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Komfortabler Kälteschutz
Softshells sollen den Wetterschutz von Funktionsjacken mit dem Komfort von Fleecepullis Vereinen. Ob die neueste Softshell-Generation diesen Anspruch erfüllt, zeigt der Test von zwölf Modellen für den Wintereinsatz.

- Eine gute Wintersoftshell macht auch bei Gipfeltouren in der kalten Jahreszeit nicht schlapp.
Foto: Boris Gnielka
Stürmischer Wind peitscht den Testern ins Gesicht, als sie den Gipfelgrat zur Haute Cime (3257 m) in der französischen Schweiz emporsteigen. Es ist Mitte Oktober und schon empfindlich kalt: minus fünf Grad zeigt das Thermometer. Die Kapuzen der Softshells tief ins Gesicht gezogen, stapfen sie übers vereiste Geröll. Am Abend zuvor, beim Aufstieg von Champéry zur Susanfe-Hütte, waren es noch plus zehn Grad, und es hat genieselt. Keine Frage: Bessere Bedingungen gibt es nicht für einen Wintersoftshelltest. Insgesamt zwölf Modelle sind mit den Testern auf Tour. Ständig wird durchgetauscht, verglichen, notiert. Funktionsjacken oder Fleecepullis hat die Crew auf ihrer Dreitagerunde um die Dent du Midi nicht dabei ...
Braucht man meist auch nicht, zumindest in der Theorie. Die besagt, dass eine Softshelljacke die Vorteile einer Funktionsjacke (Nässe- und Windschutz) mit denen eines Fleecepullis (Isolation und Flauschigkeit) verbindet. Nur für heftigen Regen bleibt die Funktionsjacke erste Wahl, für arktische Kälte der Fleecepulli. Doch für alles dazwischen genügt eine gute Softshell. Sie bringt also bei 90 Prozent aller Wetterbedingungen 100 Prozent Leistung – wenn sie hält, was sie verspricht. Als vor fünf Jahren die ersten Softshells auf den Markt kamen, war man von diesem Ziel noch weit entfernt. Raschelige, brettige Stoffe, störrische Kapuzen und hakelige Zipper sorgten für Unmut, nässende Oberstoffe für Frust bei Schmuddelwetter. Und heute?
Es ist viel passiert. Nicht bei allen, aber bei vielen Modellen zahlt sich die langjährige Entwicklungsarbeit aus: Hochelastische, weiche Gewebe mit wasserfester (Nano-)Beschichtung bieten einen hervorragenden Klimakomfort und besten Wetterschutz, tragen sich zudem äußerst bequem. Die Reißverschlüsse laufen leicht, schützen aber dennoch vor Nässe und Wind. Schade nur, dass einige Hersteller gerade an der im Winter so wichtigen Kapuze sparen. Entweder versteckt sie sich als knitteriger Notschutz im Kragen (Marmot, Salewa) oder sie lässt sich nicht anpassen und behindert schon beim Geradeausschauen die Sicht (Bergans Herrenjacke). Wie es besser geht, zeigen die Modelle von Mammut, Patagonia, Tatonka und The North Face: Sie sind kuschelweich, mollig warm, regenfest, machen jede Bewegung mit und schützen mit kräftigem Schild die Augen – ohne die Sicht zu versperren.
Top: Mammuts Laser Jacket und das Winter Guide Jacket von Patagonia
Zu den begehrtesten Jacken während des Test gehören das Laser Jacket von Mammut und das Winter Guide Jacket von Patagonia. Insbesondere vor steilen Anstiegen rissen sich die Tester förmlich um die zwei Shells. Kein Wunder, denn beide sind nicht nur extrem atmungsaktiv, sondern bieten auch viel Bewegungsfreiheit. Und als es später im Nieselregen zur Tete-de-Chalin-Hütte geht, überzeugen sie mit Top-Nässeschutz – und bester Bedienbarkeit: Kaum wird es dunkel, ziehen die Mammut und Patagonia tragenden Tester einfach ihre Stirnlampen aus den Jackentaschen, was bei anderen Softshells (bis auf die Schöffel) nicht möglich ist: Hier liegen die Taschen so tief, dass der Rucksackhüftgurt unweigerlich auf den Tascheninhalt drückt und den Zugriff blockiert. Einige Modelle wie die Jack Wolfskin bieten zum Ausgleich zwar eine große Brusttasche, doch passt hier oft nicht viel mehr hinein als ein Müsliriegel.
