14 Kunstfaserschlafsäcke im Test

Iso-Stars: 14 Kunstfaserschlafsäcke im Test 2008

Foto: Benjamin Hahn
Kunstfaserschlaf­säcke der neuesten Generation versprechen maximale Wärme bei geringem Gewicht und Pack­maß. 14 Modelle im outdoor-Test.
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Eine Nacht in der Natur wirkt wie eine Frisch­zellenkur – vorausgesetzt, der Schlafsack garantiert ­einen erholsamen Schlaf. Das ist gar nicht so einfach: In einem zu warmen Schlafsack schmort man im eigenen Saft. Isoliert er dagegen zu wenig, wird die Nacht zur Zitterpartie.

Es geht beim Kauf des Outdoor-Betts also nicht um maximale Wärme, sondern um eine dem Einsatz angemessene Wärmeleistung. Für Mittelgebirgstreks von Ende Frühjahr bis Anfang Herbst ist ein Schlafsack ideal, der bis null Grad warm hält, im Gebirge oder im hohen Norden darf er erst bei mi­nus fünf Grad an seine Grenzen kommen. Outdoorer, die schnell frieren, sollten sogar noch fünf bis acht Grad Reserve einplanen.

Dreijahreszeitenschlafsäcke

Am besten erfüllen diese Aufgabe Dreijahreszeitenschlafsäcke mit einem Komforttemperaturbereich von null bis minus zehn Grad. 14 dieser Modelle zwischen 65 und 280 Euro finden Sie im aktuellen outdoor-Test. Er konzentriert sich auf Schlafsäcke mit Synthetik­füllungen, schließlich greifen fast zwei Drittel aller Käufer zu einem Kunstfasermodell.

 

Reissverschluss Detail
Foto: Benjamin Hahn

Synthetikmodelle sind pflegeleicht

Ausschlaggebend dafür ist oft der günstige Preis: Empfehlens­werte Kunstfaserschlafsäcke gibt es im Testfeld schon für 100 Euro, während ein guter Daunensack mehr als das doppelte kostet. Außerdem sind Synthetik­modelle pflegeleicht. Man muss sie morgens maximal 30 Minuten lüften, da Kunstfasern schnell trocknen und nachts nicht so viel Feuch­tigkeit aufnehmen – ein Daunenschlafsack braucht fast dreimal so lang.

Und selbst wenn die Kunstfasertüte bei Schmud­delwetter tagelang feucht verpackt wird, geht sie nicht gleich in die Knie, denn im Gegensatz zu Daune isolieren nasse Kunstfasern noch einigermaßen. Ein großer Nachteil von Kunstfaserschlafsäcken war in der Vergangenheit das spürbar höhere Gewicht und Packvolumen im Vergleich zu Daunenmodellen. Beide spielen vor allem auf Trekkingtouren eine wichtige Rolle: Je weniger der Schlafsack wiegt, desto weniger schleppt man – das spart tagsüber Kraft. Und je kleiner er sich verpacken lässt, desto mehr Platz bleibt im Rucksack für Proviant oder Brennstoff.

Der Test zeigt aber, dass die Hersteller mäch­tig Gas geben und immer leistungs­fähigere Synthetikmodelle entwickeln.
Maßstäbe setzt hier der US-Hersteller The North Face mit seiner neuen Füllfaser Clima­shield Prism. Sie isoliert beim outdoor-Labortest bei gleichem Gewicht zehn bis fünfzehn Prozent besser als das Vorgängermaterial.

 

Saumzug
Foto: Benjamin Hahn

Große Unterschiede zwischen den Modellen

Außerdem lässt die Füllung das Packmaß gewaltig schrumpfen – beim Modell Snow­shoe um fast 40 Prozent! Mountain Hardwear wiederum verwendet eine extrem weiche Füllung und erreicht fast den Kuschelfaktor von Daune. Außerdem wird das Füllvlies verklebt und nicht vernäht. Das minimiert Kältebrücken, die Isolation steigt, und das Wärme-Gewichts-Verhältnis verbessert sich enorm: Der Lamina bringt trotz seines geräumigen Schnitts nur 1340 Gramm auf die Waage, wärmt aber trotzdem bis minus vier Grad.

Trotz aller Fortschritte muss der Anwender seinen Schlafsack sorgfältig auswählen – der outdoor-Test offenbart große Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen. Der wärmste Schlafsack garantiert wenig verfrorenen Naturen mollige Nächte bis minus 13 Grad, wiegt dafür aber auch zwei Kilo – fast doppelt so viel wie die leichtesten Modelle. Diese streichen aber schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Segel. Überlegen Sie also genau, welchen Temperaturbereich Ihr Schlafsack abdecken sollte und achten Sie auf ein gutes Wärme-Gewichts-Verhältnis – es zeigt, wie leistungsfähig der Schlafsack wirklich ist, weil es die Isolation in Abhängigkeit zum Gewicht bewertet.

Unterm Strich liegt das Niveau des Testfelds hoch, aber fünf Modelle sind besonders empfehlenswert: Wer einen möglichst günstigen Schlafsack sucht, greift zum Starlight von Mountain Equipment (100 Euro). Wer mehr Reserven braucht, weil er schnell friert oder in unseren Breiten Wintertouren plant, liegt mit dem wärmsten Modell richtig, dem Arctic Extreme von Lestra. Alle, die einen geräumigen und besonders kuscheligen Schlafsack suchen, wählen den Lamina von Mountain Hardwear. Und wenn Sie auf das beste Wärme-Gewichts-Verhältnis Wert legen, führt kein Weg an den beiden Testsiegern von The North Face vorbei. Schlafen Sie gut!


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Schlafsäcke in diesem Test:

15.09.2008
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 08/2008