Wetterschutz für Wanderer: Regenjacken fürs kleine Budget

Günstige Outdoorjacken im Test


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Funktionsjacken im outdoor-Test 2015
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Funktionsjacken im outdoor-Test 2015
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Softshelljacken im Test 2016
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Funktionsjacken im outdoor-Test 2015
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Funktionsjacken bis 200 Euro sind Verkaufsschlager. Doch was leisten die Bestseller im harten outdoor-Test? 18 Regenjacken im Test 2015.
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Dicke Tropfen prasseln auf die Jacke und laufen in Rinnsalen herab. Zu Beginn perlt das Wasser noch ab, doch mit der Zeit saugt sich das Außenmaterial voll und hängt wie ein nasser Sack am Leib. Doch der Wetterschutz hält dicht. Eine Szene aus der outdoor-Regenkammer. »Die Powerberegnung gleicht einem mehrstündigen, sturmgepeitschten Wolkenbruch. Übersteht eine Jacke diese Tortur ohne Lecks, kann man sie bei Dauerregen bedenkenlos einsetzen«, erklärt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.

Auch die nächste getestete Regenjacke trotzt den Wassermassen – zumindest am Anfang. Plötzlich wird es oberhalb der Taille feucht. »Ein klares Indiz für Nässeeinbrüche im Bereich der Achselreißverschlüsse«, so Gnielka. Die Beregnung stoppt, auf dem als Kontrollschicht getragenen Baumwollshirt zeigen sich seitlich am Rumpf zwei ovale nasse Stellen mit rund zehn Zentimeter Durchmesser.

Der Jacken-Check bestätigt Gnielkas Verdacht: Durch die zu knappe Abdeckung haben sich die von der Taille bis zu den Ellenbogen verlaufenden Pitzips im unteren Drittel mit Wasser vollgesogen.

Was leisten die günstigeren Regenjacken?

»Wir testeten dieses Mal 18 Funktionsjacken zwischen 140 und 200 Euro – die beliebteste Preisklasse«, sagt Boris Gnielka. Jack Wolfskin und Schöffel schicken sogenannte Zweilagenjacken ins Rennen. Sie bieten ein extra Futter, das ein angenehmes Tragegefühl garantiert – selbst wenn der Außenstoff durchnässt ist. Die restlichen Hersteller setzen dagegen auf 2,5-Lagenjacken: Statt eines Futters wird bei ihnen ein hauchdünner Film auf die Materialinnenseite aufgebracht. Dies spart Gewicht und reduziert das Packmaß. Allerdings fühlen sich diese Outdoorjacken auf der Haut schnell kalt an, sobald Wasser nicht mehr abperlt – das zeigt die Beregnungsprüfung. Insgesamt schneidet das Outdoorjacken-Testfeld 2015 in Sachen Wetterschutz aber gut ab. Eine perfekte Vorstellung liefert die Berghaus Hydroshell Lightspeed. Ihr Inneres bleibt trocken, außerdem schützen der bis zur Nasenspitze reichende Kragen und ein großer Kapuzenschild vor eisigem Wind. Lob verdienen zudem die Jacken von Jack Wolfskin, Vaude, Montane und Marmot: Bis auf minimalste Saugeffekte halten sie dicht, ihre Kapuzen und Krägen bieten einen effektiven Windschutz – »auch diese Modelle eignen sich uneingeschränkt für Schlechtwettertouren«, erläutert Boris Gnielka.

Die Outdoorjacken von Schöffel, Adidas und Mountain Equipment stecken einige Stunden kräftigen Regen weg, bevor Feuchtigkeit großflächig ins Innere wandert – das reicht für einen Platz im Mittelfeld. Schlusslichter sind die Modelle von Mammut und Outdoor Research. »Ein kurzer Gewitterregen bereitet ihnen keine Probleme, bei längerem kräftigem Regen wird es innen nass«, so der Jackenexperte. Szenenwechsel: »Über Nacht hingen die Testkandidaten im Klimaraum. Nur wenn alle die gleiche Temperatur und Luftfeuchte haben, können wir die Atmungsaktivität ermitteln«, sagt Gnielka mit lauter Stimme, um das Surren eines Ventilators zu übertönen. Er simuliert den Luftzug, der draußen durch Wind und Bewegung entsteht. Nach Beendigung der Messung entfernt der Testchef eine der Jacken vom Dampfgenerator und kontrolliert die Stoffinnenseite: »Wir messen nicht nur, welche Feuchtigkeitsmenge durchs Material entweicht, sondern beurteilen auch, wie viel auskondensiert. Je trockener die Innenseite, desto besser fürs Klima«, erklärt er. Anhand beider Werte wird die Note für die Atmungsaktivität ermittelt.

