Frühwarnsystem für Wasserknappheit in den Alpen
Auch in den wasserreichen Alpen ist eine Verringerung der kostbaren Ressource festzustellen. Ein länderübergreifendes Projekt soll nun ein Frühwarnsystem entwickeln.
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Die Ardèche-Schlucht ist Europas grösster Outdoor-Spielplatz. Und zu keiner Zeit ist es dort so schön wie im Frühling.
Jérôme nippt an seinem Milchkaffee und blickt verschlafen auf die Uhr des Rathauses von Vallon-Pont-d‘Arc. Unmerklich schiebt sich dort der kleine Zeiger von der Zehn zur Elf. Es ist erst Ende April und Jérôme hat Zeit – noch. Er ist Koch in einem der vielen Restaurants der verschlafenen Kleinstadt, die bald Hunderte von Outdoorern durchströmen werden.
Der Grund für diese Verwandlung fließt einen guten halben Kilometer entfernt an der Stadt vorbei: die Ardèche. Zwei Kilometer südlich des Ortes spannt sich ein 66 Meter hoher Bogen aus Fels über den kleinen Fluss. Er bildet das Tor zu einer der grandiosesten Flusslandschaften der Erde. Bis zu 300 Meter tief grub sich hier die Ardèche in das Gras-Plateau. Riesige Kalkfassaden ragen in den strahlend blauen Himmel, in eleganten Wellen schwingen sich die Kanten der imposanten Steilwände auf über
30 Kilometern Länge. In der Tiefe schlängelt sich der Lauf der glasklaren Ardèche, mal eingeengt zwischen den Felswänden, mal in großzügigen Mäandern und gesäumt von breiten Sandstränden.
Bei so viel Naturpracht ist es fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Ardèche ein wahres Outdoor-Mekka ist. Ein Netz aus 600 Kilometern Wanderwegen überspannt die Region, Kletterer freuen sich an einem schier unendlichen Repertoire von Routen an den Klippen der Umgebung, Mountainbikern eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten auf den zerklüfteten Hochflächen, und Speläologen zieht es in das riesige System aus Karsthöhlen. Paddler werden in Vallon-Pont-d‘Arc bedient. Dort warten Duzende Verleiher von Kajaks und Kanus auf Kundschaft. Anders als die Schlucht des Verdon oder der Tarn bleibt die der Ardèche nicht nur versierteren Kanuten vorbehalten. Nur mäßig strömt der Fluss dahin, und selbst blutige Anfänger steuern spätestens, wenn sie nach sieben bis zehn Stunden und 32 Flusskilometern in St. Martin das Ende der Schluchtstrecke erreichen, ihr Boot sicher geradeaus. Langweilig wird die Paddeltour nie. Dafür sorgen neben den bizarren Formationen, die der Fluss aus dem Gestein wusch, rund 25 Stromschnellen, die durchaus etwas Paddeltechnik verlangen. Anfänger, die eine eventuelle Kenterung als Erfrischung verbuchen, gewinnen auch diesen Herausforderungen etwas Gutes ab, beim Rest sorgen sie für Nervenkitzel. Richtig gefährlich wird es aber nie, nach wenigen Metern beruhigt sich der Fluss, die Havaristen steigen wieder in die Boote und warten mit Spannung darauf, welche Fährnisse wohl hinter der nächsten Biegung lauern.
Die wahren Dimensionen der Schlucht begreift jedoch erst, wer direkt von ihrem Rand in die Tiefe blickt. Und diese Perspektive bleibt den Wanderern vorbehalten. Die Weitwanderwege GR 4 und GR 4 F ziehen sich südlich und nördlich über die Plateaus und geben immer wieder Blicke in die große Schlucht preis. Doch auch auf dem Grund der Schlucht lässt es sich wandern. Rund zwölf Stunden braucht man für die Strecke zwischen dem Dorf Sause bei
St. Martin und Vallon-Pont-d‘Arc. Wer es irgendwie einrichten kann, sollte sich den Weg auf zwei Etappen verteilen und eine Nacht am Biwakplatz an der Furt von Gournier verbringen. Fernab beleuchteter Ortschaften strahlt der Sternenhimmel in der klaren Luft besonders intensiv. Man spürt förmlich, wie die Erde durchs Universum rotiert. Und obwohl die Felsen noch wärmen, kann man leicht ins Frösteln geraten.
Ein ähnliches Gefühl mögen wohl auch die ersten Menschen gehabt haben, als sie vor etwa 30 000 Jahren an den Ufern der Ardèche in den Nachthimmel blickten. Ihre Spuren hinterließen sie in der Grotte Chauvet bei Vallon-Pont-d‘Arc. In den über 500 Meter langen Gängen der Höhle finden sich Wandmalereien von Bisons, Mammuts, Pferden und Nashörnern. Kenner sprechen von einer »Sixtinischen Kapelle der Urzeit«. Um die Höhlenmalereien nicht zu gefährden, dürfen nur Wissenschaftler in die Höhle. Alle anderen nehmen mit dem Museum am Eingang der Höhle vorlieb. Auf einen Ausflug in die Unterwelt muss man aber nicht verzichten. In der Tropfsteinhöhle Aven d‘Orgnac warten auf zwei Stockwerken 50 Meter hohe Säle. Wer es abenteuerlicher mag, schließt sich einer der geführten Speläologie-Touren in den Höhlen der Umgebung an.
»Ja, es gibt viel zu tun an der Ardèche«, sagt Jérôme. Sein Tipp – eine dreitägige
Schlucht-Tour. Am ersten Tag von Vallon mit dem Kajak nach St. Martin und dann zu Fuß zurück mit einer Übernachtung mitten in der Schlucht. »Mehr Schlucht bekommt man in drei Tagen nicht.«
02.06.2007
© Outdoor Ausgabe 05/2007
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