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Körperpflege auf Outdoor-Touren
Abenteuerromane und Reiseberichte haben eines gemeinsam: Kaum nähern sie sich der Stelle, wo man erfahren wird, wie der Held seine Blase entleert, wird ausgeblendet. Hier ein paar Antworten.
Herbst in den Bergen. Eine Gruppe von drei Männern und einer Frau stoppt in der Nähe eines kleinen Bergsees. Die Tour war lang, ziemlich hart und wunderschön – ein perfekter Outdoor-Tag. Wenn da nur nicht dieses dringende Bedürfnis wäre, sich zu erleichtern – es ist Zeit für ein stilles Örtchen.
Männer können ja bei kleinen Geschäften einfach der Gruppe den Rücken zuwenden, auch ohne sich großartig in die Büsche zu schlagen. Frauen haben es da ein bisschen schwerer. Sie müssen nicht nur den blanken Hintern präsentieren, sondern sind auch Unannehmlichkeiten wie Krabbelgetier und Brennnesseln ausgesetzt.
Katja überlegt kurz, ob sie ihre neue Errungenschaft ausprobieren soll. Ein flexibler Trichter mit Schlauch würde es ihr erlauben, sich einfach neben ihre Wanderfreunde hinzustellen und den Dingen im Stehen ihren Lauf zu lassen, ohne die Hose komplett herunter lassen zu müssen. Aber solange es noch Büsche gibt, beschließt sie, dahinter Schutz zu suchen. Den Trichter will sie sich aufsparen, bis die Gruppe die Baumgrenze überschreitet oder über ein Schneefeld wandert. Ihre Versuche mit der »P-Hilfe« in der heimischen Badewanne haben ihr gezeigt, dass es einer gewissen Übung bedarf, um sich damit nicht unschön einzusauen.

- Die Bärentagebuch-Autoren Jürgen und Michelle haben ein ganz besonderes Outdoor-Klo.<br>Foto: Jürgen Kurapkat
»Da hinten liegt ein perfekter Stamm!«, ruft Klaus, als er aus dem Wald zurückkommt. »Wie ein Donnerbalken. Ich habe meine Klappschaufel an einen Zweig gehängt. Dann können wir unsere ... ähm ... Bomben gleich verbuddeln.«
Dieses Verhalten ist vorbildlich, vor allem auf stark benutzten Wanderwegen. Besonders dort, wo gute Biwakplätze rar sind und das Gelände nur eingeschränkt Platz für stille Örtchen lässt, ist schon der Weg zu Letzteren häufig mit »Tretminen« gepflastert – von der Geruchsentwicklung ganz zu schweigen. In vielen nordamerikanischen Nationalparks ist es deswegen Pflicht, seine Haufen zu vergraben. Mitunter empfiehlt die Leitung der Parks sogar, die eigenen Produkte gleich ganz mitzunehmen. Dazu sind gute geruchsdichte Plastikbehälter natürlich ratsam. Auch spezielle Klopapierregelungen gibt es in manchen Gegenden: Das muss teils mitgenommen, teils verbrannt werden. Allgemeine Infos und Kontaktadressen zu den Nationalparks finden sich unter www.nps.gov.
Problematisch wird der Gang aufs Outdoor-Klo bei arktischen Minusgraden und Schneesturm. Glücklich ist dann, wer ein Zelt mit zwei Apsiden sein Eigen nennt. Eine kann man wie gewohnt für das Gepäck nutzen und die andere zur Abort-Apside umfunktionieren: einfach ein Loch in den Erdboden bzw. Schnee buddeln und sich drüberhocken, ohne dass einem in dieser exponierten Haltung der Wind um den Allerwertesten pfeift.
Diese Art der Nestbeschmutzung ist natürlich nur bei wirklich extremen Bedingungen verhältnismäßig: Trotz Kälte riechen die Hinterlassenschaften, weshalb man auf eine gute Belüftung achten sollte.
Auf Winter-Touren einfach unverzichtbar ist die Schneeschaufel. Sie kann neben ihrem eigentlichen Zweck bei größeren Geschäften auch als Stütze benutzt werden, wenn man sich nicht hinhocken und damit zu sehr in Frostnähe begeben möchte.
Urin ist weit weniger problematisch. Wanderer sollten aber natürlich schon darauf achten, dass sie sich nicht gerade da erleichtern, wo andere vielleicht campen möchten.
Felsen und Geröll speichern den Ammoniak-Geruch lange und sollten wo möglich nicht direkt bewässert werden. Viele Outdoorer benutzen gerne Flüsse und Bäche als Pinkelrinnen. Naturlich vertragen große Flüsse und schnell fließende Bäche eine solche Nutzung. Da man aber nie weiß, ob etwas weiter bach- oder flussabwärts jemand zeltet, der das Wasser noch zum Kochen und zum Waschen braucht, sollte man sich das möglichst verkneifen. Auf Wanderungen an der Küste kann, falls vorhanden, der Tidenhub als natürliche Wasserspülung benutzt werden. Dazu müssen die Geschäfte allerdings unterhalb der Hochwasserlinie verrichtet werden.
Wenn die kleine Gruppe um Katja und Klaus sich weiterhin hygienisch einwandfrei verhält, wäscht man sich nach dem Toilettengang die Hände. Der mitgebrachte Wassersack wird im Bach gefüllt, einer hält ihn hoch, während der andere die Hände wäscht – am besten mit biologisch abbaubarer Seife. Die gibt es entweder am Stück als Schmierseife oder in flüssiger Form als Allroundmittel zur Geschirr-, Körper- und Kleiderreinigung. Wer nicht unbedingt im selben Topf kochen, spülen und waschen will, der kann – genügend Stauraum vorausgesetzt – eine mit zwei Tragegurten ausgestattete Faltschüssel mitnehmen. Auch das Abwasser sollte danach in gebührender Entfernung zum Ufer entsorgt werden.
Das ganze Wasser will auch wieder weggewischt werden. Platz sparend und vielseitig einsetzbar sind Viskose-Handtücher. Selbst die kleineren Modelle eignen sich zum kompletten und komfortablen Abtrocknen nach einer Dusche. Die großen Tücher können auch als Badetuch eingesetzt werden.
Viskosetücher haben den Vorteil, dass sie schnell trocknen und das Gewicht sehr gering ist. Je nach Modell reicht Auswringen, um bis zu 90 Prozent der Feuchtigkeit aus dem Stoff zu bekommen.
Autor: Kerstin Jung
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05.08.2003
© Outdoor Ausgabe 06/2003
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