Sommerjacken für Wanderer, Kletterer, Bergsteiger, Trekker

Leichte Softshelljacken im Test 2016


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Softshelljacken im Test 2016
Foto: Steffen Scheyhing

 

Softshelljacken im Test 2016
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Leichte Softshelljacken sind die idealen Begleiter auf Wandertouren im Sommer. Doch welche tragen sich bequem und schützen vor Wind und Nieselregen?
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"Genug ist genug – und zu warm ist zu warm!" Mit diesen Worten bleibt Tester Felix Wiedmann stehen. Mitten im Pfälzer Wald. Leise fluchend setzt er seinen Rucksack ab, zieht seine Softshelljacke aus und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. "Die Arc’teryx ziehe ich erst wieder an, wenn es bergab geht, sonst kann ich gleich baden gehen", ruft er in Richtung der bereits ein paar Meter weiter hangaufwärts schnaufenden fünf Wanderer – der outdoor-Testcrew. Alle in der Gruppe tragen Softshelljacken: am Leib und – zum Durchwechseln und Vergleichen – in den Rucksäcken. Mit insgesamt 15 Testmodellen, 7 für Frauen und 8 für Männer, ist das Testteam übers Wochenende in den Pfälzer Wald gezogen. Auf langen Rucksackwanderungen prüfen sie, welche der Softshells sich am besten für sommerliche Outdoor-Aktivitäten eignen.

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Softshelljacken im Test 2016
Foto: Steffen Scheyhing Klemmt's? Handling und Bedienung im Check.

Dazu teilen die Tester gleich zu Beginn die Jacken in zwei Gruppen: in die etwas leichteren, luftigeren Modelle und in die dickeren – die von Arc‘teryx, Mammut, Norrøna und Vaude stammen. Sie kommen gleich am ersten Tag an die Reihe, der neblig, nasskalt und windig beginnt – und laut Prognose auch so enden wird. Acht Stunden lang, so der Plan, sind sie im Einsatz: beim gemütlichen Wandern, akrobatischen Kraxeln auf Sandsteinblöcke, beim Vespern im Gras und bei schweißtreibenden Aufstiegen. Hier sollen sie zeigen, wie gut man sich in den Jacken bewegen kann und ob Müsliriegel, Handy und Wanderkarte selbst dann noch in den Taschen Platz finden, wenn man sich den Rucksackhüftgurt umschnallt, der den unteren Teil der Jacken bedeckt. Auch dem Klimakomfort fühlen die drei Frauen und Männer auf den Zahn: Wie gut dampft das Material ab? Wie viel kühlende Frischluft lassen die Jacken über geöffnete Ärmelbündchen und Ventilationszipper ins Innere? Und wie gut schützen sie vor Auskühlung durch Wind und Nässe?

Die Softshelljacken im Nässetest

"Den Nässetest mussten die Kandidaten schon im Vorfeld des Praxistests absolvieren", berichtet Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Mit einer Sprühregendusche testet der Profi, wie lange es dauert, bis sich der feine Niederschlag durch Imprägnierung und Oberstoff ins Innere gekämpft hat. "Diese Methode führt zu vergleichbaren Daten – die man in der launigen Natur so nicht erhält", erklärt Wacker. Für richtiges Regenwetter – keine Frage – sind Softshells zwar nicht gemacht, doch einen kurzen Regenschauer oder etwas Nieselgischt sollten sie schon abwehren. Und das können alle – bis auf die Mammut.

 

Softshelljacken im Test 2016
Foto: Steffen Scheyhing Sinn oder Unsinn? Ausstattungsdetails unter der Lupe.

Die Kehrseite dieser guten Abschirmarbeit hat gerade Tester Felix Wiedmann gespürt: Bei langen Bergaufpassagen, flottem Tempo oder milden Temperaturen fehlt es den mehr oder weniger winddichten Modellen schnell an Kühlung. Zwar haben manche wie Mammut und Vaude Ventilations zipper unter den Armen, doch den erfrischenden Effekt eines leicht winddurchlässigen Stoffes erreichen sie damit immer noch nicht. "Richtig gut waren die Aufstiege nur in der Norrøna zu ertragen", berichtet Kerstin Rotard am Ende des ersten Tages. "Durch ihr teilweise winddurchlässiges Material kühlt sie ordentlich, und wem das nicht reicht, der kann ja noch die Unterarmzipper aufziehen", so die Reiseredakteurin. Auch der Rest der Crew gibt der teuren Jacke aus Norwegen die meisten Punkte – nicht nur für das gute Klima, sondern auch fürs perfekte Handling und den hohen Tragekomfort: Die Taschen sitzen an den richtigen Stellen – hoch genug, dass ein Rucksackhüftgurt sie nicht verdeckt –, die Bündchen lassen sich so weit öffnen, dass man die Ärmel bei Wärme bis zum Ellbogen schieben kann, und das Material bietet – im Gegensatz zu den drei Vergleichsjacken der ersten Runde – nicht nur genügend Bewegungsfreiheit, sondern fühlt sich zudem auch noch geschmeidig an. "Eine tolle Jacke für alle, die sportlich unterwegs sind oder öfter mal Bergtouren unternehmen", bringt Testerin Maren Eitel die Ergebnisse der Crew auf den Punkt.

 

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Foto: Steffen Scheyhing Wie viel Bewegungsfreiheit bieten die Shells?

