Was Sie über Silbersalze und Nanosilber wissen müssen.

Was macht Silber in unserer Outdoor-Kleidung? Polygiene im Test: So gut ist der Geruchskiller

Foto: Polygiene
Immer mehr Sport- und Outdoor-Bekleidung wird mit Silber behandelt - zum Beispiel mit Polygiene. Aber warum? Was ist Polygiene und was hat Silber in unserer Kleidung zu suchen? Und ist Silber auf unserer Haut gefährlich? Diesen und weiteren Fragen gehen wir nach.

Jeder, der schon einmal auf einer mehrtägigen Trekking-Tour unterwegs war, kennt das Problem: Man schwitzt und nach einiger Zeit kann man das auch riechen. Das ist nicht nur für einen selbst unangenehm, mitunter reagieren auch die Wander-Partner auf den unangenehmen Geruch. Da der Platz im Rucksack begrenzt ist, muss man sich wohl oder übel jeden Morgen das miefende Shirt überziehen. Oder man kauft sich im Vorfeld Outdoor-Bekleidung, die mit Silber behandelt wurde. Durch den Einsatz spezieller Silber-Technologien soll angeblich die Geruchsbildung vermindert werden.

Was bringt Silber in Sport- und Outdoor-Kleidung?

Silber klingt auf jeden Fall edel, aber was hat Silber in meinem T-Shirt oder Baselayer verloren?

Reiner Schweiß riecht nicht. Erst Bakterien im Schweiß sorgen dafür, dass sich mit der Zeit ein unangenehmer Geruch ausbreitet. Diese Bakterien verstoffwechseln bestimmte Fette, Eiweiße und Zuckerarten im Schweiß und scheiden übelriechende Stoffe aus. Das Silber in der Kleidung wirkt antimikrobiell. Das bedeutet, dass die Vermehrung geruchsbildender Bakterien durch das Silber gehemmt wird. Die Folge: Das T-Shirt stinkt nicht (so schnell).

Aber Silber ist nicht gleich Silber. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Technologien. Der schwedische Hersteller Polygiene verarbeitet in seinen Produkten beispielsweise das Silbersalz Silberchlorid, das aus industriellen Abfällen recycelt wird. Das Silberchlorid wird, ähnlich wie Farbe, dauerhaft in die Textilfasern eingearbeitet. Polygiene verspricht, dass die Silberbehandlung über die komplette Lebensdauer der Kleidungsstücke erhalten bleibt und sich nicht in der Waschmaschine auswäscht. Für ein Kleidungsstück, zum Beispiel ein Baselayer, benötigt man nur wenige Milligramm Silbersalz um es dauerhaft vor unangenehmen Gerüchen zu schützen. Als anschauliches Beispiel gibt Polygiene an, dass die Menge Silber, die in einem Fingerring steckt ausreicht, um etwa 5000 Kleidungsstücke mit Silbersalzen auszurüsten.

Ähnlich funktioniert auch sogenanntes "Nanosilber".

Ist Nanosilber gefährlich für die Umwelt?

Als Nanosilber werden kleinste Silberteilchen bezeichnet, die einen Durchmesser zwischen 10 und 100 Nanometer haben. Bildlich dargestellt bedeutet das: Das Größenverhältnis von einem Nanopartikel zu einem Tennisball entspricht in etwa dem Größenverhältnis von einem Tennisball zur Erde. Wenn Bakterien Nanosilber aufnehmen sterben sie ab. So verhindert auch Nanosilber, dass sich die Bakterien in Textilien ausbreiten und unangenehme Gerüche verbreiten.

Studien haben aber gezeigt, dass Nanosilber sich recht schnell aus der Kleidung auswäscht und ins Abwasser gelangt. Dort wirkt es nach wie vor antimikrobiell und tötet auch nützliche Bakterien ab. In den Kläranlagen gelangt das Nanosilber dann in den Klärschlamm, der zu einem Teil als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Auf den Äckern bedrohen die Silberteilchen dann den Bestand an sogenannten Nitrifikanten. Das sind Bakterien, die Ammoniak in Nitrit umwandeln, was wiederum die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Kurz gesagt: Durch Nanosilber können Ackerböden auf Dauer unfruchtbar werden.

Generell reicht die aktuelle Datenlage nicht aus, um alle gesundheitlichen Risiken und alle Risiken, die für die Umwelt bestehen, abzuschätzen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Silbersalz und Nanosilber?

