Handy-Navigation: Wie gut funktioniert die GPS-Navigation via Smartphone?

Smartphone-Guide: GPS Apps im Test

Smartphone Apps: Navigation
Foto: Hersteller
Fürs Smartphone, also iPhone sowie für die verbreiteten Android-Modelle gibt es mittlerweile eine üppige Auswahl an Navi-Apps - doch welche nehmen? Hier ein paar outdoor-Tipps.
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Smartphones sind nicht mehr nur Kommunikationstool sondern auch Navigations-Gerät, Musikbox und Tracking-Tool in einem. Wer sein Smartphone zum Navigieren nutzen will sieht sich allerdings mit einer Reihe an Apps konfrontiert, die alle behaupten, die perfekte Navigation fürs Smartphone zu bieten. Welche Apps was bieten und worauf Sie beim Kauf bzw. der Installation achten sollten, erklären wir hier:

1 - Welche Vorteile bietet die Navigation mit Smartphone?
Der größte Pluspunkt ist, dass Sie kein weiteres Gerät mitnehmen müssen, das zudem teuer in der Anschaffung ist. Weiterer Vorteil: Mit der richtigen App zeigt Ihr Handy nicht nur die zurückgelegte Strecke, Reisezeit und Geschwindigkeit an, sondern bietet auch feine Extras, wie etwa Live-Tracking, mit dem Freunde Ihr Wander- oder Bike-Abenteuer online auf einer Karte im Web verfolgen können. Ebenso können Sie im Nu Kurznachrichten mit ihren Koordinaten absetzen, oft sogar mit Kartenausschnitt. Das erlaubt nicht nur die punktgenaue Ortung bei einem Unfall, sondern eignet sich auch, um einen Treffpunkt mit Freunden zu vereinbaren. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, Ihre Tour als Track aufzuzeichnen.

2 - Wie mache ich mein Smartphone zum GPS-Lotsen?
Damit Ihr Smartphone zum Pfadfinder mutiert, müssen Sie eine mit Karten zum Wandern und Biken ausgerüstete App installieren. Diese finden Sie bereits für wenige Euro, teils auch umsonst, im App-Store. Sie wollen nicht die Katze im Sack kaufen? Zu vielen kostenpflichtigen Navi-Apps gibt es eine Gratisversion, mit der Sie die wichtigsten Funktionen ausprobieren können. Die Mehrheit lotst Sie mit Hilfe von vorher installierten Tracks durchs Gelände. Einige beherrschen
auch Routing, also die automatische Routenberechnung nach Eingabe eines Ziels. Dafür ist aber eine Online-Verbindung nötig. Daher sollten Sie, um Empfangsproblemen vorzubeugen, Ihre Tour schon zu Hause planen und abspeichern.

3 - Welche Apps sind empfehlenswert?
Erste Wahl zum Wandern und Biken sind Apps wie apemap, Viewranger oder MagicMaps Scout, die vor allem auf genaue topografische Rasterkarten setzen - und damit auf die anschauliche
Optik von Papierkarten. Die Karten lädt man meistens kachel- oder gebietsweise mit dem Handy aus dem Internet: am besten über eine schnelle WLAN-Verbindung. Über das Mobilfunknetz sollte man Karten nur dann laden, wenn es anders nicht geht, da es sich um große Datenmengen handelt. Die Preise reichen je nach Karte und Region von wenigen Euro bis zu über 40 Euro. Praktisch: Apps wie ape@map, QV Mobile oder CompeGps TwoNav können Sie auch per PC mit Karten füttern, darunter Karten von Drittanbietern wie dem Alpenverein.

4 - Gibt es auch kostenlose Smartphonekarten?
Sie wollen für Karten kein Geld ausgeben? Mit vielen Apps lassen sich auch kostenlose Online-Rasterkarten wie zum Beispiel die OpenStreet- oder Google Maps nutzen. Zwar sind sie oft nicht so detailreich, anschaulich und vollständig wie topografische, für den günstigen Einstieg aber durchaus eine Alternative. Zumal sich mit den meisten Apps von der Karte auch Ausschnitte offline auf dem Smartphone speichern lassen – für Touren ohne Handyempfang. Mit manchen Apps (z. B. OruxMaps, Locus Map) können Sie Ihr Handy auch mit OpenStreetMaps (OSM) im Vektorformat füttern. Gratisversionen gibt es von OpenAndroMaps.org und Freizeitkarte-osm.de. Vorteil: Die Vektorkarten enthalten nützliche Sonderziele (POIs) - vom Gipfel bis zum Parkplatz –, die man als Ziel aufrufen kann. Die vektorisierten OSMKarten des Falk-Outdoor-Navigators führen Wanderer und Biker sogar wie GPS-Geräte per Offline-Routing über die Trails.

5 - Wo finde ich die besten Touren zum Nachwandern?
Im Internet tummeln sich unzählige Portale mit einer großen Auswahl an GPS-fertigen Outdoor-Touren aus aller Welt, fast immer kostenlos. Praktisch, dass es zu vielen Portalen Smartphone-Apps gibt. Damit können Sie z. B. bei outdooractive.com, gpstracks.com oder alpenvereinaktiv.com nicht nur Touren inklusive Karte und Infos downloaden, sondern auch gleich navigieren. Umgekehrt erweitern Anbieter von Apps wie Viewfinder ihr Angebot durch eigene Tourenarchive oder – Beispiel ape@map – durch Kooperation mit Portalen (gps-tour.info, alpintouren.at, freizeitalpin.com). Bei Apps ohne Anbindung an Portale laden Sie die Tour im GPX-Format auf das Mobiltelefon herunter und importieren sie in Ihre Navi-App. Auf outdoor-magazin.com finden Sie eine reichhaltige Auswahl an fertigen Touren zum Download. Vorteil: Sie sind alle von der Redaktion geprüft. Auch eine Karte zum Ausdrucken steht hier bereit – falls unterwegs der Handyakku streikt.

