Funktionsjacken - Modelljahr 2016

Wind- & wetterfest: Die besten Outdoorjacken


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3-Lagenjacken im Test 2016
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Die besten Outdoorjacken werden aus Dreilagenmaterialien gefertigt. Das hat seinen Preis! Welche Jacken des Jahrgangs 2016 enorm viel bieten fürs Geld, seht ihr hier - darunter auch ein paar günstigere Alternativen ...
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Durch die zunehmend sehr wechselhafte Witterung mit häufigen Starkregeneinlagen gewinnt die Funktionsjacke mehr und mehr an Bedeutung. Gut, dass sich die Hersteller in letzter Zeit mächtig ins Zeug gelegt haben und immer leistungsfähigere Outdoorjacken auf den Markt brachten. Doch wer glaubt, das Ende der Fahnenstange sei erreicht, irrt. Auch dieses Jahr gibt es neue, innovative Jacken für Outdoorer - bei denen die Entwickler aber zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte setzten.

Vaude und Bergans etwa legen großen Wert auf das Thema Nachhaltigkeit und verarbeiten besonders umweltfreundliche Stoffe. Bei den Materialien von Berghaus und Outdoor Research kommt eine neue Herstellungstechnik zum Einsatz, die sie noch geschmeidiger und luftiger machen soll. Auch Schöffel stellt den Tragekomfort an erste Stelle und bietet die Möglichkeit, Innenjacken oder Westen einzuzippen. Den ungebrochenen Trend zur Leichtausrüstung bedienen Montane und Mountain Hardwear, während Marmot und Rab mit ihren günstigen Trekkingjacken und Alpinjacken dem Ruf nach preiswerter Ausrüstung folgen.

outdoor wollte herausfinden, was diese Newcomer leisten, und forderte im Frühjahr 2016 einige neue Funktionsjacken für Damen und Herren zum Test an - im Herbst 2016 kamen dann nochmal 18 Testjacken aus hochwertigen 3-Lagen-Materialien dazu.

Die Jacken kosten zwischen 200 und 750 Euro, das Spektrum reicht vom Leichtgewicht mit sensationell niedrigen 145 Gramm über Wanderjacken bis hin zu strapazierfähigen Allroundern fürs Trekking und Bergsteigen.

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Für Trekkingtouren im Norden braucht man eine 3L-Jacke

Das sagt outdoor-Chefredakteur Olaf Beck. Er muss es wissen, schließlich verbringt er einen Großteil seiner freien Zeit in Norwegen. Dort trägt man den Wetterschutz durch die wechselhafte, kühle Witterung oft tagelang am Stück, und es scheuern spitze Äste oder scharfkantige Felsen am Material. Die perfekte Funktionsjacke für solche Einsätze schafft den Spagat aus Komfort und Strapazierfähigkeit - und der gelingt nur Dreilagenjacken, denn ihr Laminat besteht aus drei miteinander verklebten, sich gegenseitig verstärkenden Schichten: dem Oberstoff, der hauchdünnen wasserdichten, atmungsaktiven Folie (Membran) und einem feinen Futter. Auch ist die empfindliche Membran zwischen den beiden Stofflagen optimal geschützt.

18 Dreilagenjacken für Damen und Herren hat outdoor im Herbst 2016 getestet. Bei der Vorauswahl kristallisierten sich drei Trends heraus: Zum einen investieren die Hersteller in die Weiterentwicklung ihrer bis zu 750 Euro teuren Top-Jacken. Arcteryx etwa überarbeitete sein Flaggschiff Alpha SV und spendierte ihm erstmals Reißverschlussschieber, die auch ohne Abdeckung dicht halten. Haglöfs erweckt das Spitz Jacket zu neuem Leben – »vor rund zehn Jahren die meistverkaufte Dreilagenjacke Deutschlands«, sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Beim Houdini Aegis Jacket kommt ein rein aus Polyester bestehendes, weiches Dreilagenlaminat zum Einsatz, das sich einfacher recyceln lässt als die üblicherweise verwendeten Materialmischungen. »In der Vergangenheit waren Polyestergewebe nicht sonderlich haltbar, der Stoff von Houdini zeigt bei der Scheuerprüfung dagegen keine Abriebsspuren«, so Gnielka.