Als Silbersalze bezeichnet man alle Silberverbindungen, die sogenannte Halogene (Chlor, Brom, Iod, Flour) enthalten. Am häufigsten behandeln die Hersteller Outdoor-Bekleidung mit Silberchlorid. Das ist wasserunlöslich und wäscht sich nicht aus der Kleidung aus. Wenn durch mechanischen Abrieb - zum Beispiel in der Waschmaschine - doch Silberchlorid in den Abfluss gelangt, reagiert es schnell mit Schwefel, der sich sowohl im Abwasser, als auch in der Luft befindet. Das dabei entstehende Silbersulfid ist für die Umwelt weitaus unbedenklicher als reines Silber.

Nanosilber reagiert auch zu einem Teil mit Schwefel, wodurch es unschädlich gemacht werden kann. Allerdings hängt der Grad der Verschwefelung von der Größe der Partikel ab. Größere Nanosilber-Teilchen verschwefeln möglicherweise nicht komplett oder nur langsam und sind so lange gefährlich für jede Art von Mikroorganismen.

 

Foto: Polygiene Die Funktionsweise von Polygiene bildlich dargestellt.

Funktioniert Polygiene wirklich?

Zum testen haben wir ein das Baselayer-Shirt Capilene Thermal Weight von Patagonia und ein Paar Wandersocken von SaferSox zur Verfügung gestellt bekommen. Polygiene empfahl uns das Shirt 8 Tage lang zu testen. Wir sollten Sport machen, das Shirt richtig vollschwitzen und dann lediglich zum Trocknen aufhängen. Zwischendrin durfte das Shirt nicht gewaschen werden.

Für unseren Test sind wir noch einen Schritt weitergegangen. Unser Tester hat das Patagonia-Shirt insgesamt 14 Tage lang getragen. Das Ergebnis: Es bleibt kein Schweißgeruch im Baselayer zurück. Besonders frisch riecht das Shirt aber auch nicht. Denn das Silber wirkt nur gegen die Bakterien die unangenehme Schweißgerüche verursachen, nicht aber gegen Essensgerüche oder andere Umwelteinflüsse. Hat man beispielsweise Knoblauch gegessen und schwitzt in ein mit Polygiene behandeltes Kleidungsstück, dann bleibt der Knoblauchgeruch in den fasern hängen. Auch Deo oder Parfüm riecht man noch länger in der Kleidung. Das Patagonia Capilene Thermal Weight lässt sich aber schnell und einfach auslüften, sodass diese Gerüche nicht lange im Stoff bleiben.

Auch die Socken konnten überzeugen. Im Täglichen Einsatz, sowohl in Winterstiefeln, als auch in Synthetik-Schuhen, haben die Wandersocken keinen Schweißgeruch behalten.

Welche Vorteile hat Silber in Outdoor-Bekleidung?

Eine ganze Reihe von Gründen spricht für den Einsatz von Silber in Outdoor-Bekleidung. Auf mehrtägigen bis mehrwöchigen Wanderungen braucht man weniger Wechselkleidung. Das verringert das Gewicht und das Volumen im Rucksack. Polygiene gibt außerdem an, dass man mit Silber behandelte Kleidung seltener waschen müsse. Das schont sowohl die Umwelt als auch das Kleidungsstück und Die Lebensdauer von Outdoor-Kleidung verlängert sich. Damit relativiert sich auch der Kaufpreis von teuren Produkten.

Die Silberbehandlung lohnt sich aber am Meisten in Kleidungsstücken, die selten bis nie gewaschen werden, wie Kletterschuhe, Winterjacken oder Motorrad-Kombis. Da Silber auch gegen Pilzsporen wirkt, stocken die Textilien nicht. Damit eignet sie sich auch für Zeltstoffe oder Schlafsäcke.

Ist Silber in Kleidung schädlich für die Haut?

Da Silber antimikrobiell wirkt stellt natürlich die Frage, ob das Bakterien-Gleichgewicht auf der Haut gestört wird, wenn man direkt mit Silber behandelte Kleidung auf ihr trägt. Dieser Frage ging eine Studie des National Center for Biotechnology Information in den USA nach. Die Forscher konnten allerdings keinen Effekt von antibakterieller Kleidung auf die Mikroflora von gesunder Haut nachweisen.

03.04.2017
Autor: Daniel Endreß
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