Daune vs. Kunstfaser: Schlafsacktest 2014

Schlafsäcke für Touren von Frühjahr bis Herbst


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Schlafsäcke im Test 2014
Foto: Benjamin Hahn

 

Schlafsäcke im Test 2014
Foto: Benjamin Hahn

 

Schlafsäcke im Test 2014
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Schlafsäcke im Test 2014
Foto: Benjamin Hahn

 

Schlafsäcke im Test 2014
Foto: Benjamin Hahn
Sind die aktuellen Dreijahreszeitenschlafsäcke warm genug für kühle Frühjahrs- oder Herbstnächte? outdoor hat vier Daunenschlafsäcke und sechs Kunstfaserschlafsäcke getestet. Hier erfahren Sie, welche Schlafsäcke im Test 2014 am besten abgeschnitten haben.
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Winterschlafsack
Foto: outdoor Die dunkelblauen Flächen bedeuten: Hier entweicht kaum Wärme. Ebenso bemerkenswert: die dicke Kapuze eines Winterschlafsacks.

Wärmetest in der Kältekammer

"Der hält nicht so warm wie angegeben – ich spüre schon nach knapp 15 Minuten frostige Stellen", sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Er liegt in einem der zehn Dreijahreszeitenschlafsäcke des outdoor-Testfelds. Sechs davon sind mit Kunstfasern gefüllt und kosten 110 bis 240 Euro, für die vier Daunenschlafsäcke muss man zwischen 220 und 340 Euro bezahlen. Auf noch teurere Daunenmodelle verzichtet outdoor in diesem Test – sie haben ihre enorme Leistungsfähigkeit in den letzten Jahren mehrfach bewiesen. Die untere Temperaturgrenze der Hersteller (Limitwert) liegt bei den Testschlafsäcken im Schnitt bei minus vier Grad – genug für eisige Frühjahrs- oder Herbsttage. Um sie bei den hochsommerlichen Temperaturen testen zu können, verkriecht sich die outdoor-Testcrew zum Probeschlafen in eine minus zwei Grad kalte Klimakammer. Und sucht mithilfe einer Wärmebildkamera Kältebrücken: Stellen, an denen aufgrund von Konstruktionsfehlern die Wärme aus dem Schlafsackinnern entweicht. Ein Blick aufs Display der Kamera bestätigt die Kritik des Ausrüstungsprofis Gnielka: Während der Schlafsack größtenteils in Blau und Hellgelb schimmert, sind die Bereiche, an denen es kalt ist, leuchtend rot. Hier herrscht die größte Oberflächentemperatur – was einer schwachen Isolation entspricht.

Schnell schlüpft Gnielka aus dem Schlafsack, um die Fehlerquelle zu analysieren. »Die Daune verrutscht, weil die Kammern zu groß sind – das sieht man sogar, wenn man den Schlafsack gegen das Licht hält: Stellenweise liegen Innen- und Außenstoff ohne Füllung direkt aufeinander«, erklärt er. Dass so etwas nicht passieren muss, beweisen die anderen Daunenmodelle. Bei ihnen bleibt die Füllung an Ort und Stelle – selbst wenn der Schläfer nachts wie ein Brathähnchen rotiert. Außerdem schmiegen sich ihre prall gefüllten Abdeckleisten sauber an den Reißverschluss an, Wärmekragen und Kapuzen schließen sauber ab und verrutschen bis auf eine Ausnahme auch bei Bewegungen nicht. Diese Details halten die aufgewärmte Luft im Schlafsack.

 

Sommerschlafsack
Foto: outdoor Anders dagegen beim Sommerschlafsack: Die Wärmebildaufnahme zeigt, dass großflächig (rote Stellen) viel Wärme aus dem Schlafsackinnern entweicht.

Daune oder Kunstfaser?

