Trekkingrucksäcke für Wildnistreks mit bis zu 25 Kilo Gepäck

Getestet: Trekkingrucksäcke für die große Tour


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Trekkingrucksack-Test 2015
Foto: Boris Gnielka

 

Trekkingrucksack Bach Lite Mare Herren
Foto: Bach

 

Trekkingrucksack Bach Lite Mare Damen
Foto: Bach

 

Trekkingrucksack Bergans Trollhetta 75l Herren
Foto: Bergans

 

Trekkingrucksack Bergans Trollhetta 75l Damen
Foto: Bergans
Gute Trekkingrucksäcke lassen sich auch voll bepackt bequem tragen. Mit den Top-Rucksäcken aus unserem Vergleichstest 2015 lassen sich Lasten bis zu 25 Kilogramm transportieren - perfekt für ausgedehnte Wildnistreks!
Zu den getesteten Produkten

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Ein Trekkingrucksacktest ist keine leichte Aufgabe: 12 Rucksäcke, beladen mit 25 Kilo und mehr, müssen im Praxiseinsatz beweisen, ob sich das üppige Gewicht über Stunden angenehm tragen lässt. Preislich liegen die getesteten Trekkingrucksäcke zwischen 230 und 330 Euro, das Volumen reicht von 70 bis 95 Liter – genug, um Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Töpfe und die Verpflegung für ein, zwei oder sogar drei Wochen darin zu verstauen. Zu jedem der sechs Herrenrucksäcke gibt es zudem eine Damenvariante. »Im Vergleich zu den Männerversionen sind sie etwas kleiner, besitzen kürzere Rücken, schmalere Schulterträger sowie einen weniger wuchtigen und stärker abgewinkelten Hüftgurt«, erklärt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.

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Trekkingrucksäcke 2015 mit vielen innovativen Ideen

Auf einen Blick sieht man, dass sich die Hersteller bei den Tragesystemen mächtig ins Zeug legen. Außen versteifte, innen komfortabel gepolsterte und vorgeformte Hüftgurte sowie zum Teil sehr aufwendige Verstrebungen in der Rückenplatte sollen das Gewicht auf die Hüfte oder das Becken bringen und die Schultern entlasten. Luftige Schäume oder Ventilationskanäle versprechen trotz des rückennahen Sitzes eine gute Belüftung. Außerdem geht die Entwicklung zu beweglich gelagerten Gurten. Neben Bach – einem der Pioniere in der Umsetzung dieses Konzepts - und Fjällräven setzen auch Gregory und Bergans bei ihren neuen Modellen darauf. Aus gutem Grund: Das Gehen mit einem flexiblen Rucksack strengt weniger an.

 

0815 Trekkingrucksack Test
Foto: Benjamin Hahn

Der Gregory Baltoro und die Damenversion Deva vereinen Komfort mit einer top Lastübertragung (bis 35 Kilo). »In Kombination mit ihrem üppigen Volumen sind sie die idealen Begleiter für wochenlange Treks durchs skandinavische Fjäll oder andere entlegene Regionen«, sagt Testchef Boris Gnielka. Bis immerhin 25 Kilo Beladung eignen sich die Kandidaten von Bach, Fjällräven und Bergans – das reicht für Selbstversorgertouren von bis zu 14 Tagen. Am bequemsten trägt sich der Bach Litemare, seine Lastübertragung funktioniert aber nur, wenn man ihn mittels der Lastkontrollriemen, die vom oberen Ende des Packsacks zu den Schulterträgern laufen, fest an den Rücken heranzieht – das gefällt nicht jedem. Nicht nur komfortabel, sondern auch schön luftig sind der Fjällräven Abisko und der Bergans Trollhetta, weil sie nur im Bereich der Schulterblätter am Rücken anliegen. Der Trollhetta schaukelt allerdings bei ruckartigen Bewegungen und bringt seinen Träger etwas aus dem Gleichgewicht.