 

Arcteryx Alpha SV Jacket 2016
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Nach wie vor die Nr. 1: die Arcteryx Alpha SV

Den besten Wetterschutz in unseren Tests 2016 bot die Arcteryx Alpha SV. »Sie hält dicht und verfügt über eine optimal schützende Kapuze mit einem großen, steifen, tunnelförmigen Schild«, erklärt Boris Gnielka.

Außerdem verzichtet die Arcteryx Alpha SV im Kinnbereich auf großflächige Fleecebesätze – diese saugen sich mit der Zeit voll und dann tropft die Nässe über den Hals ins Jackeninnere. Kaum schlechter schlagen sich das Houdini Aegis Jacket und die günstige Bergans Letto Dreilagenjacke. So sichern sich diese beiden ebenfalls einen Rang in der Spitzengruppe.

Die Komfort- und Klimaprüfung der Jacken

Auch beim Praxistest lieferten die getesteten Dreilagenjacken insgesamt eine starke Leistung ab: Dank aufwendiger Schnitte engen die Outdoorjacken selbst beim Klettern nicht ein, ihre Kapuzen lassen sich über die Volumenverstellung an der Rückseite exakt anpassen und machen Kopfdrehungen mit. Außerdem besitzen alle Test-Jacken mit Ausnahme der Bergans Letto Jacket hochsitzende Taschen, die über einem Rucksackhüftgurt liegen.

Trotz der Gemeinsamkeiten gibt es einen Komfortsieger: das Patagonia Refugitive Jacket (450 Euro). Diese 3-Lagen-Jacke aus Gore-Tex C-Knit Material trägt sich sehr geschmeidig und raschelt kaum, das weiche Futter gleitet ohne großen Widerstand über die darunter liegenden Bekleidungsschichten. Außerdem kann man die gut laufenden Zipper und Züge der Patagonia Refugitive Jacket selbst mit dicken Handschuhen noch greifen. Auf Platz zwei landet die Houdini Aegis Jacke, deren Reißverschlüsse aber nicht ganz so leichtgängig sind. Beeindruckt zeigte sich die Testcrew im Praxiseinsatz zudem vom Klimakomfort der getesteten Outdoorjacken - schneiden die Dreilagenjacken doch deutlich besser ab als andere Jackentypen. Bestnoten bekommt die Arcteryx Alpha SV. Ihr Material (Gore-Tex Pro) punktet nicht nur mit einem extrem hohen Dampfdurchgang, der Oberstoff nimmt auch wenig Nässe auf – »das erhält die Atmungsaktivität«, verrät Boris Gnielka. Über lange Pitzips und weit zu öffnende Bündchen strömt kühlende Frischluft ins Innere, falls man auf anstrengenden Aufstiegen heißläuft. Außerdem versiegelt Arcteryx die Nähte größtenteils mit nur acht Millimeter breiten Klebebändern (Tapes). Dadurch sinkt die Fläche, wo keine Feuchtigkeit entweichen kann, in etwa um die Größe eines DIN-A4-Blattes.

Die Atmungsaktivitätsmessungen im Labor untermauern die Praxiserfahrungen: überragend das Material von Arcteryx, aber selbst die am wenigsten durchlässigen Laminate im Feld liefern noch gute bis sehr gute Werte. In Sachen Strapazierfähigkeit hat einmal mehr die Arcteryx Alpha SV die Nase vorn: Ihr sehr dicht gewobener Oberstoff ist enorm abriebfest und verhindert, dass feinste Staubpartikel bis zur Membran gelangen und diese durchscheuern. Zusätzlich sind die harten Kanten der innenliegenden Klemmverschlüsse abgedeckt, um das Laminat zu schützen - unterm Strich der ideale Partner für die härtesten Expeditionen. Den Beanspruchungen klassischer Trekkingtouren sind alle Testkandidaten gewachsen.

