Weiche Schale, harter Kern: Softshelljacken im outdoor-Test

Allrounder für den Outdoor-Einsatz: Softshelljacken im Test 2012


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outdoor Test: Softshelljacken
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Softshelljacken im Test
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Wintersoftshells im Test
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Wintersoftshells im Test
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Softshelljacken im Test
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Sie gelten als top Allrounder für den Outdoor-Einsatz. Werden die neuen Softshelljacken ­ihrem Ruf gerecht?
Vergleichbare Produkte im Test

Hauenstein in der Pfalz, 10.00 Uhr. Die Sonne brennt. Das war so nicht ausgemacht. Eigentlich sollte es nieseln, danach eine windige Kaltfront für Unruhe sorgen. »Keine Sorge, das Tief steht schon vor Kaiserslauten, es kommt früh genug!« orakelt outdoor-Volontärin Gaby Giesler, das Handy vor den Augen. Das siebenköpfige Testteam packt die Rucksäcke: rund 30 Softshells in verschiedenen Größen, dazu Bewertungsbögen, Stifte sowie Biwakgepäck. Der Plan: eine zweitägige Testtour durch den Pfälzer Wald, gespickt mit schweißtreibenden Anstiegen, Kraxelpassagen über Sandsteinblöcke, Pausen auf zugigen Gipfeln und einer Nacht im Freien. Das alles unter hoffentlich launischem Aprilhimmel: kalter Wind, mal ein Schauer und ab und zu Sonne – das perfekte Softshellwetter. Schließlich gelten die weichen Jacken als top Allrounder, die sich fast so komfortabel tragen wie ein Fleece, aber Wind abhalten und Nässe zumindest eine Weile trotzen. Auch bei Klimakomfort und Bewegungsfreiheit versprechen Softshells Spitzenwerte, was sie zur ersten Wahl für sportliche Touren und bewegungsintensive Aktivitäten wie Bergsteigen oder Klettersteiggehen macht.

Bunte Softshell-Mischung im Test

Elf vielversprechende Softshelljacken hat die outdoor-Redaktion mitgenommen. Sie kosten zwischen 130 und 280 Euro, sind mit einer Kapuze ausgerüstet und vor allem auf Komfort getrimmt – schließlich soll man sich in einer Softshell zuallererst wohlfühlen. Doch das gelingt nicht in jeder. Kaum eine halbe Stunde unterwegs, hört der Pfälzer Wald die ersten Klagen: »Da trägt sich ja meine Funktionsjacke besser!« Testerin Sina Choma reibt über den Kragenabschluss der Adidas Terrex Swift. Er besteht aus recht dickem Material und reibt am Kinn. Auch der etwas grobe Außenstoff und sehr weite Schnitt sind nicht optimal. Andere Jacken spürt man dagegen kaum. Am oberen Ende der Komfortskala liegen Marmot Up Track Jacket, Millet Cruise PWS Jacket und Patagonia Simple Guide Hoody – da sind sich die Tester ziemlich schnell einig. Vor allem das Up Track Jacket erweist sich als echter Schmeichler. Es fasst sich fast samtig an, ist extrem elastisch und dazu bewegungsfreundlich geschnitten.

Akrobaten im Aufstieg

Auf der in einen engen Drahtkorb eingefassten Leiter zum Gipfel des Lanzenfahrter Felsens zeigt sich das besonders gut. Nacheinander zwängt sich das Team durch die steile Röhre. Während die meisten Testkandidaten sämtliche Verrenkungen klaglos mitmachen, gelingt es der Jack Wolfskin Impulse weniger. Bei ihr ziehen sich beim Hochgreifen die Ärmelbündchen weit über die Handgelenke zurück, der Jackensaum legt die Nierenpartie bloß – Elastizität gehört nicht zu den Stärken der sehr kurz geschnittenen Tatzenjacke.