Marktführer Deuter verwendet bei seinem im Lauf der Jahre ständig weiterentwickelten Topmodell Aircontact Pro ein semiflexibles Tragesystem. Nicht ganz so beweglich, überzeugt der Klassiker mit einer superben Lastübertragung und festem Sitz. Rucksackspezialist Osprey schließlich nutzt eine sehr steife Verbindung zwischen Hüftgurt und Rückenplatte. Das schränkt zwar die Bewegungsfreiheit ein, dafür kommen die Osprey Modelle noch besser mit schwersten Lasten klar als die Konkurrenz. Außerdem tragen sie sich anschmiegsam und lassen sich hervorragend kontrollieren.

Ausstattung der Trekkingrucksäcke

In Sachen Ausstattung geht der Trend zu Packsäcken, die sich nicht nur von oben, sondern auch von vorne be- und entladen lassen – eine durchaus brauchbare Lösung, die aber mit Bedacht genutzt werden sollte. »Zieht man etwas über die Frontöffnung aus dem Packsack, rutscht die übrige Ladung nach vorne. Dadurch sitzt der Rucksack nicht mehr so komfortabel und rutscht schneller auf dem Rücken herum«, sagt Boris Gnielka. Praktikabler ist es, die tagsüber benötigten Sachen im Deckel und in den Front- oder Seitentaschen zu verstauen. Das funktioniert bei allen getesteten Rucksäcken.

Bestnoten im Ausstattungskriterium bekommen die Trekkingrucksäcke von Deuter, Gregory und Osprey. Bei ihnen stimmt jedes Detail: von kleinen Täschchen an den Hüftgurten über großzügig dimensionierte Flaschenhalter, in denen sich die Trinkbehältnisse greifen lassen, ohne den Rucksack abzusetzen, bis hin zu effektiven Kompressionsgurten. Über Letztere kann man das Packsackvolumen anpassen, wenn im Verlauf der Tour die Vorräte schrumpfen. Auch der Rest des Feldes schneidet sehr gut ab – es gibt allenfalls Kleinigkeiten zu bemängeln. Eine fehlende Regenhülle ist zu verschmerzen, schließlich verhindert auch sie nicht, dass mit der Zeit Wasser über das Tragesystem ins Innere sickert. »Garantiert nässefest sind leichte, wasserdichte Packsäcke, die in den Rucksack kommen«, sagt Boris Gnielka. Diese sogenannten Rucksackliner gibt es beispielsweise von Ortlieb, Sea-to-Summit oder Exped. Preis je nach Größe: 10 bis 40 Euro.

Eines zeigt unser Rucksack-Test 2015 aber auch: je schlichter die Ausstattung, desto geringer das Rucksackgewicht. Während der schnörkellöse Bach Lite Mare FA nur knapp über zwei Kilo auf die Waage bringt, wiegt der mit Features gespickte Deuter Aircontact Pro fast ein Kilo mehr. Im Schnitt liegt der Wert aber bei für diese Klasse sehr guten 2,5 Kilo.

Testfazit:

Etwas Verbesserungsbedarf gibt es im Feld in puncto Langlebigkeit. Die Rückenpolster von Osprey und Gregory zeigen nach dem mehrwöchigen Test leichte Abriebspuren, beim Bergans Trollhetta fehlen Kompressionsriemen, die den Frontöffnungszip entlasten. Nutzt man die Rucksäcke nur für ein oder zwei Treks im Jahr, wird es kaum Probleme geben, für den Dauergebrauch empfehlen sich jedoch die robusteren Testkandidaten (Deuter, Bach).

»Mit jedem Rucksack im Testfeld kann man glücklich werden – wenn der Einsatzbereich stimmt, die Trageeigenschaften den eigenen Vorlieben entsprechen und das Tragesystem optimal sitzt«, fasst Boris Gnielka die Ergebnisse zusammen. Deshalb sollten Sie Trekkingrucksäcke vor dem Kauf unbedingt im Outdoor-Fachhandel ausprobieren – und zwar mit dem Gewicht, das Sie später auf Tour tragen werden. Dann merken Sie schnell, ob Ihnen ein bestimmter Rucksack zusagt. Wer nicht mehr als 25 Kilo schleppt, probiert den Bach Lite Mare FA oder den Fjällräven Abisko 75 (oder die entsprechende Damenvariante Fjällräven Abisko 65 W). Möchte man dagegen Reserven, heißen die Empfehlungen Deuter, Gregory und Osprey.


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Die getesteten Trekkingrucksäcke 2015:

12.09.2015
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 08/2015