Über die Alpen: So schnell die Füße tragen

Steven Rau hat in Rekordzeit die Alpen überquert - zu Fuß und ohne Proviant. Für die 285 Kilometer lange Strecke und insgesamt 13.800 Höhenmeter brauchte der Extremsportler 4 Tage 8 Stunden und 28 Minuten.

 

Extremwanderer Steven Rau
Foto: Steven Rau

Als im vergangenen Jahr die Entscheidung stand, von Wilhelmshaven knapp 900 km bis auf die Zugspitze zu laufen und nur von dem zu leben, was die Natur bietet, schien bereits diese Aufgabe immens. Doch Steven Rau schaffte es und am Ende stand mit 15 Tagen und 3 Stunden sogar ein neuer Rekord zu Buche.

Für das Jahr 2014 hatte Steven Rau nun den Plan, so schnell wie möglich über die Alpen zu laufen und auch dieses Mal ohne Proviant und ohne größere Ausrüstung auszukommen. Bereits aus sportlicher Sicht war diese Strecke mit knapp 260 km und ca. 15.000 Höhenmetern ein Wahnsinns-Projekt.

Die Strecke führte teilweise entlang des Weges eines der härtesten Etappenrennen der Welt, von Ruhpolding nach Sexten in Südtirol. Hier ein paar Auszüge aus dem Abschlussbericht zu Steven Raus Speed-Alpencross per Pedes:

"14. August: Startschuss zur schnellsten Alpenüberquerung in Ruhpolding. Auf den ersten Metern ist es für Steven noch unvorstellbar, was da vor ihm liegt. Auch für den Kopf ist es nicht greifbar. Es regnet seit Tagen in Ruhpolding, so dass Orte in den Alpen teils geräumt wurden, Wege gesperrt und Abschnitte unpassierbar oder schwer begehbar sind. Es dauert keine 2 Stunden bis Steven das erste Mal komplett durchnässt ist. Seine an diesem Tag 65 absolvierten Kilometer führten ihn immer wieder bergauf und bergab ... am Abend ist Steven völlig geschafft. Er kleidet sich in sein 12-Schichtsystem und zieht Handschuhe und Mütze über, um sich vor den 7 Grad Nachttemperatur zu schützen. Die Schlafstätte aus Grasresten, Zweigen und Blättern hält dabei nur bedingt die kühle Bodentemperatur ab.

Das morgendliche Programm von Steven Rau sieht immer gleich aus. Kurz einreiben, den Magen mit ein paar Beeren oder Brennnesseln füllen und elf Schichten der Kleidung wieder ausziehen. Gegen ca. 6.00 Uhr geht es dann wieder auf auf die Strecke. Die heutige Etappe gilt als Königsetappe des Gore-Tex Transalpine Run. Für die ersten 11 Kilometer braucht er gleich mal vier Stunden. Es geht einfach immer nur bergauf, bergauf, bergauf bis hoch zur sogenannten Mausefalle, einer Abfahrtsstrecke im Ski-Alpin - extrem anstrengend. Hinzu kommt, dass der anhaltende Regen das gesamte Gelände zu einer Schlammschlacht macht: Jeden Schritt gefühlt zweimal gehen oder gar in einem Wasserloch landen. Am Gipfel angekommen fühlt sich Steven bereits völlig am Ende ... doch das Wetter bessert sich und so startet Steven Rau dann auch sehr optimistisch und gut gelaunt in die letzten Tagesetappen. Allerdings ist der Pass nach Italien selbst für Autos eine Zumutung. Steile Serpentinen die schier endlos erscheinen, machen wirklich keinen Spaß. Abkürzen ist völlig aussichtslos ...

Nach 4 gelaufenen Tagen vergeht auch der letzte Tag nicht von alleine, aber es läuft sich doch viel einfacher. Noch einmal Zähne zusammenbeißen, weil der Kopf schon halb zu Hause ist. An diesem Punkt der Alpenüberquerung und nach über 200 absolvierten Kilometern gibt Steven Rau nicht mehr auf. Zu lange hat er auf diesen Moment hingearbeitet. Er will einfach nur noch dieses Schild lesen auf dem steht: Sexten. Um 17:28 Uhr ist es dann soweit. 4 Tage 8 Stunden und 28 Minuten hat es gedauert und die 285 km und 13.800 Höhenmeter waren geschafft ... mit Erfolg, neuem Rekord, vielen Erfahrungen und Eindrücken. "

Steven Rau ist nun schon wieder dabei ein neues Projekt zu planen, welches er Anfang 2015 bekannt geben wird.

Video: Wie man sich auf extreme Outdoor-Touren vorbereitet




Weitere Infos und Bilder auch auf Steven Raus Facebook-Seite
Endstation Kopf - über Grenzen gehen

07.09.2014
Autor: Ralf Bücheler / Uta Rau
© outdoor