Lawine am Gipfel des Shisha Pangma: Sebastian Haag und Andrea Zambaldi vermisst

Andrea Zambaldi und Sebastian Haag am Shisha Pangma in Lawine umgekommen
Foto: Dynafit
Kurz vor dem Gipfel des Shisha Pangma hat am 24. September eine Lawine die drei Bergsteiger Sebastian Haag, Martin Maier und Andrea Zambaldi 600 Meter in die Tiefe gerissen. Maier konnte sich befreien, Haag und Zambaldi werden noch vermisst.

Es sollte eine ganz besondere Expedition unter dem Namen werden: Ein Team um Sebastian Haag, Andrea Zambaldi, Benedikt Böhm und Ueli Steck wollte binnen sieben Tagen den Shisha Pangma (8013 Meter) und den Cho Oyu (8201 Meter) besteigen, auf Skiern abfahren und den 170 km langen Weg zwischen den Bergen auf Mountainbikes zurücklegen.

Jetzt hat eine Lawine knapp unterm Gipfel des Shisha Pangma die Expedition auf tragische Weise beendet. Sebastian Haag, Andrea Zambaldi und Martin Maier wurden ca. 100 Meter unterhalb des Gipfels von einer Lawine mitgerissen. Martin Maier konnte sich selbständig befreien - Sebastian Haag und Andrea Zambaldi nicht.

Einer der Sponsoren der Expedition (Dynafit) hat folgende Mitteilung von Benedikt Böhm aus dem Basislager erhalten, die wir hier unverändert wiedergeben:

"Am Nachmittag des 23.09.2014 um 16.30 starteten Benedikt Boehm (37) und Ueli Steck (38) vom Basecamp (5.600m) aus die Speed Begehung auf den Shisha Pangma 8013m. Ihr Plan war, am Morgen des 24.9.2014, gemeinsam mit den Teammitgliedern Sebastian Haag (36), der von Camp 1 (6.300m) aus startete und Martin Maier (40) und Andrea Zambaldi (32), die beide von Camp 2 aus starteten (6.800m), den Gipfel zu erreichen.

Wie geplant haben sie Haag um 20:00 am Camp 1 getroffen und sind zusammen weitergegangen. Zur selben Zeit sind Maier und Zambaldi am Camp 2 (6.800m) in Richtung Gipfel gestartet. Die fünf Bergsteiger sind um 01:00 am 24.09.2014 unterhalb von Camp 3, auf circa 7.100 m, zusammengetroffen und haben Lager 3 um 02:00 erreicht.

Als erste Bergsteiger über Camp 2 hat das Team kontinuierlich Spurarbeit leisten müssen. Um 6:50 befand sich das Team ca. 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Die Zuversicht und Motivation waren hoch, da das Team gut zusammenarbeitete und sich zusammen vorwärts nach oben bewegte. Das Team war sicher um 08:00 den Gipfel zu erreichen.

Um 06:55 (Nepalesische Zeit) wurden Haag, Zambaldi und Maier auf 7.900m, knapp 100 m unterhalb des Gipfels, von einer Lawine erfasst. Sie wurden ca. 600 Höhenmeter über steile Gletscher und in einen anderen Bereich des Hanges nach unten gerissen.

Boehm und Steck haben umgehend das Basecamp um Hilfe und Unterstützung gebeten, während sie auf der Aufstiegsroute in Richtung Camp 3 abgestiegen sind, um die Lawinenzone zu durchqueren und nach den drei Bergsteigern zu suchen. Über vier Stunden lang haben sie versucht von verschiedenen Seiten in die Lawinenzone zu gelangen, aber sie mussten schließlich umkehren, da der Zustieg nicht möglich war.

Am Morgen des 25.09.2014 konnte Maier, der selbständig Camp 3 erreicht hat, von einem Sherpa Rettungsteam bei Bewusstsein in Empfang genommen werden und ist auf dem Weg ins Basecamp. Haag und Zambaldi sind von der Lawine verschüttet und konnten nicht gefunden werden."

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One of the sponsoring companies of the expedition published the following statement from Benedikt Boehm from basecamp:

„In the afternoon of 23.09.2014 at 16:30, Benedikt Boehm (37) and Ueli Steck (38) started from Basecamp (5.600m) the speed ascent on Shisha Pangma 8013m. The plan was to reach the summit in the morning of the 24.09.2014, together with the team mates Sebastian Haag (36), who was starting from Camp 1 (6.300m) as well as Martin Maier (40) and Andrea Zambaldi (32) who were starting from Camp 2 (6.800m).

They met Haag at C1 (6.300m) as planned at 20:00 and paired up. At the same time Maier and Zambaldi left from C2 (6.800m) towards the summit. All five climbers paired up below C3, at approx. 7.100m at 01:00 on 24.09.2014, reaching C3 (7.300m) at exactly 02:00.

Being the first climbers above C2, the team of five had to continuously break trail through rough conditions. At 06:50 the team was only one hundred vertical meters below the summit. The spirit and motivation was high, as the team was very well working together and moving at the same speed. They were sure reaching the summit at 08:00.

At 06:55 (Nepalese time) Haag, Zambaldi and Maier were caught in an avalanche at 7.900m, just 100m below the summit and were dragged for 600m vertical, over steep glaciers, into another section of the mountain.

Boehm and Steck immediately called basecamp for help and assistance, while descending to C3, the same route they were coming up, in order to traverse to the avalanche zone and search for the other three climbers. For over four hours they were trying to approach the avalanche zone from various sides, but turned around due to the fact that there was no access to the avalanche zone.

In the morning of 25.09.2014 Maier who managed to reach C3 by his own, was rescued from the Sherpa rescue team. He is conscious and on his way down to basecamp. Haag and Zambaldi disappeared with the avalanche and their bodies could not be found."

26.09.2014
Autor: Mario Steinheil
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