach der Hammer", schnauft sie, oben angekommen. Der La Sportiva Trango Cube GTX ist so präzise und feinfühlig wie ein Kletterschuh, aber so kantenstabil, dass man damit auch auf drei Millimeter kleinen Felsleisten Halt findet, so das Fazit der passionierten Alpinistin - die sich damit in guter Gesellschaft befindet: "Man merkt genau, worauf man steht – und bleibt darauf auch stehen", ergänzt Johannes Butscher.

 

Bergstiefel im Test am Klettersteig
Foto: Boris Gnielka

Doch Klettersteige fordern von den Bergschuhen mehr als nur Präzision und Feingefühl der Sohlen. "Genauso wichtig ist ein perfekter, schlüssiger Sitz des Bergschuhs sowie ein beweglicher Schaft, der die beim Klettern typischen Bewegungen zulässt", erklärt Testredakteur Frank Wacker. Neben dem La Sportiva beweisen auch Hanwag, Mammut, Salewa und Scarpa sehr gute Kraxelqualitäten. Damit ist es im alpinen Gelände nicht getan. Schließlich lauert nach jedem Aufstieg auch ein Abstieg. Und der fällt in höheren Lagen durchaus auch mal etwas ungemütlicher aus, wie die Tester am Ende des gut vierstündigen Steiges erahnen: Ein steiles, viele hundert Meter langes Geröllfeld führt hinunter zum Biwakplatz der Gruppe. Dort, wo die Geröllbrocken zahlreich und nicht viel größer als eine Faust sind, lassen sich solche Passagen zeit- und kraftsparend "abfahren". Voraussetzung dafür sind etwas Schmackes in den Beinen sowie stabile Bergschuhe mit festem Schaft. Sicherheitshalber schnüren die Tester ihre Bergschuhe für optimalen Halt noch einmal knallfest –- denn ein Umknicken in solchem Terrain hätte unappetitliche Folgen. "Mit seinen Rollen an den Ösen lässt sich der Meindl Air Revolution 4.1 kinderleicht schnüren", sagt Katharina Baus und stürzt sich als Erste in die Geröllrinne.

Die anderen folgen in gebührendem Abstand - und deutlich langsamer, was auch am Schuhwerk liegt: "Mit dem Hanwag Badile Combi oder Scarpa R-Evo Pro an den Füßen geht das nur, wenn man sehr trittsicher ist", berichtet Sina Choma nach diversen Abfahrten. Am meisten Punkte erntet hingegen der Mammut Alto High. "Der bietet so viel Seitenhalt, dass Geröllabfahrten, aber auch Trekkingtouren gar kein Problem darstellen", sagt Testchef Frank Wacker. Alle getesteten Bergstiefel sind sowohl als Herrenschuh als auch als Damenschuh erhältlich.
Testfazit und Ergebnistabelle auf Seite 2 ...

Weitere Impressionen vom Test:

Fotostrecke: So testet outdoor: Bergstiefel

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Bergstiefel im outdoor-Test 2014 Foto: Boris Gnielka
Bergstiefel im outdoor-Test 2014 Foto: Boris Gnielka
Bergstiefel im outdoor-Test 2014 Foto: Boris Gnielka

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31.03.2015
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 9/2014