»Die Ergebnisse fallen in Anbetracht der Preisklasse überraschend positiv aus«, lobt Boris Gnielka. Am besten schlagen sich die Zweilagenjacken (Schöffel, Jack Wolfskin). Sie lassen viel Feuchtigkeit durch, dank des Futters entsteht kaum Kondenswasser. Die meisten 2,5-Lagenmaterialien überzeugen ebenfalls mit einem hohen Feuchtetransport, ihre Innenseiten sind aber klatschnass – was für diesen Jackentyp normal ist. Zwei der 2,5-Lagenjacken ragen heraus: Während die Marmot Supermica aufgrund ihres minimal luftdurchlässigen Materials mit top Dampfdurchgangswerten glänzt, schlägt sich in der Vaude Lierne weniger Feuchtigkeit nieder als bei der Konkurrenz, da ihre Innenseite diese aufnimmt. Die Mountain Equipment Aeon hingegen erreicht nicht ganz das Niveau des restlichen Outdoorjacken-Testfeldes.

 

Die Testkandidaten im Praxis-Check

Vom Klimaraum geht es zum Praxistest am Albtrauf. Die vielen Anstiege auf die Albhochfläche sind ideal für den Klimacheck auf Tour. Er bestätigt die Messwerte aus dem Labor. Einmal mehr zeigt sich, dass selbst hoch atmungsaktive Materialien bei längerer Anstrengung an ihre Grenzen kommen. »Ohne Ventilationsreißverschlüsse fühle ich mich wie im Dampfbad«, kritisiert outdoor-Tester Joel Vermillion, nachdem er rund 300 Höhenmeter zügigen Aufstieg hinter sich hat. Die anderen stimmen ihm zu, Testerin Susanne Wacker relativiert aber: »Lasse ich es etwas gemächlicher angehen, stimmt das Klima in den meisten Jacken.« Für Leute, denen schnell zu warm wird, empfehlen sich vor allem die 2,5-Lagenjacken von Marmot, Vaude und Adidas, die gute Belüftungsmöglichkeiten bieten. Diese Outdoorjacken werden innen durch Kondens zwar feucht, trocknen, wie alle anderen Kandidaten dieser Bauart, aber auch schneller als die Zweilagenjacken. Immer wieder tauschen sich die Tester unterwegs aus. »Keine trägt sich unkomfortabel, aber die Zweilagenjacken sind am geschmeidigsten. Dann folgen die 2,5-Lagenjacken von Adidas und Berghaus«, fasst Tester Vermillion zusammen. Die Regenjacken von Marmot, Montane und Outdoor Research rascheln aber recht kräftig. Beim Jack Wolfskin Airrow Jacket und der Lierne von Vaude spannt es, wenn man die Arme über den Kopf hebt – »fürs Wandern reicht die Bewegungsfreiheit aber aus«, sagt Boris Gnielka. Außerdem überzeugte im Outdoorjacken-Testfeld 2015 die Passform der Kapuzen: Fast alle Kapuzen lassen sich über Verstellungen am Hinterkopf gut anpassen und drehen mit.

Welche Outdoorjacken aus dem Test soll man nun kaufen?

Das Testfazit: "Auch günstige Funktionsjacken halten dicht, bieten ein gutes Klima und sind komfortabel", bringt Boris Gnielka die Testergebnisse auf den Punkt. Den Alleskönner gibt es in diesem Preissegment aber nicht. Wanderer und Outdoorer sollten sich also deshalb genau überlegen,wie sie den Regenschutz nutzen und welche Schwerpunkte sie setzen. Wer eine möglichst leichte und klein verpackbare Regenjacke kaufen möchte, greift zur Montane Minimus Jacket (225 Gramm, 185 Euro). Durch ihr dünnes 2,5-Lagenmaterial eignet sich die Montane-Leichtjacke vor allem als klein verpackbarer Notregenschutz, der die meiste Zeit im Rucksack steckt. Etwas robuster und reichhaltiger ausgestattet, ist die 2,5-Lagen-Outdoorjacke von Berghaus (200 Euro) deutlich vielseitiger.

Die Marmot Supermica Jacket (200 Euro) empfiehlt sich durch ihr luftiges 2,5-Material vor allem für Leute, die oft ans körperliche Limit gehen - also eher eine günstige Regenjacke für den Klettersteig oder die Bergtour. Jack Wolfskin (150 Euro) und Schöffel (170 Euro) sprechen mit ihren Zweilagenjacken vor allem komfortbewusste Wanderer an. Sie wiegen etwas mehr und lassen sich nicht so klein verpacken, sind aber auch robust genug für den Alltagsgebrauch bzw. als Alltags-Regenjacke.

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Berghaus Light Speed Hydroshell (Kauftipp) 200 Euro Sehr gut
Jack Wolfskin Airrow Jacket (Kauftipp) 150 Euro Sehr gut
Montane Minimus Jacket (Kauftipp) 200 Euro Sehr gut
Marmot Super Mica Jacket 200 Euro Sehr gut
Adidas Felsfreund 200 Euro Gut
Mountain Equipment Aeon Jacket 200 Euro Gut
Schöffel Easy 170 Euro Gut
Vaude Lierne 140 Euro Gut
Mammut Keiko/Kento 200 Euro Befriedigend
Outdoor Research Helium HD 195 Euro Befriedigend

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Die Regenjacken aus diesem Vergleichstest:

17.04.2015
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 04/2015