Klein verpackbarer Wetterschutz: Regenjacken im Test 2014

Test: Regenjacken zwischen 100 und 450 Euro


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Regenjacken-Test
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Dutzende von Regenjacken kommen jedes Frühjahr auf den Markt. outdoor hat 14 Newcomer getestet - von der Leichtjacke bis zum robusten Wetterschutz-Bollwerk.
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Sturmgetriebener Schneeregen prasselt auf die outdoor-Tester herab, eisiger Wind zerrt an den Kapuzen, während sich die kleine Gruppe mit gesenkten Köpfen den Hang zum Weiherkopf hinaufkämpft, der im südwestlichen Teil des Schwarzwalds liegt. »Der mickrige Kapuzenschild bietet null Windschutz«, kritisiert Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka und dreht schnell den Kopf aus dem Wind. Außerdem saugt sich der Oberstoff schnell mit Wasser voll, dadurch fühlt sich das Material klamm an. »Mir macht das Spiel mit dem Wetter Spaß«, kontert Testerin Mirjam Milad. Ein tunnelförmiger, versteifter Schild und der bis zur Nasenspitze reichende Kragen ihrer Testjacke bilden förmlich einen Schutzwall gegen die Elemente, Wassertropfen rollen vom gut imprägnierten Außenmaterial sofort herunter. Auch die Kapuzen und Kragen fast aller anderen Testkandidaten bieten bei dieser widrigen Witterung einen guten bis sehr guten Windschutz, meist perlt der Regen sauber vom Oberstoff ab.

Die Wetterküche serviert ideale Bedingungen für den Funktionsjackentest von 14 Regenjacken zwischen 100 und 450 Euro. »Bei zehn handelt es sich um Dreilagenjacken«, erklärt Boris Gnielka. Dreilagenlaminate genießen unter ambitionierten Outdoor-Sportlern und professionellen Abenteurern einen hervorragenden Ruf, denn nur sie vereinen Strapazierfähigkeit mit geringem Gewicht. Das liegt an der Materialkonstruktion: Oberstoff, die hauchdünne, atmungsaktive und wasserdichte Folie (Membran) und das Futter werden verklebt, so verstärken sich die drei Schichten gegenseitig. Die empfindliche Membran wird in diesem Sandwich optimal geschützt. Der Nachteil liegt im hohen Preis der 3-Lagen-Wetterschutz-Jacken: 350 bis 450 Euro. (weitere getestete Dreilagenjacken in der Fotostrecke oben).

 

Günstige Regenbekleidung - Kauftipps
Foto: Marmot Günstig und gut: die Marmot Prezip Jacket (100 Euro).

Günstige Alternative: 2-Lagenjacken

Die beiden Zweilagenjacken von Schöffel kosten nur die Hälfte. Statt das Futter aufzukleben, hängt es lose in der Jacke. Es verhindert, dass das Material auf der Haut klebt. Bei den zwei 2,5-Lagenmodellen ersetzt ein hauchdünner Film (Beschichtung) das Futter. Die 2,5-Lagenjacken sind mit 100 Euro extrem günstig, wiegen wenig und lassen sich gut verpacken. »Die passt in den kleinsten Rucksack «, lobt ein Tester nachdem er die Marmot-Regenjacke in seine linke Tasche gestopft hat – diese dient zugleich als Packsack, eine pfiffige und praktische Lösung.

Schon der erste Streckenabschnitt stellt das Jackenklima auf die Probe: Flott geht es vom Tal einen steilen Pfad hinauf in Richtung Kammweg. »Mir ist zu warm«, schnauft Tester Johannes Butscher in seiner Zweilagen-Regenjacke nach rund 20 Minuten. Schnell teilt ihm Boris Gnielka eine der Dreilagenjacken zu, damit Johannes das Klima beim weiteren Aufstieg im direkten Vergleich beurteilen kann. »Spürbar angenehmer«, lautet sein Fazit. Auch im weiteren Testverlauf zeigt sich, dass das Klima der Dreilagenjacken besser bewertet wird als das der Zweilagenmodelle. »Die ist innen klatschnass«, bemängelt Testerin Wicke Wößner bei ihrer 2,5-Lagenjacke während eines weiteren, deftigen Aufstiegs. »Typisch 2,5-Lagen: Weil die Innenseite kaum Feuchtigkeit aufnimmt, entsteht Kondenswasser«, klärt Materialexperte Boris Gnielka auf. Die meisten anderen Testmodelle fühlen sich von innen dagegen allenfalls etwas feucht an, die Dreilagenmaterialien von Jack Wolfskin, Norrona und Vaude sind sogar trocken. Heißsporn Ralph Wildermuth nutzt die Pause, um die Achselreißverschlüsse (Pitzips) seiner Regenjacke aufzureißen.

