Wanderrucksäcke mit Abstandsnetz im Test 2017

Test: Wanderrucksäcke & Daypacks

Foto: Lars Schneider Test: Wanderucksäcke

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Wanderrucksäcke mit Abstandsnetz versprechen eine top Belüftung und angenehmen Tragekomfort. Welche neuen Rucksäcke auf Tour überzeugten, zeigt der outdoor-Test 2017 ...
Zu den getesteten Produkten

Wanderrucksacktest 2017 - kurz und knapp:

  • Insgesamt wurden 15 Wanderrucksäcke zwischen 90 und 190 Euro getestet. Nahezu alle haben ein Abstandsnetz, bei sechs Kandidaten handelt es sich um spezielle Damenvarianten mit kurzen Rücken und stark vorgeformten, an die weibliche Anatomie angepassten Schulter- und Hüftgurten.
  • Alle Rucksäcke und Daypacks im Testfeld 2017 machen auch Bergwanderungen in den Alpen mit.
  • Der Testsieger Fjällräven Abisko Friluft 35 packt auch Gepäck von bis zu 50 Liter und taugt damit auch für längere Treks und Hüttentouren.
  • Einige der getesteten Rucksäcke sind auch für Radfahrer interessant.

Die Testergebnisse im Überblick:

Rucksack / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Fjällräven Abisko Friluft 35 (Testsieger) 190 Euro Überragend
Bach Wizard 27 140 Euro Sehr gut
Deuter Futura Pro 36 (Kauftipp) 150 Euro Sehr gut
Gregory Salvo 24 90 Euro Sehr gut
Jack Wolfskin ACS Hike 32 110/105 Euro Sehr gut
Lowe Alpine Airzone Trail 25 (Kauftipp) 100 Euro Sehr gut
Osprey Stratos/Sirrus 26 140 Euro Sehr gut
Tatonka Vento 25/22 Women 120 Euro Sehr gut
Vaude Citus 24 LW 100 Euro Sehr gut
Gregory Sula 24 (Damen) 90 Euro Befriedigend
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1984 hatten die Rucksackentwickler von Deuter eine geniale Idee: Sie nutzten ein gespanntes Netz als luftige und angenehm am Körper anliegende Rückenauflage. Diese Erfindung revolutionierte nicht nur den Rucksackbau weltweit, sondern legte auch den Grundstein für eine beeindruckende Dominanz auf dem Heimatmarkt. Seit Jahren stammen die meisten im Outdoor- und Sportfachhandel verkauften Wanderrucksäcke und Daypacks von Deuter – und besitzen einen Netzrücken.

Doch wie sieht es mit den Konkurrenzprodukten aus – können sie dem Marktführer das Wasser reichen oder ihn sogar überflügeln? Das klärt der outdoor-Test von 15 Wanderrucksäcken zwischen 90 und 190 Euro. Nahezu alle haben ein Abstandsnetz, bei sechs Kandidaten handelt es sich um spezielle Damenvarianten mit kurzen Rücken und stark vorgeformten, an die weibliche Anatomie angepassten Schulter- und Hüftgurten. »Laut Hersteller fassen die Rucksäcke 24 bis 36 Liter, was für Tageswanderungen in der Regel völlig ausreicht«, sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.

Die outdoor-Volumenmessungen bestätigen die Angaben, nur der Fjällräven Abisko 35 fällt mit 50 Litern deutlich größer aus als angegeben. Das ist nicht schlimm, schafft es doch Reserven für Hüttentouren oder wenn man für die ganze Familie den Lastesel spielen muss. Allerdings schlägt das üppige Fassungsvermögen aufs Gewicht: Während die Mehrzahl der getesteten Rucksäcke zwischen 950 und 1250 Gramm wiegt, gehört der Großraumtransporter von Fjällräven mit 1,5 Kilo zu den schweren Testteilnehmern – so wie der Deuter Futura Pro 36 und sein Damen-Pendant 34SL (1,6 Kilo, 40 l). Der Vaude Citus 24 LW (22 l, 530 g) wiederum treibt Ultraleichtfans die Freudentränen in die Augen. »Viel wichtiger als das Eigengewicht ist allerdings das Trageverhalten: ein Rucksack muss möglichst unbeschwert am Rücken sitzen«, erklärt Boris Gnielka auf der Testtour im Schwäbisch-Fränkischen-Wald.

