Für Alpinisten, Bergsportler und Wanderer: 3-Lagen-Hardshelljacken im Test

Robust und wasserdicht: Die neuen Hardshells 2014/2015 im Test


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Regenjacken im outdoor-Test 2014
Foto: Boris Gnielka

 

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Was haben Bergsportprofis wie Robert Jasper und Gerlinde Kaltenbrunner mit anderen Outdoorern gemein? Sie schwören auf 3-Lagenjacken, um sich vor Wind und Wetter zu schützen. Denn nur diese Jacken schaffen den Spagat aus Widerstandsfähigkeit und Leichtigkeit. Wir haben 15 Jacken getestet.
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Das Kunststück gelingt bei dieser Art von Outdoorjacken, weil bei Dreilagenlaminaten das Obergewebe, die wasserdichte, atmungsaktive Folie (Membran) und ein extrem leichter Futterstoff verklebt werden. So verstärken sie sich gegenseitig, und die hauchdünne, empfindliche Membran ist zwischen den beiden Stofflagen optimal vor Beschädigungen geschützt. Doch was leistet eine moderne Dreilagenjacke? Das klärt der outdoor-Test von 15 Hardshelljacken zwischen 320 und 800 Euro.

Bei zehn der getesteten Hardshelljacken handelt es sich um Herrenjacken, fünf gibt es auch für Damen. Schon beim ersten Check fallen die Gewichtsunterschiede auf: Die beiden leichtesten Testkandidaten wiegen weniger als 400 Gramm, die schwersten Hardshells knapp 600 Gramm. »Leicht bedeutet aber nicht unbedingt besser: Das Gewicht wird vor allem durch die Verwendung dünnerer Außenstoffe eingespart«, erklärt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Und diese sind nicht so robust wie dickere Gewebe.

 

Regenjacken im outdoor-Test 2014
Foto: Boris Gnielka Auf die harte Tour: eine Hardshell soll vor Wind und Wetter schützen, dabei extrem robust sein.

Hardshelljacken für den täglichen Gebrauch oder harte Touren

Maßstäbe in puncto Haltbarkeit setzt die Arcteryx Theta SVX, der teuerste Testkandidat (rund 800 Euro): Ihr abriebfestes Obermaterial ist sehr dicht gewebt. Es verhindert, dass sich im Dauergebrauch feinste Partikel zwischen Membran und Außenstoff ablagern. Dort wirken sie wie Schmirgelpapier und beschädigen mit der Zeit die feine Folie.

Auch die Hardshelljacken von Outdoor Research, Mammut und Marmot zählen zu den strapazierfähigsten Kandidaten im Feld und liegen mit Preisen um 500 Euro im Mittelfeld des Hardshelljacken-Tests 2014. Die vier Arbeitstiere empfehlen sich vor allem für den täglichen Gebrauch oder harte Touren, auf denen man stundenlang am rauen Fels entlangschrubbt. »Wer die Jacke nur gelegentlich nutzt, braucht keinen so widerstandsfähigen Wetterschutz«, relativiert Testprofi Gnielka – zumal die Hardshelljacken von Berghaus, Bergans, Mountain Equipment und Patagonia auch bei einer mehrwöchigen Nutzung im Jahr nicht in die Knie gehen. Außerdem kommt eine Funktionsjacke meist nur noch bei strömendem Regen zum Einsatz: Sonst verwenden Outdoorer heutzutage eine Softshell, die sie vor Wind und Niesel schützt.