Auch beim Klimakomfort überzeugt nicht jede Softshell. Der anstrengende Aufstieg zum Wanderheim Dicke Eiche macht das rasch deutlich: Vor allem in der Jack Wolfskin Impulse wird den Testern schnell warm: »Winddichtes Material und keine Ventilationsöffnungen – das kann nicht gutgehen«, schnauft Tester Ralph Wildermuth und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

Wie es besser geht, zeigt etwa die Haglöfs Vig Hood. Zwar hält auch ihr Material ziemlich dicht, doch dafür besitzt sie aufzippbare Öffnungen unter den Achseln, die bei intensiver Belastung oder Wärme als Klimaanlage fungieren. »Alle anderen Modelle bestehen zumindest teilweise aus winddurchlässigen Textilien, sodass überschüssige Wärme direkt durchs Material entweicht«, erklärt outdoor-Redakteur Frank Wacker. Dass sich die Tester bei anstrengenden Etappen in der Marmot und Patagonia am wohlsten fühlen, liegt vor allem am leicht winddurchlässigen Material. Außerdem lassen sich bei ihnen die Ärmelbündchen per Klettband öffnen. Ähnlich den Achselöffnungen strömt hierdurch eine Extraportion Frischluft an die Haut.

Nach kurzer Pause verlässt die Crew das Wanderheim Dicke Eiche und steuert den Luger Geierstein an, einen imposanten Felsriegel, unter dem sie in rund vier Stunden ihre Isomatten ausrollen wird – genug Zeit, um den nächsten Prüfpunkt auf der Checkliste anzugehen: Ausstattung und Handling.

 

outdoor Test: Softshelljacken
Foto: Ben Wiesenfarth Wie gut kann man sich in den neuen Soft­shells bewegen? Die Testtour im Pfälzer Felsenland schafft Klarheit.

Gerüstet für Trek und Tour - dank Softshell

Beim Wandern fahnden die Tester nach hakelnden, schwergängigen Reißverschlüssen, störrischen Klettbändern am Handgelenk und Taschen, die bei umgelegtem Rucksackhüftgurt nicht mehr zugänglich sind. Viel Erfolg haben sie dabei allerdings nicht. Im Gegenteil: »Die Brusttasche an der Millet ist genial«, sagt Tester Felix Wiedmann. Der Wildnisfreak zieht nie ohne Topokarte los – bei der Millet findet er den perfekten Platz dafür. In ihrer riesigen Brusttasche kommen sogar großformatige Karten unter. Auch die meisten anderen Prüflinge geben sich in dieser Disziplin keine Blöße. Und beim Handling? »Die Hersteller haben überwiegend sehr gute Arbeit geleistet, bis auf den Frontzip des Mountain Equipment Shield Jacket laufen alle Reißverschlüsse flüssig, einige, zum Beispiel bei der Millet, sogar butterweich«, fasst outdoor-Redakteur Wacker die Aussagen des Teams beim Abendessen unter dem Biwakdach des Luger Geiersteins zusammen. Empfindlich kalt ist es geworden, eine steife Brise treibt dunkle Wolken über den rostroten Fels – und die Tester frühzeitig in die Schlafsäcke.

Gegen Wind und Wolken

Beim morgendlichen Fotoshooting zeigt das Thermometer nur noch acht Grad, eine starke Brise zerrt an der Kleidung und den Ästen der windschiefen Krüppelkiefern. Dem Testteam kommt das sehr gelegen, denn neben dem Nässeschutz, den outdoor unter einer speziellen Sprühregendusche und somit unter reproduzierbaren Bedingungen testet, zählt vor allem der Schutz vor Wind und Auskühlung zu den Tugenden einer Softshell. Während der Fotograf an seiner neuen Kamera nestelt, bleibt den sieben bunt verhüllten Gestalten viel Zeit, den Wetterschutz zu vergleichen. »An der Kapuze zieht es ganz schön stark rein!« beklagt sich Volontärin Gaby Giesler. Tatsächlich schließen Kragen und Kapuze bei der Cipher Hood von The North Face bei keinem Tester winddicht ab, was am weiten Schnitt und fehlenden Verstellmöglichkeiten liegt. Ein Problem, das sich die Jacke mit einigen anderen teilt. Wie die Ideallösung aussieht, zeigen Marmot und Millet: Ihre Kragen reichen bis zur Nasenspitze, und auch die Kapuzen lassen sich winddicht anpassen – und sitzen perfekt.

Nach vielen Vergleichen steht für die Tester fest: Bei kühlem, windigem Wetter fühlt man sich in der Millet am wohlsten. Und bei Nieselregen? Hier liefern die meisten Modelle eine gute bis sehr gute Leistung ab; je nach Stärke des Nieselregens halten sie bis zu einer halben Stunde lang trocken. Das Fazit des Tests und alle Ergebnisse im Überblick finden Sie auf Seite 2.


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15.06.2012
Autor: Boris Gnielka
© Outdoor
Ausgabe 06/2012