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Leibwächter
Dreilagenjacken sind die Allrounder unter den Funktionsjacken. Dank neuer Materialien sollen sie jetzt noch komfortabler, haltbarer und leichter sein. outdoor hat die aktuellen Top-Modelle getestet.
Outdoor-Touren bei Schmuddelwetter können richtig Spaß machen: Wenn der Regen herunterprasselt und der Sturm an der Jacke zerrt, erlebt man die Natur viel intensiver als bei Sonnenschein. Am Abend belohnt dann das Gefühl, mehr geleistet zu haben als bei schönem Wetter. Außerdem wagen sich bei schlechten Witterungsbedingungen viel weniger Menschen vor die Tür, selbst gut besuchte Landstriche sind wie leergefegt. Eine wasserdichte, atmungsaktive Funktionsjacke ist allerdings Voraussetzung für ungetrübten Genuss. Die größten Reserven für Schlechtwetter und maximale Strapazierfähigkeit bieten sogenannte Dreilagenjacken.
Bei ihnen verkleben die Hersteller das Futter direkt mit dem Funktionsmaterial, wodurch ein besonders robustes Materialsandwich entsteht: Die Lagen verstärken sich gegenseitig, und die hauchdünne, wasserdichte, atmungsaktive Folie (Membran) ist zwischen Futter- und Oberstoff optimal geschützt. Dank dieser Eigenschaften eignen sich Dreilagenjacken für die härtesten Trekking- und Bergtouren.
Elf der Topmodelle von 299 bis 650 Euro finden Sie im aktuellen outdoor-Test. Die besten Materialien und das geballte Wissen der Outdoor-Hersteller steckt in ihnen. Das macht sich unter anderem im Wetterschutz-Test bemerkbar: Alle Modelle überstehen die outdoor-Powerberegnung gut bis sehr gut, obwohl dieser Extremtest höchste Anforderungen an die Regendichtigkeit stellt: Er simuliert einen mehrstündigen, sturmgepeitschten Wolkenbruch. In neun Jacken bleibt man völlig trocken, bei zwei gibt es nur eine leicht feuchte Stelle, weil dort das Material ein wenig saugt. Die Taschen werden dagegen bei einigen Testkandidaten nass. Überbewerten sollte man das aber nicht, denn der Tascheninhalt wird durch die Körperfeuchtigkeit so oder so feucht. Am besten packt man Handy oder Digitalkamera in einen Gefrierbeutel (Ziploc-Tüten von Toppits). Unterm Strich erzielen die Modelle von Klättermusen und Marmot den besten Wetterschutz.
Über den Klimakomfort der Funktionsjacken entscheidet unter anderem das Material. Sechs Testmodelle setzen auf das neue Gore-Tex Pro Shell. Im outdoor-Labortest zeigt es eine extrem hohe Atmungsaktivität, doch die Event-Materialien, die Rab und Vaude bei ihren Testjacken verarbeiten, sind sogar noch etwas atmungsaktiver. Wie viel Feuchtigkeit bei einer Jacke aber tatsächlich entweicht, hängt auch von ihrer Konstruktion ab. Ein wichtiger Faktor ist hier, wie viel Fläche die Nahtbänder (Tapes) einnehmen, denn an ihnen entweicht keine Feuchtigkeit. Was technisch möglich ist, zeigt die Argon von Mountain Hardwear: Ihre Tapes messen nur sieben Millimeter, ein Drittel der üblichen Breite. Das reduziert die Gesamtfläche der Tapes auf 0,14 Quadratmeter; die Argon liegt damit gut 30 Prozent unter dem Testdurchschnitt.
Doch auch die Ventilationsmöglichkeiten beeinflussen den Klimakomfort enorm. Bei starker Anstrengung kann der Wanderer mit ihrer Hilfe Dampf ablassen, als würde er im Auto die Fenster oder das Schiebedach öffnen. Am effektivsten funktioniert die Belüftung über Reißverschlüsse in den Achseln (Pitzips), die bis auf zwei Ausnahmen alle Testmodelle bieten. Auch weit zu öffnende Ärmelbündchen und mit Netzmaterial gefütterte Taschen helfen. Unterm Strich liegt das Klimaniveau der Testjacken sehr hoch, einen klaren Sieger gibt es in diesem Kriterium nicht: Fast alle Modelle eignen sich für anstrengende Bergtouren oder mehrwöchige Treks mit schwerem Gepäck.
Und wie sieht es mit dem Tragekomfort aus? Auch hier wird viel geboten. Am bequemsten tragen sich die Jacken von Arc’teryx, Haglöfs, Klättermusen, Mammut und Rab: Sie sind geschmeidig, bieten optimale Bewegungsfreiheit, Reißverschlüsse und Schnürzüge laufen gut, Zipper und Klemmverschlüsse lassen sich leicht greifen. Doch die anderen Kandidaten folgen dichtauf. Die Modelle von Bergans, Marmot und The North Face könnten allerdings eine noch bessere Bewegungsfreiheit bieten. Beim Gehen stört das nicht, beim Klettern umso mehr, weil die Jacke dann einengt. In den Kapuzen der Jacken von Bergans, Mountain Hardwear und The North Face steckt ebenfalls noch Verbesserungspotenzial: Trotz Verstellmöglichkeiten sind sie etwas zu groß und rutschen in die Augen; oder der weiche Schild hängt herunter und verdeckt die Sicht. Im Idealfall hingegen bildet der versteifte Schild vor dem Gesicht einen Tunnel wie beim Modell von Klättermusen; der Kragen sollte bis knapp unter die Nase reichen und recht fest sein. Gute Beispiele sind die Kragen von Arc’teryx oder Marmot.
Alles in allem ragen aus einem hochwertigen Testfeld sieben Modelle heraus. Die Jacken von Rab und Patagonia bieten nebst hoher Funktionalität das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Schwergewicht von Klättermusen ist die richtige Wahl für Outdoor-Profis, die fast täglich und bei extremer Witterung draußen sind. Die leichte Haglöfs (460 Gramm) wiederum spielt auf Trekkingtouren ihre Stärken aus, während der Testsieger von Arc’teryx alles mitmacht – er eignet sich für Treks, Bergtouren und Expeditionen. Doch gleich, für welches dieser Top-Modelle Sie sich entscheiden: Bei schlechtem Wetter sind Sie sicher aufgehoben, der Spaß bleibt nicht auf der Strecke.
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10.12.2007
© Outdoor Ausgabe 11/2007
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Autor: Frank Wacker
Test: Arc'teryx Alpha SV
Test: Bergans Rask
Test: Haglöfs Spitz/ Spitz Q
Test: Klättermusen Brede
Test: Mammut Motion Pro Shell
Test: Marmot Exum
Test: Mountain Hardwear Argon
Test: Patagonia Stretch Latitude Jacket
Test: Rab Bergen
Test: The North Face Modulus Jacket
Test: Vaude Alpinist Stretch Jacket
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