Alles, was Sie über Action-Cams wissen müssen

Action-Cams: Tipps, Tricks und Kaufberatung


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Action-Cams Kaufberatung: alles was Sie über Actionkameras wissen müssen.
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Nikon Keymission Action-Cam
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Nikon Keymission Action-Cam
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Nikon Keymission Action-Cam
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Action-Cams Kaufberatung: alles was Sie über Actionkameras wissen müssen.
Foto: GoPro
Action-Cams sind seit einigen Jahren der Trend in der privaten Video-Produktion. Mittlerweile sind einige Actionkameras sogar in der Lage, Videos in 4K-Qualität zu liefern. Wir sagen Ihnen, worauf Sie beim Kauf einer Action-Cam achten sollten.

Ein Blick in die einschlägigen Shopping-Portale wie Amazon oder eBay genügt und eine Fülle von verschiedenen Action-Cams wird angezeigt, die Laien mitunter überfordern kann. Um den Überblick im Action-Cam-Dschungel zu behalten, haben wir Ihnen hier die wichtigsten Dinge aufgeschrieben, die Sie beachten sollten, wenn Sie sich eine Action-Cam kaufen wollen.

Was ist eine Action-Cam?

Eine Action-Cam ist eine kompakte, digitale Videokamera, die besonders für den Einsatz beim Sport oder unterwasser eingesetzt werden kann. Die sehr leichten und kompakten Gehäuse sind dazu geeignet, sie an Helmen oder Sportgeräten zu befestigen und den Sportler selbst in extremen Situationen zu filmen.

Charakteristisch für Action-Cams sind die weitwinkeligen Fischaugen-Objektive. Durch diese Technik ist es möglich, einen sichtbaren Radius von ca. 180° zu erreichen. (Manche Action-Cams knacken sogar die 200°-Marke). Dadurch kann die Kamera die entscheidenden Szenen aus kurzer Distanz aufnehmen, aber immer noch den Gesamtzusammenhang der Szenerie erfassen. Wenn zum Beispiel ein Kletterer in der Wand hängt und eine Action-Cam auf seinem Kopf angebracht ist, kann man seine Sichtweise nachvollziehen und sehen, wohin er greift. Durch den Weitwinkel sieht der Betrachter des Videos aber immer noch den Kletterer im Bild.

Action-Cams kaufen: Worauf sollte ich achten?

Vor dem Kauf einer Action-Cam sollte man sich zunächst mal fragen, für welchen Verwendungszweck die Action-Cam benötigt wird. Soll sie zum Beispiel zu Video-Analyse-Zwecken eingesetzt werden? Dann reichen schon einfachere Modelle mit ordentlicher Bildqualität. Funktionen wie GPS, besondere Aufnahmemodi oder 4K-Aufnahmequalität wären dann überflüssig. Wer auf derartige Features bei Actionkameras verzichtet, kann viel Geld sparen. Solche Basismodelle sind schon für deutlich unter 100 Euro zu haben. Für qualitativ hochwertigere Videos, zum Beispiel in 4K- oder 2,7K-Qualität muss noch mehr Geld in die Hand genommen werden. Top-Modelle von GoPro oder Sony liegen deutlich über 500 Euro.

Wichtig ist nicht nur die maximal mögliche Auflösung der Bilder, sondern auch, mit welcher Bildwiederholungsrate (fps = frames per second) in dieser Qualität aufgenommen werden kann. Die Angabe "4K@30fps" bedeutet zum Beispiel, dass die Kamera in der Lage ist, 30 Bilder pro Sekunde in 4K-Qualität aufzunehmen. Zur Erinnerung: Damit das menschliche Auge Videos flüssig wahrnehmen kann, muss das Video mit einer Mindestgeschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde abgespielt werden. Die 30 Bilder pro Sekunde in 4K-Qualität bieten also nicht viel Puffer. Schnelle Bewegungen mit der Action-Cam wirken dann etwas ruckelig und in der Nachbearbeitung eine Zeitlupenfunktion zu verwenden, ist nicht möglich.

