Preiswerte Dreilagenjacken um 300 Euro

Wetterschutz für unterwegs: Hardshell-Test 2017


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Funktionsjacken Test
Foto: Lars Schneider

 

Bergans Letto Jacket
Foto: Bergans

 

Bergans Letto Jacket
Foto: Bergans

 

Jack Wolfskin Refugio Stretch
Foto: Jack Wolfskin

 

Marmot Red Star / Starfire
Foto: Marmot
Dreilagenjacken sind der ultimative Wetterschutz für Outdoorer. Doch gilt das auch für die neuen preiswerten Hardshelljacken? outdoor hat's getestet.
Zu den getesteten Produkten
  • Getestet haben wir 3-lagige Hardshells zwischen 250 und 330 Euro
  • 3 Jacken ragen aus dem Testfeld 2017 heraus: Das Montane Air Jacket überzeugt als solide Allround-Jacke zum Wandern, Trekking & Bergtouren - ähnlich vielseitig lassen sich die getesteten Regenjacken von Marmot einsetzen. Durch ihr höchst atmungsaktives Material empfehlen sie sich für alle, die schnell heiß laufen. Das Vaude-Fliegengewicht wiederum punktet als klein verpackbarer Regenschutz, der bei schönem Wetter die meiste Zeit über im Rucksack steckt.

Das Testfeld im Überblick:

Funktionsjacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Montane Air Jacket (Testsieger) 270 Euro Sehr gut
Marmot Red Star/Starfire (Kauftipp) 330 Euro Sehr gut
Vaude Zebru UL 3L (Kauftipp) 330 Euro Sehr gut
Bergans Letto Jacket 250 Euro Sehr gut
Jack Wolfskin Refugio Flex 260 Euro Gut
Rab Firewall Jacket 300 Euro Gut
Schöffel Lacobin 300 Euro Gut
Sherpa Lithang 300 Euro Gut
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"Das Wetter kann man sich auf Tour nicht aussuchen. Umso wichtiger ist eine gute Funktionsjacke", sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Er spricht aus leidvoller Erfahrung. Schon häufiger ging er auf seinen Treks im hohen Norden baden, weil der Regenschutz versagte. Oder er ärgerte sich über das stickige Klima, hervorgerufen durch wenig atmungsaktive Materialien.

Nur die Topmodelle der Hersteller, sogenannte Dreilagenjacken, lieferten im Normalfall eine zuverlässige Performance und vollbrachten die Balance aus Wetterschutz, Komfort und Strapazierfähigkeit, besteht ihr Laminat doch aus drei miteinander verklebten, sich gegenseitig verstärkenden Schichten: dem Oberstoff, der hauchdünnen wasserdichten, atmungsaktiven Folie (Membran) und einem feinen Futter. Auch liegt die empfindliche Membran geschützt zwischen den zwei Stofflagen.

Die Preise dieser Edelteile schraubten sich in den letzten Jahren allerdings in schwindelerregende Höhen: Zwischen 500 und 800 Euro kostet die Spitzenklasse mittlerweile – so viel will die breite Masse der Outdoorer nicht ausgeben. Das haben auch die Hersteller erkannt und bringen verstärkt günstigere Jacken aus Dreilagenlaminaten auf den Markt. 13 Hardshelljacken von 250 bis 330 Euro hat outdoor Anfang 2017 getestet, acht davon für Herren und fünf für Damen (siehe Testfeld oben).

Das Spektrum der getesteten Funktionsjacken reicht von soliden Allroundern, die sich sowohl für Trekking­ und Bergtouren als auch zum Wandern eignen, über reine Wanderjacken bis hin zum Federgewicht, das weniger als 200 Gramm auf die Waage bringt. Durch den dünnen, nicht ganz so robusten Außenstoff empfiehlt sich diese Jacke vor allem für Sommertouren als ultraleichter Wetterschutz zum Immerdabeihaben.

Klimakomfort der getesteten Hardshells

Marmot und Montane setzen bei ihren Hardshelljacken auf minimalst luftdurchlässige Membranen, die dennoch wind­ und wasserdicht sind. Hier kann Feuchtigkeit direkt verdunsten und muss nicht – wie sonst – durch ein porenloses Material wandern (Diffusion). "Das verbessert die Atmungsaktivität", erklärt Boris Gnielka – was zahlreiche Testtouren über die Schwäbische Alb mit dutzenden anstrengenden Aufstiegen bestätigen. So beeindrucken das Marmot Red Star Jacket und die Damenversion Starfire mit einem Klimakomfort auf höchstem Niveau. Rang zwei belegt das Montane Air Jacket mit einer ebenfalls starken Performance. Die restlichen Kandidaten können da nicht ganz mithalten, fast alle verdienen in Sachen Klimakomfort aber dennoch sehr gute Noten. "Die Labormessungen von Atmungsaktivität und Luftdurchlässigkeit untermauern die Praxiserfahrungen", so Gnielka.

Außerdem besitzen alle Funktionsjacken Belüftungsöffnungen wie – besonders wirkungsvolle – Achselreißverschlüsse (Pitzips), mit Netz gefütterte Taschen und weit zu öffnende Bündchen. Sie steigern den Klimakomfort, weil auf langen, deftigen Aufstiegen selbst die atmungsaktivsten Materialien an ihre Grenzen kommen können.

