Tragekomfort und Passform bei Rucksäcken

5 Tipps, wie Sie Ihren Rucksack bequemer tragen

Rucksack anpassen Alustrebe
Foto: Ben Wiesenfarth
Schmerzende Schultern? Verspannter Nacken? Auf Wander- und Trekkingtouren gibt es keine größeren Spaßkiller. Das muss nicht sein: Lesen Sie, wie Sie das Maximum an Tragekomfort aus Ihrem Rucksack herauskitzeln.

 

Outdoor Messe Neuheiten 2012 Rucksäcke
Foto: Berghaus Trotz viel Gepäck entspannt wandern - so geht's.

1. Die richtige Einstellung macht den Unterschied

Ob der Rucksack auf den Schultern drückt oder sich wie von selbst trägt, hängt von der richtigen Einstellung ab. Passen Sie zuerst die Rückenlänge mit beladenem Rucksack an. Dazu die Höhe der Schultergurte so einstellen, dass die Gurte sauber über die Schulterkrone laufen. Lockern Sie dann alle Riemen und setzen Sie den Rucksack wieder auf. Nun den Oberkörper nach vorne beugen, bis der Hüftgurt mittig über der Oberkante des Beckenknochens liegt. Ziehen Sie den Hüftgurt fest. Als nächstes stellen Sie die Position der Riemen ein. Dazu ziehen Sie die Schultergurte an, und zwar nur so fest, dass Sie sich nicht eingeengt fühlen. Jetzt die Lastkontrollriemen anziehen, die von der Schulterkrone zum oberen Packsackende verlaufen. Idealer­weise bilden sie einen Winkel von etwa 45 Grad. ­Machen sie nicht? Dann müssen Sie den Ansatzpunkt auf dem Schultergurt in die gewünschte Position schieben. Zum Schluss den Brustgurt schließen - fertig!

2. Feinabstimmung für die Passform

Bei vielen Rucksäcken verstärken zwei Alustreben die Rückenpartie. Zwar sind sie vorgeformt, doch passen sie selten perfekt. Um die Streben anzupassen, ziehen Sie sie aus den Führungskanälen heraus. Bitten Sie einen Helfer, die Streben an Ihren Rücken zu halten - genau dort, wo sie bei aufgesetztem Rucksack sitzen. Folgen die Streben nicht exakt der Rückenform, müssen sie durch sanftes Biegen (übers Knie) angepasst werden. Fertig? Dann schieben Sie die Streben (richtig herum) zurück in den Rucksack - siehe Video:

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3. Spielen Sie unterwegs mit der Lastverteilung

Auch bei einem optimal eingestellten Rucksack werden Schultern und Nacken auf langen Touren stark beansprucht. Um Verspannungen zu vermeiden, spielen Sie ab und zu mit der Lastverteilung. Wenn Sie die Schultergurte lockern und die Lastkontrollriemen anziehen, verlagern Sie das Gewicht mehr auf die Hüfte und entlasten so die Schultern. Umgekehrt verteilen Sie die Last mehr auf die Schultern, indem Sie die Schultergurte anziehen und die Lastkontrollriemen lockern. Ein paar Tricks, speziell für Trekkingrucksäcke, zeigen wir hier:

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4. Perfekt gepackt ist leicht getragen

Den Tragekomfort können Sie durch richtiges Packen weiter steigern. Schweres - etwa Müsli, Energieriegel oder Brennstoff - verstauen Sie nah am Rücken und nicht zu hoch. Ersatzwäsche, Tütensuppen und andere leichte Sachen kommen nach ­außen oder ganz nach oben. So gepackt zieht der Rucksack weniger nach hinten und folgt den Bewegungen des Körpers besser. Schließlich optimiert ein prall gefülltes Bodenfach bei vielen Rucksäcken die Lastübertragung - am besten mit Ersatzkleidung und Schlafsack ausstopfen! Wie Sie Ihren Rucksack für eine Wochenendtour in den Bergen packen, sehen Sie hier:

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5. Weniger (Gepäck) ist mehr (Tragekomfort)

Klarer Fall, je leichter der Rucksack ist, desto angenehmer trägt er sich. Gewicht sparen Sie mit Ausrüstung, die wenig wiegt. Aber nicht allein: Nehmen Sie nur mit, was Sie wirklich brauchen. Beispiel Unterwäsche: Auch Mehrtagestouren erfordern nicht für jeden Tag eine komplette Garnitur. Stattdessen genügen zwei bis drei Sets, die Sie unterwegs ­waschen. Sie gehen zu zweit oder als Gruppe auf Tour? Dann müssen Sie vieles nur einmal mitnehmen – etwa Messer, Sonnencreme oder Zahnpasta. Weitere Tipps in der Fotostrecke:

Fotostrecke: Tipps zum Rucksack-Einstellen und Gewicht sparen

17 Bilder
Rucksack richtig einstellen Foto: Franz Scholz
Rucksack richtig einstellen Foto: Franz Scholz
Rucksack richtig einstellen Foto: Franz Scholz

Passform-Check: Rucksäcke

Nur wenn ein Ruck­sack wie angegossen sitzt, trägt sich der Rucksack auch bequem. Hier der outdoor-Passform-Check für Rucksäcke in Kurzform:

  • Die passende Rücken­länge eines Rucksacks trägt mit dazu bei, wie gut die Schultern entlastet werden. Bei aufgesetztem und beladen­em Rucksack sollten die Lastkontroll­rie­men von der Schulter zum oberen Ende des Rucksackrückens im Winkel von 40 bis 50 Grad ansteigen.
  • Der Rucksack-Hüftgurt muss rund­herum an­liegen, das obere Viertel sich über den Beckenkamm legen. Tipp: Vor allem am Rücken darauf achten, dass überall Kontakt besteht. Die Polster der beiden Hüft­flügel sollten gut eine Handbreit vor dem Bauchnabel enden.
  • Je nach Rucksack-Modell sollte der Ansatzpunkt der Schulterträger zwischen Schulterkrone und -blatt liegen. Die Rucksack-Träger dürfen nicht scheuern, die komplette Kontaktfläche des Rucksacks mit dem Körper muss gepolstert sein. Der Brustgurt des Rucksacks sitzt nor­mal ­etwas unterhalb des Schlüsselbeins.
  • Fast alle Rucksack­rü­cken haben Alu­stre­ben. Diese lassen sich individuell an den Rücken anpassen, was den Tragekomfort und die Last­übertragung enorm stei­gert (siehe Video oben).
Wanderrucksack im outdoor-Test: Deuter Spectro AC 30
Foto: Hersteller

Die zehn besten Tagesrucksäcke

Wir haben sie getestet und eine Auswahl der besten zehn getroffen: Daypacks und Tagesrucksäcke bis 35 Liter.

outdoor Rucksacktest 2011
Foto: Ben Wiesenfarth

Rucksack-Know-How

Auch Rucksäcke müssen passen. Hier erfahren Sie, wie man den perfekten Rucksack findet.

Rucksack anpassen digital: Osprey PackSizer-App

Tipp: Der US-Rucksackhersteller Osprey bietet seit Frühjahr 2014 eine App an, die Mithilfe der Kamera in Smartphone oder Tablet zum optimalen Rucksack verhelfen soll. Die Osprey PackSizer-App misst die Oberkörpergröße und ordnet diese zusammen mit der Angabe zum Geschlecht den optimal passenden Rucksäcken im gesamten Osprey-Sortiment zu. Die App wird auf Deutsch, Englisch und Französisch angeboten und ist im Apple App Store oder auf Google Play erhältlich.

20.09.2014
© outdoor
Ausgabe 08/2011