In allen Kandidaten stecken sechs Kilo Gepäck – mehr schleppt eine Person auf Tagestouren nicht. Nur die Schluckspechte von Deuter und Fjällräven müssen mit mehr Ballast klarkommen und werden mit bis zu 15 Kilo Last geprüft. So viel kommt zusammen, wenn Essen, Getränke und die Wetterschutzbekleidung der gesamten Familie oder die Ausrüstung für Hüttenwanderungen in den Rucksack wandern. Schnell zeigt sich, alle Kandidaten sind spürbar komfortabler als Billigrucksäcke vom Discounter oder aus dem Baumarkt, die wie ein nasser Sack an den Schultern hängen. Deutliche Unterschiede gibt es aber dennoch: Bei den Männerrucksäcken glänzt der Fjällräven Abisko mit dem insgesamt stimmigsten Trageverhalten. Er schmeichelt mit traumhaft bequemen Gurten und verteilt das Gewicht gleichmäßig auf den Beckenkamm, den Rücken und – zu einem geringen Teil – auf die Schultern.

Außerdem engt er nicht ein und die Last lässt sich gut kontrollieren. Beides spart Energie und erhöht die Trittsicherheit. Auf Rang zwei folgt der Deuter Futura Pro mit einer ebenfalls starken Leistung. Außerdem zählt der Tatonka Vento 25 zu den Favoriten der Männer. Er trägt sich angenehm unauffällig und punktet mit der besten Belüftung im Feld. Bei den Testerinnen landet der Deuter Futura Pro auf Platz eins: »Er ist sehr komfortabel, sitzt sicher und macht Bewegungen mit«,lobt Susanne Wacker. Auch die Frauenrucksäcke von Jack Wolfskin und Lowe Alpine kommen gut an. Ersterer steht dank seines recht stabilen Hüftgurts wie eine Eins auf dem Beckenkamm, der Lowe Alpine bietet durch sein flexibles Tragesystem eine überragende Bewegungsfreiheit, die Schultern lassen sich allerdings nicht komplett entlasten. Hier entscheiden die persönlichen Vorlieben.

Eine Sonderrolle nehmen die beiden – nur für Herren erhältlichen – Daypacks von Vaude und Bach ein. Der Bach Wizard besticht dank seines klassischen, direkt am Rücken anliegenden Schaumstoffrückens mit einem hervorragenden, nicht einengenden Sitz, ist aber nicht so luftig wie die Konkurrenz. Außerdem bietet er selbst mit Helm eine top Kopffreiheit – perfekt zum Biken oder für Klettersteigtouren. Der federleichte Vaude Citus 24 LW wiederum begeistert alle, die mit minimalem Gepäck losziehen. In puncto Ausstattung gibt es wenig auszusetzen. Bei einigen Kandidaten fällt die mitgelieferte Regenhülle bei voller Beladung knapp aus, bei anderen passen Trinkschläuche mit dicken Ventilen nicht durch ie dafür vorgesehene Öffnung. Am besten schneidet – einmal mehr – der Fjällräven Abisko ab, aber auch der Rest des Feldes bekommen sehr gute Ausstattungsnoten.

Testfazit des outdoor-Rucksacktests:

Wer einen Rucksack mit Reserven für Hüttentouren oder fürs Familiengepäck will, greift zum Testsieger von Fjällräven und zum Deuter-Damenmodell Futura Pro 34SL. Kommt man mit weniger Volumen klar, liegen Männer mit dem Tatonka Vento richtig, Frauen wählen die Ladypacks von Jack Wolfskin oder Lowe Alpine. Der Bach Wizard hingegen punktet als Multisportler, während sich der Vaude Citus für Grammzähler empfiehlt.




Rucksack kaufen - was beachten?

30.05.2017
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 05/2017