Camp Cooking

Im Dutch Oven über offenem Feuer kochen


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Outdoor-Küche
Foto: Christoph Jorda

 

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Sich Zeit nehmen, ein Lagerfeuer machen und in aller Ruhe draußen kochen - das macht nicht nur satt, sondern auch Spaß.

Essen vom Gaskocher kennen Wanderer und Camper zur Genüge: Packung auf, heißes Wasser drüberschütten, verrühren – guten Appetit. Die meisten haben solche Fertiggerichte auch schon mit Gewürzen, Zwiebeln und getrockneten Tomaten aufgepeppt, und selbst das bekannte Stockbrot sieht man hin und wieder über glühenden Holzscheiten backen. Aber einen ganzen Tag draußen an einem Lagerfeuer sitzen und in einem Feuertopf, einem "Dutch Oven", ein Essen kochen, an das man sich früher nur mit der Oma als Telefonjoker gewagt hätte? Halb so wild, einfach Vertrauen in die eigenen Kochkünste fassen!

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Dutch Oven
Foto: Petromax Im Dutch Oven gelingt Eintopf oder Fleischgericht ohne viel Zutun. Wem gusseiserne Feuertöpfe (ab 43 Euro, 4,6 kg) zu schwer sind, wählt einen aus hartanodisiertem Alu.

Schichtfleisch im Dutch-Oven: So macht draußen kochen Freude

Wertvolle Schützenhilfe für Einsteiger der Outdoor-Küche leistet ein Klassiker der Feuertopf-Literatur: Carsten Bothes Dutch-Oven-Buch. Es informiert über die Geschichte des Dutch-Oven, seine Pflege und bietet jede Menge leckere Rezeptideen. So macht es einem schon den Mund wässrig, die Zubereitung der Filetspitzen in Calvadosrahm nur zu lesen, gefüllte Paprika verlocken zum Nachkochen, ebenso Käsesuppe, gebackene Schinkenbohnen und Kartoffel-Gratin. Ein feines, in aller Ruhe geschmortes Essen aus der Glut – das klingt nach einem Projekt für alte Freunde. Simon hat Lust auf ein Lagerfeuer, Sascha reizt der Gedanke an einen vollen Tag draußen in der Natur. Außerdem schwärme ich den beiden so lange vom Dutch Oven vor, bis sie restlos überzeugt sind, dass so ein gelassener Tag draußen ein kulinarisches Feuerwerk zünden kann.

Gemeinsam entscheiden wir uns für Schichtfleisch, das hoffentlich selbst uns Anfängern gelingt, dazu gibt es Semmelknödel. Die Zubereitung ist etwas komplexer, aber der Dutch Oven gönnt sich drei Stunden zum Garen – da bleibt uns genug Zeit für den Knödelteig. Ich darf nur nicht vergessen, dafür eine gusseiserne Pfanne einzupacken. Und Teller. Und Besteck ... Außerdem habe ich mir noch eine Überraschung als Nachtisch einfallen lassen.

So funktioniert der Dutch-Oven

Für das Hauptgericht mische ich einen Tag, bevor es losgeht, ein "Dry Rub" zusammen, eine Trockenmarinade für das Schichtfleisch. Als Grundlage dient edelsüßes Paprikapulver. Hinzu kommen Salz, brauner Zucker, Cayenne- und Zitronenpfeffer sowie Majoran, Thymian, Oregano und Senfpulver. Außerdem koche ich eine Soße aus Tomaten, Zwiebeln, Branntweinessig, Gewürzen, Ahornsirup und Worcestershiresoße und püriere sie. Die Gläser mit dem Dry Rub und der Soße wirken zierlich neben dem Herzstück des Unternehmens, dem 10,7 Kilo schweren Dutch Oven. Seine Funktionsweise erinnert an einen Dampfkochtopf und ist so simpel wie genial: Die Glut wird unter dem Dutch Oven und auf dem Deckel verteilt. Laut Experten ist die Hitze von oben sogar wichtiger als die von unten, denn so verteilt das Gusseisen die Wärme gleichmäßig im Dutch Oven, und nichts brennt an.

Wir suchen uns einen Platz im Kiesbett eines Flusses. Simon richtet die Feuerstelle ein. An der Windseite schichtet er Steine auf. "Das sollte als Windschutz reichen, damit das Feuer ordentlich brennt", sagt er. Und das ist wichtig, denn wir brauchen Glut, Glut und nochmals Glut. Sie muss über die gesamte Garzeit ausreichen. Es knistert, und bald lodern orangefarbene Flammen empor. Vorsichtig füttern wir das Feuer mit größeren Ästen, und als es stabil brennt, kommt das Essen an die Reihe.

Zweieinhalb Kilo Nacken vom bayerischen Bioschwein zerlege ich in wurstfingerdicke Koteletts. Dann wird das Fleisch mit meiner Trockenmarinade eingerieben. Ein verführerischer Kräuterduft steigt jetzt schon auf. Die Koteletts ruhen, die Marinade kann einziehen.

