Wanderrucksäcke für Tagestouren im Test

Lademeister: Tagesrucksäcke im Test 2016


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Wanderinnen auf dem Alpe-Adria-Trail
Foto: Christoph Jorda

 

Wanderrucksack im Test
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Tagesrucksäcke gelten als komfortable Kleintransporter. Überzeugen die neuen Modelle? - 16 Wanderrucksäcke im Test 2016.
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Was haben wir nicht schon alles getestet: Zelte, die Wind und Wolkenbruch standhalten, Kocher, die in Sekundenschnelle Wasser zum Brodeln bringen, und Schlafsäcke, die selbst bei minus 30 Grad wärmen. Aber einen Rucksack, den man beim Wandern nicht mehr spürt? Den haben wir noch nicht gefunden. Doch gibt es mittlerweile viele Wanderrucksäcke, die da sehr nah dran sind, wie auch der outdoor-Test 2016 zeigt: Zehn Wanderrucksäcke traten zum Test an, von denen sechs auch in einer Frauenversion geprüft wurden.

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Rucksäcke bis 40 Liter Volumen im Test

Mit einem Packvolumen von 25 bis 40 Litern bieten diese Wanderrucksäcke genug Stauraum für alles, was man auf einer Tages- oder Wochenendwanderung braucht: Wetterschutzkleidung, Erste-Hilfe-Set, Proviant, Trinkflaschen und Co. Damit sich das alles fein säuberlich verstauen lässt, verfügen fast alle Testmodelle über eine Fülle von Fächern, Taschen, Zurrbändern und Reißverschlussöffnungen. Das erleichtert zwar das Packen und Ordnunghalten, erhöht aber auch das Gewicht. So wiegen etwa die drei Ausstattungskönige von Deuter, Lowe Alpine und Mammut zum Teil weit über 1,5 Kilo.

Auch Leichtrucksäcke wurden getestet

So begnügt sich der nur sparsam mit Details versehene Tatonka Skill und sein Damen-Pendant Tatonka Livaz mit 1035 Gramm Eigengewicht – inklusive Regenhülle, die bei allen Wanderrucksäcken im Test (bis auf den Black Diamond) zum Lieferumfang gehört.

Viel wichtiger als das absolute Gewicht ist aber das gefühlte: Ein Rucksack muss sich möglichst unbeschwert tragen lassen. Weder darf er die Schultern malträtieren noch sollte er ins Kreuz drücken. Dieses Ziel versuchen die Hersteller auf zwei Wegen zu erreichen: Einmal mit einem großflächigen, festen Polster, das direkt am Rücken anliegt, und zum anderen mit einem straff gespannten Netz, das Abstand schafft. "Das Netz dient in erster Linie der Ventilation, verhindert aber auch, dass sich etwas unglücklich im Rucksack Verstautes in den Rücken bohrt", erklärt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker.

Doch durch die bei Netzrücken-Rucksäcken unvermeidliche Wölbung des Packsacks lassen diese sich oft weniger elegant beladen, außerdem lagert das Gepäck hier weiter entfernt vom Rücken und damit auch vom Körperschwerpunkt. "Die Gefahr, dass sich der Rucksack dadurch schwerfälliger trägt oder an den Schultern nach hinten zieht, ist bei einer Netzrückenkonstruktion deutlich größer als bei Rucksäcken, die direkt auf dem Rücken sitzen", sagt Test-Redakteur Frank Wacker.

Ideal für Bergtouren: Rucksäcke mit Kontaktrücken

Rucksäcke mit Kontaktrücken eignen sich deshalb auch mehr für Bergtouren und hohe Zuladung, solche mit Netzrücken eher für Wanderungen mit leichtem Gepäck. Ob ein Rucksack nach hinten zieht oder nicht, hängt allerdings nicht nur von der Bauweise, sondern auch von der Packtechnik ab, weshalb wir alle getesteten Rucksäcke für den Vergleich systematisch beladen haben: mit speziellen Gewichtssäcken, die über die gesamte Rückenfläche drappiert wurden, sowie mit leichtem Stopfmaterial - Daunenjacken und Regenkleidung -, das dafür sorgt, dass die Säcke nicht nach unten rutschen. Eine digitale Hängewaage stellt sicher, dass jeder Rucksack exakt 8,0 Kilogramm wiegt. "Mehr nimmt eigentlich niemand mit auf eine Tagestour, es sei denn, er muss die Ausrüstung und Verpflegung der ganzen Familie tragen", so Frank Wacker.

