Active Shell, Dermizax, Dry.Q & Co.: Dreilagenjacken im Test 2011

10 Funktionsjacken im outdoor-Härtetest


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Funktionsjacke Dreilagenjacke Test
Foto: outdoor

 

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Dank neuer Materialien soll die aktuelle Generation von Funktionsjacken mit Bestwerten bei Atmungsaktivität und Klimakomfort glänzen. outdoor hat getestet, ob es stimmt.
Zu den getesteten Produkten

Wasserdichte, atmungsaktive Funktionsmaterialien haben das Outdoorleben revolutioniert. Plötzlich gab es Kleidung, in der man auf Tour wirklich trocken blieb und sogar auch Berge ­hin­aufkam, ohne gleich im eigenen Saft zu schmoren. Zwar ließ die Atmungsaktivität anfangs noch zu wünschen übrig, doch Gore & Co. haben sie ständig weiterentwickelt und bieten den Kleidungsherstellern mittlerweile eine riesige Auswahl hochfunk­tioneller Materialien. Der größte Schritt gelang BHA im Jahr 2003 mit dem Material Event, dessen Klimakomfort Maßstäbe setzte. Doch jetzt wollen neue ­Herausforderer den bisherigen Champion vom Thron stoßen.

Im aktuellen outdoor-Test von zehn dreilagigen Funktionsjacken finden sich neben Material-Klassikern wie etwa Gore-Tex Pro Shell oder Event gleich vier extrem vielversprechende neue Mate­rialien, die Event entthronen könnten: Active Shell, Neo Shell, Dermizax NX und Dry.Q Elite. Am stärksten im Testfeld vertreten ist Gore-Tex ­Active Shell. »Wir wollten ein leichtes, höchst ­atmungsaktives Material für Outdoor-Sportler, die leicht und schnell unterwegs sind«, erklärt Gore-Produktmanager Timothy Smith. ­Dazu trimmten die Entwickler nicht nur die Membran auf Höchstleistung, sie schafften es auch, das Futter ohne die sonst übliche Kleberschicht aufzubringen – was die ­Atmungsaktivität weiter verbessert. Auf Active Shell setzen im Test die Hersteller Adidas, Berghaus und Haglöfs.

Funktionsjacken: Verheißungsvolle neue Materialien

Die englische Outdoor-Schmiede Rab verwendet bei ­ihrem Stretch Neo Jacket das Material Neo Shell vom Fleece- und Softshellpionier Polartec, der nun den Funktionsjackenmarkt aufmischen möchte. Was durchaus ­gelingen könnte: Polartec verspricht Bestwerte bei der Atmungs­aktivität. Die norwegische ­Firma Ber­gans wiederum verarbeitet bei ihrer Testjacke Isogaisa Dermizax NX vom japanischen Materialspezialisten Toray. Es soll doppelt so ­atmungsaktiv sein wie der auch schon sehr überzeugende Vorgänger Dermizax EV. Außerdem hat Mountain Hardwear ein heißes ­Eisen im Feuer: das Material Dry.Q Elite. »Wir verwenden die gleiche Membran wie bei Event. Oberstoff, Futter und die Klebetechnik konnten wir aber nach unseren Vorgaben entwickeln, um Dry.Q Elite noch leistungsfähiger zu machen«, sagt Chef-Entwickler Ted Ganio.

Die Probe aufs Exempel: Zehn Jacken im Härtetest

Erfüllt das hochkarätige Feld - Preislage zwischen 250 und 566 Euro wirklich die vollmundigen Versprechen? Im outdoor-Praxistest steht für den Klima-Check bei Wanderungen auf der Schwäbischen Alb ein besonderer Wegabschnitt auf dem Programm: ein steiler Aufstieg von rund 300 Höhenmetern hinauf zum Zellerhorn, den jeder im Team in den nächsten Tagen zigmal mit unterschiedlichen Testmodellen und in zügigem Tempo bewältigen muss. Die Strecke führt durch dichten Wald. Das verhindert, dass direkte Sonneneinstrahlung die Ergebnisse beeinflusst. Außerdem bleiben sämtliche Belüftungsöffnungen an den Jacken verschlossen, denn nur so lässt sich herausfinden, wie leistungsfähig die Materialien wirklich sind. Ergänzend bestimmt das outdoor-Labor die Atmungsaktivität.

Tatsächlich schneiden Active Shell, Neo Shell, Dermizax NX und Dry.Q Elite hervorragend ab – und ziehen mit Event gleich, das beim Air Jacket von Montane verarbeitet wird. Überflügeln können sie den Klassiker aber nicht. Doch auch die drei anderen Materialien im Testfeld liegen auf sehr hohem Niveau. Und wenn es wirklich anstrengend wird, kommen die meisten Tester auch in der atmungsaktivsten Jacke ohne zusätzliche Ventilation nicht aus. »Ich brauche trotzdem Belüftungsöffnungen«, sagt Tester Ralph Wildermuth, der auf Tour schnell heiß läuft. Vor allem über lange Reißverschlüsse in den Achseln (Pitzips) wie etwa bei der Alpha LT von Arc’teryx lässt sich ganz hervorragend auf Durchzug schalten.

Am Ende liegen drei Modelle mit Pitzips beim Klimakomfort ganz vorne. Zu diesen Dreilagenjacken gehören unter anderem das Mountain Hardwear Victorio Jacket und die R1 Light von Rady’s gehören. Insgesamt liegt das Feld aber dicht beisammen. Ähnlich sieht es beim Trage­komfort aus: Kein Modell engt ein, nichts scheuert, und die Kapu­zen sitzen wie angegossen. Auch die Bedienung klappt gut, nur die Reißverschlüsse könnten größtenteils etwas besser laufen.

 

Funktionsjacke Dreilagenjacke Test
Foto: drakeimages.de Alles dicht? Das zeigt die Powerberegnung.

Wolkenbruch in der Regenkammer: nicht alle sind dicht

Für die Wetterschutzprüfung geht es in die outdoor-Regenkammer. Nur so lassen sich die Ergebnisse wirklich vergleichen – selbst über Jahre hinweg. Übersteht eine Jacke den simulierten, mehrstündigen, sturmgepeitschten Wolkenbruch, lässt sie Sie auch bei extremen Witterungsbedingungen nicht im Stich. Zuvor wandern alle Testmodelle aber für zehn Wäschen in die Waschmaschine. Diese Tortur entspricht dem Dauergebrauch vieler Monate und deckt schonungslos Verarbeitungs- und Materialschwächen auf.

So wie bei den Active-Shell-Jacken: Hier lässt das Mate­rial bei der outdoor-Powerberegnung punktuell etwas Feuchtigkeit durch – was zunimmt, wenn Rucksackgurte und der Rucksackrücken scheuern. »Das Ergebnis überrascht uns sehr: Intensive Labortests sowie ein viermonatiger Praxistest mit 30 Athleten und mehreren hundert Stunden Tragedauer zeigten, dass Gore-Tex ­Active Shell Jacken dauerhaft wasserdicht sind«, erklärt Gore-Pressesprecher Hans-Peter Rudolf. »Wenn ein Kunde unzufrieden sein sollte, tauschen wir die Jacke aus.« Die anderen sieben Testmodelle trotzen den Wassermassen und zeigen nur kleine Schwächen: Mal könnte die Imprägnierung noch besser sein, ein anderes Mal der Kapuzenschild etwas größer oder steifer ausfallen.

Alle Ergebnisse und das Fazit des Dreilagenjacken-Tests auf der nächsten Seite ...


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16.12.2011
Autor: Frank Wacker
© Outdoor
Ausgabe 11/2011