Tourenrucksäcke im Test 2017

Rucksäcke für Tageswanderungen und Trekking


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Rucksack für Bergtouren
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Sie gehen gerne in die Berge und suchen einen möglichst vielseitig einsetzbaren Tourenrucksack? Hier werden Sie fündig: outdoor hat 13 Allrounder getestet.
Zu den getesteten Produkten

kurz & knapp - der outdoor Tourenrucksack-Test 2017

  • 13 Tourenrucksäcke im Test. Darunter auch drei spezielle Damenmodelle
  • Die getesteten Rucksäcke liegen preislich zwischen 130 und 220 Euro
  • Zwischen 1330 Gramm und 2 Kilogramm wiegen die Testkandidaten
  • Das Testfeld spricht unterschiedliche Käuferschichten an - der jeweilige Einsatzzweck entscheidet über den optimalen Rucksack
Tourenrucksack / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Black Diamond Speed 40 170 Euro Überragend
Bach Journeyman 48 200 Euro Sehr gut
Gregory Alpinisto 50 220 Euro Sehr gut
Lowe Alpine Mountain Ascent 40/ND 38 150/130 Euro Sehr gut
Ortovox Peak 45/42 S 200/200 Euro Sehr gut
Osprey Variant 52 200 Euro Sehr gut
Deuter Guide 45+/40+ SL 170/170 Euro Gut
Jack Wolfskin Alpine Trail 40 160 Euro Gut
Vaude Croz 38+8 140 Euro Gut
Tatonka Cebus 45 150 Euro Befriedigend
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Vom Tageswandern über Hütten- und Zelttrekking bis hin zum Klettersteig- oder Skitourengehen, die Alpen sind eine perfekte Spielwiese für Outdoorer. Doch nur Ausrüstungsfreaks besitzen für jeden Einsatz einen speziellen Rucksack, die meisten Gipfelstürmer nutzen ein Modell für alles. Als ideale Allrounder erweisen sich sogenannte Tourenrucksäcke mit einem Volumen zwischen 40 und 50 Liter. Der im Vergleich zu Daypacks üppigere Stauraum schafft Reserven fürs Übernachtungsgepäck oder für das Kletterequipment, bestehend aus Helm, Gurt, Karabinern und Co.

»Um das Mehrgewicht komfortabel tragen zu können, bieten die Tragesysteme gepolsterte Hüftgurte und eine versteifte, nah am Körper anliegende Rückenplatte. Das ermöglicht einen sicheren Sitz«, erklärt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Auf den bei kleineren Modellen so beliebten Netzrücken verzichten die Hersteller in dieser Klasse im Normalfall, weil der Schwerpunkt durch die Wölbung recht weit vom Körper weg wandert. Darunter leidet die Lastkontrolle und damit auch die Trittsicherheit – ein wichtiger Aspekt im steilen, anspruchsvollen, und zum Teil ausgesetzten Gelände.

Welcher Tourenrucksack der beste Alleskönner ist, klärt der outdoor-Test von 13 Modellen zwischen 130 und 220 Euro.

Bei drei handelt es sich um spezielle Damenversionen mit kürzeren Rücken sowie schmäleren und stärker vorgeformten Trägern. Auch deckt das Feld die Vielfalt des Marktes ab: So reicht das Spektrum vom zwei Kilo schweren Komfortmodell mit Vollausstattung bis zum schnörkellosen Alpinpack, der nur 1330 Gramm auf die Waage bringt und sich zum Klettern sogar auf schlappe 800 Gramm abspecken lässt.

Darf es ein bisschen mehr sein

Beim Auslitern mit speziellen Volumensäcken zeigt sich, die meisten Kandidaten fassen deutlich mehr als angegeben. Der Black Diamond Speed 40 schluckt insgesamt 64 Liter – »ein Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Herstellerwert«, sagt Boris Gnielka. Ähnlich geräumig fallen der Bach Journeyman 48 (Volumenangabe: 48 l) und der Osprey Variant 52 (52 l) aus. Damit meistern sie selbst mehrtägige Hüttentreks oder Wochenendtrips mit dem Zelt.

Auch Eltern, die auf Tageswanderungen für ihre Familie den Sherpa spielen, profitieren vom üppigen Stauraum. Für Tagestouren mit wenig Gepäck lassen sich die Packsäcke durch effektive Kompressionsmöglichkeiten auf die richtige Größe schrumpfen – eine praktikable Lösung. Am wenigsten Platz bietet der Jack Wolfskin Alpine Trail 40 (44 l) – was für Wanderungen ohne Zeltausrüstung aber in der Regel völlig ausreicht.

