Mountainbikes - Tipps für den Fahrradkauf

Mountainbike kaufen: Checkliste & Einsteigerräder


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Foto: Daniel Geiger

 

MountainBIKE Bulls Copperhead 3 RS
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Centurion Backfire Pro 800.27
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Cube LTD SL 27,5"
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Drössiger HTA650B 3
Foto: Benjamin Hahn
Vollfederung, Carbonrahmen oder Variostütze: Bei Mountainbikes kann man schnell den Überblick verlieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das richtige Bike finden und was Sie vor dem Fahrradkauf beachten sollten. Kauftipps + getestete Einsteiger-MTBs / Rennräder gibt's in der Fotostrecke.
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Hardtail oder Fully?

Das hängt ganz vom Einsatzzweck ab. Sind Sie hauptsächlich auf Straßen, Wald- und Feldwegen unterwegs? Dann reicht ein Fahrrad mit starrem Heck (Hardtail) oft schon aus. Ein vollgefedertes Mountainbike (Fully) ist hingegen rückenschonender, und die meisten Biker fühlen sich damit auf Trails und erst recht im weglosen Gelände sicherer. Bei modernen "Fullys" kann die hintere Federung idealerweise mit einem Handgriff gestrafft werden, wodurch das Wippen minimiert wird.

 

Hardtail vs Fully
Foto: Benjamin Hahn

Mountainbike-Modelle im Überblick:

Auf dem Mountainbike-Markt tummelt sich eine riesige Auswahl verschiedener Modelle. Diese fünf Profile geben einen Überblick über die gängigsten Bike-Kategorien und helfen Ihnen, das für Ihren Einsatzzweck passende Fahrrad zu finden.

 

Allround-Hardtail
Foto: Benjamin Hahn Günstig, solide und sorglos: Hardtails sind perfekt für Einsteiger.

Allround-Hardtail
Möglichst leicht, wartungsfrei und direkt im Kraftfluss sollte ein Mountainbike für Sie sein? Dann sind Sie bestimmt der Hardtail-Typ. Diese Räder haben einen starren Hinterbau und vorne Federgabeln mit etwa 100 Millimeter Hub – auf Asphalt, Schotter und einfachen Trails ist das zumeist vollkommen ausreichend. Bei gleicher Ausstattung sind Räder dieser Kategorie wesentlich günstiger als vollgefederte Bikes – sie kosten teilweise auch unter 1000 Euro. Ein solider Alu-Rahmen, Luftfeder- gabel und wertige Anbauteile sind da schon inklusive. Für Einsteiger und Liebhaber von befestigten Wegen eignen sich diese Bikes also bestens.

 

Race-Fully/ -Hardtail
Foto: Benjamin Hahn Ultraleicht und schnell – mit Racebikes holen Sie den Sieg!

Race-Fully/-Hardtail
Sie sind ein Ausdauerass, lieben die Geschwindigkeit und die Herausforderung mit anderen? Dann sind diese Bikes Ihr Ding! Die Topmodelle der Spezies wiegen unter neun Kilo (Hardtail) beziehungsweise um zehn Kilo (Fully) und eignen sich perfekt für den Einsatz bei Marathon- und Cross-Country-Rennen. Ob Fully oder Hardtail: Carbon ist hier der Werkstoff der Wahl, denn so lässt sich das beste Gewichts-Steifigkeits-Verhältnis erzielen. Aktuelle Racebikes sind trotz hoher Steifigkeit keine Folterinstrumente, sie bieten um 100 Millimeter Federweg an Front und bei Fullys auch am Heck. Die große Leichtigkeit hat ihren Preis: ab 1800 Euro.

 

Tourenfully
Foto: Benjamin Hahn Voll gewappnet: Mit dem Tourenfully durchs Gelände.

Tourenfully
Für Sie zählt der Komfort? Der fängt bei Tourenfullys so richtig an. Vollgefederte Fahrwerke von 110 bis 130 Millimeter sorgen dafür, dass Sie sanft über Stock und Stein gleiten. Die Sitzposition fällt zudem in der Regel recht angenehm aus. Ein weiteres Erfolgsrezept der aktuellen Modelle, wie etwa dem Ghost AMR, ist die simple Bedienung: Gut abstimmbare Luftfederelemente, ein aufgeräumtes Cockpit und ein solider Fahrwerk-Aufbau sind Garanten für sorglose Touren. Haltbarkeit zählt hier mehr als teurer Leichtbau. Zwar sind diese Bikes mit Preisen zwischen 2000 und 4000 Euro kein Schnäppchen, durch die gute Ausstattung ihr Geld aber wert.

 

All-Mountain-Fully
Foto: Benjamin Hahn Alles in einem! All-Mountain-Fullys sind enorm vielseitig.

