Vom Einkammersack bis zum Wanderrucksack mit Vollaustattung - Rucksäcke im Praxistest

14 Wanderrucksäcke bis 40 Liter im Test 2015


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Wanderrucksäcke im outdoor-Test
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Moderne Wanderrucksäcke versprechen top Komfort und eine funktionelle Ausstattung. outdoor hat 14 aktuelle Wanderrucksäcke getestet.
Zu den getesteten Produkten

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"Es ist verblüffend, wie viel sich bei den Rucksäcken in einem Jahr getan hat", sagt Online-Redakteur Ralf Bücheler und erhält zustimmendes Kopfnicken vom Rest der outdoor-Crew. Zwei Tage lang waren die Testerinnen und Tester auf der Schwäbischen Alb unterwegs, um 14 Wanderrucksäcke für Damen und Herren auf Herz und Nieren zu prüfen.

 

Wanderrucksäcke im outdoor-Test
Foto: Steffen Scheyhing Die outdoor-Testcrew beim Praxistest auf der Schwäbischen Alb.

Die getesteten Wanderrucksäcke kosten zwischen 70 und 140 Euro, die Volumina reichen von 22 bis 39 Liter – genug für Tageswanderungen. Die größeren Rucksäcke eignen sich zudem für Hüttentreks oder für Eltern, die ihrer Familie als Träger dienen.

Große Unterschiede gibt es bei den Tragesystemen im Wanderrucksack-Testfeld 2015 (siehe auch Seite 2 des Artikels): Osprey und Vaude setzen zum Beispiel auf das bei Wanderern sehr beliebte Ventilations- oder Abstandsnetz. Hier sorgt luftiges Mesh, das mit Hilfe eines Rahmens aufgespannt wird, für eine top Belüftung. Die Rucksäcke von Deuter, Gregory und Jack Wolfskin besitzen dagegen in die Rückenplatte integrierte Streben. Ursprünglich für größere Rucksäcke entwickelt, ermöglicht dieses Prinzip eine möglichst effektive Lastübertragung auf das Becken und die Hüfte – perfekt für alle, die häufig etwas mehr schleppen oder die Schultern entlasten möchten. Spezielle Ventilationskanäle im Rückenpolster sollen die Luftzirkulation trotz engem Körperkontakt verbessern.

Die dritte Variante: Lowe Alpine, Exped und Tatonka verzichten bei ihren Wanderrucksäcken auf Versteifungen und schicken Kandidaten mit rahmenlosen Körperkontakt rücken ins Rennen. Durch ihr geringes Gewicht sprechen sie vor allem Leichtwanderer oder Alpinisten an: Mit durchschnittlich 770 Gramm wiegen sie rund 40 Prozent weniger als der Rest des Feldes. Wichtig bei diesen Rucksäcken: »Die Federgewichte muss man sauber packen, sonst wölbt sich das Tragesystem wie eine Tonne und liegt nicht sauber am Rücken an. Oder harte Gegenstände drücken durch«, so Rucksackprofi Boris Gnielka. Richtig beladen tragen sie sich aber schön flexibel, lassen den Armen viel Bewegungsfreiheit und punkten mit einer sehr guten Lastkontrolle. Ihre Lastobergrenze liegt bei acht bis zehn Kilo – »diese Wanderrucksäcke sind völlig ausreichend für die meisten Tagestouren oder die Ansprüche von Grammzählern«, so der Experte.

Am ausgewogensten sind die Kandidaten mit Abstandsnetz.