Die Bildwiederholungsrate in den unterschiedlichen, einstellbaren Qualitätsstufen sind also ein sehr wichtiges Kriterium. Es ist aber zu bedenken: Die höchste Auflösung benötigt den meisten Speicherplatz. Ein 4K-Video von 10 Minuten verbraucht auf der Speicherkarte ca. 4,5 GB Speicherplatz - bei höheren Bildwiederholungsraten entsprechend mehr. Auch der Akku wird bei höheren Auflösungen stärker belastet. Wer also vor hat, einen kompletten Clip in 4K-Qualität aufzunehmen, für den reicht eine einfache 4K-Funktion einer Mittelklasse-Action-Cam nur bedingt. Ruhige Szenen sind kein Problem aber schnelle Bewegungen verarbeitet die Kamera nur unzureichend.
Wichtig: Um 4K-Videos in 4K-Qualität anschauen zu können, muss der Bildschirm ebenfalls mit dieser Technologie ausgestattet sein.

Mit welcher Action-Cam kann ich qualitativ gute Videos erstellen?

Neben der Auflösung einer Action-Cam spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle wenn es darum geht, gute Videos zu produzieren. Bei schnellen Fahrten mit dem Mountainbike oder auf Skiern werden Vibrationen auf die Kamera übertragen. Digitale Bildstabilisatoren sorgen dann in Actionkameras dafür, dass diese Vibrationen und Erschütterungen nicht auf dem Video zu sehen sind. Bei günstigen Kameras fehlt diese Funktion oder ist nicht genügend ausgereift, sodass das die Endresultate verwackelt sind.
Ein Tipp: Am Körper befestigte Action-Cams erzielen bessere Ergebnisse als direkt am Sportgerät befestigte (z.B. Mountainbikelenker). Der Körper dient als effektiver Dämpfer.

Ein weiterer Faktor ist die Bildqualität bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Wie gut kommt die Kamera in Dämmerlicht zurecht? Wie gut ist das Bild wenn gegen Licht gefilmt wird? Es bietet sich an auf YouTube nach der Kamera, für die man sich interessiert, zu suchen und sich Beispielvideos genau anzuschauen. Hierbei sollte man vor allem auf folgende Dinge achten:

  • Sind Aufnahmen bei wenig Licht noch ausreichend scharf? Kann die Kamera noch gut fokussieren?
  • Wie dunkel wird die Umgebung, wenn die Kamera gegen Licht filmt?
  • Bemerkt man die Anpassung der Kamera an die Lichtverhältnisse? Oder wird das Bild stufenlos reguliert?
  • Wie schnell reagiert die Kamera auf sich verändernde Lichtverhältnisse?

Preis-Leistungs-Verhältnis und Action-Cam-Zubehör

Besonderes Augenmerk sollte man beim Action-Cam-Kauf auch auf das Zubehör legen. Viele Hersteller legen eine ganze Auswahl an unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten der Actionkamera bei. Bei anderen Herstellern muss man die wichtigen Komponenten dazu kaufen. So kommt unter Umständen ein Aufpreis um die 100 Euro zustande, wenn man das Komplettpaket möchte. Interessanterweise findet man das umfangreichste Zubehör häufig bei Budget- und Mittelklasse-Anbietern.

Das umfangreichste Zubehör haben wir bei den Herstellern Rollei, Qumox, Drift, Garmin und VTIN gefunden. Sony, Ricoh oder GoPro lassen sich dagegen zusätzliche Halterungen oder Gehäuse teuer bezahlen.

 

Foto: Rollei Rollei liefert schon ab Werk eine Menge Zubehör zu seinen Actionkameras mit.

 

Foto: Sony Die Fernbedienung der Sony FDR-X3000R Action-Cam kann bequem am Handgelenk getragen werden.

Action-Cam Bedienung: Konzepte mit Zukunft

Da Action-Cams in erster Linie draußen eingesetzt werden, gibt es besondere Anforderungen an die Bedienung. Einerseits wird versucht, die Actionkameras so kompakt wie möglich zu bauen, andererseits sollten sie auch noch mit Handschuhen bedienbar sein. Einige Hersteller setzen auf möglichst wenige, aber möglichst große Knöpfe. Es gibt auch Action-Cams, wie die GoPro Hero 4 Session, die nur mit einem Knopf auskommen. Für spontane Aufnahmen ist so ein System ideal. Durch einzelne Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten zu navigieren ist bei einem 1-Knopf-Design umständlich. Vor allem dann, wenn die Actionkamera keinen integrierten Monitor hat.

