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Leichtgewicht Teil 3
Zu schwere Ausrüstung zerstört den Spaß an der Tour. Ultraleichte meist aber auch, denn sie ist unbequem. Das optimale Outdoor-Equipment vereint niedriges Gewicht mit hohem Komfort. Hier ist es.
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- 2Die beste Leichtausrüstung der Welt
- 3Die Tabelle zeigt’s: Komfortabel und leicht
- 4Die Tabelle zeigt’s: ultraleicht
- 5Die Tabelle zeigt’s: Klassisch
Alles begann mit einem Traum. Dem Traum von der ultimativen, ultraleichten Outdoor-Ausrüstung, Motto: Man spürt sie nicht, und dennoch macht sie jede Tour zum Genuss. Dieser Traum ist ausgeträumt, obwohl am Anfang alles so gut aussah: outdoor-Chefredakteur Olaf Beck gab den Auftrag »Findet die leichteste Trekkingausrüstung der Welt«, und nach einigen Wochen präsentierte ihm die Testredaktion ein Bündel, das nur 4135 Gramm wog – komplett mit Schuhen, Kleidung, Kocher, Schlafsack, Isomatte und einer wasserdichten Edelplane als Zeltersatz, einem so genannten Tarp. Doch während das Hi-Tech-Material auf der Waage glänzte, forderte es im Praxiseinsatz zahlreiche faule Kompromisse. Zu viele, wie der zweite Teil der Mission ans Licht brachte: »Prüft, wie sich ultraleicht auf Tour bewährt!«
Um es kurz zu machen: outdoor-Redakteur Frank Wacker sah nicht eben erholt aus, als er von seiner Testtour durch die Alpen zurücckehrte. Zerstochen von Mücken, verschnupft, unausgeschlafen und mit verspanntem Nacken lief er ins Büro ein, »eine gewisse Leidensfähigkeit« gehöre schon dazu, wenn man mehrere Tage und Nächte ultraleicht auf Tour gehen wolle, erklärte er. Sein Fazit: »Man kann zwar ordentlich Tempo machen und fliegt geradezu über Berg und Tal, aber die Einbußen bei Komfort und Sicherheit sind schon beträchtlich.« Dies sind die Leiden des Ultraleicht-Trekkers: Er muss aufpassen, dass er mit seinen Leichtschuhen nicht umknickt oder die Bodenhaftung verliert. Er muss in Kauf nehmen, dass er bei einem Schauer wegen mangelnden Regenschutzes nass wird bis auf die Knochen und abends wegen des schwachbrüstigen Kochgerätes lange auf seine heiß ersehnte Suppe wartet. Während die dem Siedepunkt entgegenzögert, macht der Ultraleicht-Trekker Lockerungsübungen, die seinen vom Leichtrucksack verspannten Nacken von Schmerzen befreien. Bleibt ihm noch Zeit, untersucht er die Leichtausrüstung auf Schäden – manche Teile reagieren auf hohe Belastung empfindlich. Auch später, in der Nacht, findet der Ultraleicht-Trekker keine Ruhe: zum einen, weil Steine durch die extrem dünne Isomatte drücken, zum anderen, weil das als Regenschutz aufgebaute Tarp Mücken eher anlockt anstatt sie abzuhalten.
Doch wie sieht die Alternative zum Ultraleichtgewichts-Trekking aus? Gibt es einen goldenen Mittelweg zwischen 4135 Gramm Ultraleichtausrüstung und herkömmlicher Trekkingausrüstung, die etwa 14 Kilogramm auf die Waage bringt?
Beziehungsweise noch einmal deutlich mehr, denn Wasser, Tourenverpflegung und Brennstoff wurden hier noch gar nicht mit eingerechnet. Damit kommt man locker auf über 20 Kilo Gepäck. Für Treks in weitläufiger Landschaft wie zum Beispiel in Nordschweden stellt das kein allzu großes Problem dar. Doch auf Bergtouren bohren die 20 Kilo schon ein ganz schönes Loch in den Spaß. Ein bisschen leichter darf’s ruhig sein, nur soll dabei der Komfort eben nicht auf der Strecke bleiben. Außerdem muss die Ausrüstung vor Wind und Wetter schützen und halbwegs robust sein.
Also machte sich die Testredaktion wieder auf die Suche. Als beste Fundstelle erwies sich der outdoor-Ausrüstungskeller, wo Schmuckstücke aus vergangenen Tests auf ihren nächsten Einsatz warten. Auch einige neue Teile fanden den Weg in die Redaktion und wurden auf ihre Tauglichkeit geprüft. Das Ergebnis: Die perfekte Leichtausrüstung wiegt zwar doppelt so viel wie die Ultraleichtausrüstung, aber nur gut die Hälfte einer herkömmlichen Trekkingausrüstung (siehe Tabellen), nämlich 8338 Gramm. Das Gute an ihr: Sie verwöhnt auf Tour mit Wohlbefinden. Das zeigt sich schon bei den Schuhen. Kein anderer verbindet Gehkomfort mit niedrigem Gewicht und hoher Stabilität so prächtig wie der Lowa Vertex GTX. Der wasserdichte und atmungsaktive Leichtstiefel krallt sich in jedem Grund fest und verliert so gut wie nie die Bodenhaftung. Den Gewichtsaufschlag – der Vertex wiegt 235 Gramm mehr pro Schuh als sein Ultraleichtpendant – macht er durch seine Biomex-Gamasche wett, die ein besonders Energie sparendes Abrollen möglich macht.
