Klein, stark, hell: 10 Stirnlampen zwischen 30 und 330 Euro im Test

Stirnlampen im Test: Die helle Freude

Mit einer guten LED-Stirnlampe machen Outdoorer die Nacht zum Tag. Mit welchem Modell das am besten gelingt, zeigt der Test von zehn Modellen zwischen 30 und 330 Euro.
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Fotostrecke: 10 Stirnlampen im outdoor-Test

10 Bilder
Petzl Myo RXP 2 Test Foto: outdoor / Hersteller
Black Diamond Storm Test Foto: outdoor / Hersteller
Silva X Trail Plus Test Foto: outdoor / Hersteller

Im Winter sind die Tage zwar köstlich, aber kurz. Mit einer guten Stirnlampe schlägt man der frühen Dämmerung ein Schnippchen und luchst dem Tag noch ein paar Stunden mehr ab. Sie brennt aber nicht nur Wanderern eine Lichtschneise in die Finsternis, sondern auch Campern, die erst am Abend ihr Zelt aufbauen, Hüttengästen, die nachts mal raus müssen, und Zeltbewohnern, die vorm Einschlafen gerne schmökern.

Doch mit welcher Lampe gelingt das alles am besten? Immerhin tummeln sich über 50 Modelle am Markt. Um die Wahl zu erleichtern, hat outdoor die zehn vielversprechendsten Stirnlampen getestet, darunter sechs Kompaktmodelle zwischen 30 und 90 Euro sowie vier Hochleistungsstrahler zwischen 180 und 330 Euro. Während Erstere vor allem fürs Wandern konzipiert sind, sollen die Hochleistungslampen mit kräftigen Power-LEDs und dickem Akku auch schnelleren Sportlern den Weg frei leuchten: Trailrunner, Radfahrer und Skitourengeher müssen aufgrund höherer Geschwindigkeiten weiter vorausschauen und brauchen daher kräftige Scheinwerfer.

Doch ob Leichtleuchte oder Starkstrahler: Eine gute Lampe erkennt man nicht an der Verpackung – und erst recht nicht an darauf gedruckten Leuchtweiten und Lumen. Sie sind aufgrund unterschiedlicher Messmethoden nicht vergleichbar, außerdem sagt die Lumenzahl nur etwas über die Leistung der nackten LED aus – nicht aber über die Ausleuchtung von Weg und Wildnis.

Für ein gutes Ergebnis muss eine Stirnleuchte vor allem eines beherrschen: das Gelände perfekt ausleuchten, und zwar im Nahbereich genauso wie in der Ferne. Nur dann entdeckt man auf dem Weg liegende Wurzeln oder Steine rechtzeitig und behält gleichzeitig den weiteren Verlauf im Auge. Bei Mammut und Silva kämpfen dazu eine starke Fern-LED und zwei schwache Nahbereichs-Dioden zusammen gegen die Dunkelheit – was gut funktioniert, vor allem bei Silva, deren Nahbereichs-LEDs in einem anderen Winkel strahlen. Die meisten übrigen Modelle überlassen die Arbeit hingegen nur einer Diode und lenken ihr Licht so, dass es im Zentrum stark, zum Rand hin schwächer leuchtet. Bei Petzls Kompaktleuchte Myo RXP2 kommt zusätzlich eine Streuscheibe zum Einsatz. Sie lässt sich vor die LED klappen, woraufhin das Licht im Nahbereich noch weicher scheint – eine sehr elegante Lösung!

 

Stirnlampen-Test-Grafik
Foto: outdoor / Hersteller

Stirnlampen-Test: Leuchtvergleich

Doch die hellste Lampe nützt wenig, wenn ihr schnell der Saft ausgeht. Deshalb misst outdoor Ausleuchtung und Leuchtweiten im Zeitverlauf und bewertet neben der maximalen Leuchtweite auch die Leuchtweite nach fünf und zwölf Stunden Dauerbetrieb – wichtig etwa auf Bergtouren, für die man mitten in der Nacht startet, oder auf 24-Stunden-Wanderungen. Mit einer ausgeklügelten Elektronik versuchen die Lampen zwar, ihre Leistung konstant zu halten. Auf stärkster Leuchtstufe betrieben, schaffen das aber nur die Hochleistungsstrahler – dank der kräftigen Akkus. Bei den Kompaktleuchten muss man ein paar Leuchtstufen herunterschalten, möchte man in den Genuss einer konstanten Lichtabgabe kommen: Auf Maximallicht geschaltet, lassen deren Leuchtweiten rasch nach – um bis zu 75 Prozent in den ersten fünf Stunden (siehe Grafik). Am tapfersten hält sich hier die Mammut X-Shot. Auch gedimmt besitzt sie den längsten Atem: Erst nach rund 200 Stunden geht ihr der Saft aus – praktisch vor allem auf Mehrtagestouren. Ähnlich sparsam gehen nur die Kompaktleuchten von Black Diamond und Petzl zu Werke.

Und bei den Hochleistungs-Stirnlampen?

Hier nuckelt die Silva X-Trail Plus besonders behutsam am Lithium-Ionen-Akku und kommt so auf 35 Stunden Leuchtzeit. Selbst bei Volllast schafft sie noch sieben Stunden – ein Spitzenwert, müssen ihre Kollegen doch oft schon nach drei Stunden wieder an die Steckdose.

Eine Lampe muss aber nicht nur hell und ausdauernd strahlen, sondern außerdem bequem auf dem Kopf sitzen und sich – selbst mit dicken Handschuhen – einfach steuern lassen. Auch ein guter Blendschutz ist wichtig: Fehlt er, wie etwa bei der Mammut X-Shot, streut das Licht auf Nase und Wangen des Trägers, was die Nachtsichtfähigkeit stark herabsetzt. Die Kompaktleuchten Black Diamond Storm und Petzl Myo RXP2 sowie der Hochleistungsbrenner von Silva zeigen hier, wo‘s langgeht. Sie sitzen wie angegossen, lassen sich intuitiv handhaben und erfüllen mit praxisgerechten Details jeden Lichtwunsch. So morsen sie auf Wunsch SOS, warnen rechtzeitig vor einem nahen Ende der Batterie und lassen sich stark dimmen – wichtig etwa, um beim Lesen in der Hütte nicht den ganzen Raum zu erhellen. Auch einen wirksamen Einschaltschutz gegen versehentliches Anknipsen während des Rucksacktransports bietet das Trio.

Sechs Wochen lang prüfte die outdoor-Testcrew alle zehn Kandidaten daher auf Licht und Leistung, bewaffnet mit Luxmeter, lasergesteuertem Distanzmessgerät sowie mit Wander-, Bike- und Joggingschuhen. Alle Ergebnisse des Stirnlampentests gibt es auf Seite 2 des Artikels


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17.02.2012
Autor: Boris Gnielka
© Outdoor
Ausgabe 12/2011