Daunenschlafsäcke und Kunstfaserschlafsäcke im Test 2015

Schlafsäcke für Bergtouren im Test


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outdoor Schlafsacktest
Foto: PatitucciPhoto.com

 

Carinthia G-180
Foto: Carinthia

 

Lestra Greenland
Foto: Lestra

 

Deuter Exosphere -4°
Foto: Deuter

 

Mammut Alpine UL 3-Season
Foto: Mammut
Erst mit einem kuschlig warmen Schlafsack machen Outdoor-Nächte richtig Spaß. Im Test 2015: Vier Daunenschlafsäcke und vier Kunstfaserschlafsäcke zwischen 160 und 440 Euro, bis maximal Minus 10 Grad.
Zu den getesteten Produkten

Ein erholsamer Schlaf ist auch auf Tour enorm wichtig: Nur wer nachts seine Batterien auflädt, bleibt tagsüber leistungsfähig. Aus diesem Grund sollten Sie sich einen guten Schlafsack gönnen. Er muss vor Kälte schützen, darf aber auch nicht zu warm sein. Und wenn er im Rucksack steckt, profitiert man von einem geringen Gewicht und Packmaß. »Beim Einsatz von Ende Frühjahr bis Anfang Herbst erfüllen sogenannte Dreijahreszeitenschlafsäcke diese Anforderungen ideal«, erklärt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.

Acht Schlafsäcke, je vier mit Kunstfaser- und Daunenfüllungen, hat outdoor 2015 im Vergleich getestet. Sie kosten 160 bis 440 Euro und wiegen 860 bis 1720 Gramm. Ihr unteres Temperaturlimit liegt zwischen minus zwei und minus zehn Grad – das reicht auch für Treks im hohen Norden oder im Gebirge.

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outdoor Schlafsacktest
Foto: Frank Wacker

outdoor ermittelt die Temperaturangaben in einem bewährten Verfahren (Details siehe "So testet" ganz unten im Artikel). »Als Erstes prüfen wir die Isolation der Füllung«, sagt Schlafsackexperte Boris Gnielka. Im nächsten Schritt spürt die Testcrew schwach isolierte Stellen auf, sogenannte Kältebrücken. Dabei hilft eine Wärmebildkamera: Je heller ein Bereich, desto höher die Temperatur – und desto geringer die Wärmeleistung. Zu den typischen Schwachpunkten zählten bei früheren Tests unzureichend abgedeckte Reißverschlüsse, Daunenfüllungen, die verrutschen, oder schlecht sitzende Kapuzen, an denen die aufgewärmte Luft wie über ein gekipptes Fenster hinausströmt. Doch dieses Jahr haben die Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht: Bis auf eine Ausnahme überzeugen die Konstruktionen. Große Unterschiede gibt es allerdings bei der Isolation.

Am wärmsten sind die Daunenschlafsäcke von Mountain Equipment und The North Face sowie der mit Kunstfasern gefüllte Lestra Greenland. Verfrorene Naturen können sie bis minus zwei Grad (Komfortwert) einsetzen, kälteunempfindliche Schläfer sogar bis minus zehn Grad (Limitwert).

Die Synthetikschlafsäcke von Deuter (3/–5° C), Mammut (4/–4° C) und Carinthia (5/–3° C) folgen mit gebührlichem Abstand, Schlusslichter sind die Daunenschlafsäcke von Valandré und Yeti. Ihr Temperaturbereich liegt aber immer noch bei guten sechs beziehungsweise minus zwei Grad.

 

Schlafsacktest Wärmeleistung Diagramm
Foto: outdoor

Leicht und warm - der Königsweg

»Temperaturwerte sagen aber noch nicht viel über die Leistungsfähigkeit eines Schlafsacks«, relativiert Boris Gnielka. Aus diesem Grund bewertet outdoor die Wärmeleistung in Relation zum Gewicht (siehe Bild rechts). Dann haben zwei Daunenschlafsäcke die Nase vorn. Vor allem der The North Face Superlight zeigt, was möglich ist: Nur 860 Gramm schwer, zählt er dennoch zu den wärmsten Testkandidaten im Testfeld 2015. Auf Rang zwei landet der Mountain Equipment Helium 600, der bei vergleichbaren Isolationswerten 200 Gramm mehr wiegt.

»Die Überraschung im Feld ist aber der mit Kunstfasern gefüllte Carinthia G-180«, sagt Gnielka. Mit 970 Gramm und einem Limitwert von minus drei Grad erreicht der Synthetikschlafsack zwar noch immer nicht das Niveau der besten Daunenschlafsäcke, setzt in seiner Klasse aber neue Maßstäbe und hält locker mit den Daunenmodellen von Yeti und Valandré mit. Auch der Rest der Kunstfaserfraktion schneidet sehr ordentlich ab.

Kunstfaser oder Daune: Vor- und Nachteile

In Sachen Packmaß bieten die Daunenschlafsäcke deutliche Vorteile: Es liegt im Schnitt bei 5,4 Litern. Besonders klein verpackbar ist der Valandré Swing (4,4 Liter), während der Carinthia G-180 (5,7 Liter) den Kunstfaserbestwert liefert. Das durchschnittliche Packmaß liegt in dieser Kategorie bei 7,3 Litern.