Günstigere Outdoorjacken im Test:

Auch in diesen vier Outdoorjacken bleibt man bei widriger Witterung trocken: Marmot Red Star (Damenjacke: Marmot Starfire), Montane Minimus 777, Outdoor Research Realm Jacket und Vaude Simony Jacket. Letztere gehörte dabei auch noch zu den günstigsten Kandidaten unserer Tests 2016. Den besten Wetterschutz der vier bot das Marmot Red Star Jacket - es hält nicht nur Nässe ab, sein ausladender Kapuzenschild schützt in Kombination mit dem hohen, standfesten Kragen zudem vor eiskaltem Wind.

»Eine Jacke muss aber nicht nur dicht halten, man soll sich darin auch wohlfühlen «, erklärt Boris Gnielka. Wie gut das gelingt, zeigt der im Praxiseinsatz benotete Tragekomfort. Hier überzeugten die vier Testjacken ebenfalls: Sie sind bequem, lassen Bewegungsfreiheit, und ihre Kapuzen folgen Kopfdrehungen. Außerdem kann man die leichtgängigen Zipper und Züge ohne Verrenkungen bedienen. Die Testtouren nutzte die outdoor-Mannschaft auch zur Beurteilung des Jackenklimas. Vor allem die deftigen Anstiege kamen da wie gerufen. »Die Marmot Red Star Jacket trägt sich am luftigsten«, sagt Tester Joel Vermillion, nachdem er zügig den Berg hinaufstürmte. Sie besitzt nicht nur ein enorm atmungsaktives Material, sondern dank der Achselreißverschlüsse (Pitzips) auch effektive Ventilationsmöglichkeiten. Mit dieser Leistung können die anderen Kandidaten nicht ganz mithalten – sie bieten aber immer noch ein angenehmes Klima.

Das untermauern die Atmungsaktivitätsmessungen im outdoor-Labor: Auf Platz eins landet mit top Werten das Outdoor Research 3-Lagen Ascentshell, dicht gefolgt vom Marmot-Laminat. Die Materialien der anderen Outdoorjacken schneiden sehr gut ab. Große Unterschiede gibt es beim Gewicht und der Strapazierfähigkeit. Am schwersten und haltbarsten ist das Marmot Red Star Jacket (410 Gramm, 300 Euro, ideal für Trekker und Alpinisten), während die ultraleichte Montane Minimus 777 (270 Euro) mit sensationell niedrigen 145 Gramm und einem hauchdünnen, weniger robusten Material das andere Ende des Spektrums markiert. Wer dagegen eine leichte und klein verpackbare Jacke für Wanderungen im Sommer sucht, liegt mit dem Vaude Simony Jacket richtig: Es bietet für 200 Euro ebenfalls eine starke Leistung.

Die Testergebnisse 2016 im Überblick:

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Arc'teryx Alpha SV (Testsieger) 750 Euro Überragend
Patagonia Refugitive Jacket (Kauftipp) 450 Euro Sehr gut
Houdini Aegis Jacket (Kauftipp) 400 Euro Sehr gut
Millet Kamet GTX 380 Euro Sehr gut
Vaude Croz 3L Jacket 300 Euro Sehr gut
Rab Latok Jacket 460 Euro Sehr gut
Outdoor Research Realm Jacket 280 Euro Sehr gut
Marmot Red Star Jacket 300 Euro Sehr gut
Marmot Alpinist Jacket 600 Euro Gut
Haglöfs Spitz Jacket 530 Euro Gut
Montane Minimus 777 270 Euro Gut
Bergans Letto Jacket 250 Euro Gut
Vaude Simony Jacket 200 Euro Gut

Inhaltsverzeichnis


Die getesteten Outdoorjacken 2016:

11.11.2016
Autor: Frank Wacker / Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 11/2016