Bei den sechs Kunstfasermodellen sind die Füllungen gut fixiert, trotzdem gibt es Unterschiede: »Bestnoten in Sachen Wärmebild-Check bekommt der Carinthia Lite Blue: Seine prall gefütterte Kapuze isoliert stark, der Reißverschluss ist durch die innen- und außenliegenden Abdeckungen optimal geschützt. Außerdem besitzt er einen kuscheligen, passgenauen Wärmekragen«, erläutert Boris Gnielka die Ergebnisse. Auch der Deuter Exosphere schneidet sehr gut ab, nur seine Kapuze könnte noch einen Tick wärmer sein. Die anderen Modelle folgen ihm dicht auf den Fersen und bieten ebenfalls wenig Anlass für Kritik: Bei zwei zieht es minimal an den Reißverschlussabdeckungen, weil diese etwas zu steif (Vaude Arctic) oder zu schmal Lestra Mount Everest) ausfallen, beim Helsport Trollheimen lässt sich der zu tief sitzende Wärmekragen nicht ganz sauber schließen. Dadurch wird bei Bewegung die warme Luft schneller aus dem Schlafsackinnern gepumpt als bei der Konkurrenz. »Die Wärmebildaufnahmen allein sagen aber wenig über die Wärmeleistung eines Schlafsacks, deshalb misst das outdoor-Labor die Isolation der Füllung«, so Gnielka. Auch hier bietet der Carinthia Lite Blue die beste Leistung.

Die Kunstfasermodelle von Jack Wolfskin, Lestra und Helsport sind fast genauso warm, während die Synthetikschlafsäcke von Vaude und Deuter sowie die vier Daunenmodelle die schwächste Isolation bieten. »Ihre Werte liegen aber noch voll im grünen Bereich«, relativiert der Testprofi. Aus der Wärmebildprüfung, den Schlaftests und den Isolationswerten berechnet outdoor in einem aufwendigen Verfahren die Wärmeleistung der Schlafsäcke und die unteren Temperaturgrenzen. Bis zu diesen Temperaturen lässt sich ein Schlafsack in der Regel einsetzen, ohne dass einen friert. Weil aber jeder Mensch Kälte anders empfindet, gibt outdoor zwei Werte an: Der obere Wert gilt für Personen, die schnell frieren, der untere für kälteunempfindliche Naturen. Diese Angaben lassen sich aber nur erreichen, wenn man eine an den Temperaturbereich des Schlafsacks angepasste Isomatte nutzt. Außerdem muss die Kapuze bis auf eine kleine Öffnung zugezogen sein. »Wer mit offener Kapuze schläft oder besonders schnell friert, sollte unbedingt Reserven einplanen«, rät Boris Gnielka.

 

Dreijahreszeitenschlafsack
Foto: outdoor Dreijahreszeitenschlafsack: Ein Blick offenbart die Unterschiede zum Sommerschlafsack – es handelt sich zudem um eines der wärmsten Testmodelle.

Welcher Schlafsack für welche Tour?

Erfreulich: Fast alle Kunstfaserschlafsäcke übertreffen die Herstellerangaben deutlich, vor allem der Carinthia Lite Blue isoliert rund 50 Prozent stärker, seine untere Temperaturgrenze liegt bei satten –5/–13 Grad. Das reicht in unseren Breiten selbst für Wintertouren. Doch auch das günstigste Modell im Feld, der Lestra Mount Everest, liefert eine starke Leistung (-2/–10 Grad). Schlusslicht der Kunstfaserfraktion ist der Deuter Exosphere (4/-4 Grad), seine Temperaturgrenze fällt aber dennoch ordentlich aus – und liegt auf dem Niveau der besten Daunenschlafsäcke von Mountain Equipment (3/-5 Grad) und Valandré (5/-3 Grad). Die Performance des Marmot Palisade überzeugt dagegen weniger: Er kommt schon bei 13/5 Grad an seine Grenzen – und verfehlt die Herstellerangaben deutlich. Grund: Seine Daunenfüllung verrutscht schnell. Das limitiert seinen Einsatz eher auf die Sommermonate oder auf Touren in warmen Gebieten wie Südeuropa. »Richtig spannend wird es allerdings erst, wenn man die Wärmeleistung in Relation zu Gewicht setzt«, sagt Boris Gnielka. Dann haben zwei Daunenschlafsäcke die Nase vorn: Der Swing von Valandré (930 Gramm, 5/–3 Grad) und der Mountain Equipment Classic 500 (1150 Gramm, 3/–5 Grad) – wobei die Unterschiede zu den Kunstfasermodellen lang nicht mehr so deutlich ausfallen wie noch vor zehn Jahren.