Sie überzeugen nicht nur mit einer hervorragenden Ventilation, sondern punkten insgesamt mit ausgewogenen Trageeigenschaften. »Sie sind ideal zum Wandern«, bringt es Testerin Sina Choma auf den Punkt. Top-Noten bekommt das Osprey-Herrenmodell: Es ist komfortabel, schaukelt nicht und vereint gute Lastübertragung (bis 12 Kilo) mit Flexibilität. Das Damenpendant liefert eine ähnlich stimmige Leistung. »Nur die fehlende Kopffreiheit stört«, kritisiert Reiseredakteurin Kerstin Rotard. Die beiden Vaude-Rucksäcke schneiden gut ab. Allerdings können die dünnen Riemen des kurzen Hüftgurts je nach Statur etwas einschneiden, wenn man nur ein dünnes T-Shirt trägt – was beim Probetragen aber schnell auffällt. Zudem sind sie über 30 Prozent leichter als die Konkurrenz von Osprey. Auch die Modelle mit den versteiften Rückenplatten schlagen sich klasse. »Erstaunlich: Trotz des weichen Netzhüftgurts bietet der Deuter eine gute Lastübertragung«, bemerkt Tester Johannes Butscher. Der Trick liegt im flexiblen Kunststoffrahmen, der durch die luftigen Hüftpolster gegen den Rücken gezogen wird und so genügend Reibung erzeugt. Außerdem sitzt der Deuter ACT Trail wie festgeklebt am Rücken – ohne dabei allzu sehr einzuengen. Das Gewicht (rund ein Kilo) und die Belüftung gehen ebenfalls voll in Ordnung. Somit reicht der Einsatzbereich von Tageswanderungen bis hin zu Klettersteigtouren.

Ein ganz anderes Feld bestellen die Rucksäcke von Jack Wolfskin und Gregory: Mit 1,4 Kilo und 36 bis 39 Liter Volumen übernehmen sie die Rolle der Lastesel im Feld. »Dank ihrer wuchtigen, stabilen Hüftgurte stehen sie selbst mit 15 Kilo Beladung wie eine Eins auf der Hüfte – das reicht locker für Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte«, sagt Kerstin Rotard. Allerdings tragen sie sich durch die breiten Träger und die großflächige Rückenauflage nicht so luftig – seriöse Lastenträger eben. Trotz aller Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die beiden Schwertransporter aber: Dick und weich gepolstert, spricht der Jack Wolfskin Highland Trail vor allem komfortverwöhnte Wanderer an. Die härteren, jedoch nicht unbequemen Gregory-Modelle bieten durch den direkteren Körperkontakt eine noch bessere Kontrolle – speziell bei hoher Zuladung.

 

Wanderrucksäcke im outdoor-Test
Foto: Hersteller Voll ausgestattet: der Jack Wolfskin Highland Trail mit 32+6 Liter Volumen.

Wanderrucksäcke 2015: Breites Testfeld

In puncto Ausstattung reicht die Bandbreite im Testfeld vom schlichten Einkammersack bis hin zu Modellen mit Vollausstattung. Ob man ein extra Bodenfach, Seitentaschen oder einen Frontzugriff braucht, ist aber Geschmackssache. Einigkeit herrscht beim Deckelfach: Es sollte geräumig sein und eine große Reißverschlussöffnung besitzen – was in dieser Volumenklasse eine Seltenheit darstellt. »Zumindest in diesem Punkt herrscht noch Verbesserungspotenzial«, sagt Boris Gnielka. Und wer lieber aus Flaschen als aus Trinksystemen trinkt, braucht mindestens einen geräumigen Flaschenhalter. Aber auch daran haben fast alle Hersteller gedacht. Eine Sonderstellung in diesem Test nimmt der Exped Torrent ein. Er besitzt als einziger einen wasserdichten Tragesack mit Rollverschluss. »Für mich ein prima Konzept, da ich auch bei Regen viel unterwegs bin«, kommentiert Tester Joel Vermillion. Denn während der Exped dicht hält, bieten die in der Regel mitgelieferten Regenhüllen keinen anhaltenden Nässeschutz: »Mit der Zeit saugt sich nämlich Wasser über das Rückenpolster ins Innere«, so Vermillion.


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26.05.2015
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 05/2015