Abhilfe schaffen mittlerweile Smartphone-Apps. Über WLAN kann eine Verbindung zur Kamera hergestellt werden. Der Smartphone-Bildschirm fungiert dann als Kontrollmonitor, sodass der Winkel der Kamera bequem eingestellt werden kann. Die Konfiguration von Qualität und Aufnahmemodus gelingt darüber ebenfalls schnell und intuitiv. Einige Kameras ermöglichen darüber sogar das direkte Streaming auf YouTube. Ein Nachteil ist, dass Unterwasseraufnahmen oder Aufnahmen im Regen, ohne wasserfestes Smartphone nicht möglich sind.

Alternativ zu der Bedienung via Smartphones gibt es Fernbedienungen, die man zum Beispiel am Handgelenk oder an der Kleidung befestigen kann. Das erleichtert den Umgang mit der Kamera, wenn sie sich nicht in Reichweite befindet, zum Beispiel auf einen Fahrradhelm oder einem Autodach. Diese Fernbedienungen sind wasserfest und erhöhen so deutlich die Einsatzmöglichkeiten der Action-Cam. Sony bietet sogar Fernbedienungen mit LCD-Monitor an. Darüber lässt sich die Kamera bequem konfigurieren und regelmäßig kontrollieren. Der Vorteil: Bei diesem System muss kein Bildschirm in die Actionkamera verbaut werden, was wiederum kompaktere Maße ermöglicht.

Action-Cam Speicherkarten: Welche Speicherkarte ist die richtige?

Auch bei den Speicherkarten gibt es Unterschiede. Meistens geben die Hersteller der Actionkameras an, welches Speicherkartenformat für die jeweilige Kamera geeignet ist. Unterschieden wird vor allem zwischen MicroSDHC, sowie MicroSDXC. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Technologien. Die MicroSDHC sind klassische Speicherkarten mit FAT32 Dateisystem. Die MicroSDHC-Technologie erlaubt deshalb nur Kapazitäten bis 32 Gigabyte. Um Speicherkarten im Micro-Format mit noch höheren Kapazitäten ausstatten zu können wurde ein neues Dateisystem names exFAT entwickelt. Dieses Dateisystem erlaubt es, dass die neueren MicrosSDXC-Speicherkarten theoretisch mit Kapazitäten bis zu 2048 Gigabyte produziert werden können. Im Handel sind diese Karten aber bisher mit maximal 200 GB erhältlich.

Action-Cams die in 4K-Qualität aufnehmen können sollten somit mit MicroSDXC-Karten verwendet werden, da wie bereits erwähnt, eine 4K-Aufnahme (bei 30 fps) von 10 Minuten ca. 4,5 GB Speicherplatz benötigt. Wer also in 4K aufnehmen möchte, sollte sich eine Speicherkarte mit hoher Speicherkapazität kaufen. Zudem muss die Datenübertragungsrate stimmen. Je nach verwendetem Codec und verwendeter Kompressionsrate der Kamera, werden die Videodateien unterschiedlich groß.

Ein Beispiel: Sie drehen 10 Minuten Film in 4K-Qualität bei 30 Bildern pro Sekunde. Die Datei erreicht eine Größe von 4,5 GB. Pro Sekunde werden also 7,5 MB auf die Speicherkarte geschrieben. Dazu muss die Karte in der Lage sein. Eine Class 10 microSDHC mit einer Schreibgeschwindigkeit von 10 MB/s reicht in dem Fall aus. Sobald aber die Bildwiederholungsrate (fps) der 4K-Aufnahme erhöht wird, beispielsweise auf 60 fps, verdoppelt sich die Menge der Daten, die die Kamera pro Sekunde auf die Speicherkarte schreibt auf 15 MB. Die Class 10 microSDHC-Karte mit einer Schreibgeschwindigkeit von 10 MB/s müssen Sie dann durch eine Karte mit einer höheren Schreibgeschwindigkeit ersetzen.

Mittlerweile gibt es auch eine neue Bus-Technologie (System zur Datenübertragung), die noch schnellere Schreibgeschwindigkeiten erreicht. Dieser neue "UHS-II"-Bus ermöglicht eine theoretische Datenübertragungsgeschwindigkeit von 312 MB/s. Die schnellsten Speicherkarten auf dem Markt erreichen derzeit Lesegeschwindigkeiten von knapp 275 MB/s und Schreibgeschwindigkeiten von rund 100 MB/s.