Das zeigt der Vergleich mit den beiden leichtesten, ähnlich warmen Synthetikschlafsäcken, dem Deuter Exosphere (1205 Gramm, 4/–4 Grad) und dem Vaude Arctic (1285 Gramm, 2/–6 Grad). Klare Vorteile verbuchen die beiden Daunenmodelle dagegen beim Packmaß: Während sie im Schnitt nur etwas über fünf Liter Packvolumen beanspruchen, sind es bei den zwei Kunstfaserschlafsäcken acht Liter – über 40 Prozent mehr. Der Carinthia Lite Blue gehört zwar zu den schwersten Testkandidaten und besitzt ein großes Packmaß (11 l), in Anbetracht seiner hervorragenden Wärmeleistung gehen diese Werte aber voll in Ordnung. Der Rest der Kunstfaserschlafsäcke schneidet ordentlich ab.

 

Schlafsäcke im Test 2014
Foto: Benjamin Hahn Empfehlenswert: Der Daunenschlafsack Valandre Swing 500

Fazit

Beim Thema Komfort fühlten sich die die Testschläfer in keinem Schlafsack unwohl. Trotzdem gibt es einen klaren Favoriten: den Valandré Swing. Kuschelig und anschmiegsam, begeistern sein seidiges Innenmaterial, der bequeme Wärmekragen und eine gut sitzende Kapuze. Auch der aufwendige Schnitt überzeugt: Er bietet im Rumpfbereich Platz, verengt sich aber an den Füßen – was kalte Stellen im Schlafsack reduziert. Außerdem besitzt der Swing das beste Schlafklima. »Das ist aber auch kein Wunder, denn Daune klimatisiert besser als Kunstfaserfüllungen«, so Gnielka. Dementsprechend schneiden auch die anderen drei Daunenmodelle sehr gut ab, wobei die Innenstoffe nicht ganz so weich sind wie beim Konkurrenten. Bei den Kunstfaserschlafsäcken ragen vor allem die beiden Modelle von Carinthia und Deuter heraus. Durch ihre weichen Füllungen und die angenehmen Innenstoffe fühlt man sich in ihnen fast so pudelwohl wie in einem Daunenmodell. Auch in puncto Handhabung gibt es keine Aussetzer: Zipper und Schnürzüge lassen sich in der Regel problemlos bedienen. Die Daunenschlafsäcke müssen aber morgens gründlicher gelüftet werden als die Kunstfaserkonkurrenz – im Idealfall mindestens 60 Minuten. Sonst sammelt sich vor allem auf längeren Touren die Feuchtigkeit in der Füllung, und die Daune verliert ihre Isolationsfähigkeit. Dafür punkten die Daunenmodelle mit einer längeren Haltbarkeit. Während die Wärmeleistung von Kunstfaserschlafsäcken nach einigen Jahren spürbar nachlässt, bleibt sie bei so hochwertigen Daunenfüllungen wie im Testfeld erhalten: »Die Erfahrung zeigt, dass gute Daunenmodelle doppelt bis viermal so lange halten wie Kunstfaserschlafsäcke«, sagt Boris Gnielka.

Unterm Strich sind in einem starken Testfeld vier Schlafsäcke besonders zu empfehlen: Spielen das Gewicht und Packmaß eine entscheidende Rolle, kauft man den Valandré Swing, den leichtesten und hochwertigsten, aber auch teuersten Daunenschlafsack im Test – oder das Kunstfasermodell von Deuter. Soll der Schlafsack noch wärmer sein, entscheiden Sie sich für den hochfunktionellen Carinthia Lite Blue. Der Tipp für Sparfüchse heißt Lestra Mount Everest.


Alle getesteten Schlafsäcke im Überblick:

02.04.2015
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 8/2014