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Bergschuhe: Welches Modell überzeugt?
Allround-Bergstiefel sind die idealen Begleiter für Alpentouren. Welches Modell überzeugt, zeigt der Test.
Wie Wanderstiefel besitzen sie einen hohen, über den Knöchel reichenden Schaft und bestehen aus robusten Materialien, meist mit wasserdichter Membran. Der Unterschied liegt in der Sohle: Einerseits fällt sie steifer aus, was die Muskulatur beim Steigen entlastet, übernimmt doch die Sohle einen Teil der Haltearbeit. Andererseits dämpft die Sohle schwächer, was das Gespür für den Untergrund steigert – man fühlt sich sicherer. Und: Mit den kantenstabilen Sohlen kann man prima klettern oder Klettersteige begehen. An Bergstiefeln lassen sich sogar Steigeisen befestigen, etwa für Gletscherwanderungen oder Hochtouren. Aber bleibt bei derart steifen, wenig gedämpften Sohlen nicht der Komfort auf der Strecke? Keineswegs – wenn die Sohle richtig vorgeformt ist. Dann rollt man trotz steifer Sohle relativ komfortabel ab.
So weit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Um das herauszufinden, testete outdoor acht aktuelle Modelle zwischen 199 und 260 Euro. Auf fels- und gerölldurchsetzten Bergpfaden in den Alpen mussten sie ihre Leistung ebenso unter Beweis stellen wie auf ausgesetzten Klettersteigen und im kombinierten Gelände. Schnell zeigte sich: Es gibt sie, die Alleskönner, die sich auf Bergwanderung genauso wohl fühlen wie im Fels und Eis. Es gibt aber auch die reinen Spezialisten, die sich ganz einer Disziplin verschreiben – unter den Testschuhen vor allem der La Sportiva Trango.
Seine Domäne sind anspruchsvolle Fels- und Klettersteigfahrten – selbst vor Ausflügen in höhere Schwierigkeitsgrade schreckt er nicht zurück. Hier spielt er seine Stärken aus: Er passt sich dem Fuß an wie eine zweite Haut. Dank der sensiblen, kantenstabilen Sohle findet man selbst auf kleinsten Felsvorsprüngen und Leisten Halt, während der weiche Schaft auch für raffinierte Trittsequenzen noch genügend Spielraum bietet. Doch Vorsicht: Für Kletter(steig)touren mit längeren Wanderpassagen eignet sich der La Sportiva nur eingeschränkt, gibt er doch kaum Seitenhalt.
Testmodelle auf hohem Niveau
Hier schlägt die Stunde des Scarpa Triolet GTX. Er schützt auch auf ruppigen Pfaden hinreichend vor Umknicken, und das selbst mit Zehn-Kilo-Rucksack. Trotzdem bleibt er wendig genug für präzise Antritte beim Klettern. Doch der Scarpa ist nicht allein auf Felsetappen fixiert. Zu Hochform läuft er mit Steigeisen auf: Die verwindungssteife Sohle macht den Italiener zur ersten Wahl für Gletscher- und Hochtouren, mit dem man selbst steile Firn- und Eisflanken problemlos angehen kann.
Der perfekte Allrounder aber kommt von Lowa: Der Cevedale GTX umschmeichelt den Fuß, vereint wie kein anderer Stiefel im Test maximalen Tragekomfort mit festem Halt. Seine griffige Sohle verbeißt sich förmlich im Untergrund, egal ob Geröll, Fels oder Schnee, was ihn zum idealen Schuh für Bergwander- und Alpintrekkingtouren macht. Doch auch auf Klettersteigen und im steilen Fels spielt der Testsieger seine Trümpfe aus, steht er doch in puncto Trittpräzision und Agilität dem La Sportiva kaum nach. Selbst Hochtouren scheut er nicht.
Ähnlich vielseitig zeigt sich der Hanwag Ferrata Combi. Er bietet eine Tick weniger Halt und rollt nicht ganz so geschmeidig ab. Dafür verwöhnt er mit geradezu luftigem Schuhklima. Und: Er kostet mit einem Preis von 200 Euro rund 60 Euro weniger als der Lowa.
Fazit: Insgesamt liegen alle Testmodelle auf hohem Niveau. Welches für Sie das richtige ist, hängt ganz von Ihrer Vorliebe ab: Versierte Alpinisten, die vor allem Klettersteige und andere Felstouren zum Ziel ihrer Outdoor-Träume machen, finden im La Sportiva Trango S Evo genau den richtigen Partner. Wer nicht nur im Fels hoch hinaus will, sondern des Öfteren auch in Firn und Eis steigt, trifft mit dem Scarpa Triolet eine gute Wahl. Outdoorer, die sich in den Bergen nicht einschränken wollen und von der Hüttenwanderung mit Klettersteigeinlage über mehrtägige Alpentreks bis hin zu leichten Hochtouren alles mitnehmen, was im Gebirge Spaß macht, greifen am besten zum Testsieger Lowa Cevedale – oder zum Hanwag Ferrata Combi.
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12.09.2008
© Outdoor Ausgabe 08/2008
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Autor: Uli Benker
Test: Boreal Tacul
Test: Hanwag Ferrata Combi
Test: Kayland Apex Rock Event
Test: La Sportiva Trango S Evo
Test: Lowa Cevedale GTX
Test: Scarpa Triolet GTX
Test: Raichle All Degree Light LS
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