Drei Modelle gehen in Führung

»In Sachen Trageverhalten setzen die Hersteller zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte«, fasst Boris Gnielka die Ergebnisse des mehrtägigen Praxistests in den Allgäuer Alpen zusammen. So kristallisieren sich im Verlauf der Touren drei Favoriten heraus, die unterschiedliche Stärken haben.

Der Bach Journeyman 48 überzeugt vor allem als komfortabler Lastesel: Selbst mit 20 Kilo auf dem Rücken trägt er sich angenehmer als andere Testkandidaten mit fünf Kilo weniger. Außerdem bietet er die beste Belüftung im Feld – unterm Strich das richtige Modell für alle, die auch mal am Wochenende mit dem Zelt losziehen. Der Osprey Variant 52 wiederum punktet mit hoher Lastübertragung (bis 17 kg), engt beim Kraxeln kaum ein und ist dank dick gepolsterter Gurte sehr bequem.

Geht es um die reine Kletterperformance, hat der Black Diamond Speed 40 die Nase vorn: Er sitzt wie festklebt am Körper, lässt durch den schlank geschnittenen Packsack, eine flexible Rückenplatte und die eher schmalen Träger im Hüftund Schulterbereich optimale Bewegungsfreiheit. Seine ideale Beladung liegt bei maximal 14 Kilo. »Das reicht mir selbst beim Bergsteigen, wenn ich Biwakausrüstung mitnehme«, so Gnielka.

Und die anderen Kandidaten? Sie können zwar nicht ganz mit den Topperformern mithalten, leisten sich aber keine Schnitzer und verdienen gute bis sehr gute Noten für ihre Trageeigenschaften.

Der Deuter Guide 45+/40+ SL etwa, einer der Bestseller in dieser Rucksackklasse, punktet mit Komfort, seine steife Rückenplatte und der wuchtige Hüftgurt engen jedoch etwas ein. Bei den Testerinnen kommen auch die Damenmodelle Ortovox Peak 42 S und Lowe Alpine Mountain Ascent ND 38:48 gut an. Sie liegen kontrolliert, aber nicht zu fest am Rücken an, besitzen sehr angenehme Gurte und eignen sich für Lasten bis zu 16 Kilo.

Gut ist, was gefällt – die Details der Testrucksäcke

Auch bei den Features und der Bedienung gibt sich das Feld kaum eine Blöße, allerdings orientieren sich die Hersteller an unterschiedlichen Käuferschichten: Modelle mit Vollausstattung wie der Bach Journeyman 48 (1990 g) gefallen vor allem komfortorientierten Wanderern. Das krasse Gegenteil stellt der Black Diamond Speed 40 dar. Er bietet alles, was man auf Tour wirklich braucht (wirkungsvolle Kompressionsriemen, geräumigen, höhenverstellbaren Deckel, Trinkblasenhalter, Fixierungen für Stöcke, Pickel, Ski oder Schneeschuhe), aber nicht mehr.

Vorteil der Ausstattungsdiät: das geringe Gewicht. Mit 1300 Gramm handelt es sich um das leichteste Testmodell. Ohne Deckel, Rückenplatte und Hüftgurtpolster bringt es sogar nur 800 Gramm auf die Waage – top für Grammzähler und Alpinisten.

Je langlebiger, desto besser: die Qualitätsprüfung

Platz eins teilen sich der Bach Journeyman 48 und der Black Diamond Speed 40 beim Material- und Verarbeitungscheck. Ersterer überzeugt durch besonders zähe Stoffe und extra robuste Zipper, bei Letzterem besteht der gesamte Packsack aus einem Stück Stoff. Das reduziert die Anzahl der (empfindlichen) Nähte auf ein Minimum. Ein gepolsterter Boden verhindert, dass Kletterequipment den Außenstoff durchscheuert. Auch die Qualität der anderen Modelle stimmt, nur das Rückenpolster des Tatonka Cebus 45 zeigt nach dem Test die ersten Abnutzungserscheinungen.

Fazit: Auch wenn es den einen Alleskönner nicht gibt, findet jeder Bergfuchs im Testfeld einen hervorragenden Allrounder. Es kommt nur darauf an, welche Schwerpunkte man setzt.

Der Osprey Variant 52 zeigt sowohl beim Wandern als auch auf Klettersteigen und Hochtouren eine sehr gute Leistung, während der noch reichhaltigere Bach Journeyman 48 seine Stärken auf Hütten- und Zelttreks mit etwas mehr Gepäck ausspielt. Der Black Diamond Speed 40 schließlich ist die erste Wahl für ambitionierte Gipfelstürmer und fühlt sich selbst auf anspruchsvollsten Routen in Fels und Eis pudelwohl.

»Kaufen sollten Sie einen Rucksack allerdings erst nach einer gründlichen Anprobe – nur so merken Sie, ob er Ihnen wirklich passt«, rät Boris Gnielka.


13.09.2017
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 09/2017