127 Hours: Aron Ralston im Interview

Abschied vom Ego - die Aron-Ralston-Story

127 Stunden steckte Aron Ralston in einem Canyon fest – bis er seinen eingeklemmten Arm mit einem Messer amputierte. Die Story lief bereits im Kino - ab Ende Juli ist der Film auch als DVD/Blu-Ray erhältlich. Hier das ausführliche Interview mit Aron Ralston.

Lesen Sie in diesem Artikel:


 

Kletterer Aaron Ralston im INterview mit outdoor.
Foto: Kurt Markus Heute trägt Ralston eine Armprothese.

Der Film "127 Hours", der am 29. Juli 2011 auf DVD erscheint, erzählt die wahre Geschichte des Kletterers Aron Ralston, der während einer Tour durch den Bluejohn Canyon Utahs in eine üble Situation gerät. Ein Felsbrocken klemmt seinen Arm ein. Da Ralston in einer isolierten Schlucht steckt und niemandem eine Nachricht hinterlassen hat, wo er unterwegs ist, sind seine Chancen auf Rettung miserabel. Fünf Tage lang hofft er und versucht alles, um sich zu befreien. Schließlich erkennt er, dass er nur eine Wahl hat, um zu überleben: Er amputiert sich selbst den Arm.

Im Gespräch mit outdoor erzählt Ralston über seine Gefühle und Ängste, seine Meinung zum Film und die Bekanntheit, die er dadurch erlangt hat.

outdoor: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie den Film zum ersten Mal gesehen haben?

Ralston: Jedes Mal, wenn ich ihn mir anschaue, bin ich sehr bewegt. Ich muss an vielen Stellen weinen, besonders, wenn ich den Film mit meiner Mutter oder meiner Schwester ansehe. Vor allem bei den Rückblenden, in denen ich mich an meine Familie erinnere: die Szene, in der ich mit meinem Vater zum Grand Canyon fahre, die, in der wir im Wohnzimmer sitzen und Klavier spielen. Das erinnert mich an all das, was mir meine Familie gegeben hat.

outdoor: Fanden Sie sich im Film gut getroffen? Sie kommen als ziemlicher Draufgänger rüber.

Ralston: Ich bin damals arrogant gewesen, und das hat sich nach dem Unfall eher noch verstärkt. Nachdem ich überlebt hatte, war ich davon überzeugt, dass meine Fähigkeiten noch größer wären, als ich ohnehin schon dachte. Ich habe weiterhin Alleingänge unternommen (Anm. d. Red.: Ralston bestieg in der Zeit vor und nach seinem Unfall alle 59 Viertausender im US-Bundesstaat Colorado im Alleingang). Ich wollte zeigen, dass unser Geist das größte Werkzeug ist, das wir haben, wenn wir draußen unterwegs sind. Und dass wir unsere Ängste überwinden können, um immer größere Abenteuer zu erleben.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die Lektion begriff, die mir der Canyon erteilt hatte. Erst nach und nach habe ich mich verändert. Ich habe innerhalb eines Jahres drei Freunde durch Selbstmord verloren, ich hatte selbst eine schwere Depression, die ich überwinden musste. Dann traf ich meine jetzige Frau, wir haben geheiratet und ein Baby bekommen. Das waren ganz schön viele Veränderungen, und ich bin glücklich, dass ich mich weiterentwickelt habe. Ich musste erwachsen werden – sehr viel erwachsener.

outdoor: Konnten Sie sich den Arm nur abtrennen, weil Ihr Wille so stark war, oder würde in dieser Situation jeder so handeln?

Ralston: Ich denke, dass jeder Mensch in einer ähnlichen Situation über sein Leben nachdenkt, und wenn er hoffnungslos und motiviert genug ist, dann kann er sich auch den Arm amputieren. Natürlich wird man umso motivierter, je länger man der Situation ausgesetzt ist. Solche Schwierigkeiten ermöglichen es einem herauszufinden, was im Leben wichtig ist. Und wenn etwas wichtiger ist, als der Schmerz, den man beim Abtrennen eines Armes erleidet, tut man es. Im Film wird das an der Stelle deutlich, in der ich mir die Arme breche. Jedes Mal, wenn ich mir diese Szene anschaue, muss ich lächeln.

Auf Seite 2 spricht Ralston über das Leben, Heldentum und den Blue John Canyon in Utah.

Zur Darstellung des Videos benötigen Sie aktiviertes JavaScript sowie den Adobe Flash-Player.

Fotostrecke: Hinter den Kulissen von 127 Hours

18 Bilder
Impressionen aus dem neuen Kinofilm 127 Hours Foto: Twentieth Century Fox
Impressionen aus dem neuen Kinofilm 127 Hours Foto: Twentieth Century Fox
Impressionen aus dem neuen Kinofilm 127 Hours Foto: Twentieth Century Fox

Inhaltsverzeichnis

27.07.2011
Autor: Alex Krapp
© outdoor
Ausgabe 03/2011