Wanderrucksäcke: Zehn Daypacks zwischen 20 und 30 Liter Volumen im Test

Leichte Wahl: Wanderrucksäcke im Test 2012


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outdoor Rucksacktest
Foto: Björn Hänssler

 

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Foto: Mammut
Wanderrucksäcke sollen komfortabel, leicht und unkompliziert sein, dazu mit sinnvollen Details die Tour bereichern. Welches Modell dem Ideal am nächsten kommt, erfahren Sie hier.
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Weniger ist mehr. Das gilt nicht nur für Autokonzerne, die ihre Karossen immer leichter bauen und damit sowohl Verbrauch als auch Dynamik verbessern. Auch viele Rucksackhersteller sparen an jedem Gramm. Nicht nur bei Ultraleichtmodellen, sondern auch bei normalen Daypacks. Kein Wunder, trägt sich doch ein leichtes Modell erst einmal bequemer als ein schweres – allerdings nur, solange der Sparzwang nicht zu Einbußen beim Tragesystem oder wichtigen Ausstattungsdetails führt. Schließlich müssen die Kleintransporter vielfältige Aufgaben meis­tern und auf Spaziergängen ebenso punkten wie auf sportlichen Wander- oder mehrtägigen Hüttentouren. Geht das gut?

Im outdoor-Test treten zehn Tagesrucksäcke zwischen 80 und 120 Euro gegen­einander an. Sie bieten zwischen 20 und 30 Liter Stauraum, wiegen aber nur rund 1000 Gramm. Dennoch geizen sie nicht mit Ausstattungsdetails wie Trinksystemaufnahmen, Außen- und Innenfächern, Halterungen für Bikehelm, Wanderstock und Eispickel. Vor allem Deuter, Gregory und Osprey führen die Ausstattungsliste an, sie sind für jede Aktivität bestens gewappnet. Am sparsamsten bestückt sind hingegen Black Diamond und Ortlieb. Sie wenden sich eher an Puristen, die zum Wandern keine Eispickel mitnehmen und ihre Habseligkeiten lieber in den Rucksack packen, als in diversen Außenfächern und -taschen zu verteilen. Dennoch: Details wie ein Helmnetz oder eine Trinksys­temaufnahme fehlen auch ihnen nicht.

Viel mehr als die Ausstattung entscheidet aber das Trageverhalten und der Sitz am Rücken darüber, wie breit das Einsatzspektrum eines Rucksack sich fächert. Vor allem für ambitionierte (Mehrtages-)Touren braucht es ein kräftiges Tragesys­tem, das auch Lasten von bis zu acht Kilo bequem auf Schultern, Rücken und Hüfte verteilt. Allerdings darf es dabei nicht steif wie ein Brett die Bewegungsfreiheit einschränken, was vor allem beim flotten Wandern oder Kraxeln hinderlich wäre, sondern muss flexibel, dabei aber kontrollierbar und fest am Rücken sitzen. Eine Herkules­aufgabe!

Doch die zehn Testrucksäcke schlagen sich tapfer – ebenso die sechsköpfige Testcrew. Sie hat sämtliche Probanden beim Wandern, Kraxeln, Speedhiking und Radeln über zwei Wochen lang miteinander ver­glichen und ist mit der Leistung der Rucksäcke sehr zufrieden. Vor allem mit dem Deuter Pace 30, der in jeder Hinsicht Topleistungen zeigt: Obwohl er mit 890 Gramm das leichteste Testmodell ist, trägt er selbst Lasten von zehn Kilogamm, und zwar komfortabel, kontrolliert und mit viel Bewegungsfreiheit. So machen mit dem Pace Spaziergänge und sportlich-flotte Tageswanderungen genauso viel Spaß wie Klettersteige oder mehrtägige Hüttentreks.

Fast genauso komfortabel, fast ebenso leicht und sogar noch geräumiger, aber auch etwas anspruchsvoller im Handling zeigt sich der Gregory Fury 32. Er ist eine top Wahl für Leichtgewichtsfreaks und eignet sich dank bes­ter Lastkontrolle und hoher Flexibilität für vielfältige Unternehmungen.

Sie wollen lieber einen echten Schwerlas­ter? Einen, mit dem Sie auch den Proviant der ganzen Familie mit ins Grüne tragen können? Dann ist der frisch überarbeitete Osprey Kestrel 28 wie geschaffen für Sie. Zwölf Kilogramm trägt der reichhaltig ausstaffierte Frachter locker, dafür sorgen sein fester Hüftgurt und die stabile, gut belüftete Rückenplatte. Beides spendiert ihm zudem eine Extraportion Kontrolle, wenn auch etwas auf Kos­ten der Flexibilität: Klettereien, sportliche Wanderungen oder Nordic-Walking-Trips sind nicht so sein Metier.

Für diese Aktivitäten eignet sich der puris­tisch anmutende Black Diamond Sonic. Er trägt sich überaus flexibel, Schultergurte und Hüftflossen folgen Bewegungen widerstandslos. Kein Tragesystem im Test trägt sich unbeschwerter – zumindest bis acht Kilo –, und auch die Rückenventilation stimmt.

Wanderer, die sehr hohe Ansprüche an die Belüftung stellen, dürfte das noch nicht genügen. Sie sollten den Tatonka Skill 30 in die engere Wahl nehmen. Sein in der Wölbung einstellbares Tragesys­tem führt dem Rücken bei Bedarf extrem viel Frischluft zu – und trägt sich auch sonst sehr bequem. Allerdings nur dann, wenn es richtig passt. Um die Anprobe im Fachgeschäft kommen Sie also nicht herum – bei keinem Modell, denn das hat der Test wieder einmal gezeigt: Der beste Rucksack kann sich immer nur so gut tragen, wie er auch passt.

Die Testergebnisse im Überblick:

Rucksack / Link zum Testbericht Packvolumen in Liter Preis Testurteil
Deuter Pace 30 II (Testsieger) 25+3 im Deckel 80 Euro Überragend
Gregory Fury 32 (Freia) 28+3 im Deckel 119 Euro Sehr gut
Osprey Kestrel 28 24+3 im Deckel 120 Euro Sehr gut
Tatonka Skill 30 (Vento) 26 100 Euro Sehr gut
Black Diamond Sonic (Chase) 24 109 Euro Sehr gut
Jack Wolfskin Barny 26 17+3+2 Deckel/Vorfach 70 Euro Gut
Mammut Lithium 30 30+2 im Deckel 90 Euro Gut
Ortlieb Packman Pro 2 25 110 Euro Gut
Vaude Wizard Air 24+4 21+3 im Auszug 80 Euro Gut
The North Face Alteo 26 17+2 im Vorfach 95 Euro Befriedigend

30.04.2012
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 04/2012