Andere Modelle, wie die von Mountain Equipment und Marmot, zeigen sich eher als Spezialisten denn als Universaltalente. Dennoch finden sie ihre Liebhaber. Für notorische Mützenträger zum Beispiel ist die dünne, kalte (aber absolut wasserdichte) Notkapuze der Mountain Equipment kein Problem. Sie schätzen dafür den sehr guten Wetterschutz der Softshell und ihre hohe Atmungsaktivität. Die Marmot hingegen war für die Rennmäuse unter den Testern erste Wahl: Ihr dünner, aber dafür kaum auftragender und atmungsaktiver Stoff isoliert nur relativ schwach, was bei flottem Tempo gut vor Überhitzung schützt.
Als die Tester nach drei Tagen und 10?000 Höhenmetern wieder in Champéry ankommen, herrscht Einigkeit über das Ergebnis: Die Modelle von Patagonia und Mammut liegen klar an der Spitze. Ihnen allein gelingt der Spagat aus Wetterschutz, Tragekomfort und Atmungsaktivität, wenn auch mit unterschiedlichem Schwerpunkt: Während das Patagonia Winter Guide Jacket mit plüschigem Futter vor allem bei knisterndem Frost und peitschendem Wind glänzt, aber auch bei Plusgraden und gemütlichem Tempo für Wohlbefinden sorgt, zeigt sich das etwas dünnere Mammut Laser Jacket als perfekte Softshell für eher flotte Touren, auch bei zweistelligen Temperaturen. Vor Nieselregen, Wind und Schneefall schützen beide sehr gut, wobei die Patagonia das noch etwas dichtere Material besitzt. Wermutstropfen bei der Patagonia: Ihre Kapuze kann, je nach Kopfgröße, einen Tick zu groß sein – hier hilft ausprobieren. Die Preise der zwei Shells? Sind happig: rund 330 Euro.
Viel günstiger und fast genauso gut zeigen sich die Modelle von The North Face (265 Euro) und Schöffel (250 Euro). Bei ersterer muss man zwar auf die Taschennutzung bei geschlossenem Rucksackhüftgurt verzichten, nicht aber auf sehr guten Wetterschutz. Und bei der Schöffel? Hier stören nur die engen Ärmelbündchen, außerdem könnte die Kapuze ein längeres Schild vertragen und sich noch besser an den Kopf anpassen lassen. Alles andere jedoch ist perfekt. 250 Euro sind immer noch zu teuer? Für rund 200 Euro erhält man mit der Haglöfs Gecko Hood eine rundherum gute Softshell, die vor allem beim Biken und Bergsteigen dank des extrem verlängerten Schnitts, der perfekten Bewegungsfreiheit und den sehr langen Ärmeln gute Dienste leistet. Ihre schirmlose, eng anliegende Kapuze passt dabei gut unter einen Helm – der dann die Schutzfunktion des fehlenden Kapuzenschildes übernimmt.
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16.12.2007
© Outdoor Ausgabe 12/2007
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Autor: Boris Gnielka
Mammut Laser Jacket
Millet Altitude Shield Jacket
Mtn. Equipment G2 Alpine Jacket
Schöffel All Terrain Jacket
The North Face Apex Valkyrie Jacket
Bergans Nusfjord
Haglöfs Gecko Hood
Jack Wolfskin Supersonic XT Jacket
Marmot Super Hero Jacket
Tatonka Aston Jacket
Salewa Pancchule SFS
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