Nun die Zwiebeln: Fast drei Kilo braucht man, denn nur bei so einer Menge verkocht das Gemüse zu ausreichend Sud, in dem das Fleisch schmort, bis es zart ist. Es dauert, bis wir alles geschält und in feine Ringe geschnitten haben, aber wir haben ja Zeit. Bedächtig schnibbeln wir auch vier große Karotten in dicke Scheiben. Ein ganz schöner Berg, der jetzt in den Feuertopf wandert! Auf dem Boden platziere ich zunächst eine Lage Speck. Dann kippe ich den Dutch Oven leicht auf die Seite, um Fleisch und Zwiebelringe einzuschichten. Nachdem der Topf bis zum Rand gefüllt ist, stelle ich ihn wieder gerade und gebe meine Barbecuesoße über das Beet aus Fleisch und Zwiebeln. Karotten drauf, dann Speck als Topping – fertig. Das sieht jetzt schon unglaublich gut aus.

Mittlerweile knackt und knistert es in einer dicken Schicht Glut. Mit den drei Stahldornen an seiner Unterseite steht der Dutch Oven stabil in der Feuerstelle. Wir schichten glimmendes Holz auf den Deckel, dann haben wir erst mal Pause. Sascha macht es sich auf einer Decke gemütlich und gleitet sanft ins Reich der Träume. Simon befüllt eine Espressokanne mit Wasser und Kaffeepulver und stellt sie neben den Feuertopf. Bald brodelt und dampft es. Wir trinken Espresso, plaudern und hören dem Dutch Oven zu, der vor sich hin zischt. Immer so kochen und dabei mit Muße in eine sanfte Glut schauen wäre super.

 

Primus Onja
Foto: Primus Der Onja von Primus (130 Euro) ist definitiv eine Alternative zum Kochen im Dutch Oven, vor allem, wenn man kein Feuer machen darf.

Alternativ zum Dutch-Oven: Zweiflammen-Gaskocher

Leider darf man nicht auf jedem Campingplatz ein Lagerfeuer machen. Wer trotzdem ein anständiges Essen kochen will, greift hier auf einen Zweiflammen-Gaskocher zurück. Das ist bequem, schnell und hat noch einen Vorteil: Man braucht keinen schweren Dutch Oven mitschleppen. Nach anderthalb Stunden wacht Sascha auf, und gemeinsam riskieren wir einen Blick in den Dutch Oven. "Wie das riecht!" Sascha schnuppert wie ein Karnickel. Die obere Lage Speck ist bereits knusprig braun und knistert vor Hitze, wir können den Röstaromen nicht widerstehen und essen den Speck gleich auf.

Darunter blubbert es im Dutch Oven, Dampf steigt auf und trägt einen Geruch in unsere Nasen, der einem Vier-Sterne-Restaurant würdig wäre: würzige Zwiebeln im Verein mit dem Fleisch und den mediterranen Kräutern. Schnell den Deckel wieder auflegen! Ein Stündchen noch. Das reicht locker, um die Semmelknödel zu produzieren. Wir dünsten in der Pfanne Zwiebeln an und vermengen sie mit Brötchen, Petersilie, ein paar Eiern und etwas lauwarmer Milch. Dann formen wir aus der Masse Puffer und braten sie in Butter kross. Ich kann gar nicht entscheiden, woher es besser riecht, aus dem zischenden Dutch Oven oder der Pfanne.

Dann kommt der große Moment: Ist das Fleisch wirklich durch? Es ist! Und zwar so zart gegart, dass die Scheiben zu zerfallen drohen und wir sie kaum am Stück aus dem Topf bekommen. Die Semmelknödel-Puffer schmecken herzhaft und knuspern beim Reinbeißen, dazu noch die leicht karamellisierten Zwiebeln ... Wir stoßen mit einem Bier auf das gelungene Essen an, jeder nimmt sich zwei Mal, dann legen wir wieder Holz auf, bis Flammen emporzüngeln.

Plötzlich fällt mir siedend heiß ein, dass ich noch einen Nachtisch in petto habe: Schoko-Bananen. Vorsichtig schneiden wir die ungeschälten Bananen der Länge nach auf und stecken große Stücke einer Tafel Zartbitter hinein. Und jetzt ab in die Glut! Sobald die Schokolade geschmolzen ist, fischen wir die Bananen heraus und löffeln die süße Creme aus. "Man kann auch Bratäpfel im Dutch Oven machen", erzähle ich Sascha und Simon. "Oder Zimtschnecken oder ..." Sascha unterbricht mich und winkt ab: "Lass gut sein, ich bin gerade so was von satt! Aber das nächste Mal können wir die Bratäpfel meinetwegen ausprobieren."

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14.09.2016
Autor: Markus Stenglein
© outdoor
Ausgabe 09/2016