 

Wanderrucksäcke im Test 2016 - Ausstattungsdetails
Foto: outdoor

Rucksack-Praxistest: Tragekomfort, Ventilation, Sitz

Zusammen mit fünf weiteren Testerinnen und Testern fühlt er den Kleintransportern beim Mittelgebirgswandern auf den Zahn. Im Fokus stehen dabei der Tragekomfort und die Ventilation. Jede halbe Stunde tauscht das Sextett die Rucksäcke, macht Notizen und diskutiert seine Eindrücke – bei der ersten Testrunde die der Kontaktrückenmodelle. Sie alle, so das Fazit der Tester, tragen sich sehr kontrolliert, direkt und präzise; manche wirken sogar wie festgeklebt. Beim Mammut ist dies allerdings so stark ausgeprägt, dass er die Gehbewegung ein wenig erschwert. "Fühlt sich an, als würde die Hüfte in einem Schraubstock klemmen", berichtet outdoor-Reiseredakteurin Kerstin Rotard. Dass eine hohe Lastkontrolle nicht mit einem unflexiblen Tragesystem erkauft werden muss, beweist hingegen der Millet Ubic 30, der viel Bewegungsfreiheit zulässt, aber bombenfest sitzt – auch mit zehn Kilo Beladung. In puncto Ventilation gewinnen die vier Kontaktrückenmodelle erwartungsgemäß keinen Blumenstrauß.

Bereits nach einer halben Stunde – beim ersten Wechsel der Rucksäcke – sind die Rücken der Tester so gut wie durchgeschwitzt. Und bei den Netzrückenkandidaten? Da bleibt zwar der Rücken nicht vollständig trocken, aber immerhin weitgehend, was auch an den perforierten und damit sehr luftigen Schulterträgern liegt.Am effektivsten funktioniert die Belüftung bei Deuter,Tatonka und Vaude. »Für den Winter sind die drei mir fast zu kalt", gesteht Katleen Richter, die Frostbeule im Testteam. "Auf Wanderungen im Sommer würde ich sie aber generell vorziehen, da sie so schön fluffig anliegen und den Rücken nicht so schwitzig-heiß werden lassen«, so die erfahrene Trekkerin. Vor allem der Deuter hat es ihr angetan, da er sich auch mit schwerem Gepäck bequem trägt. "Für Bergtouren ist er mir durch den wölbungsbedingt weit nach hinten verlagerten Schwerpunkt aber etwas zu träge", relativiert Testredakteur Frank Wacker, der für diesen Zweck eher den Lowe Alpine Airzone+ 35 mitnehmen würde. Bei ihm lässt sich sogar die Rückenlänge an die Statur anpassen,womit viele Passformprobleme gar nicht erst entstehen.

Auch der Vaude und der Kontaktrücken-Rucksack von Mammut bieten diese Option. Andere, wie etwa der Osprey Kestrel 28, sind in zwei Größen erhältlich - auch hier steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er gut sitzt. Denn auch das hat der Rucksacktest 2016 wieder einmal gezeigt: Ein Rucksack muss perfekt passen, sonst kann er sich gar nicht bequem tragen. Um eine gründliche Anprobe beim Händler kommen Sie also nicht herum.

Doch welche Wanderrucksäcke lohnt es, Probe zu tragen? Das hängt vom Einsatzbereich ab. Wer viel bei warmem Wetter auf Tour geht, sollte sich zuerst einmal bei den Netzrücken-Rucksäcken umsehen. Im Test 2016 überzeugten neben dem großvolumigen Lowe Alpine Airzone Trek+ (mit seinen 43 Liter gut für Mehrtagestouren), vor allem der Deuter Futura und Vaude Brenta (29 und 34 Liter).

Während der Deuter Futura 32 mit der besseren Lastübertragung punktet, wendet sich der Vaude Brenta 35 eher an Grammjäger. Wanderer, die auch oder überwiegend in den Bergen unterwegs sind, finden hingegen bei den Rucksäcken mit Kontaktrücken am ehesten einen geeigneten Wanderrucksack. Hier empfiehlt sich vor allen anderen der Millet Ubic 30, der bei jeder Aktivität Vergnügen bereitet und mit einer Zuladung von rund zehn Kilo auch für Mehrtagestouren – etwa von Hütte zu Hütte – geeignet ist. "Ein top Allrounder ohne Schwächen", so das einhellige Fazit der Tester.

Das gilt auch für den Osprey Kestrel 28 - allerdings nur, wenn man bereit ist, ihn sauber zu packen, denn durch sein dünnes Rückenpolster kann es sonst schnell mal unangenehm drücken. Keine Frage: Auch die Top-Rucksäcke im Test 2016 tragen sich nicht von ganz allein - kommen diesem Traum aber verdammt nahe!

Die Testergebnisse im Überblick:

Rucksack / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Millet Ubic 30 (Kauftipp) 130 Euro Sehr gut
Deuter Futura 32/30SL (Kauftipp) 130 Euro Sehr gut
Osprey Kestrel 28 120 Euro Sehr gut
Vaude Brenta 35 (Kauftipp) 120 Euro Sehr gut
Lowe Alpine Airzone Trek 35/ND33 130 Euro Sehr gut
Tatonka Skill/Livaz 100 Euro Sehr gut/Gut
Black Diamond Axis 33 120 Euro Gut
Mammut Lithium Crest 30+7 145 Euro Gut
Salewa Peak 28/26S 135 Euro Gut
The North Face Litus 32 110 Euro Gut

20.04.2016
Autor: Test-Redaktion
© outdoor
Ausgabe 04/2016