All-Mountain-Fully
Eigentlich handelt es sich bei All-Mountains um vollgefederte Tourer fürs ganz Grobe. Sie sind heiß auf Trails und scheuen keine Herausforderung, egal ob bergauf oder -ab? Dann endet die Suche nach dem perfekten Bike für Sie hier. Fullys mit 140- bis 150-Millimeter-Fahrwerk definieren den Standard, absenkbare Gabeln fördern das Bergauffahren und unterstreichen den Alleskönneranspruch. Zudem ist die per Knopfdruck vom Lenker aus absenkbare Vario-Sattelstütze von einem AM- Bike nicht mehr wegzudenken. Ob robuster Alu- oder leichter Carbon-Rahmen? Das ist eine Geschmacks- und nicht zuletzt eine Preisfrage (ab 2000 Euro).

 

Enduro
Foto: Benjamin Hahn Mehr geht nicht! Geländemaschinen für versierte Techniker.

Enduro
Sie reizt der knifflige Sprung auf der Haus- runde oder das fiese Steinfeld am Gardasee? Dann sollten Sie ein Enduro mit Federwegen von 160 bis 180 Millimetern ausprobieren! Selbst bergauf kraxeln diese Mountainbikes mittlerweile ziemlich gut. Flacher Lenkwinkel, tiefer Schwerpunkt, breiter Lenker, extra standfeste Bremsen sowie fette Laufräder und Reifen und der besagte Federweg ohne Ende ermöglichen hem- mungsloses Hämmern bergab. Alu-Rahmen sind robust und somit die Regel. Für Edel-Enduristen kommen aber immer mehr leichte Carbon-Frames auf den Markt. Das hat durchaus seinen Preis, und der liegt leicht über 3500 Euro.

Mountainbike-Rahmen

Alu oder Carbon?
Wer die große Leichtigkeit liebt und nicht so sehr aufs Geld achten muss, der wählt Carbon als Rahmenmaterial. Die teure Kohlefaser bietet extreme Zugfestigkeit und erlaubt es, tragende Bauteile stärker auszuführen und an anderer Stelle weniger Material einzusetzen – das spart etwa ein Kilo Gewicht bei dennoch hoher Steifigkeit. Carbon ist allerdings empfindlicher. Auf Nummer sicher geht man mit Alu, das ist deutlich widerstandsfähiger.

Vor- und Nachteile von Carbon im Kurzcheck

+ sehr geringes Gewicht
+ hohe Steifigkeit trotz geringem Materialeinsatz
+ organische Formen sind in der Konstruktion besser umsetzbar

- Sturzschäden können den Faserverbund schwächen
- hoher Preis wegen der hohen Herstellungskosten
- Recycling-Möglichkeiten sehr eingeschränkt

 

Schrittlänge messen
Foto: outdoor

Die richtige Rahmengröße finden

Eine grobe (!) Orientierung gibt Ihnen die Schrittlänge: Diese ermitteln Sie, indem Sie entlang Ihres Beines vom Boden zum Schritt messen. Stellen Sie sich ohne Schuhe gegen eine Wand, stecken Sie einen Ordner zwischen die Beine, um den oberen Messpunkt zu markieren. Notieren Sie den Wert in Zentimeter, und multiplizieren Sie ihn mit 0,574. Das Ergebnis sagt aus, wie lang die Sitzrohrlänge sein sollte. Aber Vorsicht: Speziell bei Fullys sind die Sitzrohre heutzutage sehr kurz gebaut, die Oberrohre setzen tief an ("Sloping"-Geometrie). Dann ist dieser Wert hinfällig. Besser ist es dann, den Abstand von Lenker zu Sattel zu berücksichtigen. Ein guter Händler verfügt über Vermessungsgeräte, die das können. Zudem spielt aber auch Ihre Vorliebe bei der Wahl der Rahmengröße eine Rolle. Sitzen Sie lieber etwas aufrechter? Oder gestreckter?

Die Abmaße der Rahmenelemente Ihres Bikes bestimmen, wie Sie auf ihm sitzen und wie es sich fährt. Hier finden Sie die wichtigsten Daten auf einen Blick.

Gibt es spezielle Bikes für Frauen?

Ja, die gibt es. Und, nein, Bikes für Frauen sind nicht alle pink. Stattdessen sind sie etwa in kleinen XS-Größen erhältlich, bieten speziell auf leichte Fahrerinnen abstimmbare Federelemente oder auf die weibliche Anatomie hin angepasste Parts. Inzwischen gibt es mit Juliana und Liv auch zwei reine Lady- Bike-Marken, bei denen vor allem Frauen für die Entwicklung zuständig sind. Wenn Sie noch mehr über Bikes für Frauen wissen möchten: In der Mai-Ausgabe der outdoor-Schwester Mountainbike gibt es ein Damen-Special. Hier gehts zum E-Paper

Was kostet ein neues Mountainbike?