 

Foto: PatitucciPhoto Auf Touren mit vielen Aufstiegen zählt ein top Klimakomfort.

Tragekomfort & Verarbeitung der Jacken

Keinen klaren Sieger gibt es beim Tragekomfort, vielmehr besitzen die einzelnen Kandidaten unterschiedliche Stärken. So punkten die Regenjacken von Marmot, Montane und Vaude durch ihren körpernahen Schnitt, der selbst beim Klettern jede Bewegung mitmacht. Die Schöffel Lacobin wiederum gefällt durch ihr sehr geschmeidiges, weich gefüttertes und nicht raschelndes Stretchmaterial. Alle Kapuzen im Feld lassen sich über Züge ums Gesicht und am Hinterkopf exakt anpassen und machen Kopfbewegungen mit – ein klares Plus gegenüber vielen Funktionsjacken, die weniger kosten.

Bemängelt werden von den outdoor-Testern dagegen die bis zum Saum reichenden Taschen von Jack Wolfskin und Sherpa: Um etwas aus ihren Tiefen herauszufischen oder um die Hände zu wärmen, müssen die Handgelenke unangenehm verdreht werden.

Für vereinzelte Kritik sorgt die Verarbeitungsqualität. Es betrifft aber nicht jede Jacke eines Herstellers, sondern es sind Einzelfälle - das zeigt der Quercheck weiterer Jacken desselben Typs. An einer Jack-Wolfskin-Kapuze riss der Zug der Volumenverstellung aus, und bei je einem Kandidaten von Rab und Marmot löste sich nach den zehn Testwäschen stellenweise der äußerste Rand der Klebestreifen (Tapes). Sie dienen innen zur Abdichtung der Nähte.

 

Foto: Mattias Fredriksson Im Sommer reicht schon eine Funktionsjacke als Kälteschutz.

Halten alle getesteten Regenjacken dicht?

Diese Frage beantwortet die outdoor-Powerberegnung. "Sie gleicht einem stundenlangen, sturmgepeitschten Wolkenbruch. Übersteht das eine Jacke, hält sie auch auf Tour dicht", sagt Boris Gnielka. Am besten schneidet das Montane Air Jacket ab: Körper und Taschen bleiben trocken, der bis über den Mund reichende, feste Kragen und der große versteifte Schild schützen das Gesicht vor eisigen Böen. Auch bei den Hardshells von Marmot, Vaude und Bergans dringt keine Feuchtigkeit ein, nur ihre Kapuzenschilde oder Kragen könnten noch etwas besser Wind abhalten. Die Schöffel Lacobin blockt Regen ab, ihre Kapuze lässt allerdings die kompletten Wangen frei – unangenehm bei zugiger, kalter Witterung. Am Ende des Felds landen – mit einer noch guten Performance – die Kandidaten von Sherpa und Rab. Sie besitzen im Kinn- und Wangenbereich großflächige Besätze aus kuscheligem Fleece. Diese saugen sich bei langem Starkregen mit Wasser voll – und das tropft dann ins Jackeninnere.

Pro & Contra der getesteten Jacken

In den Testjacken stecken viele Detaillösungen, doch nicht alle überzeugen:

 

Foto: Benjamin Hahn

Bewegungskünstler
Mittels Elastikzügen auf der Rückseite und ums Gesicht lassen sich alle Kapuzen im Feld exakt anpassen. Dadurch machen sie Kopfbewegungen mit. Manche Modelle passen zudem über einen (Kletter-)Helm.

 

Foto: Benjamin Hahn

Vom Winde verweht
Die Kapuze der Schöffel Lacobin lässt die Wangen und das Kinn größtenteils ungeschützt. Diese Bereiche kühlen bei kaltem Wind aus. Auch der Kragen könnte noch eine Spur höher und ein wenig steifer sein.

 

Foto: Benjamin Hahn

Die Länge macht's
Bei der Rab Firewall reichen die Belüftungsreißverschlüsse von der Achsel bis knapp übers Handgelenk. So kann man den Arm aus dem Ärmel herausziehen, was für ein angenehm luftiges Tragegefühl sorgt.

 

Foto: Benjamin Hahn

Wasserspeicher
Weiche Fleecebesätze am Kinn sind angenehm und verhindern, dass Bartstoppeln das Material beschädigen. Zu große – wie bei Rab und Sherpa – saugen sich bei Regen aber voll. Dann tropft die Nässe ins Innere.

Testfazit des Hardshelljacken-Tests 2017

Der Test zeigt, günstige Dreilagenjacken sind ein Gewinn für jeden preisbewussten Outdoor-Fan. Drei Funktionsjacken ragen aus dem Testfeld 2017 heraus: Das Montane Air Jacket überzeugt als solide Allround-Jacke zum Wandern, Trekking und Bergsteigen. Die Montane-Jacke glänzt mit einem hervorragenden Wetterschutz, wiegt wenig und zählt zu den günstigsten Kandidaten im Feld. Ähnlich vielseitig lässt sich die Damen- und Herrenjacke von Marmot einsetzen. Durch ihr höchst atmungsaktives Material empfehlen sich Red Star & Starfire Jacket für alle, die schnell heiß laufen. Das Vaude-Fliegengewicht wiederum punktet als klein verpackbarer Regenschutz, der bei schönem Wetter die meiste Zeit über im Rucksack steckt.


13.04.2017
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 04/2017