Auch Hardshells können mit Geschmeidigkeit begeistern

Zu den Stärken der Allrounder zählt ihr hoher Tragekomfort. Gerade die Mountain Equipment Arclight, mit 380 Euro die günstigste Hardshelljacke in dieser Gruppe, und die Bergans Storen (470 Euro) begeistern durch ihre Geschmeidigkeit. Die Kangchenjunga von Berghaus bekommt ebenfalls sehr gute Noten. Preis: 500 Euro. Auch die beiden Leichtgewichte von Rab und Directalpine haben ihre Berechtigung. Noch anschmiegsamer als die Allrounder und sehr klein verpackbar (Packmaß: 1,4 Liter), empfehlen sie sich für Wetter. »Dann stecken sie die meiste Zeit im Rucksack und werden nur bei einem Schauer übergeworfen«, so Boris Gnielka. Sie bieten genügend Reserven, um ab und an mal ein paar Tage am Stück getragen zu werden, und überstehen gelegentlichen Felskontakt, ohne sich dabei gleich in Fetzen aufzulösen – was bei ultraleichten Regenjacken aus 2,5-Lagenmaterialen häufiger passiert. Weiteres Argument für die beiden Federgewichte ist ihr verhältnismäßig niedriger Preis: Die Rab Myriad kostet 320 Euro, die Hardshelljacke von Directalpine 370 Euro. »Bei der Klimaprüfung überzeugen alle Testkandidaten – trotz der großen Preisunterschiede«, sagt Boris Gnielka. Das zeigen nicht nur die outdoor-Labortests, sondern auch der Praxis-Check auf der Schwäbischen Alb und in den Allgäuer Alpen. Für diese starke Leistung gibt es mehrere Gründe: Erstens kommen nur hochatmungsaktive Materialien zum Einsatz. Vor allem das von Mountain Equipment und Rab verarbeitete Polartec Neo Shell begeistert mit einem luftigen Tragegefühl.

 

Regenjacken im outdoor-Test 2014
Foto: Boris Gnielka outdoor-Praxistest bei dichtem Nebel auf der Schwäbischen Alb

Fünf Hersteller setzen auf Gore-Tex Pro

Gore-Tex Pro glänzt ebenfalls mit hervorragenden Atmungsaktivitätswerten. Bergans verwendet Dermizax NX: Seine Innenseite nimmt überdurchschnittlich viel Feuchtigkeit auf, was Kondens reduziert und das Klima verbessert. Die übrigen beiden Materialien (Patagonia, Directalpine) schneiden immerhin sehr gut ab. Erstklassige Laminate sind aber nur der Anfang, auch die Konstruktion einer Jacke hat großen Einfluss auf das Klima. »Im Schnitt werden auf den Jackeninnenseiten rund zehn Meter Bänder verklebt, um die Nähte abzudichten. Allerdings entweicht an diesen sogenannten Tapes keine Feuchtigkeit«, erklärt Boris Gnielka. Die Test-Hardshells haben sehr schmale Dichtbänder. Dadurch sinkt die Tape-Fläche im Feld auf durchschnittlich drei DIN-A4-Blätter - ein sehr guter Wert. Arcteryx geht sogar noch einen Schritt weiter: Statt die Reißverschlüsse einzunähen, werden sie – mit Ausnahme des Frontzippers – eingeklebt. Das spart in diesem Bereich bis zu 50 Prozent Fläche.

Trotz dieser Kniffe bieten fast alle Test-Hardshells Belüftungsmöglichkeiten, über die man abdampfen kann. »Ein wichtiges Feature, da bei starker Anstrengung selbst Top-Materialien an ihre Grenzen kommen«, so Boris Gnielka. Sehr effektiv sind – möglichst lange – Achselreißverschlüsse (Pitzips), die viele Hardshelljacken besitzen. Berghaus setzt stattdessen auf gut funktionierende Belüftungszips auf Brusthöhe. Noch konsequenter geht Outdoor Research vor: Die Ventilationszips der Maxismus reichen bis zum Saum, sodass man die Jacke luftig wie einen Poncho tragen kann. Kein Wunder, dass sie, zusammen mit der Mountain Equipment Arclight, das beste Klima im Feld bietet. Die anderen Jacken folgen ihnen aber dicht auf den Fersen.

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Die Regenjacken in diesem Test:

14.11.2014
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 10/2014