Folgende Dinge sollten Sie also vor dem Kauf einer Speicherkarte für Ihre Action-Cam klären:

  • Welche Anforderungen stelle ich? Will ich 4K-Aufnahmen machen oder reicht die Full-HD-Auflösung?
  • Welches Speicherkartenformat kann meine Action-Cam verarbeiten? microSDHC oder microSDXC?
  • Welcher Datenbus wird von meiner Action-Cam verwendet? High Speed Bus (microSDHC) / USH-I oder USH-II (microSDXC)
Die Schreibgeschwindigkeiten von Speicherkarten im Überblick:
Mindestgeschwindigkeit (MB/s)GeschwindigkeitsklasseAnwendung
2 MB/sClass 2 (C2)SD Videoaufnahmen
4 MB/sClass 4 (C4)HD-Videoaufnahmen (720p & 1080p)
6 MB/sClass 6 (C6)HD-Videoaufnahmen (720p & 1080p)
10 MB/sClass 10 (C10) / UHS-Class 1 (U1)Full HD (1080p) / große HD-Videodateien, 4K Videodateien mit 30fps
30 MB/sUHS-Class 3 (U3)4K Videodateien mit 60/120fps

 

Foto: SanDisk

Wie groß sollte der Akku einer Action-Cam sein?

Auch das Thema Energieversorgung spielt eine große Rolle beim Thema Actionkameras. Da die kompakten Rekorder vor allem draußen eingesetzt werden, braucht man leistungsstarke Akkus, die möglichst lange Aufnahmezeiten ermöglichen. Demgegenüber steht die kompakte Bauweise der Action-Cams. Bis dato brauchen größere Akku-Kapazitäten immer mehr Platz. Zudem sind größere Akkus schwerer, was vor allem Sportler vor ein Problem stellt. Wer die Kameras beispielsweise an einem Helm befestigen will, der merkt schnell, wenn die Kamera etwas mehr wiegt.

In Vergleichstest der Stiftung Warentest (7/16) hatte die TomTom Bandit, mit 1900 mAh (Milliamperestunden) den größten Akku. Das entspricht in etwa der Akku-Kapazität eines iPhone 6. Laut Stiftung Warentest kommt man damit auf eine effektive Akkulaufzeit von 150 Minuten. Allerdings wiegt diese Kamera auch 192 Gramm. Die leichteste Kamera im Feld war die Panasonic HX-A1M mit 44 Gramm, die eine Akku-Laufzeit von gerade einmal 67 Minuten aufweist.

Wenn Sie also eine Action-Cam kaufen bietet es sich an, direkt einen oder zwei zusätzliche Akkus mitzubestellen. Bei den meisten Actionkameras lassen sich die Akkus problemlos austauschen. Als zweite Möglichkeit kann man auch auf eine Outdoor-Powerbank zurückgreifen. Gerade auf mehrtägigen Touren ohne Zugriff auf eine Steckdose kann eine Powerbank nützlich sein. Wir haben hier alles zusammengetragen, was Sie über Powerbanks wissen sollten.

Fotostrecke: Powerbanks für den Outdoor-Einsatz

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Powerbanks für den Outdoor-Einsatz Foto: EasyAcc
Powerbanks für den Outdoor-Einsatz Foto: Varta
Powerbanks für den Outdoor-Einsatz Foto: Sandberg

Muss eine gute Action-Cam teuer sein?

Wenn man sich die Action-Cam-Angebote auf Amazon anschaut, dann stechen vielen als erstes die teilweise enormen Preisunterschiede ins Auge. Die Preisspanne reicht von günstigen Produkten aus Asien um 50 Euro bis hin zu den namhaften Markenprodukten von GoPro, Sony oder Garmin, die teilweise mehr als das Zehnfache kosten. Sind diese Preisunterschiede gerechtfertigt? Muss eine gute Actionkamera teuer sein?

Eine kurze Analyse der Angebote zeigt, dass die teuersten Kameras immer gewisse technische Neuerungen mitbringen, die sie von den Mittelklasse- oder Low-Budget-Geräten abheben. Wer also auf das Non-Plus-Ultra nicht verzichten kann, der wird Preise um die 500 Euro hinnehmen müssen. Allerdings ist die Entwicklung bei Action-Cams derzeit noch so schnell, dass auch die Hersteller aus dem mittleren Preissegment schon nach kurzer Zeit mit weiterentwickelten Produkten nachlegen, die dann etwas zeitverzögert zu den Top-Modellen aufschließen. Außerdem werden auch die Top-Modelle recht schnell günstig. Nach einem Jahr bekommt man so manche Kamera schon um die Hälfte reduziert. Für Sparfüchse lohnt es sich also zu warten.

17.10.2016
Autor: Daniel Endreß
© outdoor