»Für mich die beste Möglichkeit, um Hitzestau vorzubeugen«, sagt er. Boris Gnielka, der oft im Laufschritt unterwegs ist, stimmt zu: »Wenn ich es richtig krachen lasse, kommen bei mir selbst die hochatmungsaktiven Dreilagenjacken ans Limit.« Vier der Dreilagenjacken und die 2,5-Lagenjacken von Marmot besitzen Pitzips. Testerin Katharina Baus hingegen kann darauf verzichten: »Pitzips? Brauche ich nicht, wenn sich eine Jacke so angenehm luftig trägt wie die Dreilagenjacke von Rab.« Die Rab Nexus bietet das atmungsaktivste Material (Polartec Neoshell) – das zeigen die outdoor-Labortests. Doch die Dreilagenlaminate (Gore-Tex Pro), die Mountain Equipment und Arcteryx verarbeiten, schneiden ebenfalls hervorragend ab, die anderen Materialien zeigen eine sehr gute Performance. Allerdings bestätigten sich bei den beiden 2,5-Lagenjacken die Erfahrungen aus der Praxis: Es fällt recht viel Kondenswasser an.

Dreilagenjacken bieten das beste Klima

Außerdem ermittelt das outdoor-Labor die Gesamtfläche der Nahtbänder (Tapes), die von innen zum Abdichten der Nähte aufgeklebt werden. An ihnen entweicht keine Feuchtigkeit – und je geringer diese Fläche, desto besser die Atmungsaktivität der Jacke. In diesem Punkt gibt es große Unterschiede: Während die Tapes bei der Arcteryx Alpha FL in etwa die Fläche eines DIN-A4-Blatts bedecken, sind es bei der Konkurrenz im Schnitt drei bis vier. Der Trick gelingt Arcteryx, weil die Entwickler die Anzahl der Nähte durch einen aufwendigen Schnitt auf ein Minimum reduzierten und nur acht Millimeter breite, schwer zu verarbeitende Tapes verwenden. Im Normalfall sind die Nahtbänder mehr als doppelt so breit. Fasst man die Ergebnisse der Praxis- und Labortests zusammen, bieten die Dreilagenjacken das beste Klima. Auf Platz eins landet die Tupilak von Mountain Equipment, doch die Jack Wolfskin High Amperage muss sich nur knapp geschlagen geben. Mit etwas Abstand reihen sich die weiteren Dreilagenmodelle ein. Die Zwei- und 2,5-Lagenjacken bilden das Schlusslicht, ihre Ergebnisse liegen aber trotzdem noch auf einem guten Niveau.

Arcteryx und Mountain Equipment trotz rascheliger Materialien sehr gut

Auf dem Weiherkopf verkriecht sich die Testcrew in einer Schutzhütte, um über den Tragekomfort der einzelnen Testkandidaten zu diskutieren. Notizblöcke werden aufgeklappt und die Aufschriebe studiert. Einmal mehr haben die Dreilagenjacken die Nase vorn. »Am geschmeidigsten tragen sich die Regenjacken von Norrona und Jack Wolfskin«, sagt Sina Choma - und erntet zustimmendes Kopfnicken der anderen. »Die Rab finde ich ebenfalls sehr komfortabel«, meldet sich Felix Wiedmann zu Wort. Niemand widerspricht. Einig ist sich die Testcrew auch darin, dass die Dreilagenjacken von Arcteryx und Mountain Equipment trotz rascheliger Materialien sehr gut abschneiden, schließlich engen sie selbst beim Klettern nicht ein. Die Zwei- und 2,5-Lagenjacken rascheln ebenfalls, außerdem lassen sich die Kapuzen der 2,5-Lagenmodelle nicht optimal an den Kopf anpassen und machen Kopfbewegungen nur eingeschränkt mit – was bei den anderen Testkandidaten gut klappt.

Und wie sieht es mit den Ergebnissen der Beregnungsprüfung aus? Jede Funktionsjacke muss sich der outdoor-Powerberegnung stellen, die einem langen, stürmischen Wolkenbruch gleicht. »Fast alle Dreilagenmodelle meistern die Herausforderung«, sagt Boris Gnielka. Nur die Jack Wolfskin High Amperage hält nicht ganz mit – bei ihr kriecht mit der Zeit etwas Feuchtigkeit (Saugeffekte) über den Frontzip und die Pitzips ins Innere. Damit liegt sie auf einem vergleichbaren Niveau wie die 2,5-Lagenjacken vom Marmot. Die Regenjacken von Jack Wolfskin und Marmot empfehlen sich somit weniger für Touren, auf denen es den ganzen Tag wie aus Kübeln schüttet. Aber einen mehrstündigen, kräftigen Schauer stecken auch diese Regenjacken weg. Weniger überzeugend fällt das Wetterschutz-Ergebnis der beiden Zweilagenjacken aus. Bei ihnen dringt über den Frontreißverschluss und die Taschen recht schnell Wasser ins Innere ein. Außerdem fehlt ihren Kapuzen ein fester, großer Schild, der wie ein Vordach vor Regen schützt und Wind abhält.

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Die Regenjacken in diesem Test:

23.03.2014
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 4/14