Wilde Hütten

8 spartanische Hütten in den Bayerischen Alpen

Willersalpe, Allgäuer Alpen
Foto: Mountain Wilderness
Für manche fängt der Naturgenuss erst abseits von warmem Wasser und W-Lan an. Hier sind acht spartanische Hütten in den Bayerischen Alpen ...

1. Oberreintalhütte, Wettersteingebirge
Inmitten eines grandiosen Felskessels befindet sich die Oberreintalhütte. Seit jeher ist die bewartete Selbstversorgerhütte mit ihrem einzigartigen herb-rauen Charme der Fixpunkt im Klettereldorado Oberreintal. Freilich, das Essen muss den weiten Weg selbst heraufgebracht werden, doch Getränke wie Bier, Limo und Kaffee sind auf der Hütte erhältlich. Mit etwas Glück wird das mitgebrachte Essen sogar gegen einen geringen Obolus vom Hüttenwirt Hans zubereitet (am besten Nudeln mitbringen). Draußen auf der Wiese kann man hier auch gerne selber kochen.

2. Meilerhütte, Wettersteingebirge
Hoch oben am Grat und auf der Grenze zwischen Bayern und Tirol hockt die Meilerhütte. Oberhalb des Schachenschlosses kauert sie am Fels mit Blick auf die Zugspitze im Wettersteinmassiv. Wegen ihrer exponierten Lage und einer stimmigen Renovierung ist sie urig geblieben. Es gibt ein Plumpsklo, zum Waschen geht‘s vor die Tür. Das Bad mit zwei Waschhähnen – jeweils für Damen und Herren – schmiegt sich direkt an den Fels. Die Schlaflager in den oberen Stockwerken sind modern, die DAV-Decken, wie überall, kuschelig weich, die Ausblicke durch die Gauben eindrücklich.

3. Arnspitzhütte, Arnspitzen-Gruppe
Mangels Quelle und Schlaflager (man nächtigt einfach auf der Eckbank) zieht die Arnspitzhütte nur "erfahrene Selbstversorger" an. Auch das Einschüren will geübt sein, da das ebenfalls selbst abzusägende Latschen-Totholz je nach Witterung auch mal nass ist. So sind die Gäste, die laut Hüttenbuch teils seit über 25 Jahren zum kleinen Steingemäuer aufsteigen, echte Liebhaber. "Einmal fand ich ein unter der Bank angeschraubtes Kasterl mit einer nagelneuen Axt und dem Zettel ‚Bitte da lassen‘," berichtet Betreuer Karl Kammerer schmunzelnd.

4. Wasseralm, Berchtesgadener Alpen
Fern von Hektik und Übermaß bietet die Wasseralm, idyllisch gelegen zwischen dem Steinernen Meer und dem Hagangebirge, insgesamt 42 Schlafplätze (Matratzenlager). Damit gehört sie zu den kleinsten bewirtschafteten Stützpunkten im deutschen Alpenraum und erfreut sich durch ihre Lage auf der so genannten »Großen Reibn« reichlicher Beliebtheit. An schönen Wochenenden und insbesondere während der Hauptsaison (August) ist eine Reservierung daher empfehlenswert. Zu viel Komfort sollte auf der Wasseralm mit Plumpsklo und Wasserfalldusche nicht erwartet werden.

5. Benediktenwand-Gipfelhütte, Bayerische Voralpen
Matratzen, Kochherd oder gar Wasseranschluss wird man in dem schlichten Holzbau der Benediktenwand-Gipfelhütte vergeblich suchen. Weshalb Schlafsack, Isomatte und vor allem ausreichend Flüssigkeit auf der Packliste keinesfalls fehlen dürfen. Dafür gibt es aber ein solides Dach mit Blitzableiter. Und vor allen Dingen: eine umwerfende Aussicht. Direkt am Alpenrand gelegen, ist es bei klarer Luft immer ein umwerfendes Erlebnis, wenn nach dem Sonnenuntergang langsam das große Bergkino "München leuchtet" startet.

6. Wiener Neustädter Hütte, Wettersteingebirge
Kaum zu glauben, aber das Wettersteingebirge hat wirklich ruhige Ecken zu bieten: Nach einem dreieinhalbstündigen Aufstieg vom Eibsee erreicht man mit dem auf österreichischem Boden gelegenen Schneekar einen wunderbaren Ort und kann mit etwas Glück erleben, wie der Hüttenwirt gerade Würstel grillt, während sich die Sonne langsam den Ammergauer Alpen entgegen senkt. Einziges Zugeständnis an das Komfortbedürfnis: 2001 erhielten die beiden Gebäude der Wiener Neustädter Hütte neue Fenster und eine neue Dachdeckung.

7. Willersalpe, Allgäuer Alpen
Je ein Bier für die Chefs lautet der Tarif, der auf der Willersalpe rastlosen Mobiltelefonierern abkassiert wird. Stefan, Markus und Christian Bertele bewirtschaften die leicht erreichbare, auf gemäßigten 1456 Metern Höhe liegende Alpe seit 1999. Mangels Fahrweg wird sie mit Pferden versorgt, die Milch der Almkühe wird noch direkt vor Ort verarbeitet und reift in Form von großen Laiben zu würzigem Käse heran. Auch die Speisekarte der Alm orientiert sich daran: Im Wesentlichen werden Kasspatzen oder Kasnudeln mit großer Kelle auf die Teller geschaufelt

8. Kaufbeurer Haus, Lechtaler Alpen
Das Kaufbeurer Haus hat mehr als 100 Jahre auf dem Buckel und liegt in der Hornbachkette, die wiederum einen Teilgebirgszug der Lechtaler Alpen darstellt. An den Wochenenden der Sommersaison ist sie sehr einfach bewirtschaftet. Dann bietet der jeweilige Hüttenwart traditionell Erbsensuppe, Gulaschsuppe, Kaffee, Tee und Getränke an. Unter der Woche muss man sich den AV-Schlüssel besorgen und seine Lebensmittel selber hoch tragen. Diese können am Herd zubereitet werden. Unter den Gästen trifft man echte Naturliebhaber, die sanitären Anlagen bestehen nämlich aus einem schlichten, eiskalten Brunnen vor der Hütte.

Weitere Infos zu den einzelnen Berghütten findet ihr hier:

25.07.2017
Autor: Mountain Wilderness
© outdoor
Ausgabe 07/2016