Charles Darwin im Porträt

Ein großer britischer Ketzer: Charles Darwin

Der britische Forscher Charles Darwin ist mit seiner Evolutionstheorie bis heute einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.

Das Weltbild, in das Charles hineingeboren wird, ist tief religiös geprägt. Über allem steht das Wort der Bibel. Gott ist der Schöpfer der Welt, der in sechs Tagen alles Leben erschaffen hat. Doch das Kind Charles sammelt Vogeleier, Muscheln, Steine und Fossilien und untersucht Insekten. Vor allem Käfer haben es ihm angetan, so sehr, dass er auch den Mund zur Hilfe nimmt, wenn die Hände beim Sammeln nicht reichen. Bis 1825 besucht er verschiedene Schulen, zeigt großes Interesse für Naturgeschichte, sein Lieblingsfach ist Chemie. Kurz studiert er Medizin in Edinburgh, doch die Operatio­nen ohne Narkose schrecken ihn ab, und die Vorlesungen langweilen ihn fast ausnahmslos. Auf den Vorschlag seines Vaters hin studiert er schließlich Theologie in Cambridge, bis 1831. Doch noch immer beschäftigen ihn die Fragen der Naturwissenschaften.

Am Ende seiner Studienzeit wird der 22-jährige Darwin eingeladen, an einer zweijährigen Expedition nach Südamerika teilzunehmen, um Lebewesen zu beobachten und zu registrieren. Mit dem Vermessungssegelschiff HMS Beagle geht es in die südliche Hemisphäre, nach Feuerland, Argentinien und auf die Galapagos-Inseln. Hier entdeckt und sammelt er Vögel, die sich zwar von den Finkenarten des Festlandes unterscheiden, dennoch mit ihnen verwandt sind. Darwins Schlussfolgerung daraus: All diese Finken müssen von einer einzigen Art abstammen, sich also aus ihr entwickelt haben. Nach seiner Rückkehr arbeitet der junge Darwin, der mittlerweile in England einen Namen als Naturwissenschaftler hat, an Büchern über die Reise. Und er entwickelt auf der Basis seiner Tier- und Pflanzenfunde und geologischen Erkenntnisse eine Evolutionstheorie. Als er 1838 »An Essay on the Principle of Population« von Thomas Malthus zu lesen bekommt und von der These erfährt, dass immer mehr Nachkommen geboren werden als überleben können und sich daraus Konkurrenz ergebe, ist sich Darwin sicher: »Endlich habe ich eine Theorie, mit der ich arbeiten kann.«

Dr größte englische Gelehrte ist auch in der Ehe akribisch

Zunächst aber heiratet Charles 1839 seine Cousine Emma Wedgewood. Ganz Wissenschaftler, wägt er sorgfältig ab und listet zuvor akribisch die Vor- und Nachteile der Ehe auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Zehn Kinder werden den Darwins geboren. Mittlerweile wohnt die Familie in Down House in Downe, Charles wird hier den Rest seines Lebens verbringen und sein revolutionäres Werk »On the Origin of Species by Means of Natural Selection« veröffentlichen. Vorausgegangen ist 1858 ein Manuskript, das ihm der Zoologe Alfred Russel Wallace schickt. Dessen eigenständig entwickelte Evolutionstheorie stimmt frappierend mit Darwins Beobachtungen überein, an denen er seit über 20 Jahren arbeitet. Allerdings liegen ihr Studien in der Südsee zugrunde. Und dennoch erklären beide die langsame Aufspaltung der Organismen in viele verschiedene Arten als Folge von Anpassungen an den Lebensraum. In London findet die »Darwin-Wallace-Theorie« nur wenig Beachtung. Erst als Darwin ein Jahr darauf sein Hauptwerk als erste schlüssige Theorie der Evolution veröffentlicht, wird allmählich die Bedeutung seiner Gedanken klar.

Hat der Mensch sich erst im Laufe eines Entwicklungsprozesses verändert und differenziert? Der Klerus sah sich mit der Vorstellung konfrontiert, dass Menschen und Affen in grauer Vorzeit einen gemeinsamen Vorfahren hatten, dass Gott nicht allein verantwortlich ist für die Vielfalt der Arten und der Mensch als Zentrum des Universums und Ebenbild Gottes auf Erden keine göttliche Schöpfung. Darwin wird als Ketzer beschimpft. Die Ablehnung kommentiert er mit den Worten: »Ich kann es kaum begreifen, wie jemand, wer es auch sei, wünschen könnte, die christliche Lehre möge wahr sein; denn wenn es so ist, dann zeigt der einfache Text (das Evangelium), dass die Ungläubigen, und ich müsste zu ihnen meinen Vater, meinen Bruder und nahezu alle meine besten Freunde zählen, ewige Strafen verbüßen müssen. Das ist eine abscheuliche Lehre.« Als Darwin am 19. April 1882 stirbt, gilt er als der größte englische Gelehrte.

 

Charles Darwin
Foto: Public Domain (Wikipedia) Charles Darwin ist bis heute einer der bedeutensten Naturwissenschaftler.

Daten und Fakten zu Charles Darwin

  • Der britische Forscher kommt im Februar 1809 in The Mount zur Welt und stirbt im April 1882 in Downe.
  • Mit seiner Evolutionstheorie brachte er das christlich geprägte Weltbild gehörig ins Wanken.
  • Bis heute ist er einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.
22.03.2012
Autor: Beate Hitzler
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Ausgabe 08/2011