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Filmtipp: Blindsight – mit blinden Kindern auf hohe Berge?
26.01.2008 von Mario Steinheil
Seit wenigen Tagen ist Blindsight in deutschen Kinos zu sehen – ein Dokumentarfilm über sechs blinde Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum 7.100 Meter hohen Everest-Nachbarn Lhakpa Ri. Ein Filmtipp.
Die Fakten sind schnell erzählt: Die blinde Initiatorin des Projekts Sabriye Tenberken, in Deutschland durch diverse Bücher bekannt, hat im tibetischen Lhasa eine Schule für blinde Kinder aufgebaut. Sie erfährt, dass mit Erik Weihenmayer der erste blinde Bergsteiger es auf den Everest geschafft hat. Die beiden kommen in Kontakt, und die Idee einer gemeinsamen Bergtour mit sechs blinden Jugendlichen entsteht (plus Bergführern, versteht sich). Ein Filmteam begleitet die Gruppe 2004 bei ihrer Tour.
Daraus entsteht Blindsight – ein Film mit vielen Geschichten. Blindsight erzählt nicht einfach ein Himalaya-Abenteuer. Der Film bettet das Trekking ein in die Lebensgeschichten von sechs Kindern zwischen 14 und 19, die aufgrund ihrer Blindheit gänzlich aussichtslos zum untersten Bodensatz der tibetischen Gesellschaft gehören würden, wenn sich nicht Tenberken mit ihrer Schule um sie kümmerte.
Blindsight erzählt in einfachen, ruhigen Bildern, mit vielen O-Tönen. Und er erzählt vor Allem angenehm unsentimental und sachlich. Die Regisseurin Lucy Walker widersteht der Versuchung, eine geradlinige Erfolgsgeschichte zu zeichnen, sondern dokumentiert gerade auch die Brüche, Diskussionen und Reibereien im Team. Wieviel kann man den Kindern zumuten? Rechtfertigt das Erlebnis der Selbstüberwindung und der eigenen Leistung für die Kinder die Risiken der großen Höhe? Worauf kommt es an: der Erfolg des Einzelnen oder die Solidarität der Gruppe? Was zählt wirklich: der Gipfel oder der Weg?
Fragen, die sich jeder Bergsteiger stellt. Blindsight bündelt diese Fragen mit dem Brennglas der Verantwortung für andere und erreicht damit eine ganz besondere Intensität. Schön, dass der Film sich und den Zuschauer dabei nicht in schwergängiger Reflexionsarbeit erschöpft, sondern eine ganz eigentümliche Leichtigkeit ausstrahlt. Was von Blindsight im Betrachter nachhallt, sind nicht die Probleme und Traurigkeiten – sondern die Heiterkeit eines blinden Kindes, das zum ersten Mal hört, wie ein Stein über einen gefrorenen See tanzt.
Ach ja: Ob sie den Gipfel erreichen? Das erfährt, wer sich auf den Weg macht. Ins Kino.
26.01.2008
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Autor: Mario Steinheil
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