Im Reich des Komforts mit luftig-leichten Softshelljacken

Ob sich die Norrøna auch gegen die etwas dünneren, luftigen Jacken durchsetzen kann, zeigt der zweite Tag – der erwartungsgemäß sonnig beginnt. Und mit den Softshells von Mountain Equipment, Outdoor Research, Patagonia und Ternua. Schon beim Anprobieren zeigen sie, wohin die Reise führt: ins Reich des Komforts. "Viel geschmeidiger und weicher als die Modelle von Arc’teryx und Vaude", bemerkt Tester Felix Wiedmann beim Reinschlüpfen. Ein paar Stunden später, nach vielen Wanderkilometern, Auf-, Abstiegen und Klettereinlagen festigen sich die positiven Eindrücke zur Gewissheit. In puncto Komfort – auch Klimakomfort – ist das luftige Quartett nicht zu schlagen: Trotz der Sonnenstrahlen und milden Temperaturen um 15 Grad können die Jacken selbst bei zügigem Tempo geschlossen bleiben. Überhitzung? Fehlanzeige. Bei Handling und Ausstattung gibt es ebenfalls keine Probleme. Am meisten Punkte sammelt hier die Outdoor Research mit ihren vielen Taschen, verstellbaren Ärmelbündchen und der hervorragend anpassbaren Kapuze. Dass auch die luftig-dünnen Jacken gut vor Wind und Nässe schützen, zeigen vor allem Outdoor Research und Mountain Equipment, die unter der Sprühregendusche fast das Niveau der Norrøna erreichen. "Eine halbe Stunde Nieselregen ist da gar kein Problem", berichtet Beregnungs- Chef Frank Wacker. Doch sind solch dünne Jacken nicht auch empfindlich? Nicht unbedingt – wie die Abriebprüfung bereits im Vorfeld des Praxistests gezeigt hat. Zwar bietet die aus kräftigem Material gefertigte Arc’teryx immer noch den besten Schutz vor Fels und scheuernden Rucksackträgern, doch sind die leichteren Modelle nicht allzuweit davon entfernt. Das ist nur die Mammut, deren weiches Material bei Felskontakt schnell ausfasert.

Die einzelnen Testergebnisse im Überblick:

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Outdoor Research Ferrosi Summit (Testsieger) 170 Euro Sehr gut
Mountain Equipment Squall (Kauftipp) 120 Euro Sehr gut
Patagonia Levitation Hoody (Kauftipp) 185 Euro Sehr gut
Norrona Falketind WS Hybrid 290 Euro Sehr gut
Ternua Temuka 150 Euro Gut
Vaude Roccia Softshell 170 Euro Gut
Arc'teryx Epsilon LT Hoody 200 Euro Gut
Mammut Ultimate Hoody AF 250 Euro Befriedigend

Das Fazit der outdoor-Tester:

Unterm Strich ziehen die Tester ein positives Fazit. Bis auf die Mammut bieten alle Jacken viel Komfort und Schutz auf Wander- und Bergtouren. Am besten gelingt das der Outdoor Research Ferrosi Summit Hood, die in jeder Disziplin überzeugt, sich äußerst komfortabel trägt und dabei immer noch gut vor Wind und Niesel schützt. Auf Wander- und Trekkingtouren fühlt man sich in ihr – Temperaturen von über zehn Grad vorausgesetzt – pudelwohl. Das Gleiche gilt auch für die sehr gut sitzende Patagonia Levitation Hoody, die sich der Outdoor Research nur in puncto Kapuzensitz und Taschenplatz geschlagen geben muss. Bergwanderer und alle, die sich nicht von zugig-kühlem Wetter abschrecken lassen, sind mit dem teilweise winddichten Norrøna Falketind WS Hybrid Jacket am besten aufgehoben. Auch bei Einsätzen im eher kühlen Norden spielt die mit 290 Euro teure Jacke ihre Stärken aus. Hitzköpfe, Trailrunner, Speedhiker und Steilwandartisten wählen hingegen besser das Mountain Equipment Squall Hooded Jacket. Das 300-Gramm-Fliegengewicht bietet perfekte Bewegungsfreiheit, ein luftiges Klima und genügend Nässeschutz – zumindest für leichten Nieselregen. Und wem 300 Gramm nicht leicht genug sind, dem empfiehlt sich die Black Diamond Alpine Start Hoody: eine Ultraleichtsoftshell, die auch als elastische Windjacke durchgehen könnte und deshalb separat vorgestellt wird.

 

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Foto: Hersteller

Ultraleichte Alternative: Black Diamond Alpine Start Hoody

Mit einem Gewicht von nur 215 Gramm und dem Packmaß einer Zitrone ist das Black Diamond Alpine Start Hoody (150 Euro) die perfekte Wahl für alle, die gerne mit kleinem, leichtem Gepäck unterwegs sind. Auf Wetterschutz müssen sie nicht verzichten, bleibt man doch in dem bewegungsfreundlich geschnittenen und extrem komfortablen Fliegengewicht länger trocken als in manch gestandener Softshell: Der sehr dünne und dafür ziemlich abriebfeste Stoff ist perfekt imprägniert, und die Kapuze sitzt dank akkurater Anpassbarkeit wie angegossen.

 

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Kaum schwerer: Die Bergans Microlight Jacket

Kaum schwerer als das Black Diamond Alpine Start Hoody ist die Bergans Microlight Jacket (230 g, 150 Euro), ebenfalls eine ultraleichte Softshelljacke für den Sommer. Ihr Einsatzbereich liegt wegen des dicht gewobenen, schnell schwitzigen Stoffes aber nicht bei sportlichen, sondern eher bei gemütlichen Touren abseits schroffer Felsen: Dem dünnen Stöffchen fehlt es an Abriebfestigkeit. Außerdem schützt die Bergans-Jacke trotz guter Imprägnierung kaum vor Nässe – sie gelangt durch die Nackennaht rasch ins Innere. An Kapuzensitz und Tragekomfort gibt es jedoch nichts auszusetzen.


Die getesteten Softshells 2016:

21.07.2016
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 06/2016