Auch bei der Kleidung fällt der Gewichtsaufschlag gegenüber dem Ultraleichtbündel hoch aus: Während das Windshirt von Marmot nur 80 Gramm auf die Waage bringt, wiegt die Funktionsjacke Bergans Anatomic LV ein halbes Kilo. Doch was sind schon 420 Gramm Zusatzgewicht, wenn man dafür weder Regen noch Schnee oder Wind fürchten muss? Zudem überzeugt die Bergans mit einem extrem hohen Tragekomfort: Das Stretchmaterial macht jede Bewegung mit, fühlt sich gut an und bietet darüber hinaus eine sehr hohe Atmungsaktivität.
Doch den größten Komfortgewinn bietet eindeutig der Black-Diamond-Shadow-55-Rucksack. Auch er wiegt beträchtlich mehr als sein Ultraleichtkollege: Statt mit 400 Gramm schlägt er mit relativ stolzen 1630 Gramm zu Buche.
Aber das Mehr lohnt sich, denn anders als der ultraleichte Golite-Pack hängt der Black Diamond nicht schmerzend an den Schultern, sondern transportiert seine Last dorthin, wo sie sich deutlich bequemer trägt: auf die Hüfte. Auch drücken bei ihm keine harten Gegenstände wie Kocher oder Trinkflasche durch die Rückenplatte ins Kreuz. Und für den schnellen Gipfelspurt vom Basecamp entfernt man einfach Hüftgurt, Deckeltasche sowie Tragesystem und reduziert damit das Gewicht des Packs auf lächerlich anmutende 1160 Gramm.
Freude stellt sich auch bei den Trekkingstöcken ein: Die Segmente des Leki Makalu Ultralight Air Ergo lassen sich dank ihres Easy-Lock-Systems leichtgängig und – anders als die Ultraleichtmodelle – zuverlässig festschrauben. Und mit knapp 500 Gramm wiegen sie immer noch 75 Gramm weniger als die Standardversion des Makalu.
Am meisten Gewicht drauflegen muss man beim Nachtlager: Statt der 500-Gramm-Edelplane von Integral Designs kommt das Ferret-1-Ultralight-Tunnelzelt von Vaude zum Einsatz. Es wiegt zwar 1400 Gramm mehr, aber dafür stört keine Mücke den Schlaf, keine Ameise pinkelt in den Schlafsack, und selbst vor peitschendem Regen ist man sicher – und das sogar zu zweit, denn Platz bietet das Ferret genug. Ohne Mücke am Ohr, ohne Wind im Nacken kann man sich darin gemütlich aufs Abendessen freuen und den Kocher anwerfen. Und zwar einen richtigen, den Markill Peak Ignition. Zusammen mit 1,5-Liter-Titantopf und Griffzange von MSR sowie Windschutz wiegt er gerade mal 390 Gramm. Das sind sogar noch 15 Gramm weniger als beim langsamen Leichtkocher von Jetboil, der zudem nur für eine Person taugt. Mit dem Markill bekommt man nicht nur schneller etwas Heißes serviert als mit dem Jetboil, seine Leistung reicht auch zum Schneeschmelzen – nicht nur in den Alpen ein Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte. Allerdings trinkt niemand gerne aus dem Topf, weswegen man noch die MSR-Titantasse mitnehmen sollte. Aus ihr schlürft man heißen Tee, während im Topf schon das Abendessen köchelt. Zur Not kann man die Tasse sogar einfach auf den Kocher stellen und ihren Inhalt direkt erhitzen.
Den größten Komfortgewinn aber bringt die Schlafunterlage mit: Die Therm-a-Rest Z-Lite wiegt zwar das Zweieinhalbfache der ultraleichten Artiach, dafür findet der müde Outdoorer auf ihr auch auf rauem Grund in den Schlaf – der raffinierten Noppenstruktur sei Dank. Dabei ist die klein zusammenfaltbare Matte mindestens genauso robust und ebenso wie die Artiach vor Löchern gefeit.
Fazit: Leichte Ausrüstung steigert den Tourenspaß doppelt. Zum einen geht man schneller und unbeschwerter, kann also die Tour in vollen Zügen genießen. Zum anderen bieten die leichten Teile immer noch so viel Schutz und Komfort, dass der Spaß nicht bei Schlechtwetter oder beim Nachtlager endet. Ultraleichte Ausrüstung jedoch bleibt trainierten Freaks vorbehalten, die den Fokus auf das schnelle Vorankommen legen, und sich dafür durch die Nacht quälen. Doch die meisten Outdoorer fahren mit leichter und komfortabler Ausrüstung am besten. Damit werden sowohl der Tag als auch die Nacht zu einem Erlebnis – und das im positiven Sinn.
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20.09.2005
© Outdoor Ausgabe 08/2005
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