6 - Wie mache ich mein Smartphone Outdoor-tauglich?
Die meisten Handys sind nicht für Outdoor-Abenteuer gedacht, also weder robust noch wetterfest. Aus diesem Grund gibt es eine große Auswahl an Zubehör, mit dem Sie Ihr Gerät vor Unheil bewahren. Mit einer wasserdichten Schutzhülle, besser aber mit einem stabilen Case schützen Sie es nicht nur vor Nässe und Staub, sondern auch vor Stößen. Dabei bleibt der Touchscreen selbst mit Handschuhen bedienbar. Empfehlenswerte Boxen bieten u. a. Peli, Upmove und Otter ab ca. 30 Euro an. Auch für die Empfangsleistung, die manchem Outdoor-Einsatz – etwa in tiefen Schluchten – nicht gewachsen ist, können Sie etwas tun: Ein externer GPS-Empfänger (Datenlogger), mit dem Handy verbunden, verbessert die Standortbestimmung und zeichnet Tracks auf – das schont den Smartphoneakku. Gute Modelle sind etwa der Qstartz BT-Q1000XT und der Columbus V-900 (ab 80 Euro).

7 - Gibt es auch spezielle Smartphones für Outdoorer?
Das Handling mit Schutzcase und Hülle ist Ihnen zu umständlich? Wasser- und staubgeschützte Outdoor-Handys wie das Samsung Xcover 3, das Cat S50 oder das Simvalley Mobile SPT-900 mit Displays aus kratzfestem Spezialglas machen selbst auf harten Outdoor-Touren nicht schlapp. Doch auch manch normales Modell trotzt zumindest Regen und Staub. Zu diesen zählen das Samsung Galaxy S5 und S5 mini, das Motorola Moto G (3. Generation) und viele Smartphones von Sony.

8 - Wie kann ich die Akkulaufzeit verlängern?
Die Navigation mit GPS zehrt stark am Handy-Akku und kann schon nach wenigen Stunden zum Blackout führen. Viel Strom können Sie sparen, wenn Sie den Handy-Empfang und Stromfresser wie WLAN und Bluetooth deaktivieren. Auch sollten Sie die Displaybeleuchtung sparsam verwenden und die automatische Aktualisierung von installierten Apps deaktivieren. Auf längeren Touren abseits der Steckdose hilft nur ein Zweitakku – sofern sich der Stromspeicher Ihres Handys wechseln lässt. Alternativ kann man auch externe Power-Akkus nutzen, wie sie u. a. von Levolta, InLine, XT-Power, Goal Zero oder Raikko angeboten werden. Mit ihnen lässt sich das Mobiltelefon per USB-Kabel unterwegs nachladen. Wie oft, hängt von der Kapazität des Power-Packs und des Smartphone- Akkus ab. Der 70 Gramm leichte Flip 10 von Goal Zero etwa lädt ein iPhone 5s einmal nach - genug für eine Tagestour. Stichwort iPhone: Hersteller Mophie integriert seinen Power-Akku in ein Schutzcase für das iPhone sowie für einige Topmodelle von Samsung. Damit ist das Handy geschützt und besitzt die doppelte Akkulaufzeit.

9 - Tour zu Ende gewandert - was kommt nun?
Sofern Sie Ihr Outdoor-Abenteuer als Track aufgezeichnet haben, können Sie es per Handy direkt in viele Tourenportale hochladen, dort (meistens) auf vielfältige Weise analysieren – etwa mit Statistik und Höhenprofil – oder anderen Wanderern und Bikern mit eigener Bewertung und Beschreibung zur Verfügung stellen. Am einfachsten klappt der Upload mittels passender App. Alternativ können Sie Ihre Tour auch per E-Mail oder Social Media an Freunde weitergeben. Und natürlich lassen sich die aufgezeichneten Tracks (wie mit GPS-Geräten) mit digitalen Karten am Computer auswerten und archivieren.

10 - Machen Smartphones GPS-Geräte überflüssig?
Für normale Wander- und Biketouren bilden Handys eine günstige, vielseitige Alternative zum GPS-Gerät. Zu den Pluspunkten zählen die mobile Anbindung an Tourenportale, die SOS-Funktion oder das (nicht nur) bei Notfällen praktische Live-Tracking. Trotzdem kann das Handy ein GPS-Gerät nicht auf jeder Tour ersetzen. Für anspruchsvolle Outdoor-Abenteuer, Wintertouren und Expeditionen sind die Spezialisten erste Wahl, auch weil sie Wind und Wetter ohne Schutzcase trotzen und Tagestouren (meist) mit einem Satz Batterien oder einer Akkuladung meistern. GPS-Geräte punkten in der Regel auch mit besserem Empfang, selbst bei Sonne gut ablesbaren Displays – ein Schwachpunkt vieler Smartphones – und Extras wie Höhenmesser und Barometer.

In diesem Überblick (zum Durchklicken) erfahren Sie, was die wichtigsten erhältlichen Navi-Apps fürs Smartphone tatsächlich können:

12.04.2016
Autor: Uli Benker
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