Daunenschlafsäcke müssen aber morgens gründlicher gelüftet werden als die Konkurrenz - im Idealfall mindestens 60 Minuten. Sonst sammelt sich vor allem auf längeren Touren die Feuchtigkeit in der Füllung, und die Daune verliert ihre Isolationsfähigkeit. Dafür punkten die Daunenschlafsäcke mit einer doppelt bis viermal so langen Haltbarkeit. Während die Wärmeleistung von Kunstfaserschlafsäcken nach einigen Jahren spürbar nachlässt, bleibt sie bei so hochwertigen Daunenfüllungen wie im Testfeld erhalten. »Das gleicht auch den höheren Kaufpreis wieder aus«, sagt Gnielka.

Gute Nachrichten gibt es in Sachen Schlafkomfort. In keinem der getesteten Schlafsäcke fühlten sich die Testschläfer unwohl, es gab nur vereinzelt Kritik: Beim Deuter Exosphere können die elastischen Nähte etwas drücken, das glatte Innenmaterial des Mammut Alpine UL fühlt sich nicht ganz so angenehm an wie das der anderen Schlafsäcke im Feld. Und im The North Face Superlight wird es in lauen Nächten schnell zu warm, da der mittig positionierte Reißverschluss nur bis zum Bauchnabel reicht.

Unterm Strich gibt es vier Favoriten im outdoor-Schlafsacktest 2015: Mountain Equipment Helium 600, Carinthia G-180, Valandré Grasshopper und Yeti Shadow 500. Sie alle besitzen angenehme Stoffe, komfortable Kapuzen und lassen sich über lange Reißverschlüsse gut belüften. Den Valandré Grasshopper kann man sogar komplett zur Decke öffnen.

Die Ergebnisse des Schlafsacktests im Überblick:

Schlafsack / Link zum Testbericht Material Preis Testurteil
Carinthia G-180 (Testsieger) Kunstfaser ab 230 Euro überragend
Mountain Equipment Helium 600 (Testsieger) Daune ab 330 Euro Sehr gut
Valandré Grasshopper (Kauftipp) Daune ab 309 Euro Sehr gut
Deuter Exosphere -4° Kunstfaser ab 160 Euro Sehr gut
Mammut Alpine UL 3-Season Kunstfaser ab 250 Euro Sehr gut
The North Face Superlight Daune ab 440 Euro gut
Yeti Shadow 500 Daune ab 340 Euro gut
Lestra Greenland (Kauftipp) Kunstfaser ab 179 Euro gut

Details der Testschlafsäcke: Pro und Contra

Im Testfeld 2015 gab es sehr praktische Details, aber auch weniger gut gemachte Lösungen.

 

Schlafsacktest 0915
Foto: Benjamin Hahn

Pro: Luftikus
Dank eines extra Reißverschlusses lässt sich das Fußteil des Valan dré Grasshoppers aufklappen – praktisch für Leute, die ihre Füße herausstrecken, wenn ihnen zu warm wird. Er lässt sich auch als Decke nutzen.

 

Schlafsacktest 0915
Foto: Benjamin Hahn

Pro: Dichtmittel
Carinthia zeigt beim G-180, wie man Reißverschlussabdeckleisten baut: Schön breit (11 cm) und eng anliegend, dichtet sie perfekt ab. Absteppungen verhindern, dass sich der dünne Stoff im Schieber verfängt

 

Schlafsacktest 0915
Foto: Benjamin Hahn

Contra: Geduldsprobe
Der kurze Mittelzip beim The North Face Superlight spart Gewicht. Er bietet aber kaum Ventilationsmöglichkeiten. Außerdem verklemmt er häufig. Die Bedienung der Kapuzenzüge erfordert Fingerspitzengefühl.

Fazit:

Ob Kunstfaser- oder Daunenfüllung, das Testfeld hält mehrere empfehlenswerte Schlafsäcke bereit. Für Touren in nasskalten Gebieten oder zum Biwakieren empfehlen sich vor allem drei Synthetikmodelle: der Carinthia G-180 glänzt mit einem starken Wärme-Gewichts-Verhältnis, ist klein verpackbar und komfortabel – aber auch verhältnismäßig teuer (ab 230 €). Über 60 Euro günstiger sind der Deuter Exosphere und der stark isolierende, aber recht schwere Lestra Greenland. Wer dagegen einen vielseitigen, hervorragend isolierenden und bequemen Daunenschlafsack mit Wärmekragen sucht, greift zum Mountain Equipment Helium 600 (ab 330 €), dem besten Allrounder in seiner Preisklasse. Der sehr klein verpackbare Valandré Grasshopper (309 €) wiederum überzeugt als feines, hochwertiges Leichtgewicht für Treks oder zum Reisen.


Die getesteten Schlafsäcke 2015:

29.12.2015
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 09/2015