So viel, wie Sie wollen – wird die Antwort des Händlers lauten. Denn es gibt Bikes, die über 10.000 Euro kosten, aber die meisten Shops haben auch Fahrräder um 300 Euro im Angebot. Dennoch: Wer es mit dem Bikesport ernst meint, sollte schon um die 1000 Euro investieren. Dafür erhält man ein Alu-Hardtail mit seriöser Federgabel, guten Scheibenbremsen und moderner 2 x 10- oder 3 x 10-Schaltung. Ein vernünftiges, ähnlich ausgestattetes Fully kostet ab 2000 Euro. Wenn Ihnen geringes Gewicht wichtig ist, müssen Sie tiefer in die Tasche greifen: Carbon ist bei Hardtails ab 1500 Euro zu haben, bei Fullys ab 2500 Euro. Und wer auf Markenimage Wert legt, muss oft noch mehr drauflegen. Online-Anbieter sind etwas günstiger.

Internet oder Fachhandel - Wo kaufe ich am besten ein Bike?

Die Versuchung, ein Bike im Internet zu kaufen, ist fraglos groß. Online-Versender locken mit Traumbikes zu erstaunlich günstigen Preisen – zumindest, wenn man die Ausstattung mit einem Bike aus dem Fachhandel vergleicht. Dennoch hat der "Local Dealer" viele gute Argumente auf seiner Seite. Neben der möglichen Probefahrt ist vor allem die individuelle Beratung durch einen geschulten, erfahrenen Fachhändler für viele Käufer entscheidend. Der persönliche Service endet im Idealfall nicht mit dem Ausdrucken des Kassenbons. Auch bei kleinen oder größeren Reparaturen hilft der Händler vor Ort – wohingegen der Online- Käufer meist auf sich alleine gestellt ist.

 

Fachhandel vs Versender
Foto: outdoor

Wie hoch sind die Kosten durch Verschleiss?

Der Aufwand für den Service hängt stark vom Einsatzbereich und von der Pflege ab. Im harten Terrain leidet das Material mehr als bei gemäßigten Touren auf Schotter und Asphalt. Meist verschleißen Kette (ab circa 1500 – 2000 Kilometer) und Bremsbeläge zuerst. Eine Kette schlägt mit rund 30 Euro zu Buche, Bremsbeläge kosten 10 bis 25 Euro. Weitere typische Verschleißteile: Kettenblätter, Kassette, Züge. Auch die Federelemente benötigen einen regelmäßigen Service, der beim Händler rund 50 Euro kostet.

Mountainbike-Schaltung

Jahrzehntelang hatten MTBs Kurbeln mit drei Kettenblättern. Inzwischen bieten die beiden gängigen Hersteller Shimano und Sram sowohl 1-fach-, 2-fach- und 3-fach-Kurbeln an. Gepaart mit bis zu 11 Ritzeln hinten (Kassette), ergibt das theoretisch maximal 33 Gänge. Dabei verbieten sich allerdings Kombinationen mit zu großem Kettenschräglauf, zudem überschneiden sich viele Gänge in der Übersetzung. Effektiv ergibt sich so eine Anzahl von 11 (1-fach) bis 19 Gängen (3-fach). Wie groß oder klein die Bandbreite der Übersetzung ist, hängt jedoch maßgeblich von der Anzahl der Zähne der Kettenblätter beziehungsweise der Anzahl der Zähne des Ritzels ab. Vorne sind das je nach Hersteller zwischen 22 und 44 hinten zwischen 10 und 42.

 

Laufradgröße
Foto: outdoor Schematisch dargestellt: Das kleinere Laufrad prallt mit einem steileren Winkel (α2) auf das Hindernis als das größere Laufrad (α1) – und wird so stärker abgebremst

Welche Laufradgröße?

Laufradgrößen, also das Maß für Laufräder und Reifen, sorgen seit einiger Zeit für Verwirrung unter den MTB-Käufern. Über 30 Jahre lang gab es nichts anderes als 26‘‘ (559 mm Innendurchmesser des Reifens nach ETRTO*-Messung). Dann kamen riesige 29‘‘-Räder (622 mm) ganz groß raus, vor allem bei Hardtails und im Marathon/Touren-Segment. Und jetzt? Boomt 27,5‘‘ (584 mm) in allen Bereichen. Der Vorteil des Chaos: Für jeden Biker gibt es inzwischen die ideale Laufradgröße. Nur welche? Nicht das Marketing der Hersteller, sondern vor allem zwei Parameter bestimmen die Wahl: die Fahrergröße und der Fahrstil. Dabei gilt die Faustregel: Je agiler die Fahrweise und je kleiner der Biker, desto geringer sollte auch die Laufradgröße sein.

 

Foto: Daniel Geiger

Was ist ein Fatbike

Dieser Trend kommt aus den USA. Dort bauten Biker schon in den 1980ern sogenannte Fatbikes, um im Schnee besser voranzukommen. Diese Bikes bieten vor allem dann Vortrieb, Komfort und jede Menge Spaß, wenn ein normales Bike nicht mehr fährt. Schnee, Sand und tiefer Matsch sind für Fattys kein Problem. Wer gerne bei Wind und Wetter auf Abenteuer-Tour geht, wird die Dicken lieben. Wenn Sie jedoch hauptsächlich auf Schotter unterwegs sind, lohnt sich der Kauf eher nicht, Gewicht und Roll widerstand sind spürbar höher.

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17.02.2016
© outdoor
Ausgabe 05/2016